Mit der Veröffentlichung der PISA-Ergebnisse am 4. Dezember 2001 entbrannte eine heiße Debatte über die schockierenden Resultate deutscher Schüler. Diese weisen beispielsweise beim Leseverständnis große Lücken auf und liegen weit unter dem Mittelwert aller OECD-Staaten.
Auffällig ist, dass in Deutschland der Abstand zwischen den besten und den schlechtesten Schülern so groß ist wie in keinem anderen Land. Erschreckend ist auch, dass 42% der Getesteten angeben, nie zum Vergnügen zu lesen. Mit dieser Prozentzahl ist Deutschland einsamer Spitzenreiter. Bedenkenswert ist darüber hinaus, dass in Deutschland der familiäre Hintergrund einen großen Einfluß auf die Leistungen der Schüler hat. Hier ist es oft so, dass die soziale Herkunftsschicht maßgeblich die Schulkarriere und so später auch die berufliche Laufbahn beeinflußt, während in anderen Ländern umgekehrt die schulischen Leistungen den sozialen Status mitbestimmen. In Deutschland besuchen 50% der Kinder der oberen Sozialschicht ein Gymnasium, während nur 10% der Kinder aus Arbeiterfamilien zum Unterricht dort hingehen. Für den Hauptschulbesuch liegen die Prozentzahlen genau andersherum.
Was aber kann nun im Zuge dieser Ergebnisse getan werden, um das deutsche Bildungssystem effizienter zu gestalten? Im folgenden sollen einige der von deutschen Politikern aufgegriffenen Antwortmöglichkeiten kurz angesprochen werden.
Gliederung
1. Kurzvorstellung der PISA-Studie
2. Nationale Ergebnisse der PISA-Studie und mögliche Antworten darauf
3. Begriffsbestimmung Ganztagsschule
4. Argumente für und gegen ganztägige Schulformen
4.1 Argumente für Ganztagsschulen
4.2 Argumente gegen Ganztagsschulen
5. Grenzen und Möglichkeiten von Ganztagsschulen
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Einführung und verstärkte Förderung von Ganztagsschulen als eine zentrale bildungspolitische Antwort auf die Ergebnisse der PISA-Studie, die erhebliche Defizite im deutschen Bildungssystem aufzeigten. Ziel ist es, die pädagogischen und sozialpolitischen Argumente für diese Schulform zu beleuchten, die Struktur der Ganztagsschule zu definieren und eine kritische Auseinandersetzung mit ihren Chancen und Herausforderungen für das Bildungswesen zu führen.
- Analyse der PISA-Studie und deren nationale Auswirkungen
- Strukturelle Definition des Ganztagsschulbetriebs
- Gegenüberstellung von pädagogischen und sozialpolitischen Argumenten
- Evaluation von Möglichkeiten und Grenzen der Ganztagsschulform
- Diskussion über notwendige flankierende Maßnahmen im Bildungssystem
Auszug aus dem Buch
4.1 Argumente für Ganztagsschulen
Die Begründung für eine verstärkte Förderung von Ganztagsschulen findet auf zwei Ebenen statt: Zum einen auf pädagogischer, zum anderen auf sozialpolitischer Ebene. Pädagogische Argumentationen berufen sich auf den Grundsatz, dass "kindgemäße Entwicklung, kindgemäßes Erkennen und Lernen [...] mehr Zeit [braucht], als an Halbtagsschulen üblicherweise zur Verfügung steht, denn Schule ist mehr als Unterricht." Das an Ganztagsschulen zur Verfügung stehende höhere Zeitbudget ermöglicht eine rhythmisierende, an der schwankenden Leistungsfähigkeit der Kinder und Jugendlichen orientierten Tageseinteilung und somit eine flexiblere Unterrichtsplanung. Der Formveränderung von Wissen, d.h. der höheren Kompliziertheit und Komplexheit des zu vermittelnden Lernstoffes, kann so besser Rechnung getragen werden.
Formen des offenen oder handlungsorientierten Unterrichts, Freiarbeit, Projekte und Arbeitsgemeinschaften werden in Ganztagsschulen in den Schulalltag integriert und fördern so ein lebensweltbezogenes Lernen. Kooperatives Verhalten und soziale Kompetenz können so besser entwickelt werden, als an Halbtagsschulen. Darüber hinaus verfolgt die GTS die verstärkte Förderung einzelner Schüler, sowohl der schwachen, als auch der besonders begabten. Auf Grund der vorhandenen Zeit können alle Fördermaßnahmen individualisiert werden, womit eine Selektion, sprich die Auslese der schwachen Schüler eher vermieden werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Kurzvorstellung der PISA-Studie: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen und Ziele der PISA-Studie als internationale Bildungsstudie zur Messung von Schülerleistungen.
2. Nationale Ergebnisse der PISA-Studie und mögliche Antworten darauf: Es werden die für Deutschland kritischen Ergebnisse der Studie analysiert und verschiedene politische Lösungsansätze, wie Schulreformen und Qualitätsmanagement, vorgestellt.
3. Begriffsbestimmung Ganztagsschule: Hier wird definiert, was eine Ganztagsschule auszeichnet, welche Formen (offen/gebunden) existieren und welche Angebote sie umfasst.
4. Argumente für und gegen ganztägige Schulformen: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte Gegenüberstellung der pädagogischen sowie sozialpolitischen Argumente pro und contra Ganztagsschule.
5. Grenzen und Möglichkeiten von Ganztagsschulen: Die abschließende Betrachtung diskutiert die Notwendigkeit einer pädagogischen Neuorganisation sowie die finanziellen Herausforderungen für eine erfolgreiche Implementierung.
Schlüsselwörter
PISA-Studie, Ganztagsschule, Bildungssystem, Schulleistung, Bildungsreform, Pädagogik, Lernförderung, Leseverständnis, soziale Kompetenz, Schulqualität, Bildungsverwaltung, Ganztagserziehung, Schulentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Debatte um die Ganztagsschule als notwendige bildungspolitische Konsequenz nach der Veröffentlichung der PISA-Studie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die PISA-Ergebnisse, die Definition und Charakteristik von Ganztagsschulen sowie eine Abwägung der Vor- und Nachteile dieser Schulform.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Ganztagsschulen zur Verbesserung der Bildungschancen und zur Effizienzsteigerung des deutschen Bildungswesens beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer deskriptiven Auswertung bildungspolitischer Strategien und empirischer Studien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der PISA-Resultate, die Definition der Ganztagsschule, eine differenzierte Argumentationsanalyse und die kritische Bewertung der Grenzen dieser Schulform.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind PISA-Studie, Ganztagsschule, Bildungschancen, pädagogische Förderung und Bildungsqualität.
Warum wird der Ausbau von Ganztagsschulen besonders mit PISA verknüpft?
Die internationale Vergleichsstudie PISA hat gezeigt, dass Länder, die erfolgreich bei den Leistungsvergleichen abschneiden, meistens Ganztagsschulsysteme betreiben.
Wird durch längere Schulzeit automatisch die Leistung verbessert?
Die Arbeit stellt klar, dass mehr Zeit in der Schule allein nicht ausreicht; vielmehr ist eine Neuorganisation des Unterrichts und eine hohe pädagogische Qualität entscheidend.
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- Julja Hufeisen (Author), 2002, Verstärkte Förderung von Ganztagsschulen als eine Antwort auf die PISA-Studie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12352