Inhaltverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Buchhandelsdistribution 3
2.1. Kurzer Geschichtsüberblick 4
3. Die KNV - Unternehmensgruppe 5
3.1. Die Unternehmensstruktur. 6
3.2. Fit für die Zukunft I - das Programm im Barsortiment. 7
3.3. Fit für die Zukunft II - Neue Module in der Verlagsauslieferung 12
3.4. Fit für die Zukunft III - Neue Wege, neue Märkte. 13
4. Die Sicht der Anderen. 15
4.1. Die Sortimenter - Hilfe oder Abhängigkeit? 15
4.2. Die Verlage - Partnerschaft oder Konkurrenz? 17
5. Marktmacht KNV? Ein Fazit 18
Quellenverzeichnis 21
1
1. Einleitung
Der Zwischenbuchhandel wird von den anderen beiden Partnern des Buchhandels, besonders aber von den Verlagen, schon immer als ungeliebtes und nur bedingt notwendiges Stiefkind behandelt. Trotzdem hat er sich bis heute als Dritter im Bunde gehalten und geht seit einigen Jahren sogar forsch in die Offensive, nachdem er durch den Beginn des elektronischen Zeitalters in den 80er Jahren zunächst ins Hintertreffen geriet. Das führt zu neuen Konflikten und dem altbekannten Lied der Schlange an der eigenen Brust, dass der Verleger Wilhelm Ruprecht schon vor über 100 Jahren gesungen hat. 1 Der Vormarsch der Zwischenbuchhändler ist logisch, geht man von der Umgewichtung aus, wie sie die einschlägigen Branchenmagazine seit einiger Zeit durch den Begriff des „Strukturwandels“ diagnostizieren - Konzentration, Konzernwachstum, Sortimentssterben und Zweiklassengesellschaft im Buchhandelökonomische Gesichtspunkte regieren. Das Barsortiment, in seiner Funktion ja bereits Rationalisierer von Beginn an, gibt da einen perfekten Buhmann für die Beschleunigung oder gar Inszenierung des momentanen Wandels ab, vor allem wenn man - wie es vor allem die Verlagsseite immer wieder forciert - von einem zunehmenden Machtungleichgewicht zugunsten der Absatzmittler ausgeht. Doch entspricht das auch den Tatsachen? Auch der Zwischenbuchhandel muss ums Überleben kämpfen und unterliegt denselben Marktdynamiken wie die beiden anderen Branchenzweige. Welche Strategien haben die Unternehmen des Zwischenbuchhandels also entwickelt, um konkurrenzfähig zu bleiben? Und kann man wirklich von der Marktmacht, vom „Leviathan“ Barsortiment 2 sprechen? Am Beispiel des Unternehmenskonzerns KNV sollen diese Fragen exemplarisch geklärt werden. Dabei wird der theoretische und historische Teil sehr knapp gehalten, da der Schwerpunkt der Arbeit auf der intensiven Auseinandersetzung mit der aktuellen Situation liegen soll. Kapitel 2 gibt daher als Einstieg nur einen kurzen Überblick über die Distributionssituation im Buchhandel im Allgemeinen. Kapitel 3 behandelt die Unternehmensgruppe KNV und analysiert ihre Strategien, mit denen sie sich auf dem Markt aktuell positioniert. Besonderes Augenmerk wird dabei auf das Partnermodell
1 Vgl. Börsenblatt 11/2004. S. 12 f
2 Vgl. s. o. S. 17
2
„Fit für die Zukunft“ gelegt, ein eigen entwickeltes Dienstleistungspaket von KNV. Im Folgekapitel werden daraufhin die Chancen und Risiken dieser Strategien in Außenbzw. Branchenperspektive beleuchtet. Das Schlusskapitel schließlich soll anhand der Analyse die oben gestellten Fragen nach Marktmacht und Verantwortlichkeit der Konzentrationsbewegung beantworten.
2. Buchhandelsdistribution
Alle Prozesse, die sich mit dem Weg eines Buches vom Verlag zu den Lesern befassen, also „alle Warenbewegungen, Informationsflüsse und Zahlungsströme zwischen den Verlagen und den Buchhandlungen“, fallen unter den Begriff Buchhandelsdistribution. Diese Prozesse werden heute größtenteils durch Unternehmen des Zwischenbuchhandels abgewickelt, die sich wiederum splitten in Komissions- (Absatzhelfer) und Buchgroßhändler (Absatzmittler). Klassische Absatzhelfer sind die Verlagsauslieferungen, während Fachgroßhändler wie Barsortimente, Rackjobber oder Großantiquariate auf eigene Rechnung agieren. 3 Barsortimente übernehmen die Beschaffung und Logistik für Buchhandlungen, damit diese problemlos die Kundenwünsche erfüllen können. Schon 1925 definierte Friedrich Schulze das Barsortiment wie folgt: “Das Barsortiment ist ein großhändlerischer Betrieb mit Büchern und gehört, wirtschaftlich gesehen, zu dem Zwischenbuchhandel. Es kauft und verkauft auf eigene Rechnung und bietet dem Sortiment den Vorteil, die Bücher verschiedener Verlage aus einer Hand zu beziehen.“ 4 Allgemeine Barsortimente führen ein breites Angebot an Buchtiteln mit bis zu 400000 Titeln. Spezialbarsortimente haben ihre Auswahl auf ausgewählte Gebiete und Fachliteratur beschränkt, solche Gebiete sind etwa Landkarten, Theologie oder Fremdsprachen.
Verlagsauslieferungen beliefern den Buch(einzel)handel auf eigene Rechnung und in eigenem Namen oder namens und auf Rechnung der Verlage, mit denen sie Dienstleistungsverträge abgeschlossen haben (für Lagerhaltung, Bestellbearbeitung,
3 Vgl. Strauch, Dietmar u. Margarete Rehm (Hrsg.): Lexikon Buch. Bibliothek. 1998. S. 472
4 Schulze, F. (Hrsg.): Der Buchhandel und die geistigen Strömungen der letzten hundert Jahre. 1925. S. 12
3
Rechnungsstellung und Lieferung, etc.). In der Regel haben sie im Unterschied zu den Grossisten das komplette Programm der Verlage am Lager, mit denen sie ihre Dienstleistungsverträge geschlossen haben. Einige Verlage unterhalten eigene Verlagsauslieferungen, die dann jedoch häufig räumlich vom Verlagshaus getrennt sind. Oft wird dann die Auslieferung für andere Verlage mit übernommen. Da Barsortimente bis zu 40 % aller deutschsprachigen Buchproduktionen führen, und somit bis zu 95 % des Bedarfs einer mittleren Sortimentsbuchhandlung abdecken, werden sie auch als Hintergrundlager bzw. als Fachgroßhandel des Buchhandels bezeichnet. 5
2.1. Kurzer Geschichtsüberblick
Der Anstoß zur Gründung der Barsortimente gab die Tatsache, dass im 19. Jahrhundert die Verlage in der Regel nur broschierte, also ungebundene, Ausgaben ihrer Bücher an das Sortiment lieferten. Die Sortimenter bzw. die Buchkäufern mussten selber für den Bucheinband sorgen. So lag die Idee nahe, von Verlagen kleinere Teilauflagen in Rohbögen zu beziehen, sie in maschinell betriebenen Buchbindereien preiswert einbinden zu lassen und an das Sortiment weiterzuverkaufen. Im Jahre 1847 begann F. Volckmar auf eigene Rechnung mit solchen gebundenen Büchern zu handeln. Es war zu der Zeit allerdings nur ein kleiner Teilbereich seines Kommissionsgeschäftes. Das erste selbstständige Barsortiment eröffnete Luis Zander 1852 in Leipzig. 6 Zander bezog von den Verlegern beliebte, gängige Bücher, dabei unter Ausnutzung der Partieexemplare den größtmöglichen Rabatt zu erzielen und so ein eigenes Sortiment dieser oft verlangten Titel zusammenzustellen. Die Idee dahinter war folgende: Durch den Einkauf großer Mengen wurde das einzelne Exemplar im Schnitt billiger als es durch irgendwelche gewährten Rabatte möglich war. Dies galt auch für die Materialien, die zum Einbinden der Bücher nötig war. Hinzu kam, dass sein Unternehmen direkt mit einer Großbuchbinderei verbunden war, welche die von ihm erworbenen Rohbögen in seinem Auftrag einband. So konnte Zander die Gewinne am Einband sowie der Rabatte allein auf seinem Konto verbuchen. Der Begriff „Barsortiment“ lässt sich
5 Vgl. Bez, Thomas ( Hrsg.): ABC des Zwischenbuchhandels. 2002, S. 6
6 Vgl. Wittmann, Reinhard: Geschichte des deutschen Buchhandels 1999. S. 261f
4
darauf zurückführen, dass die Bücher an den Sortimenter oder Buchkäufer zu den Barpreisen des Verlegers abgegeben wurden, zu dem der Verlag seine Titel normalerweise im Einzelbezug an die Buchhändler verkauft, wenn diese „bar“ bezahlten. 7
Während der Blüte Leipzigs als Buchstadt wurde der entstehende Zwischenbuchhandel also zentral von dort aus organisiert und abgewickelt. Kommissionäre, Sortimenterkommissionäre sowie die Barsortimente schufen so eine Bündelung von Informationswegen und Zahlungsströmen im buchhändlerischen Verkehr.
Heute wird der Zwischenbuchhandel dezentral organisiert. Auch prägen nach Zwischenjahren mit vielen Kleinunternehmen, Spezialbarsortimenten etc. aktuell nur noch wenige große Unternehmen das Bild der Zwischenbuchhandelslandschaft. Die vier wichtigsten Barsortimente, die sich noch halten können, sind erstens Könemann (Hagen) und Umbreit (Bietigheim-Bissingen); die beiden dominierenden Player jedoch sind Lingenbrink (Hamburg), genannt Libri, und die Unternehmensgruppe KNV (Köln/Stuttgart). Letztere wird nun im Folgenden genauer analysiert.
3. Die KNV - Unternehmensgruppe
Das Unternehmen Koch, Neff & Volckmar ist eine Fusion der Unternehmen Koch, Neff & Oetinger (KNO) und Koehler & Volckmar (KV) aus dem Jahre 2004. Da die Unternehmensgruppe auf eine lange Tradition zurückblickt und bereits aus zahlreichen Zusammenschlüssen entstanden ist, die zudem mit mehreren Ortswechseln verbunden waren, kann auf die Geschichte des Konzerns kaum eingegangen werden, da sie zu weitläufig und für die Arbeit wenig relevant ist. 8 Erwähnt werden sollte, dass der Grundstock von KV bereits im Jahr 1829 von dem in 2.1. bereits genannten Komissionär Friedrich Volckmar gelegt wurde. Die Volckmarsche Familie ist bis heute durch den Voersterschen Zweig voll ins
7 Vgl. Bez, Thomas: ABC. S. 6
8 Unter http://www.knv.de/_content/page_2956_de_3321.htm findet sich auf der Homepage des Unternehmens eine 30-seitige Firmenbroschüre, die die Unternehmensgeschichte zwar aus Firmensicht, aber zumindest faktisch genau und detailliert darstellt
5
Arbeit zitieren:
Michaela Rhino, 2007, KNV mit KNO Logistik auf neuen Wegen: Zukunftsperspektiven des Barsortiments, München, GRIN Verlag GmbH
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