Gliederung:
A) Einleitung 3
B) Hauptteil
I.1 Vorstellung des Neorealismus nach Kenneth Waltz 3
I.2 Positiver Erklärungsgehalt 5
I.3 Erklärungsdefizite des Neorealismus und ethische Kritik 6
II.1 Vorstellung des Neofunktionalismus 9
II.2 Die EU in neofunktionalistischer Sicht und ethische Vorzüge 10
II.3 Erklärungsdefizite des Neofunktionalismus 10
)C Schluss 12
Literatur S. 13
Fu ßnoten 13
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A) Einleitung
Schon in der Antike haben Philosophen versucht Theorien zu finden, die das beste Staatsmodell aufdecken und seine Entstehung erläutern. Während die politische Wissenschaft in ihren Ursprüngen eher normativ ausgerichtet war, geht die Disziplin „Internationale Beziehungen“ oft analytisch-empirisch vor. Sie versucht zu erklären, nach welchen Mustern das zwischenstaatliche Zusammenleben funktioniert und wie Konflikte entstehen und vermieden werden können. Auch hier bildeten sich einige Theorien heraus, wovon in dieser Arbeit zwei Ansätze näher erläutert und geprüft werden sollen. Dabei wird besonders darauf eingegangen, inwieweit die jeweilige Theorie zum Verständnis der internationalen Politik beitragen kann. In diesem Essay werden erst Neorealismus und anschließend Neofunktionalismus vorgestellt und kritisch beleuchtet. Es fällt auf, dass keine Theorie den Anspruch erheben kann, universal gültig zu sein und beide Ansätze sich ziemlich gegensätzlich sind.
B) Hauptteil
I.1 Vorstellung des Neorealismus nach Kenneth Waltz
Den wohl wichtigsten Betrachtungspunkt zu den internationalen Beziehungen übernimmt Kenneth Waltz von der Morgenthau´schen Theorie des klassischen Realismus: Die Auffassung, dass das Ordnungsprinzip der internationalen Politik (IP) ein anarchisches ist, vertritt auch der Neorealismus. Die zwischenstaatliche Anarchie ist - im Gegensatz zur innerstaatlichen Hierarchie - als das Fehlen einer übergeordneten Zentralinstanz zu verstehen, nicht als Chaos. In der IP sorgen die Staaten somit lediglich durch Selbsthilfe für die Durchsetzung ihrer eigenen Interessen.
Die Anarchie, die auf der internationalen Ebene bestimmend ist, ist ursächlich für die unbestreitbare Tatsache, dass alle Staaten in Unsicherheit leben. Daraus ergibt sich das sogenannte Sicherheitsdilemma, denn (wie oben schon erwähnt) existiert keine Weltregierung, die Regeln und Normen auf der internationalen Bühne durchsetzen könnte. Aus diesem unsicheren Status heraus und aus Angst vor den unberechenbaren Handlungen der anderen Akteure, versuchen alle Staaten gleichermaßen ihre Sicherheit zu maximie-
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ren. Denn nur diejenige Regierung, die das staatliche Überleben garantieren kann, ist in der Lage sich um andere Probleme zu kümmern, andere Funktionen zu erfüllen. Folglich ist das Streben nach möglichst viel Sicherheit, das allererste und wichtigste Ziel der Nationen.
Für Waltz liegt der entscheidende Unterschied zwischen den Staaten demnach in ihrer Machtfülle und nicht ihrer Funktion - „The differences [...] are of capability not of function.“ Was versteht Waltz unter „capabilities“? Hier ist ein abstraktes Konstrukt aus sozialen, ökonomischen und vor allem militärischen Faktoren gemeint, welches sich wiederum aus der relativen Machtposition eines Staates ergibt. Und diese Machtposition ist bestimmend für die Stellung eines Staates im internationalen System. Kommen wir nun zur neorealistischen Sichtweise bezüglich des Handelns der Staaten. Während Morgenthau sein Menschenbild auf die Staatsebene überträgt und das Individuum mit seinem Drang nach mehr Macht als entscheidende Analyseebene ansieht, verortet Waltz das Problem von Gewaltanwendung und Kriegen nicht mehr anthropologisch, sondern strukturell. Demnach verhalten sich Staaten wie Betriebe gegenüber dem Markt: Sie sind gezwungen sich innerhalb der Struktur anzupassen. Einig sind sich der klassische und der strukturelle Realismus aber über die Auffassung, dass alle Akteure nach dem Kosten-Nutzen-Prinzip ihre Handlungen abwägen, sich somit rational verhalten. Bei dem Streben nach Sicherheit (s. o.) beeinflusst die innere Struktur eines Staates dabei nicht seine Außenpolitik und die Aktionen gegenüber anderen Nationen. Deswegen wird in diesem Zusammenhang auch gerne der Begriff „black box“ verwendet, der sich auf alles Innerstaatliche bezieht.
Aus den genannten Prämissen ergibt sich die simple Tatsache, dass Staaten untereinander keine Kooperationen eingehen. Denn ähnlich wie im düsteren Naturzustand bei Hobbes, kann auch auf der internationalen Ebene kein Staat dem anderen trauen. Der Anreiz zum Vertragsbruch um daraus Vorteile zu erlangen, ist einfach zu hoch. Und selbst wenn eine Arbeitsteilung positive Synergie-Effekte für beide Staaten brächte, so würde auch die gegenseitige Abhängigkeit einen Sicherheitsverlust bedeuten. Die eigene Verletzlichkeit erweiterte sich um diejenige des Partners. Sogar bei einer funktionierenden Kooperation zwischen zwei Staaten, aus der beide Akteure Machtzuwachs schöpfen, ist das entscheidende Kriterium die Relation der Gewinne. Ist der Zuwachs an „capabilities“ für Staat A größer als für Staat B, so ist B der Verlierer der Kooperation. Auf den Punkt gebracht: Im neorealistischen Nullsummenspiel kann es nicht ausschließlich Gewinner geben, denn der Wettstreit findet um exakt 100 Prozent
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Arbeit zitieren:
Philipp Hauner, 2006, Neorealismus und Neofunktionalismus in den internationalen Beziehungen, München, GRIN Verlag GmbH
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