2
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis 5
Abkürzungsverzeichnis 6
A. Einführung
1. Problemstellung 7
2. Ziele und Aufbau der Arbeit 8
B. Relevante Aspekte einer internationalen Standortwahl
1. Begriffsdefinition - Internationale Standortwahl 9
2. Die Globalisierung der deutsche Automobilindustrie 10
3. Die Bedeutung Südamerikas für die deutsche Automobilindustrie 11
C. Determinanten der internationalen Standortwahl (am Beispiel Brasilien)
1. Formen, Arten und Motive einer Auslandsinvestition 12
1.1. Formen der Investition 13
1.1.1. Joint Venture 14
1.1.2. Akquisition 16
1.1.3. Neugründung 17
1.2. Branchenspezifische Art der Investition 18
1.2.1. Repräsentanz 20
1.2.2. Vertriebsgesellschaft 20
1.2.3. Verbundfertigung 20
1.2.4. Montage 21
1.2.5. Produktion 21
1.3. Motive einer Direktinvestition 21
2. Standortfaktoren 23
2.1. Unternehmensexterne Standortfaktoren 23
2.1.1. Wirtschaftliche Standortbedingungen 24
2.1.1.1. Absatzmarkt/Allg. Geschäfts- u. Lebensbedingungen 26
2.1.1.2. Wettbewerb- / Konkurrenzsituation 27
2.1.1.3. Investitionsklima in wirtschaftlicher Sicht 29
2 1 1 4 Infrastruktur 30
3
2.1.1.4.1. Telekommunikation 30
2.1.1.4.2. Energiewirtschaft 31
2.1.1.4.3. Transport und Verkehr 31
2.1.1.4.4. Grundstückskosten für Industrieanlagen 32
2.1.1.5. Arbeitsmarkt 33
2.1.1.5.1. Lohnniveau 34
2.1.1.5.2. Arbeitslosigkeit, Gewerkschaften 35
2.1.1.5.3. Ausbildungsstand 36
2.1.1.6. Inflation 36
2.1.2. Politische Standortbedingungen 37
2.1.2.1. Steuerrecht 38
2.1.2.1.1. Bundessteuern 39
2.1.2.1.2. Ländersteuern 39
2.1.2.1.3. Gemeindesteuern 40
2.1.2.2. Institutionelle Marktbarrieren 40
2.1.2.3. Wirtschaftsförderung 40
2.1.2.4. Politisches Risiko 41
2.1.2.4.1. Staatsverschuldung 42
2.1.2.4.2. Kontinuität der Wirtschaftspolitik 43
2.1.2.4.3. Politisches System 44
2.1.3. Rechtliche Faktoren 45
2.1.3.1. Rechtssystem 46
2.1.3.2. Gesetzgebung für Direktinvestitionen 47
2.1.4. Sonstige Standortbedingungen 47
2.1.4.1. Kulturelle / Soziale Bedingungen 47
2.1.4.1.1. Kulturelle Affinität zwischen Gastland und Unternehmen 48
2.1.4.1.2. Mentalitätsunterschiede 48
2.1.4.1.3. Religionsunterschiede 49
2.1.4.1.4. Sprachunterschiede 49
2.1.4.2. Geografische Bedingungen 50
2.1.4.2.1.1. Topografie 50
2.1.4.2.1.2. Klima 50
2 2 Unternehmensinterne Standortfaktoren 51
4
D. Die grundsätzlichen Phasen einer internationalen Standortbestimmung
1. Überblick über den Ablauf einer Standortwahl 52
2. Die Initiativphase 53
3. Die Konzeptphase 54
4. Die Bewertungsphase 55
4.1. Das Scanning (Ländervorauswahl) 56
4.2. Die Makroanalyse (Grobanalyse) 57
4.2.1. Die Ermittlung von Auswahlkriterien 57
4.2.1.1. Volkswirtschaftliche Kriterien 58
4.2.1.2. Betriebswirtschaftliche Kriterien 58
4.2.2. Die Informationsbeschaffung 59
4.2.3. Die Informationsverarbeitung / Grobauswahl 62
4.3. Die Mikroanalyse (Feinanalyse) 63
5. Die Entscheidungsphase 65
6. Zusammenfassung 65
E. Fazit 67
Anlagen 68
Literaturverzeichnis 71
5
Abbildungs- / Tabellenverzeichnis
Abbildungen:
Abb. 1: Aufbau der Arbeit
Abb. 2: Der Kreis der Direktinvestitionen
Abb. 3: Der Einfluss der Arten von Direktinvestitionen in der Kfz-Industrie
Abb. 4: Die Entwicklung des brasilianischen Kfz-Bestandes
Abb. 5: Die Entwicklung der brasilianischen Pkw-Produktion
Abb. 6: Die Entwicklung der brasilianischen Arbeitslosenquote
Abb. 7: Die Entwicklung der brasilianischen Inflation
Abb. 8: Die Marktattraktivität Brasiliens im Vergleich zu anderen Ländern
Abb. 9: Die Entwicklung der brasilianischen Auslandsverschuldung
Abb.10: Der Zufluss ausländischer Direktinvestitionen nach Brasilien
Abb.11: Der brasilianische Devisenbestand
Abb.12: Die Sitzverteilung im brasilianischen Abgeordnetenhaus
Abb.13: Die Sitzverteilung im brasilianischen Senat
Abb.14: Die Struktur der internationalen Standortentscheidung
Abb.15: Unternehmensinterne Quellen
Abb.16: Unternehmensexterne Quellen
Tabellen:
Tab. 1: Die Entwicklung der südamerikanischen Wirtschaft
Tab. 2: Vor- und Nachteile des Joint Ventures
Tab. 3: Vor- und Nachteile der Akquisition
Tab. 4: Vor- und Nachteile der Neugründung
Tab. 5: Die Bedeutung unternehmensexterner Standortfaktoren
Tab. 6: Der brasilianische Außenhandel mit Kfz-Teilen
Tab. 7: Das brasilianische Lohnniveau im industriellen Bereich
Tab 8: Standortrelevante Datenbankangebote in Deutschland
6
▄▄▄▄▄▄▄▄▄▄▄▄▄▄▄▄▄▄▄▄▄▄▄▄▄▄▄▄▄▄▄▄▄▄▄▄▄▄ Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung
AG Aktiengesellschaft
ANFAVEA Associaçáo Nacional dos Fabricantes de Veículos Automotores
Aufl. Auflage
bfai Bundesanstalt für Außenhandelsinformationen
BIP Bruttoinlandsprodukt
BSP Bruttosozialprodukt
bspw. beispielsweise
bzw. beziehungsweise
ca. cirka
CAD computer aided design
CADE Conselho Administrativo de Defesa Econômica
CKD completely knocked down
d.h. das heißt
DM Deutsche Mark
EDV Elektronische Daten Verarbeitung
EU Europäische Union
f. folgende Seite
ff. fortfolgende Seiten
FH Fachhochschule
GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Hrsg. Herausgeber
ICMS Imposto sobre a Circulação de Mercadorias e Serviços
JV Joint Venture
k.A. keine Angaben
Kfz. Kraftfahrzeug
K.o. knock-out
KWh Kilowattstunde
Lkw Lastkraftwagen
Ltda. Sociedade por Quotas de Responsibilidade Limitada
Mercosur Mercado Común del Cono Sur
Mio. Millionen
Mrd. Milliarden
Nfz. Nutzfahrzeug
OEM Original Equipment Manufacturer
o.V. ohne Verfasserangabe
Pkw Personenkraftwagen
S. Seite(n)
S.A. Sociedade por Ações
SKD semi knocked down
US$ United States Dollar
USA United States of America
vgl. vergleiche
z.B. zum Beispiel
7
A. Einführung
A.1. Problemstellung
Bedingt durch die Sättigung der Heimatmärkte und die weltweiten Aktivitäten ihrer Kunden sind Wachstumspotentiale für die mittelständischen deutschen Unternehmen heute vor allem auf ausländischen Märkten vorhanden. Bislang erwirtschafteten sie in ihrer Gesamtheit lediglich durchschnittlich 25% ihres Umsatzes im Ausland, und den Großteil davon schwerpunktmäßig in Europa. Die Mehrzahl der Unternehmen will zumindest in gleichen Teilen im In- und Ausland wachsen. Der Aspekt der Internationalisierung ist einer der 1 wichtigsten unter den Erfolgsfaktoren für eine Unternehmung. Gerade im Bereich der Automobilindustrie haben sich die Wettbewerbsbedingungen in den 1990er Jahren entscheidend verändert. Unter den Bedingungen einer liberalen Welthandelsordnung sowie eines ungehinderten Kapital- und Dienstleistungsverkehrs entsteht ein Zwang die Fertigungsprozesse, Standorte, Vorleistungsbezüge und Vertriebsnetze neu zu ordnen und auszubauen.
Für die deutschen Automobilzulieferer bedeutet dies, dass sie die Globalisierung als Herausforderung annehmen und ihr Netz von Kooperationen und eigenen Fertigungsstätten aus-weiten müssen. Dies gilt sowohl für die traditionellen Fertigungsstandorte, wie die USA 2 und Westeuropa, als auch für die neuen Fertigungsregionen, wie z.B. Lateinamerika. Die Automobilzulieferer können ihre Fabriken entweder an einem kostengünstigen Produktionsstandort oder in einem hungrigen Nachfragemarkt errichten - oder noch besser: an einem Ort wo beide Faktoren zusammentreffen. Aus dem im Vergleich zu westeuropäischen oder US-amerikanischen Verhältnissen sehr geringen Kfz-Bestand, dem viel versprechenden Wachstumspotential und den "local content" Regelungen der lateinamerikanischen Regierungen (Bedarfsdeckung der Kfz-Komponenten aus nationaler Fertigung) bieten sich gute Absatzchancen für eine Produktion vor Ort. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Möglichkeit durch ein Engagement auf diesem "emerging market" (Markt mit hoher Wachstumserwartung) Einbußen der Automobilindustrie in anderen Regionen der Welt zu kompensieren.
1 Vgl. „Expansion mit der richtigen Unternehmensstrategie“ in Fachmagazin für Wirtschaftsing./Berlin (02/99)
2 Vgl. „Auto 1999-Jahresbericht des VDA“ (1999), S.14f
8
Mit seinen mittelfristigen Wachstumsperspektiven ist vor allem Brasilien ein viel versprechender Automobilstandort. Die deutschen Hersteller verfügen über eine sehr gute Marktposition. Der deutsche Anteil am brasilianischen Automobilmarkt betrug 1999 bei den Automobilherstellern 31% und bei den Teileproduzenten (direkte Exporte aus Deutschland) 3 16,25%.
Dank einiger in der letzten Zeit abgeschlossener Investitionsprojekte ist mit einer weiteren Steigerung des deutschen Anteils an der Gesamtproduktion in Brasilien zu rechnen. Diese Arbeit wird verfasst für ein mittelständisches Unternehmen der
Automobilzulieferindustrie. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Arbeit ist das Unternehmen bereits weltweit in verschiedenen Konstellationen aktiv. Es gibt diverse Kooperationen, Tochterunternehmen und Joint Ventures. In Mittel- und Südamerika sind bis jetzt ein Joint Venture, sowie eine Fertigungskooperation in Mexiko, und ein Vertriebsbüro in Brasilien realisiert worden.
A.2. Ziele und Aufbau dieser Arbeit
Mit der vorliegenden Arbeit soll versucht werden die Kerninhalte einer internationalen Standortwahl herauszuarbeiten. Um dem komplexen Prozess der Standortwahl und seiner Determinanten einen Praxisbezug zu geben, sollen die deutsche Automobilzulieferindustrie und die möglichen Investitionen dieser Branche in Südamerika (Brasilien) näher beobachtet werden.
Es ergeben sich die folgenden Kernfragen:
- Was sind die relevanten Aspekte und Grundlagen für eine internationale Standortwahl und damit ein Engagement der deutschen
Automobilzulieferindustrie in Südamerika (besonders Brasilien)?
- Was sind die wesentlichen Determinanten einer internationalen Standortwahl und wie äußern sich diese in Brasilien?
- In welchen Phasen verläuft ein internationaler Standortentscheidungsprozess grundsätzlich?
Der grundlegende Aufbau dieser Arbeit lässt sich der folgenden Abbildung entnehmen:
3 Vgl. „Brazilian Autoparts Industry Performance“ - SINDIPEÇAS (2000), S.12f
9
Abbildung 1 : Aufbau der Arbeit (eigene Darstellung)
B.1. Begriffsdefinition - Die internationale Standortwahl.
Um den Begriff der internationalen Standortwahl zu erklären, zerlegt man ihn am besten in seine beiden Bestandteile.
Der Begriff „international“ lässt sich mit der folgenden Definition beschreiben: „ Als international wird in diesem Sinne eine Unternehmung dann bezeichnet, wenn sie einen für ihre Situation nicht unbedeutenden Teil ihrer Leistungs- und Finanzierungsprozesse in mehr 4 als einem Land abwickelt “.
Mit dem Begriff des Standortes wird der geographische Ort bezeichnet, an welchem ein 5 Industriegut produziert oder verwertet wird. Bei weltweit agierenden Unternehmen muss
zwischen Standorten im In- und Ausland unterschieden werden und es handelt sich oft um
4 Vgl. Segler, K. (1986), S.11
5 Vgl. Wöhe, G. (1993), S.473-490
10
Standorte, an denen nur eine einzige Funktion installiert ist, z.B. Vertrieb, Fertigung und 6 Entwicklung oder Produktion.
Die Standortentscheidung für sich ist der Prozess, bei welchem eine Entscheidung für eine bestimmtes Gebiet oder Land gefällt wird. Die Auswahl wird getroffen, in dem zwei 7 Teilentscheidungen getroffen werden. Es handelt sich hierbei um die Entscheidung der Form
einer Investition (der Direktinvestition) und die Wahl des entsprechenden Landes. Auf beides soll hier im Folgenden eingegangen werden.
Anschließend werden die Grundsätze der internationalen Standortwahl als Stufenprozess dargestellt.
B.2. Die Globalisierung der deutschen Automobilindustrie
Die deutsche Automobilindustrie beeinflusst maßgeblich die Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft und kann durchaus auf Grund ihres ökonomischen Gewichtes als eine Schlüsselbranche bezeichnet werden (ungefähr jeder siebte Arbeitsplatz hängt in Deutschland vom Automobil ab).
Neben den direkt in der Automobilindustrie Beschäftigten ergibt sich durch die heutige Beschränkung der Automobilhersteller auf eine Kernfertigung ein hoher und differenzierter 8 Vorleistungsbedarf. Dieser wird durch Zulieferer und Vorlieferanten gedeckt.
Durch die zunehmende Internationalisierung der Beschaffung bei den Automobilherstellern sehen sich in der heutigen Zeit besonders Unternehmen der Mittelständischen Automobilzulieferindustrie vor neue Herausforderungen gestellt. Sie werden mit bis dato 9 unbekannten Wettbewerbern konfrontiert ("Global Sourcing", also weltweite Beschaffung). Standortnachteile in Deutschland zwingen die Zulieferer, zumindest teilweise ihre Fertigung an andere Standorte zu verlagern. Gleichzeitig erfordern immer kürzere Belieferungszeiten die räumliche Nähe zum Abnehmer.
Somit stehen die Zulieferer der Herausforderung gegenüber ihren Kunden bei der Internationalisierung zu folgen. Die Präsenz in den wichtigsten Weltmärkten mit eigenen 10 Produktionsstätten wird zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Wie eine Studie des Fraunhofer Instituts zeigt, sind es besonders die Firmen der Investitionsgüterindustrie, also auch Automobilzulieferer, welche im Ausland präsent sind.
6 Vgl. Lüder, K.; Küpper, W. (Standortplanung) 1983, S.4
7 Vgl. Pott, P. (1983), S.4f
8 Vgl. Großindustrie und industrieller Mittelstand, BDI 1999
9 Vgl. Großindustrie und industrieller Mittelstand, BDI 1999
10 Vgl. Kommentar von Dr. Jürgen Behrend (Hella) in Automobil-Produktion, April 1996
11
Ungefähr 45% dieser besitzen eigene Auslandsniederlassungen, ein Drittel nutzt (zusätzlich) 11 Kooperationen oder Joint Ventures. Selbst für relativ kleine Mittelständler wird die Globalisierung zu einem immer wichtigeren Thema.
Im Folgenden sollen deshalb die Möglichkeiten und Chancen eines mittelständischen Unternehmens der Automobilzulieferindustrie in Lateinamerika (Brasilien) eine Produktion aufzubauen näher beleuchtet werden. Südamerika gehört heute bereits zu den acht größten Fahrzeugmärkten weltweit und wird mit Sicherheit seine Position gegen die einbrechenden 12 Märkte in Europa weiter verbessern.
B.3. Die Bedeutung Südamerikas für die deutsche Automobilindustrie
Automobilhersteller und Zulieferer sind gezwungen ihre Produktionsstandorte dort zu errichten, wo entweder eine kostengünstige Fertigung möglich ist, oder ein hungriger Nachfragemarkt vorhanden ist. Noch besser ist es natürlich, wenn beide Faktoren zusammentreffen. Dieses trifft auf den Südamerikanischen Markt zu. Der Wirtschaftsraum Südamerika erlebte in den letzten Jahren tief greifende Umwälzungen 13 und wird von deutschen Unternehmen oft unterbewertet. Es herrscht oft noch das Bild von
Drogen, Terrorismus, Korruption und Verschuldung vor. Doch dieses ist nur eine Art und Weise der Betrachtung.
Mit annähernd drei Millionen produzierten Kraftfahrzeugen besitzt die Region von Zentral-und Südamerika das viergrößte Produktionspotential weltweit. Die ersten drei Ränge werden 14 von den Regionen Westeuropa, Nordamerika und der Asiatisch-pazifischen Region belegt. Eine eindeutige Stabilisation wurde in der Region durch die Gründung eines gemeinsamen Marktes (des „MERCOSUL - Mercado Comun do Sul“) im Jahre 1991 erzielt. Die vor wenigen Jahren noch grenzenlose Inflation in der Region hat sich dadurch stabilisiert.
11 Vgl. Produktinnovationserhebung Nr.16, Fraunhofer Inst. für Systemt. und Innovationsf. (05/2000)
12 Vgl. „Close to the customer“ in local global - Magazin für Außenwirtschaft 24.08.1999
13 Vgl. Hanser, P.; Kemperdieck, J.; Roßbach, H. (1994), S.32 f.
14 Vgl. Global Market Data Book, Crain Communications (1999)
12
15 Die wichtigsten Wirtschaftswachstumszahlen der Region zeigt die folgende Tabelle:
Tabelle 1 : Entwicklung der südamerikanischen Wirtschaft
Ein Einstieg in die Region ist für das Unternehmen bereits durch eine direkte Belieferung der Volkswagen AG in Brasilien realisiert. Diese werden aktuell im Rahmen von CKDcompletely knocked down - Lieferungen realisiert. Eine Produktionsstätte ist in Mexiko errichtet worden. Diese beliefert jedoch hauptsächlich den mexikanischen und Nordamerikanischen Markt. Deshalb sollen als Hilfestellung für das Management in dieser Arbeit neben den Grundlagen für eine internationale Standortentscheidung die Faktoren im Hinblick auf ein Engagement in Südamerika (Brasilien) näher beleuchtet werden.
C. Determinanten der internationalen Standortwahl am
Beispiel Brasilien
C.1. Formen, Arten und Motive einer Auslandsinvestition
Eine mögliche Form der Auslandsmarktbearbeitung stellt die Wahl einer Direktinvestition dar. Sie haben den Zweck, dass der Investor unmittelbaren Einfluss auf die Geschäftstätigkeit 16 eines ausländischen Unternehmens hat. Neben einem Kapitaltransfer findet ein Realtransfer statt, d.h. es werden z.B. Maschinen und Anlagen verbracht, aber auch z.B. Management Know-how vermittelt. Ein wichtiger nicht zu unterschätzender Faktor ist der notwendige Transfer von Mitarbeitern („Humankapital“). Die Direktinvestition bedingt eine internationale
15 Siehe Länderanalyse der DG Bank (2000)
16 Vgl. Autschbach, J. (1997), S.11
13
Standortwahl und Standortentscheidung. Weitere Formen, wie Export oder Lizenzvergabe, 17 erfordern keine Standortentscheidung.
Eine Abgrenzung der möglichen Formen einer Auslandsmarkbearbeitung, welche eine Direktinvestition bedingen und welche ohne auskommen, ist in der folgenden Grafik verdeutlicht:
18 (Eigene Darstellung) Abbildung 2 : „Der Kreis der Direktinvestitionen“
Im Folgenden soll auf die Formen, Arten und Motive für ein Auslandsengagement in Form einer Direktinvestition eingegangen werden. Die Erläuterungen beschränken sich auf die 19 „moderne Theorie der Direktinvestition“.
Kapitel 1.1 behandelt die Direktinvestitionsformen und deren Bedeutung. In Kapitel 1.2 wird auf die Bedeutung für die Automobilindustrie eingegangen und in Kapitel 1.3 einige Theorien der Direktinvestition verdeutlicht werden.
C.1.1 . Formen einer Direktinvestition
Grundsätzlich lassen sich die folgenden drei Arten einer Direktinvestition, welche für ein Engagement in Frage kommen, unterscheiden:
- das Joint Venture
17 Vgl. Autschbach, J. (1997), S.12
18 Eigene Darstellung, Vgl. auch Schenck, K.-E. (1994) S.166
19 Vgl. Porter, M.E. (1991), S.23
14
- die Akquisition (Übernahme) 20 - die (Neu-) Gründung
Im Hinblick auf eine internationale Standortentscheidung muss beim Joint Venture und der Akquisition eine „pro/contra“ Entscheidung in Hinsicht auf den Partner und den bereits vorhandenen Standort getroffen werden. Wenn der Joint Venture Partner aus einem dritten Land kommt oder es sich um eine Neugründung handelt sind nur die verschiedenen 21 Standortalternativen zu prüfen. Im Hinblick auf ein Joint Venture ist es bei dem
Unternehmen wiederholt zu Problemen mit verschiedenen JV Partnern gekommen, so dass die Aussage gilt: „Nie wieder ein Joint Venture, stattdessen lieber eine „eigene Garage“ mit fünf bis sieben Mitarbeitern...“
C.1.1.1 . Das Joint Venture
Mit einem Joint Venture wird wörtlich übersetzt ein „gemeinsames Wagnis/Risiko“ 22 bezeichnet. Bei näherer Betrachtung ergibt sich die Definition, dass ein JV vorliegt, wenn mindestens zwei wirtschaftlich und rechtlich voneinander unabhängige Partner ein Bündnis eingehen. Dieses bezieht sich sowohl auf die Führungsverantwortung, als auch das finanzielle 23 Risiko.
Charakteristische Eigenschaften von Joint Ventures sind:
- eine Risikoverteilung unter den Partnern
- eine geteilte Verantwortung
- die Partner behalten ihre eigene Unternehmensidentität
- ein kontinuierlicher Wissens- und Finanztransfer 24 - das Projekt ist unteilbar.
Joint Ventures werden in ihrer Form im Wesentlichen nach Rechtsstatus und Beteiligungsverhältnis unterschieden.
Beim Rechtsstatus werden Gemeinschaftsunternehmen ohne, oder mit Staatsbeteiligung unterschieden. Bei einer staatlichen Beteiligung spricht man von so genannten „mixed 25 ventures“ (gemischten Gesellschaften).
20 Vgl. Meyer, K.E.; Rühmann, P. (1993), S.62f
21 Vgl. Autschbach, J. (1997), S.68
22 Vgl. VDI Gesellschaft Entwicklung, Konstruktion, Vertrieb (1991), S.41
23 Vgl. Weder (1989), S.33f
15
Bei den Beteiligungsverhältnissen sind Mehrheit Joint Ventures, Paritätische Joint Ventures 26 und Minderheiten Joint Ventures zu unterscheiden.
Ein Joint Venture wird dann gegründet, wenn es den Partnern Vorteile gewährt, welche sich nicht innerbetrieblich durch eine veränderte Organisation oder durch marktmäßige Transaktionen verwirklichen lassen. Die Unternehmen in dem entsprechenden Gastland versprechen sich einen Zufluss von Kapital, den Erwerb neuen Management Know-hows, Zugang zu neuen Produktionstechnologien, Nutzung westlichen Vertriebs- und Marketing Know-hows zur Reduzierung von Absatzproblemen auf dem Binnenmarkt, sowie eine 27 Steigerung der Exportfähigkeit.
Risiken bestehen im Joint Venture in Form von möglichen partnerschaftsinternen Instabilitäten, diese könnten sein:
- Interessenskonflikte
- Verteilungskonflikte
- Konflikte in der Vertragsgestaltung
- Opportunistisches Verhalten
- Konflikte verschiedenartiger Unternehmenskulturen 28 - Konflikte im Führungsstil
Falls die angegebenen Risikofälle tatsächlich eintreten, haben die entsprechenden Partner die Möglichkeit durch Modifikation des Joint Venture Vertrages, Einstellung des Joint Ventures 29 oder die Übernahme des bisherigen Joint Ventures durch einen Partner zu reagieren.
30 In der folgenden Tabelle sind Vor- und Nachteile des Joint Venture zusammengefasst:
Tabelle 2 : Vorteile & Nachteile des Joint Ventures (Eigene Darstellung)
24 Vgl. Meffert/Bolz (1994), S.123
25 Vgl. Kumar (1975), S.259f
26 Vgl. Kumar (1975), S.257ff
27 Vgl. Autschbach (1997), S.72f
28 Vgl. Taylor & Francis (1989), S.45ff
29 Vgl. Autschbach , J. (1997), S.74f
30 Siehe Wieselhuber & Partner (1991), S.67
Arbeit zitieren:
M.Sc., Dipl.-Kfm. (FH) Stephan Frenzel, 2000, Die internationale Standortentscheidung eines mittelständischen Unternehmens der Automobilzulieferindustrie, München, GRIN Verlag GmbH
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