Zur Übersetzung II
Als kritische Reaktion auf den deutschen Idealismus, dessen Grundkategorien Subjekt und Objekt sind und auf die Hegelsche Fassung des Absoluten als Subjektivität, fordert Erik Gustaf Geijer eine logisch kategoriale Form von Intersubjektivität als Prinzip der Philosophie. [1] Es sei falsch, daß Hegel den Gedanken als etwas Unpersönliches faßt. Der Gedanke produziere nie ein Du. Es geht Geijer um ein Wechselverhältnis zweier oder mehrerer Selbstbezüglichkeiten, durch das erst die Struktur von Subjektivität konstituiert wird. Das Gemeinsame der Intelligenzen sei gedanklicher Natur und aus ihm gingen die Intelligenzen hervor und verlören sich in ihm.
Diese spekulative Einheit von Selbst- und Fremdbezug, in der jeder seinen Selbstbezug im und als Fremdbezug realisiert, ist wie Petra Braitling beschreibt, nur in einem Dritten als Medium von Sinn möglich. [2] Dieses Dritte könnte die Weise der Präsenz des Sinnes in der Sprache sein.
Hector-Neri Castaneda`s ontologische Gestaltungen, die logischen Individuen kontingent identischen Zusammenhangs tautologisieren in Peircescher Mellonization, in das immer Seiende ausgedehnt gedacht, die Temporisation der Differance des Sinnes zu einer spekulativen Einheit von Selbst- und Fremdbezug. [3],[4],[5]
Die Präsenz des Sinnes in der Sprache totalisiert die Wechselbeziehung des Fremdbezugs der Bedeutung und des Selbstbezugs des Sinnes.
Und die Präsenz des Sinnes in der Sprache ist in die Totalisierung der Wechselbeziehung zwischen Fremdbezug der Bedeutung und Selbstbezug des Sinnes einbezogen. Auch auf realphilosophischer Ebene bringt Geijer die Intersubjektivität zur Geltung. Bereits vor J. Royce erkennt Geijer, daß Gegenstandsbewußtsein und Selbstbewußtsein durch das Fremdbewußtsein vermittelt sind.
Bezüglich des Problems der Erfassung des Fremdpsychischen beschäftigt sich Geijer mit der Dialektik der relativen Äußerlichkeit von Innerlichkeit und Äußerlichkeit. Schließlich macht er geschichtsphilosophisch drei Momente in der menschlichen Entwicklung aus. Diese drei notwendigen Momente in der menschlichen Entwicklung sind Ausprägungen folgender drei Verhältnisse: Des Verhältnisses von Natur und Geist, von Intelligenz und Intelligenz als ihr eigener Gegensatz und von Intelligenz und Intelligenz. Claus Lippe Hannover, August 1999
Literaturverzeichnis
1. Vittorio Hösle ........ „Hegels System“ Felix Meiner Verlag, 1988 ;
2. Petra Braitling ........ „Hegels Subjektivitätsbegriff“ Königshausen & Neumann, 1991 ;
4. Charles S. Peirce ........ Brief an William James vom 28. Sept. 1904 ;
5. Jacques Derrida ........ „Marges de la philosophie“ Edition de Minuit, Paris , 1972 ;
Vierte Vorlesung
Wir haben schon im voraus angemerkt, wie man in Hinsicht auf das Prinzip für die Philosophie fordert, daß es enthalten soll eine gleich wesentliche Dualität wie Identität. Dabei besteht folgende große, aber unvermeidliche Schwierigkeit. Kein anderes Prinzip ist das Wahre oder entspricht der Forderung an eine Philosophie, welche sein soll gleichviel Idealismus wie Realismus; und diese Bestimmungen hängen so zusammen, daß je mehr eine Philosophie an wahrer Meinung das Eine besitzt, desto mehr gewinnt sie auch das Andere.
Nach Wiederholung dieser formellen Regel in Hinsicht auf das Prinzip der Philosophie, bleibt nun die Frage: welches ist diese Einheit, die zugleich eine gleich wirkliche Dualität ist? Wir haben bei der Analyse der neueren Philosophie, auch wenn wir es versucht haben, auf diesem Weg nichts Zufriedenstellendes erreicht; wir haben dagegen bei dieser Analyse gefunden, daß eine ursprüngliche Dualität und zugleich Einheit weder die ist, zwischen Intelligenz und Natur, noch zwischen Subjekt und dem äußeren Objekt, auch nicht die, zwischen Subjekt und innerem Objekt, die eigene Subjekt-Objektivität des Gedankens. Wir kommen umgekehrt zu dem Schluß, daß die höchste Einheit, die zugleich Gegensatz ist, die ist, zwischen Subjekt und Subjekt; ein Satz, dessen Richtigkeit man schon daraus einsehen können sollte, daß das Interesse des Menschen für Philosophie Vernunftinteresse ist, Harmonie mit sich selbst zu finden; was Vernunft dabei sucht, ist sich selbst in einem anderen oder einem von derselben Art und Dignität wie sie selbst, so, daß der Trieb, der hier Einheit sucht, sich nicht früher begnügt, als daß das Objekt von derselben Dignität mit dem Suchenden selbst ist, ein freies Objekt, d.h. ein Subjekt: - womit das Prinzip der Persönlichkeit im strengsten Sinn ausgesagt ist.
Schon die Analyse des Persönlichkeitsbegriffs - des Begriffs des Selbstbewußtseins und der Selbstbestimmung - zeigt uns seine rechte Beschaffenheit: die von einer gleich unendlichen Duplizität wie Einheit; und dasselbe bekräftigt die Erfahrung. Obwohl es fruchtlos ist, aus einem isolierten Selbstbewußtsein abzuleiten zu versuchen das Zweite, kann man schon daraus sehen, daß es ein Bewußtsein nicht gibt ohne Reflex der Gedanken auf sich, welches nicht geschehen kann, ohne, daß eine Intelligenz einer anderen Intelligenz begegnet und sich dadurch reflektiert;denn der Gegensatz gegen ein Ich ist nicht bloß ein Nicht-ich, sondern ein anderes Ich.
Dasselbe lehrt auch die Erfahrung: ein isoliertes Selbstbewußtsein gibt es nicht, sondern es kommt zur Aktualität bloß dadurch, daß es sich entgegensetzt, nicht gegen sich selbst, sondern gegen ein anderes Subjekt. Laß das bestbegabte Wesen allein für sich selbst: Es würde sich nicht erhöhen über das Tier.
Eine isolierte Persönlichkeit ist deshalb unmöglich, die Persönlichkeit entwickelt sich nur durch Berührung mit einer anderen Persönlichkeit und gleichnotwendig wie der Persönlichkeitsbegriff Identität voraussetzt, ohne welche die Persönlichkeit nicht möglich ist, gleichnotwendig für dieselbe Denkbarkeit ist auch eine radikale Duplizität, - und nur deshalb, daß man diese Schwierigkeit nicht durchsetzt, ist man nicht zu einer richtigen Philosophie gekommen. Aber noch deutlicher als in Hinsicht auf das Selbstbewußtsein zeigt sich bei dem Begriff des Willens die Unmöglichkeit von Identität ohne Duplizität, so weit es eine Persönlichkeit geben soll.
Genau wie der ursprüngliche Gegensatz für das Bewußtsein nicht der ist zwischen einem Ich und einem Nicht-ich, genauso, in Hinsicht auf den Willen ist ihr Gegensatz nicht die Willenlosigkeit, denn sie ist eine auf sich selbst reflektierende Kraft, und das ist möglich nur dadurch, daß sie einem anderen Willen begegnet.
Arbeit zitieren:
M.A. Claus Lippe, 1999, Vierte Vorlesung aus den Vorlesungen über die menschliche Geschichte von Erik G. Geijer, München, GRIN Verlag GmbH
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