Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S.1
2. Das Zentrum/Peripherie-Modell S.2
3. Regionales Ungleichgewicht in Thailand S.3
3.1 Bangkok - das dominante Zentrum S.3
3.2 Der Nordosten - unterentwickelte Peripherie S.5
3.3 Die Spaltung der thailändischen Gesellschaft S.6
4. Fazit S.9
5. Literaturverzeichnis 11
1. Einleitung
Die Hauptstadt steht traditionell im Mittelpunkt der Entwicklung Thailands. Bangkok ist dabei nicht nur das dominante Zentrum des Landes, die Stadt hat sich auch zu einer bedeutenden Metropole im gesamten asiatischen Raum entwickelt. Bangkok als Zentrum spiegelt die ungleiche Entwicklung zu den anderen Regionen Thailands in verschiedener Form wieder, vor allem im Gegensatz zu den unterentwickelten Provinzen im Nordosten des Landes. Lange Zeit wurde die Hauptstadt als das einzige Wachstumszentrum des Königreiches beschrieben und Thailand als ein Staat, dessen einzige Basis Bangok ist. 1
Im Folgenden werden ausgehend von einem theoretischen Strukturmodell, Ursachen, Abläufe und Folgen dieser Entwicklung gezeigt.
In Kapitel zwei wird dazu das Zentrum/Peripherie-Modell erläutert. Neben den Aussagen des Sozialwissenschaftlers Niclas Luhmann, steht die ökonomische Raumtheorie von Paul Krugman im Mittepunkt dieses Kapitels. Dieser hat damit die Entstehung von Zentren und Peripherien und deren Wechselwirkungen aus wirtschaftlicher Sicht wissenschaftlich dargestellt und begründet. Die Wirksamkeit dieses Modells zeigt sich in Kapitel drei am Beispiel von Thailand. Dort wird die ungleiche wirtschaftliche Entwicklung von Bangkok als Zentrum und der Provinzen im Nordosten des Landes als Peripherie beschrieben. Pasuk Pongpaichit und Chris Baker, auf die hierbei Bezug genommen wird, haben in ihrer Forschungsliteratur diese unterschiedliche Entwicklung in Thailand sehr anschaulich und treffend dargestellt.
Das dadurch entstandene Strukturgefälle führte zu erheblichen Unterschieden, Spannungen sowie Polarisierungen in der thailändischen Gesellschaft, die sich im aktuellen Geschehen in verschiedener Weise wiederfinden. Diese Probleme sind der abschließende Inhalt von Kapitel drei.
1 Dixon 1999: 190; Vgl. Krongkaew u. Tongudai 1984: 43; Jongudomkarn u. Camfield 2006: 490.
1
Auf Grund der erheblichen Ungleichverteilung des Wohlstands, bergen sie große Risiken für eine zunehmende soziale Spaltung und für gewaltsame Konfrontationen in Thailand.
2. Das Zentrum/Peripherie-Modell
Der Begriff Systemdifferenzierung mit bestimmten einteilenden Kategorien, wozu auch die Zentrum/Peripherie-Differenzierung gehört, wurde für gesellschaftliche Zusammenhänge von den Sozialwissenschaften entwickelt und geprägt. Niclas Luhmann führt dazu aus, dass diese Differenzierung bereits ansatzweise in vormodernen segmentären Gesellschaften existierte. Sie entstand im Zusammenhang mit der Herausbildung dominanter Zentren im Fernhandel. Dabei wurde die beherrschende Stellung des Zentrums dazu benutzt, um vor allem stärkere Rollendifferenzierungen, wie Arbeitsteilung einzurichten. Besonders das Zentrum mit seinen Errungenschaften bildete Abhängigkeiten von dieser Differenzierungsform, während die Peripherie mit ihrer segmentierten Struktur von Familienhaushalten auch ohne Zentrum überlebensfähig war. 2
Luhmann erklärt weiterhin, dass eine Systemdifferenzierung ein sehr dynamischer und vielschichtiger Prozess ist, wobei jede Veränderung eine vielfache Veränderung nach sich zieht. Es werden Kausalketten ausgelöst, Abhängigkeiten und auch Unabhängigkeiten nehmen gleichzeitig zu. 3
Im Bereich der Wirtschaftswissenschaften hat Paul Krugman die Entstehung von urbanen industriellen Zentren im Rahmen einer ökonomischen Raumtheorie untersucht. Dabei geht er von einem Gleichgewichtsmodell zweier unterschiedlicher Standorte aus, wobei der eine landwirtschaftliche Güter und der andere Fertigwaren erzeugt. Die Dynamik der Veränderung zwischen beiden Standorten ist dabei abhängig von der Entwicklung der Transportkosten, der jeweiligen Skalenerträge und der Nachfrage nach Arbeitskräften. Laut Krugman sind Skalenerträge sinkende Erzeugungskosten je Produktionseinheit mit steigender Ausbringungsmenge. Massenproduktionsvorteile begünstigen so das Entstehen von Zentren. Besserer Marktzugang und hohe Skalenerträge sind stärkere Entscheidungskriterien, noch vor den Lohnkosten, so lange
2 Luhmann 1997: 663.
3 Ebd.: 598-599.
2
erhebliche Transportkosten entstehen. Krugman behauptet, dass nur eine deutliche Senkung der Transportkosten die Stellung der Peripherie in Zusammenhang mit ihren niedrigeren Lohnkosten verbessern würde. 4
3. Regionales Ungleichgewicht in Thailand
Auf die aktuelle Bedeutung der im Kapitel zwei angeführten Theorien, wird nun in diesem Kapitel am Beispiel von Thailand eingegangen. Das Land wandelte sich im Laufe einer Generation grundlegend. Hauptsächlich fand eine vertiefende Spaltung zwischen Stadt und Land und speziell zwischen dem Zentrum Bangkok und der Peripherie, den Bergregionen im Norden, den südlichen Grenzprovinzen und dem rohstoffarmen Nordosten statt. 5 Der größte Gegensatz hat sich dabei zwischen Bangkok und dem Nordosten entwickelt, wie er im Folgenden beschrieben wird.
3.1 Bangkok - das dominante Zentrum
Die historische Struktur des thailändischen Staates beruht traditionell auf einer Macht-und Verwaltungskonzentration in einem Zentrum mit der Schwerpunktlegung auf Handelstätigkeit und Arbeitskräftekonzentration. Nach der Zerstörung der alten Hauptstadt Ayutthaya durch die Burmesen im Jahr 1767, entstand in 1782 am Fluss Chaophraya als neue Hauptstadt von Siam Thonburi-Bangkok, die thailändisch mit dem Kurznamen Krungthep bezeichnet wird. Siam wurde dann im Jahr 1939 in Thailand umbenannt. 6
Bangkok entwickelte sich in der Folgezeit zu einer bedeutenden Handelsmetropole, begünstigt durch die direkte und kurze Verbindung zum Meer über den Chaophraya. Vor allem der Handel mit China brachte der Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung und veränderte gesellschaftliche Strukturen grundlegend. Der Export von Reis wurde zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor. Eine kleine Zahl von chinesisch-stämmigen Reisbaronen bildete Anfang des 20. Jahrhunderts die neue Handelselite von Bangkok. Eine große Zahl chinesischer Migranten kam zwischen dem frühen 19. Jahrhundert und dem Jahr 1950 nach Thailand und siedelte sich vor allem in Bangkok an. Chinesischstämmige Händler waren es dann auch, die den industriellen Wandel in Thailand, und
4 Fujita, Krugman u. Venables 1999: 2, 4f., 75f., 110f., 133f., 203f.; Vgl. Kappel 2008: 5f.
5 Baker u. Phongpaichit 2005: 216; Vgl. Dixon: 190.
6 Phongpaichit u. Baker 1998: 12; Vgl. Baker u. Phongpaichit: 26.
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Arbeit zitieren:
Jan Andrejkovits, 2009, Regionales Ungleichgewicht in Thailand - Die Spaltung der thailändischen Gesellschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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