Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung 1
2. Begriffsklärungen
2.1 Allgemeine Begriffsklärung 2
2.2 Der Weiterbildungsbegriff 2
2.2.1 Arten der Weiterbildung 3
2.2.2 Träger der Weiterbildung 5
2.2.3 Ziele und Perspektiven der Weiterbildung 6
2.3 Abgrenzung des Qualifikationsbegriffs vom Kompetenzbegriff 7
2.4 Schlüsselqualifikationen 8
2.5 Kompetenzarten 10
3. Kompetenzentwicklung 11
3.1 Zielvorstellungen 11
3.2 Determinanten der Kompetenzentwicklung 12
3.3 Kompetenzentwicklung durch Lernen im sozialen Umfeld 13
3.4 Problematik der Kompetenzentwicklung 15
4. Schlussbetrachtung 16
Literaturverzeichnis 18
ii
1. Problemstellung
„Jedermann kennt das Vergnügen und die angenehme Sicherheit, mit welcher man in neuen Strümpfen ausgeht, wenn die vorhergehenden schon öfters geflickt worden und dennoch zuweilen die Aufmerksamkeit der Leute durch ein Loch auf sich gezogen ha-ben.“ 1
In einem Zeitalter des ständigen Wandels in Gesellschaft, in der Berufs- und Arbeitswelt und im gesamten Umfeld der Weiterbildung ist es nötig, das Lernen neu zu überdenken, nicht, weil es flüchtige Zeitströmungen so verlangen, sondern weil in Wirtschaft und Arbeit zunehmend zusätzliche und neue Qualifikationen gefordert werden und für die Zukunftssicherung notwendig sind. Auch durch die Globalisierung, den dadurch wachsenden Konkurrenzdruck und einer sich rasant verändernden Wirtschaft mit Forderungen nach Effizienzsteigerung und Flexibilität, durch Zunahme wissensintensiver Dienstleistungstätigkeiten und sich immer schneller überholenden technologischen Innovationen sehen sich Betriebe und mit ihnen auch die Arbeitnehmer ständig neuen Anforderungen ausgesetzt, denen sie nur mit Zuwachs an individueller Bildung, an Selbstverantwortung, Eigeninitiative und Kreativität gewachsen sein werden. Die Gestaltung des Lernens wird hierbei zur zentralen Überlebensfrage. Bildung, insbesondere die Weiterbildung, wird zu unserem wichtigsten Rohstoff, der über den zukünftigen Erfolg der Unternehmen entscheiden wird. Was man bis jetzt unter dem Begriff der "Qualifikation" verstanden hat, reicht nicht mehr aus, um den gestiegenen Anforderungen in der Arbeitswelt gerecht zu werden. Es geht z.B. mehr denn je um die Fähigkeit zur aktiven Gestaltung von Entwicklungsprozessen und damit um die Ausprägung der Handlungskompetenz. Der zusammenfassende Begriff der "Kompetenzentwicklung" scheint deshalb immer mehr an die Stelle der "Weiterbildung" bzw. "Qualifikation" zu treten und soll all die neuen Anforderungen mit abdecken. Kompetenz wird so also zum Oberbegriff, der "Qualifikation" mit einschließt. Derzeit wird im Hinblick auf die Kompetenzentwicklung von einem Paradigmen-Wechsel gesprochen, der mit Konsequenzen für die zukünftige Arbeitswelt verbunden ist. Dieser Wechsel bzw. Wandel ist von zwei Gesichtspunkten her zu betrachten. In erster Linie bezieht sich der Wandel auf die gesellschaftlichen und arbeitsstrukturellen Entwicklungen und zweitens auf den Wandel im Begriffsgebrauch.
Die Aufgabe meiner Hausarbeit soll es nun sein, diesen beschriebenen Wandel "Von der Weiterbildung zur Kompetenzentwicklung" von kritischer Seite her näher zu betrachten. Dabei sollen zunächst die Begriffe Weiterbildung, "Qualifikation" und Kompetenz erklärt
1 Lichtenberg, 1947, S. 100; zit. in: Arnold, 1997, S. 253.
1
und unterschieden werden, um dann die Frage zu klären, ob die ständige Verbesserung von Weiterbildung, bezogen auf das einleitende Zitat, das "Flicken der Socken" ausreicht, oder ob Weiterbildung durch die "neuen Strümpfe" Kompetenzentwicklung zurecht abgelöst wird.
2. Begriffsklärungen
2.1 Allgemeine Begriffsklärung
„Begriffe dienen der Wissenschaft als Sonden, mit denen das theoretisch kontrollierte System sich der Realität anpaßt; mit denen unbestimmte Komplexität in bestimmbare, in wissenschaftsintern verwertbare Komplexität überführt wird.“ 2 Bei Begriffsdefinitionen handelt es sich um Konventionen, die die Verwendung eines Begriffs klären; d.h. Konventionen entstehen über die Zeit und man einigt sich "offen" über die Bedeutung dieses Begriffs, und um Konstrukte, d.h. Formen, die das bezeichnen, worauf man seine Aufmerksamkeit richtet. Konstrukte sind auch Hilfsmittel, mit denen die Komplexität vereinfacht werden soll, aber auch die Realität beschrieben. 3 Somit sind Begriffsdefinitionen und deren Austausch, Analyse und Diskussion Bestimmungsleistungen, d.h. es geht bei ihnen nicht um Entdeckungen, sondern um Konvention und Konstruktion. 4
2.2 Der Weiterbildungsbegriff
In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich der Begriff Weiterbildung immer mehr gegen den Begriff der Erwachsenenbildung durchgesetzt. Während in den 50er und 60er Jahren noch vom Erwachsenenbildungsbegriff die Rede war, wurde ab den 70er Jahren, ausgehend vom „Strukturplan für das Bildungswesen“ des Deutschen Bildungsrats des Jahres 1970, der Begriff der Weiterbildung eingeführt. 5
Nach einer Definition des Deutschen Bildungsrates wird „Weiterbildung (…) als Fortsetzung oder Wiederaufnahme organisierten Lernens nach Abschluss einer unterschiedlich ausgedehnten ersten Bildungsphase“ i. d. R. durch einen Ausbildungsabschluss „bestimmt.“ Und weiter heißt es: „Das Ende der ersten Bildungsphase und damit der Beginn möglicher Weiterbildung ist in der Regel durch den Eintritt in die volle Erwerbstätigkeit gekennzeichnet; dabei ist die Hausfrau dem Personenkreis der Erwerbstätigen zuzurech- 2 Luhmann, 1991, S. 13.
3 Vgl. Arnold/Gonon, 2006, S. 71.
4 Vgl. Arnold, 1997, S. 255.
5 Vgl. Schmidt-Peters, 1999, S. 39.
2
nen.“ 6 Weiterbildung wird im Vergleich zur Erwachsenenbildung als der jüngere bzw. modernere Begriff bezeichnet. Somit wurde in der bildungspolitischen Realität der Erwachsenenbildungsbegriff teilweise zurückgedrängt, und der Begriff der Weiterbildung setzte sich immer mehr durch. Doch in der heutigen erwachsenenpädagogischen Diskussion werden diese beiden Begriffe, Weiterbildung und Erwachsenenbildung, oft auch als Synonyme verwendet. Die Konvention geht heute eher dahin, dass nur noch vom Weiterbildungsbegriff als solchem gesprochen wird. Der Weiterbildungsbegriff im engeren Sinne bezieht sich in sehr starkem Maße auf das gesellschaftlich, beruflich notwendige Anpassungs- und Aufstiegslernen Erwachsener. 7 Dieser Begriff wird häufig auch dann verwendet, „wenn es um die Bezeichnung von Systemaspekten des Erwachsenenlernens geht, während von "Erwachsenenbildung" häufiger dann die Rede ist, wenn die didaktischen Besonderheiten und die Tradition der Erwachsenenbildungsforschung bzw. der Erwachsenenpädagogik besonders in den Blick gerückt werden sollen.“ 8 Somit verwendet man Weiterbildung als Systembegriff und Erwachsenenbildung als didaktischen Begriff.
2.2.1 Arten der Weiterbildung
Wie bereits oben erwähnt spricht man seit den 70er Jahren vom Recht auf Weiterbildung, als auch von der Notwendigkeit eines lebenslangen Lernens. Es reicht nicht mehr aus, sich Fertigkeiten und Fähigkeiten in der Berufsausbildung anzueignen, viel mehr muss man sich in Form von Weiterbildungsmaßnahmen an die sich ständig wechselnden gesellschaftlichen und beruflichen Anforderungen anpassen. Mit Weiterbildung entwickelt der Mensch also nicht nur sein Wissen und seine Fähigkeiten, sondern auch seine Persönlichkeit. Dies tut er im Hinblick auf eine gelungene Teilnahme an das gesellschaftliche Leben sowie an den Arbeitsalltag. Nicht zu vergessen ist, dass die Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen auf einer so genannten Freiwilligkeitsbasis beruht. Der Bedarf an Weiterbildung entsteht dann, wenn zwischen den eigentlich notwendigen Qualifikationen der Mitarbeiter (Soll-Werte) und den tatsächlichen Fähigkeiten (Ist-Werte) eine Differenz entsteht, deren Behebung mit geeigneten Schulungen wahrscheinlich ist. Die Weiterbildung soll im Bildungssystem nicht nur die "vierte Säule" neben dem Primärbereich, dem Se-kundärbereich (z.B. Gymnasien, Berufsbildung) und dem Tertiärbereich (z.B. Hochschulen) darstellen, wobei nach wie vor umstritten ist, ob diese vierte Säule tatsächlich schon
6 Deutscher Bildungsrat, 1970, S. 197.
7 Vgl. Arnold, 1996, S. 44.
8 Ebenda, S. 5.
3
ausreichend umgesetzt wurde, sondern sie „steht auch als Sammelbegriff für die Bezeichnung der organisierten Formen des Erwachsenenlernens.“ 9 Dabei ist zwischen drei verschiedenen Formen innerhalb der Weiterbildung zu unterscheiden und zwar der allgemeinen, beruflichen und politischen. Darüber hinaus wird auch noch zwischen der offenen und geschlossenen Weiterbildung unterschieden. Die offene Weiterbildung kann im Prinzip von allen Interessierten im jeweiligen Einzugsgebiet in Anspruch genommen werden, die Angebote der geschlossenen Weiterbildung nur von einem besonderen Adressatenkreis. 10
Abb. 1: Arten von Weiterbildung
Quelle: in Anlehnung an Kremer, 1998, S. 12
Die Abbildung zeigt, dass sich der Bereich der Weiterbildung durch eine große Dynamik kennzeichnet. Es wird zunächst zwischen der beruflichen und der nichtberuflichen Weiterbildung unterschieden, wobei die letztere mit dem Begriff der Erwachsenenbildung gleichgesetzt werden kann und sowohl die allgemeine Weiterbildung, dazu zählen beispielsweise die Gesundheit und die Haushaltsführung, als auch die politische Weiterbildung, die in Gesellschaft und Politik ihre Anwendung findet, umfasst. Auch im Bereich der beruflichen Weiterbildung wird unterteilt in Fortbildung, Umschulung und in Einarbeitung bzw. Lernen am Arbeitsplatz. 11 Die berufliche „Weiterbildung“ im weiteren Sinne wird als „Phase im Prozeß beruflichen Lernens, die nach einer beruflichen Erstausbildung oder nach einer beruflichen Tätigkeit zum Weiterlernen genutzt wird
9 Arnold, 1996, S. 5.
10 Vgl. Diemer/Peters, 1998, S. 56.
11 Vgl. Kremer, 1998, S. 11-12.
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Arbeit zitieren:
Dipl.-Hdl. Erna Müller, 2006, Diskussion um den Weiterbildungsbegriff, München, GRIN Verlag GmbH
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