Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Wissenschaftshistorischer Hintergrund 4
2.1. Geniekult: Es lebe der Autor 4
2.2. Werkimmanenz: Erste Todesahnungen 6
2.3. Strukturalismus und Poststrukturalismus 8
3. Der Tod des Autors 10
4. Was ist ein Autor? 12
4.1. Kritik 12
4.2. Autorname, Eigenname 14
4.3. Autorfunktionen. 14
4.4. Diskursivitätsbegründer. 16
5. Vergleich. 17
6. Rezeption: Totgesagte leben länger. 19
7. Fazit. 20
Quellen - und Literaturverzeichnis 22
2
1. Einleitung
Den ‚Tod des Autors’ zu proklamieren, ist, betrachtet man den aktuellen Literaturbetrieb, ein absurdes Unterfangen, das wohl kaum Beachtung finden würde. Denn in ihm(dem Literaturbetrieb) ist der Autor eine feste Größe; Marketing, Rezension und Kritik sind nur drei Beispielsektoren, die ohne den Autor als Bezugsinstrument gar nicht mehr auszukommen scheinen. Literaturfestivals wie die neun Tage dauernde lit.Cologne mit über 131 Veranstaltungen setzen mittlerweile sogar fast ausschließlich auf die Zugkraft von Starautoren, deren Lesungen nahezu immer ausverkaufte Säle versprechen. 1
In der Literatur-Wissenschaft jedoch hat diese vor über 30 Jahren getätigte Aussage des Autortodes einen wahren Sturm ausgelöst, der bis heute in Form eines höchst lebendigen Diskurses tobt. Was jedoch bedeutet sie eigentlich, wieso wurde sie überhaupt gemacht und wie entstand eine Furore um diese ‚Tötung des Autors’, die bis heute weiterwirkt? Genau diese Fragen will die folgende Arbeit beantworten. Zentraler Untersuchungsgegenstand sind deshalb die beiden Texte, denen zugeschrieben wird, den Diskurs ausgelöst zu haben. Zum einen ist das ein 1967 erstmals und auf Englisch veröffentlichtes Essay von Roland Barthes mit dem Titel „The Death of the author“ 2 , der in der Literaturwissenschaft „nahezu sprichwörtlich geworden“ 3 ist. Richtig Antrieb bekam die Diskussion aber erst, als zwei Jahre später der Vortrag „Was ist ein Autor?“ 4 von Michel Foucault veröffentlicht wurde, der sich indirekt auf Barthes Text bezieht.
Ausgehend von diesen beiden Überlegungen zum Autor explodierte in den
Denken gegeben, denen Foucault und Barthes zugerechnet werden(2.3). Daraufhin stellt die Arbeit den Inhalt beider Texte vor (3, 4) und untersucht in einem Vergleich deren jeweilige Intention und Aussage (5). Der Fokus liegt dabei auf dem Vortrag von Foucault. Im Folgenden wird dann die Rezeption der Texte kurz umrissen und der aktuelle Stand des Diskurses dargestellt(6).
Im Fazit(7) werden die Erkenntnisse zusammengeführt und die zu Beginn gestellten Fragen beantwortet.
2. Wissenschaftshistorischer Hintergrund
Der ‚Autor’ - Begriff hat bereits eine lange Geschichte hinter sich, jedoch stand es um seinen Einfluss und seine Funktion nicht immer gleich. Von der Antike bis heute hat er sich immer wieder der jeweils gesellschaftlichen Norm anpassen müssen. Um den Kontext der beiden im Fokus stehenden Texte herauszuarbeiten, genügt es jedoch, den genaueren Überblick über die Auseinandersetzung mit dem Autor dort beginnen zu lassen, wo er sich nach einer längeren Abwesenheit im Mittelalter wieder verstärkt zu Wort meldet.
2.1. Geniekult: Es lebe der Autor
Im 18. Jahrhundert führen Entwicklungen in verschiedenen Bereichen dazu, dass der Autor als schöpferisches Individuum an Bedeutung gewinnt. Durch die Bewegung des Sturm und Drang wird nicht nur eine neue Auffassung der Dichtkunst proklamiert, sondern es wird zudem ein neues Autorkonzept generiert. Die Romantik
Richtungsweisend für viele weitere Interpretationsverfahren war hier Friedrich Daniel Schleiermacher(1768-1834), der durch seine Hermeneutik der grammatischen und psychologischen Interpretation durch letztere das Augenmerk auf den Autor als einen Ausgangspunkt von literaturtheoretischer Überlegung richtete. 6 Texte werden als der Ausdruck der Psyche, des Lebens und der geschichtlichen Epoche des Verfassers begriffen, und ihr Verstehen wird gleichgesetzt mit dem Einleben in das Bewusstsein, das Leben und die geschichtliche Epoche, der die Texte entstammen. Die drei Modelle, die den Ausgangspunkt ‚Autor’ im 18. und 19. Jahrhundert dann in ausgeprägtester Form ins Zentrum ihrer Überlegungen gesetzt haben, sollen nun kurz umrissen werden: Biographismus, Autorintention und der psychoanalytische Ansatz.
Die Position des ‚Biographismus’ ist eine Variante des Positivismus und bezieht folglich das Leben des Autors am stärksten in die Interpretation mit ein, da der Positivismus eine philosophische Denkrichtung darstellt, die nur Tatsachen als Basis für wissenschaftliche Erkenntnisse zulässt. Wilhelm Scherer(1841-1886), einer seiner bedeutendsten Vertreter, sah „die Literatur als Produkt individueller und gesellschaftlicher Gegebenheiten“ 7 an. Aus dieser Basis leitet der Biographismus einen engen Zusammenhang zwischen Autor und Text ab und versucht, das Werk aus der Biographie des Autors zu erklären. Diese Interpretationsart ist besonders stark im 19. Jahrhundert praktiziert worden, da die Dichter zu dieser Zeit anfingen, ihre Werke zu kommentieren, oder sich in veröffentlichten Tagebüchern zur Entstehung ihrer Texte zu äußern.
Das intentionale Autorkonzept steht in der hermeneutischen Tradition von
Das psychoanalytische Modell wurde durch die Studien von Sigmund Freud begründet. Hier wird der Autor nach seinen „unbewussten Motiven beim Schreiben eines Textes“ 9 durchleuchtet. Trotz der Umstrittenheit dieses Ansatzes gibt es viele Verfahren, die ihn für sich eingenommen und weiter gedacht haben wie beispielsweise die philosophische Freiheitstheorie von Jean-Paul Sartre, die zeichentheoretische Auseinandersetzung mit der Thematik durch Jaques Lacan oder die psychologisierende Lesart des Amerikaners Ivor Armstrong Richards(1893-1979). 10
Zusammenfassend ist also allen bisherigen Auffassungen gemein, dass der Autor nicht nur der Urheber eines Textes ist, sondern auch die Autorität, die seinen Sinngehalt bestimmt, und diesen originären Sinngehalt gilt es zu rekonstruieren, wenn nötig auch über autor-biographische Anhaltspunkte.
2.2. Werkimmanenz: Erste Todesahnungen
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelten sich als Reaktion auf die autorzentrischen und in der Tradition der bereits bestehenden textbezogenen Interpretationen, die bis auf Platon zurückreichen, zunehmend neue Ansätze, die den Text in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen stellen und somit die Stellung des Autors schwächen oder ihn ganz in den Hintergrund stellen.
Ein Ansatz, der sich speziell auf fiktionale Literatur bezieht, grenzt beispielsweise systematisch Autor und Erzähler ab. Dem erfolgreichsten Hauptverfechter der ‚werkimmanenten Interpretation’, Wolfgang Kayser(1906-1960) gelingt in den fünfziger Jahren die Durchsetzung der Unterscheidung zwischen dem Autor und dem
Arbeit zitieren:
Michaela Rhino, 2006, Ansichten des 'Autors': Analyse und Vergleich der Texte 'Was ist ein Autor?' von Michel Foucault und 'Der Tod des Autors' von Roland Barthes im historischen Kontext, München, GRIN Verlag GmbH
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