Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis NA
Tabellenverzeichnis NA
Abkürzungsverzeichnis NA
1 Einleitung 1
2 Deutscher Mittelstand 3
2.1 Definition des Mittelstandes 3
2.2 Charakterisierung des deutschen Mittelstandes 5
2.3 Bedeutung des Mittelstandes für Deutschland 7
3 Restrukturierung in der Krise 8
3.1 Phasen der Unternehmenskrise 9
3.2 Bewältigung der Unternehmenskrise 10
3.2.1 Begriffsabgrenzung 11
3.2.2 Krisenerkennung 13
3.2.3 Ablauf einer Restrukturierung in der Krise 15
3.2.4 Erfolgsfaktoren der Restrukturierung 18
4 Probleme des Mittelstandes 21
4.1 Allgemeine Wettbewerbsfähigkeit 21
4.2 Unternehmensfinanzierung 22
4.3 Unternehmensnachfolge 24
5 Grundlagen der Finanzierung 26
5.1 Allgemeine Anforderungen 26
5.2 Spezielle Anforderungen der Krisenfinanzierung 28
6 Klassische Finanzierung 29
6.1 Wandel in der Bankenfinanzierung 29
6.2 Vor und Nachteile 31
6.3 Ausblick 32
7 Alternative Finanzierung mit Finanzinvestoren 33
7.1 Abgrenzung des Begriffs Finanzinvestoren 33
7.1.1 Beteiligungsgesellschaften 34
7.1.1.1 Venture Capital 36
III
7.1.1.2 Buy Out Fonds 38
7.1.2 Investmentbanken 40
7.1.3 Hedgefonds 40
7.2 Attraktivität des Mittelstands für die Finanzinvestoren 43
7.3 Einstieg eines Finanzinvestors in ein Krisenunternehmen 45
7.3.1 Generelle Bedingungen für einen Einstieg 45
7.3.2 Direkter Einstieg 46
7.3.3 Indirekter Einstieg 48
7.4 Exit 50
7.4.1 Wesentliche Erfolgsfaktoren des Exits 51
7.4.2 Exit Optionen 52
7.5 Bedeutung der Finanzinvestoren für Deutschland 54
7.6 Heuschreckendebatte 56
7.7 Vor und Nachteile 57
7.8 Ausblick 59
8 Unternehmensbeispiel Grohe AG 61
8.1 Ausgangssituation 61
8.2 Grohe in der Krise 62
8.3 Die Restrukturierung 63
8.4 Fazit 64
9 Schlussbetrachtung 65
Literaturverzeichnis 66
IV
Abb. Entwicklung von Unternehmenskrisen 10
Abb. Gründe für Restrukturierungen 14
Abb. Krisenreaktionszeit 15
Abb. Phasen der Restrukturierung 15
Abb. Dauer der Restrukturierung 18
Abb. Erfolgsfaktoren von Restrukturierungsprojekten 19
Abb. Ziele der Unternehmensfinanzierung 27
Abb. Abgrenzung Private Equity und Venture Capital 35
Abb. Anbahnung des direkten Einstiegs eines Finanzinvestors 47
Abb. Anbahnung des indirekten Einstiegs 49
V
Tab. Definition des Mittelstandes nach Kriterien des IfM 3
Tab. Definition des Mittelstandes nach Kriterien der EU 5
Tab. Betriebsgrößen Beschäftigungsstruktur im deutschen Mittelstand 6
Tab. Abgrenzung Venture Capital vom Beteiligungskapital 37
Tab. Beteiligungsgesellschaften in Deutschland 56
VI
Abkürzungsverzeichnis
a.a.O.
am angegebenen Ort Abs. Absatz ABl Amtsblatt Art. Artikel AG Aktiengesellschaft BDI Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. BaFin Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BVI Bundesverband Investment und Asset Management e.V. BVK e.V. Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften - German Private Equity and Venture Capital Association e.V. BVMW Bundesverband mittelständische Wirtschaft CSFB Credit Suisse First Boston CMP Capital Management-Partners GmbH DSGV Deutscher Sparkassen- und Giroverband EKQ Eigenkapitalquote EVCA European Private Equity and Venture Capital Association EU Europäische Union GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung IfM Institut für Mittelstandsforschung InvModG Investitionsmodernisierungsgesetz IAS International Accounting Standards IFRS International Financial Reporting Standards IPO Initial Public Offering i.V.m. In Verbindung mit KAG Kapitalanlagegesellschaft KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau KG Kommanditgesellschaft KMU kleine und mittlere Unternehmen LBO Leveraged Buy-Out MIT Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU MBI Management Buy-In
VII MBO
Management Buy-Out OHG Offene Handelsgesellschaft PWC PricewaterhouseCoopers REITs Real Estate Investment Trusts SMEs Small and Medium-Sized Enterprises TPG Texas Pacific Group Tsd. Tausend US-GAAP United States Generally Accepted Accounting Principles VAG Versicherungsaufsichtsgesetz VCG Venture Capital Gesellschaften
1 1
Einleitung In einer aktuellen Umfrage der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gibt rund ein Drittel der befragten Unternehmen an, dass der Kreditzugang im Vergleich zum Vorjahr schwerer geworden ist. 1 Insbesondere hat sich die Aufnahme von neuem Fremdkapital bei einer Verschlechterung der Bonität deutlich erschwert. So geben rund 63 Prozent der Unternehmen mit einer verschlechterten Bonität an, dass sich die Aufnahme in den vergangenen Monaten erschwert hat. 2
Dies bedeutet für die Finanzierung einer Restrukturierung eines Unternehmens in der Krise eine deutliche Erschwernis. Im Rahmen dieser Arbeit soll herausge- funden werden, welche Folgen dies für die klassische Finanzierung der Re- strukturierung eines mittelständischen Unternehmens in der Krise mit Banken- darlehen und -krediten mit sich bringt. Des Weiteren soll festgestellt werden, ob eine Finanzierung durch Finanzinvestoren eine akzeptable Alternative darstellt. Diese Final Thesis beginnt in Kapitel 2 mit der Beschreibung des deutschen Mittelstandes. Dieser wird zunächst definiert und charakterisiert bzw. es werden seine Besonderheiten im Vergleich zu den „Small and Medium-Sized Enterpri- ses“ herausgestellt. Hiernach wird seine Relevanz für den Wirtschaftsstandort Deutschland erläutert. Im nächsten Teil der Arbeit wird die Restrukturierung in der Krise behandelt. Dabei wird zunächst definiert, was unter einer Unternehmenskrise verstanden wird und welche Phasen existieren. Im Anschluss wird auf die Bewältigung die- ser eingegangen. Das 4. Kapitel widmet sich den speziellen Problemen des Mittelstandes, wobei, aufgrund des limitierten Umfangs dieser Arbeit, nur die wichtigsten thematisiert werden können. In dem nachfolgenden Kapitel werden die Grundlagen für die Finanzierung kurz abgehandelt. Dazu wird zunächst auf die allgemeinen Anforderungen an die Unternehmensfinanzierung eingegangen und anschließend auf die Finanzie- rung in der Krise.
2 Kapitel
6 und 7 bilden den Hauptteil dieser Arbeit und beschäftigen sich mit den verschiedenen Möglichkeiten der Finanzierung der Restrukturierung in der Kri- se. Im 6. Kapitel wird die klassische Finanzierung der Restrukturierung in der Krise anhand von Bankendarlehen und –krediten erläutert. Dabei wird auf den in den letzten Jahren zu beobachtenden Wandel in der Fremdmittelvergabe der Ban- ken durch die BASEL II – Vorschriften und den zunehmenden Renditedruck im Bankensektor eingegangen und welche Folgen dies für die Krisenunternehmen bedeutet. Sodann werden die Vor- und Nachteile der klassischen Krisenfinan- zierung einander gegenüber gestellt und ihre Bedeutung in der Zukunft erläu- tert. Das 7. Kapitel behandelt die alternative Finanzierung der Restrukturierung mit Finanzinvestoren. Dazu wird der Begriff des Finanzinvestors zunächst abge- grenzt und die für diese Arbeit relevanten Investoren dargestellt. Außerdem werden im Rahmen dieses Kapitels die Gründe der Attraktivität des deutschen Mittelstandes für die Finanzinvestoren erklärt und sowohl der Ein- und Ausstieg der Investoren beschrieben. Sodann wird auf die volkswirtschaftliche Bedeu- tung der Finanzinvestoren und auf die Heuschreckendebatte eingegangen. Die- ses Kapitel endet mit der Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile sowie ei- nem kurzen Ausblick. Abschließend wird die Grohe AG vorgestellt, die von dem Finanzinvestor BC Partners an die Finanzinvestoren Texas Pacific Group und Credit Suisse First Boston weiterverkauft und restrukturiert wurde. Es wird dabei aufgezeigt, wie Finanzinvestoren ein gesundes Unternehmen aus Renditegründen annähernd in den Ruin treiben, aber auch, wie sie ein wirtschaftlich krankes Unternehmen wieder fit für den globalen Wettbewerb machen. 1
Vgl. Plattner, D./Plankensteiner, D., S. 10 – 11. 2 Vgl. a.a.O., S. 16.
3 2 Deutscher Mittelstand Der
Mittelstand ist einer der gängigsten Begriffe in der Wirtschaftspresse, je- doch wird er nur selten klar umrissen und die einzelnen Definitionen weichen stark von einander ab. Im Rahmen dieses Kapitels wird der Begriff „Mittelstand“ definiert, um im Folgenden auf seine Besonderheiten bzw. seine Charakteristi- ken einzugehen. 2.1 Definition des Mittelstandes
Der Begriff „Mittelstand“ ist in Deutschland kein rechtlich definierter Begriff und ist zudem ein exklusiv deutsches Ideom, welches in anderen Ländern so nicht existiert. Am ehesten lässt er sich mit „Small and Medium-Sized Enterprises“ (SMEs) übersetzen. Die gebräuchlichste Definition in Deutschland ist die des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn. Wie in Tab. 1 zu erkennen, unterscheidet das IfM die Unternehmen anhand der Mitarbeiterzahl und des Jahresumsatzes in kleine (bis zu 9 Mitarbeiter und bis unter eine Million Euro Jahresumsatz), mittlere (10 bis 499 Mitarbeiter und 1 bis unter 50 Millionen Eu- ro Jahresumsatz) und große (über 500 Mitarbeiter und über 50 Millionen Euro Jahresumsatz) Unternehmen. Dabei fasst es kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zum Mittelstand zusammen. Unternehmensgröße Zahl der Beschäftigten Jahresumsatz in €
klein < 9 < 1 Mio. mittel 10 - 499 1 - 50 Mio.
Mittelstand (KMU) < 499 < 50 Mio.
groß > 500 > 50 Mio. Tab. 1 Definition des Mittelstandes nach Kriterien des IfM Quelle : in Anlehnung an vgl. http://www.ifm-bonn.org/index.htm?/dienste/definition.htm Dem Mittelstand gehören demnach alle Unternehmen an, die bis zu 499 Mitar- beiter beschäftigen und einen jährlichen Umsatz bis zu 50 Millionen Euro er- wirtschaften. An dieser Stelle sollte angemerkt werden, dass das IfM selbst die Größen wie Beschäftigte und Umsatz lediglich als Hilfskriterien ansieht, da sich
4 im Gegensatz dazu qualitative Merkmale statistisch kaum erfassen lassen. Je- doch machen gerade diese Aspekte den Mittelstand aus. 3 „Mittelstand ist eine Frage der Geisteshaltung, der Entscheidungsstrukturen und der Bereitschaft, unternehmerisches Risiko zu tragen“. 4 Faktoren wie Tradition und Führungsstil außer Acht zu lassen, ist nicht unproblematisch. So werden viele größere ge- sellschaftergeführte Unternehmen aufgrund der quantitativen Aspekte nicht dem Mittelstand zugeordnet, gehören ihm aber de facto an. 5
Ob ein Unterneh- men dem Mittelstand angehört, sollte demnach ab einer bestimmten Größe im Einzelfall geprüft werden. Eine weitere gängige Definition ist die am 1. Januar 2005 in Kraft getretene De- finition der Europäischen Union. Sie unterteilt die SME bzw. den Mittelstand in mikro (bis zu 9 Mitarbeiter und bis unter 2 Millionen Euro Jahresumsatz oder Bilanzsumme), kleine (10 bis 49 Mitarbeiter und 2 bis 10 Millionen Euro Jahres- umsatz oder Bilanzsumme) und mittelgroße (50 bis 249 Mitarbeiter und 10 bis 50 Millionen Euro Jahresumsatz oder 10 bis 43 Millionen Euro Bilanzsumme) Unternehmen.
6 Ein weiteres Merkmal der europäischen Definition ist das Unabhängigkeitskrite- rium, nachdem sich höchstens bis zu 25 Prozent des Kapitals oder der Stimm- rechte im Besitz eines oder mehrerer Unternehmen befinden dürfen, welche die Definition für KMU nicht erfüllen. Andernfalls wird das Unternehmen nicht mehr als eigenständiges Unternehmen sondern als Partnerunternehmen angesehen. 7 Jedoch gilt das Unternehmen trotz Erreichen oder Überschreiten des Schwel- lenwertes als eigenständig, wenn es sich im Besitz öffentlicher Beteiligungsge- sellschaften, Risikokapitalgesellschaften oder institutioneller Anleger befindet. Diese dürfen allerdings nicht mit dem Unternehmen verbunden sein und weder einzeln noch gemeinsam Kontrolle über das Unternehmen ausüben können. 8
Lassen sich die Anteilseigner aufgrund der Kapitalstreuung nicht eindeutig er- mitteln und somit auch nicht feststellen, ob das Unternehmen mit einem oder 3
Vgl. Wolter, H.-J./Hauser, H.-E., 2001, S. 30. 4
Grunow, H.-W./Figgener, S., 2006, S. 29. 5
Vgl. Wolter, H.-J./Hauser, H.-E., 2001, S. 30. 6
Vgl. Art. 2 Abs. 1 ff. ABl. L 124 vom 20. Mai 2003. 7
Vgl. ebenda. 8 Vgl. Art. 3 Abs. 2 ABl. L 124 vom 20. Mai 2003 i.V.m. Art. 3 Abs. 3 ABl. L 124 vom 20. Mai 2003.
5 mehreren
Unternehmen, die den Merkmalsbestand für KMU nicht erfüllen, ver- bunden ist oder von diesen kontrolliert wird, so kann das Unternehmen nach Treu und Glauben seine Eigenständigkeit erklären.
9 Unternehmens-
größe Zahl der Beschäftigten Jahresumsatz in € oder
Bilanzsumme in €
mikro < 9 < 2 Mio. < 2 Mio. klein 10 - 49 2 - 10 Mio. 2 - 10 Mio. mittelgroß 50 - 249 10 - 50 Mio. 10 - 43 Mio.
Mittelstand (KMU) < 249 < 50 Mio. < 43 Mio.
groß > 250 > 50 Mio. > 43 Mio. Tab.
2 Definition des Mittelstandes nach Kriterien der EU
Quelle: eigene Darstellung nach Art. 2 Abs. 1 ff. ABl. L 124 vom 20. Mai 2003
Da in dieser Arbeit der Schwerpunkt auf den deutschen Mittelstand gerichtet ist, beziehen sich die Angaben, wenn nicht anders angegeben, auf die Definition des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn.
2.2 Charakterisierung des deutschen Mittelstandes
Per Definition gehört das kleine Einmann-Unternehmen ebenso zum Mittelstand wie das Unternehmen mit 499 Mitarbeitern. Folglich gehören mehr als 99 Pro- zent der deutschen Unternehmen dem Mittelstand an. 10
Dies zeigt, dass der Mittelstand keine homogene Unternehmensgruppe ist. Er ist vielmehr ein Sam- melbecken für Firmen verschiedener Größe, Branchen und Rechtsformen. An dieser Stelle soll versucht werden, den deutschen Mittelstand mit seinen Be- sonderheiten zu charakterisieren. Die Betriebe mit bis zu fünf Beschäftigten bilden mit etwa 68,5 Prozent den Großteil der rund 2,1 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen. Im Gegen- satz dazu sind nur knapp 14,9 Prozent der insgesamt 21,2 Millionen sozialver- sicherungspflichtigen Beschäftigten in Betrieben dieser Größenordnung gemel- 9
Vgl. Art. 3 Abs. 5 ABl. L 124 vom 20. Mai 2003. 10 Vgl. Kreditanstalt für Wiederaufbau et al., M. et al, 2007, S. V.
6 det.
Die Betriebe mit 6 bis 9 Beschäftigten sind mit 12 Prozent die zweithäufigs- te Unternehmensgröße, gefolgt von den Betrieben mit 10 bis 19 (9,5 %), 20 bis 49 (6 %) und 50 bis 99 Beschäftigten (2,2 %). Betriebe mit … Beschäftigten im Jahr 2000 1 - 5 6 - 9 10 - 19 20 - 49 50 - 99 100 - 499 Gesamt Betriebe in Tsd. 1.458 256 203 129 47 35 2.128 in % 68,52 12,03 9,54 6,06 2,21 1,64 100,00 Beschäftigte in Tsd. 3.168 1.850 2.178 3.899 3.212 6.920 21.227 in % 14,92 8,72 10,26 18,37 15,13 32,60 100,00 Tab. 3 Betriebsgrößen- u. Beschäftigungsstruktur im deutschen Mittelstand
Quelle : in Anlehnung an Günterberg, B./Wolter, H.-J., 2002, S.163.
Die Unternehmen mit 100 bis unter 500 Beschäftigten bilden mit knapp 1,6 Pro- zent eine klare Minderheit, die jedoch allein knapp ein Drittel der sozialversiche- rungspflichtigen Arbeitsplätze stellt. Bei den Rechtsformen zeichnet sich ein recht ähnliches Bild ab. Rund 70 Pro- zent der Unternehmen im Mittelstand sind Einzelunternehmer, circa 15 Prozent Kapitalgesellschaften (z. B. GmbH oder AG), circa 13 Prozent Personengesell- schaften (z. B. OHG oder KG) und etwa zwei Prozent sonstige Rechtsformen.
11 Ein oft anzutreffendes Merkmal deutscher Mittelständler ist die Einheit von Ei- gentum und Führung des Unternehmens. 12 Knapp 90 Prozent der mittelständi- schen Unternehmen sind inhabergeführt. 13 Der Unternehmer prägt die Unter- nehmensstrategie und Unternehmenskultur maßgeblich und beeinflusst ihre Entwicklung, da seine persönlichen Ziele größtenteils mit den Zielen seines Un- ternehmens übereinstimmen. 14 Zudem sind viele mittelständische Unternehmen in Familienbesitz.
15 11
Vgl. Günterberg, B./Kayser, G., 2004, S. 12. 12
Vgl. Günterberg, B./Wolter, H.-J., 2002, S. 3. 13 Vgl. Deutscher Sparkassen- und Giroverband, 2003, S. 10. 14
Vgl. Achleiter, A.-K./Fingerle, C. H., 2004, S. 9. 15 Vgl. ebenda.
7 2.3
Bedeutung des Mittelstandes für Deutschland „Der
Mittelstand hat sich zur Konjunkturlokomotive in Deutschland entwickelt“. Mit diesen Worten beschreibt der Bundesminister für Wirtschaft und Technolo- gie Michael Glos anlässlich der Vorstellung des Mittelstandsmonitors 2007 am 1. März 2007 die Bedeutung des Mittelstandes für Deutschland.
16 Die 3,5 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen, sowie Selbstständige aus Handel, Handwerk, Industrie und dem Dienstleistungsbereich und die freien Berufe gelten als treibende Kraft für Wirtschaftswachstum und Beschäftigung. Denn gemeinsam stellen sie rund 70 Prozent der Arbeitsplätze und mehr als vier von fünf Ausbildungsplätzen. 17 Außerdem tragen kleine und mittlere Unter- nehmen mit rund 43,5 Prozent zur gesamten Bruttowertschöpfung (einschließ- lich der des Staates) bei.
18 Neben den für sich sprechenden Zahlen wird zusätzlich durch die Vielzahl der Mittelstandsverbände und –vereine wie dem Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI) oder dem Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) die politische Bedeutung des Mittelstandes deutlich. Dieser steht im Zentrum vieler öffentlicher Initiativen wie z. B. die aktuelle Mittelstandsinitiative der Bundesregierung, die u.a. den Bürokratieabbau fördern und eine Verbesse- rung der Finanzierungssituation für die kleinen und mittelständischen Unter- nehmen herbeiführen soll. 19
Dass Politik heute nicht mehr ohne den Mittelstand gemacht werden kann, zeigt sich auch dadurch, dass es parteiabhängige Ver- bände und Vereine wie die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU (MIT) gibt. Zu Recht darf der Mittelstand also als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bezeichnet werden. 16
Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie: Pressemitteilung vom 01.03.07. 17
Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, 2006, S. 5. 18
Vgl. Günterberg, B./Wolter, H.-J., 2002, S. 22. 19 Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, 10.07.2006.
8 3
Restrukturierung in der Krise In der Betriebswirtschaftslehre existiert kein einheitlicher Krisenbegriff, jedoch hat sich in der deutschsprachigen Literatur die Definition von Krystek durchge- setzt. Danach sind Unternehmenskrisen ungeplante Prozesse von begrenzter Dauer und Beeinflussbarkeit sowie mit ambivalentem Ausgang. 20 Diese Pro- zesse können die Existenz der ganzen Unternehmung dauerhaft gefährden o- der sogar beenden. Dies geschieht dadurch, dass die dominanten Ziele der Un- ternehmung nicht erreicht werden. Unter dominanten Zielen versteht man die stetige Solvenz, also die Zahlungsfähigkeit und die Vermeidung der Überschul- dung 21 sowie die mittel- bis langfristige Erwirtschaftung eines Mindestgewinnes und die Sicherung der Erfolgspotenziale des Unternehmens. 22 „Das Erfolgspo- tenzial bildet dabei die langfristige Grundlage für die Gewinnerzielung eines Unternehmens, die wiederum die Zahlungsfähigkeit sichert und eine Über- schuldung vermeidet.“
23 Grundsätzlich wird bei Unternehmenskrisen nach endogenen und exogenen Einflussfaktoren unterschieden. Auf Erstere kann das Unternehmen Einfluss nehmen und hat diese (meistens) selbst verschuldet. Führungsfehler und eine unzureichende Eigenkapitalausstattung zählen dabei zu den häufigsten Ursa- chen. Auf exogene Faktoren, wie z. B. die Konjunktur und strukturelle Rahmen- bedingungen hat das Unternehmen keinen direkten Einfluss. Häufig wirken en- dogene und exogene Einflüsse zusammen und führen zur Unternehmenskri- se. 24 Aber nur selten kommt diese wirklich unerwartet. „Meist ist die Krise ein schleichender Vorgang, der oftmals seit vielen Jahren besteht und sich immer mehr verstärkt, bis die Krankheitssymptome des Unternehmens offen zu Tage treten.“ 25 Häufig haben diese eine Vorlaufzeit von bis zu zwei Jahren.
26 20
Vgl. Krystek, U., 1987, S. 6 – 7. 21
Eine Überschuldung eines Unternehmens liegt vor, wenn die Verbindlichkeiten höher als die Vermö- genswerte sind. Dabei sind nicht die handels- oder steuerrechtlichen Wertansätze maßgeblich, sondern die aktuellen Zeitwerte nach dem Fortführungsprinzip (sofern davon ausgegangen werden kann). Siehe dazu: ter Horst, K. W., 2000, S. 86. 22
Vgl. ebenda. 23
Kudla, R., 2005, S.80. 24 Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon, 2000, Stichwort: Unternehmenskrise.
9 3.1
Phasen der Unternehmenskrise Die Unternehmenskrisen lassen sich – wie in Abb. 1 sichtbar – in drei Phasen unterscheiden, die aufeinander aufbauen. Bei der strategischen Krise sind die langfristigen Erfolgspotenziale bzw. ist die Wettbewerbsfähigkeit des Unter- nehmens gefährdet. 27 Mögliche Beispiele sind der Verlust eines Technologie- vorsprungs, eine verpasste Markterschließung, eine unrentable Expansion oder ein unnötiger Aufbau von Überkapazitäten. 28 Wie in Abb. 1 deutlich wird, ist es nur möglich, der strategischen Krise mit langfristigen Gegenmaßnahmen zu begegnen. Auch ist ihre Erkennung zu diesem Zeitpunkt relativ schwer, da häu- fig dem Management die nötigen Frühwarnsysteme fehlen. Hinzu kommt, dass die Geschäftsführung oft bewusst die ersten Krisenmerkmale nicht zur Kenntnis nimmt und sich auf die zukünftige Entwicklung konzentriert.
29 Die Ergebniskrise, auch operative Krise, hingegen schlägt sich deutlich im ope- rativen Ergebnis nieder. So werden die mittelfristigen Renditeziele dauerhaft und bei Weitem verfehlt sowie Verluste erwirtschaftet. 30 Abgesehen von dem fehlenden Erfolgspotenzial sind insbesondere die Ineffizienzen im Management verantwortlich für die operative Krise. 31
Neben langfristigen müssen auch mittel- fristige Maßnahmen zum Tragen kommen, um diese Krise zu überwinden. Wie in Abb. 1 sichtbar, nimmt der Grad der Bedrohung für die Unternehmung zu und gleichzeitig der Handlungsspielraum ab. Bei der Liquiditätskrise droht die kurzfristige Zahlungsunfähigkeit und/oder die Überschuldung der Gesellschaft. Dies ist die Folge der länger anhaltenden Ver- luste und dem daraus resultierenden Aufbrauchen der finanziellen Reserven. 32
Die Liquiditätskrise ist, wie unten abgebildet, die Konsequenz der Ergebniskri- se, wenn keine geeigneten Maßnahmen zu ihrer Überwindung eingeleitet wur- den. Üblicherweise durchlaufen die meisten krisengeschüttelten Unternehmen 25
Seefelder, G., 2003, S. 54. 26
Vgl. Faulhaber, P./Landwehr, N., 2005, S. 17. 27
Vgl. Müller, R., 1986, S. 53 – 54. 28
Vgl. Kudla, R., 2005, S.81 – 82. 29
Vgl. Faulhaber, P./Landwehr, N., 2005, S. 17. 30
Vgl. Kudla, R., 2005, S.82. 31
Vgl. ebenda. 32 Vgl. Müller, R., 1986, S. 54 – 55.
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Bachelor of Arts Business Administration Christoph Sindezingue, 2007, Finanzierung von Restrukturierungen in der Krise bei mittelständischen Unternehmen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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