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INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung
S. 3
2. Skizze der Wissenschaftsauffassung Kuhns
S. 4
3. Kritik der Kuhnschen Wissenschaftsauffassung
S. 8
3.1 Feyerabends Standpunkt in der Wissenschaftstheorie 8
3.2 Feyerabends Einwände gegen Kuhn 10
4. Schluß
S. 13
5. Literaturverzeichnis
S 14
3
1. Einleitung
>>Es ist gut, wenn man so oft wie nur möglich daran denkt, daß die Wissenschaft, so wie wir sie heute kennen, nicht unvermeidlich ist, und daß wir eine Welt aufbauen können, in der sie und ihre Maßstäbe nicht die geringste Rolle spielen (eine solche Welt wäre meiner Ansicht nach vergnüglicher als die Welt, in der wir jetzt leben)<< (Feyerabend 1978, S. 201). Lange Zeit galt Paul K. Feyerabend (1924-1994) als enfant terrible der Wissen-schaftstheorie. Ihn zu zitieren, wurde als Nestbeschmutzung empfunden, seine voraussetzungskritischen, antirationalistischen Bedenken gegenüber den Bedingungen wissenschaftlicher Theorien von >>Sontagslesern und Analphabeten<< als Anarchismus verschrien und die tiefe Ironie seiner bissigen Formulierungen oftmals für bahre Münze genommen 1 ; dennoch haben sowohl er als auch Thomas S. Kuhn (*1922) dem Wissenschaftsbetrieb, wenngleich aus verschiedenen Perspektiven und Motivationen heraus, entscheidenden Impulse gegeben. Diese verschiedenen Perspektiven herauszustellen, Ähnlichkeiten und Abweichungen in der Wissenschaftskonzeption beider Klassiker der Wissenschafts-theorie deutlich zu machen, ist Gegenstand der vorliegenden Arbeit. Am Schluß wird ersichtlich, wie neben Kuhn auch Feyerabend zu zeigen versucht hat, daß sich die Verfahren der Wissenschaften in kein gemeinsames Schema fügen lassen. Dem Umfang der Arbeit Rechnung tragen, heißt hier sich Selbstbeschränkung auferlegen, skizzenhafte Darstellungen zu akzeptieren (Kürze kann, wie man bei vielen Autoren erkennen mag, eine Wohltat für den Leser sein), die Fülle des Materials auf wenige Texte (darunter die Hauptwerke: bei Kuhn Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen, bei Feyerabend Wider den Methodenzwang und Erkenntnis für freie Menschen) zu reduzieren, welche jene Gedanken widerspiegeln, die für die anstehende Untersuchung von Interesse sind. Aus Titel und inhaltlicher Gliederung ist zu ersehen, daß die Untersuchung, die im nachfolgenden unsere, d. h. die des Lesers und des Autors sein wird, bipolar verläuft. Diesen Umstand als Kennzeichen von Vergleich und Bewertung zweier Positionen berücksichtigen wir aus Gründen der Übersichtlichkeit, indem wir uns den Positionen entsprechend unterschiedlicher Anführungsweisen bedienen; Worte Kuhns werden durch „“ angeführt, ein Zitat Feyerabends durch >><<.
1 So jedenfalls beschreibt Eberhard Döring im Vorwort seines Einführungsbandes zum Denken Paul K. Feyerabends die gehemmten Umgangsformen und allergischen Reaktionen weiter Kreise der Wissenschafts- und Erkenntnistheorie bei dem Namen Feyerabend (Vgl. Döring 1998, S. 7ff).
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2. Skizze der Wissenschaftsauffassung Kuhns
Der Physiker Thomas S. Kuhn 2 hat maßgeblich zur holistischen Wende der Wissenschaftstheorie beigetragen. Den bisherigen normativen Entwürfen von Struktur und Entwicklung wissenschaftlicher Theorien stellt er eine erste ausgearbeitete holistische und wissenschaftshistorisch orientierte Wissenschafts-theorie gegenüber, welche die faktische oder historische Grundlage der Wissenschaften deskriptiv zu ergründen versucht. Dabei eröffnet sich ein neues Wissenschaftsverständnis, das mit der Vorstellung von der Geschichte der Naturwissenschaft als kontinuierliche Anhäufung von Erkenntnissen bricht und nachfolgend das Paradigma-Modell der Wissenschaft genannt wird (Vgl. Detel 1991, S. 200; siehe dazu auch Kunzmann/Burkard/Wiedmann 1991, S. 187). Wir wollen den Weg der Wissenschaft nach Kuhn auf den folgenden Seiten kurz und knapp nachzeichnen, so daß wir zu einem Punkte gelangen, von dem aus die Einwände Feyerabends gegen das Paradigma-Modell hervorgebracht werden können.
Für Kuhn durchläuft die wissenschaftliche Entwicklung verschiedene Phasen: die erste Phase wird als vorparadigmatische Periode gekennzeichnet. In diesem Frühstadium der Wissenschaft und wissenschaftlichen Disziplinen gibt es eine große Anzahl verschiedenartiger Gruppen und Schulen, die sich miteinander im Streit befinden. Es besteht kein Konsens über Grundlagen und Methoden der Forschung unter den Fachvertretern, die Forschung ist daher wenig effektiv und zielgerichtet. Alle von den Wissenschaftlern zusammengetragenen Fakten sind gleichermaßen relevant, ihr Auffinden gehorcht vielmehr den Gesetzen des Zufalls als denen einer wissenschaftlichen Systematik. Aus der Vielzahl theoretischer und methodologischer Überzeugungen der verschiedenen Schulen, die verantwortlich für die unterschiedlichen Bewertung von Phänomenen zu sein scheinen, setzt sich schließlich eine durch. Sie berücksichtigt zwar nur einen kleinen Teil der gesammelten Fakten und Informationen, aber erscheint als die beste der mit ihr im Wettstreit liegenden Überzeugungen und Theorien. Kuhn bezeichnet eine solche Theorie als eine vorbildliche Leistung, und führt dafür den
2 Im Vorwort seines bahnbrechenden Buches Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen berichtet Kuhn von dem drastischen Wechsel in seinen Berufsplänen, einem „Wechsel von der Physik zur Geschichte der Wissenschaft und dann allmählich von relativ geradlinigen historischen Problemen zurück zu den mehr philosophischen Fragen“ (Kuhn 1973, S. 7).
Arbeit zitieren:
Christian Schwießelmann, 1999, Paradigmenwechsel und "Anything goes". Die Wissenschaftsauffassung Thomas S. Kuhns in der Kritik Paul K. Feyerabends, München, GRIN Verlag GmbH
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