INHALTSVERZEICHNIS
0 EINLEITUNG 4
1 THEMA DER REIHE 5
2 BEDINGUNGEN UND VORAUSSETZUNGEN 5
2.1 Schulische und organisatorische Voraussetzungen 5
2.2 Lernstand und Erfahrungen der Kinder 6
2.3 Interaktionsformen und Handlungsmuster 6
3 DIDAKTISCHE UND METHODISCHE STRUKTURIERUNG 8
3.1 Begründungszusammenhang 8
3.1.1 Einordnung der Reihe in Richtlinien und Lehrplan 8
3.1.1.1 Das Portfolio als alternatives Instrument zur Leistungsmessung 10
3.1.1.1.1 Rahmenbedingungen und Vorüberlegungen zum Einsatz 12
3.1.1.1.2 Empfehlungen der Bildungskommission NRW 12
3.1.1.1.3 Pädagogischer Leistungsbegriff und das Portfolio 12
3.1.1.1.4 Lernbegleitbögen zum Portfolio - Lernfortschritt vergleichbar machen 13
3.1.1.1.5 Zusammenfassung: Portfolio heißt eigenverantwortliches Lernen 14
3.1.1.2 Die Bewertung von Portfolios 14
3.1.2 Einordnung der Reihe in fachwissenschaftliche Aussagen 17
3.1.2.1 Sachanalyse 17
3.1.2.1.1 Historischer Aspekt 17
3.1.2.1.2 Physikalisch- technischer Aspekt 18
3.1.2.1.3 Mathematischer Aspekt 18
3.1.2.1.4 Waagen als Messgeräte 20
3.1.3 Einordnung der Reihe in fachdidaktische Aussagen 21
3.1.3.1 Entwicklungspsychologische Grundlagen 21
3.1.3.1.1 Konkret-operatives Denken in der Entwicklungspsychologie Piagets 21
3.1.3.1.2 Entwicklung von Größenvorstellungen: Schätzen, Messen und Erinnern 22
3.1.3.2 Inhaltliche Schwerpunkte bei der Entwicklung von Größenvorstellungen 23
3.1.3.2.1 Die didaktische Stufenfolge bei der Erarbeitung eines Größenbereichs 23
3.1.3.2.2. Wesentliches Handeln, um den Erkenntnis- bzw. Erwerbsprozess zu leiten 27
3.2 Thematische Strukturierung 28
3.2.1 Analyse des Inhalts 28
3.2.2 Bedeutung des Inhalts für die Kinder 29
3.2.3 Differenzierung als inhaltliche Entscheidung 30
3.3 Zielorientierung 33
3.4 Methodische Strukturierung 37
3.4.1 Übergeordnete methodische Überlegungen 37
3.4.1.1 Werkstattunterricht als methodische Großform in dieser Unterrichtsreihe 37
3.4.1.1.1 Allgemeiner Überblick 37
3.4.1.1.2 Umriss der Unterrichtsform 38
3.4.1.1.3 Lehrerrolle 39
3.4.1.1.4 Kontrolle 40
3.4.1.1.5 Lernangebote und Materialien 40
3.4.1.1.6 Verhaltensregeln 41
3.4.1.1.7 Sozialformen 41
3.4.1.1.8 Kompetenzdelegation 42
3.4.1.1.9 Transparenz 42
3.4.1.1.10 Organisation der Startphase 42
3.4.1.1.11 Phasen gemeinsamer Tätigkeiten 42
3.4.1.1.12 Abschluss der Werkstattphase 43
3.4.1.1.13 Allgemeine Lernchancen 43
3.4.1.1.14 Risiken 43
3.4.1.1.15 Arbeitsauftrag 44
2
3.4.1.2 Reflexion 44
3.4.2 Fachspezifische Überlegungen zur Methodenwahl 44
3.4.3 Aufbau der Unterrichtsreihe 54
3.4.3.1 Auflistung der Unterrichtsreihe 54
4 GESAMTREFLEXION 55
5 QUELLENVERZEICHNIS 63
3
0 EINLEITUNG
1. Diese Unterrichtsreihe plant und beschreibt eine Einführung in den Größenbereich Gewichte. Da bereits mit einigem Vorwissen gerechnet wird, strebt diese einerseits an, realistische Größenvorstellungen neu aufzubauen, andererseits dient sie dazu, das eher verzweigte Teilwissen zu ordnen. Deshalb erhalten diese Kinder vielseitige Lernangebote undgelegenheiten, um diese Größenvorstellungen anhand von Standardrepräsentanten als gedankliche Stützen im Bereich Gramm und Kilogramm aufzubauen und zu erweitern. Sie sollen Erfahrungen sammeln, entdecken und ihr eigenes Wissen und Lernen reflektieren. Sie erwerben jetzt die Verständnisgrundlage für das Sachrechnen mit Gewichtsangaben mit g (Gramm) und kg (Kilogramm). Das Mathematik Portfolio, eine individuelle Begleitmappe, wird hier als alternatives Instrument zur Leistungsbeurteilung eingeführt, denn dieser Lern- bzw. Umlernprozess ist sehr individuell und Vorwissen aus verwandten Bereichen, Waagen und Gleichgewicht, soll integriert werden. Das dient der Erfüllung weiterer Teilanforderungen der Reihe, die schließlich eine Grundlage für das Sachrechnen mit Gewichten schaffen.
2. Die Unterrichtsform Werkstattunterricht wird vorgestellt, um den anspruchsvollen Zielen des handlungsorientierten, in weiten Teilen selbst gesteuerten Lernens in diesem Zusammenhang gerecht zu werden. Vorwissen und Lernfortschritt wird anhand von Lernbegleitbögen zu Beginn und Abschluss der Reihe festgestellt. Eine Lernbegleitmatrix dient mir neben dem Werkstattplan, der Klassenliste und dem Einblick in die „Mini-Portfolios“ dieser Reihe als weiteres Lernbegleitmaterial.
Die Arbeit besteht aus zwei Teilen: Teil 1 (Kapitel 1, 2 und 3) befasst sich mit Thema, den Lernvoraussetzungen der Klasse bezogen auf das Thema der Unterrichtsreihe und den didaktischen und methodischen Vorüberlegungen, Teil 2 (Kapitel 4) mit der Darstellung der Reihe, einer Gesamtreflexion und einem Anhang mit einigen Dokumenten, Arbeitblättern und - proben.
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1 Thema der Reihe
Mini-Portfolios im Mathematikunterricht der Grundschule - Einführung in den Größenbereich Gewichte unter besonderer Berücksichtigung des Aufbaus realistischer Größenvorstellungen
2 Bedingungen und Voraussetzungen
In diesem Kapitel werden die allgemeinen Lernvoraussetzungen dargestellt, die allgemeine Situation der Lerngruppe bezüglich schulischer und organisatorischer Voraussetzungen (2.1.), die Interessen und Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler und ihre Fähigkeit zum Lösen der Aufgaben im Bezug auf das Thema (2.2.) und schließlich ihre Interaktionsformen und Handlungsmuster (2.3.).
2.1 Schulische und organisatorische Voraussetzungen
Dem Klassenraum steht ein kleiner Gruppenraum zur Verfügung, der jedoch gerade als „Ausstellungsraum“ selbst gebastelten Burgen dient und meistens still arbeitende Schüler anderer Klassen „beherbergt“. Das war der erste Anlass in meiner Planung dieser Reihe, für diese Reihe aus dem Klassenraum herauszugehen, denn eine Mathe-Radio Station, eine PC-Station und Waagenmodelle sollen gebaut und genutzt werden.
Da ich beim Einräumen der Schule half, kannte ich den Mathematik Förderraum, der in voller Klassenraumgröße noch fast leer steht. Er enthält leere Schränke mit vielen Schubladen, auch
Medienschrank und eine Garderobe mit 56 Haken, die sich für die Werkstattarbeit mit Zug, Seil- und
Federwaagen sehr gut eignet, so dass ich bei der zuständigen Lehrerin um die Nutzungsrechte bat, die
mir unter der Auflage erteilt wurden, dass die Gruppentische in der Woche frei bleiben für
Fördergruppen. Ein PC wurde mir von meiner Mentorin für die Reihe zur Verfügung gestellt, um
daran das Schulprogramm „Lernwerkstatt 5.0“ als differenzierte, individualisierte und in seiner
Funktion beschränkt auf 2 Übungen zielgerichtete Zusatzstation einrichten zu können. Die
notwendigen Mehrfach-Stecker erhielt ich vom Hausmeister. Die räumlichen Gegebenheiten können
also als optimal bezeichnet werden, lediglich der Internetanschluss für Recherchen in der
Informationsplattform „Blinde Kuh“ würde zu einem späteren Zeitpunkt ergänzt (derzeit wäre es eine
unplanmäßige Kostenstelle gewesen). Ein Plakat an der Tür (mit wechselnden Fensterschildern zu den
entsprechenden Sonderforen der Werkstatt) diente in der Woche dem Einstieg in das jeweilige
Stundenthema. Zum Strategiespiel „Goldsack und Kohle“ zu Beginn der Reihe regte mich das große
„Fort“ aus Holz mit Hängebrücke, Turm und Kletterstangen unterschiedlicher Höhe im Wild-West Stil
5
auf dem Schulhof zur Verfügung an. Hier kann auch anschließend jedes Kind täglich Erfahrung
sammeln zu Gewicht und Gewichtskraft am eigenen Körper (klettern, fallen lassen, Aufschwung und
schaukeln an Stangen, Antwort auf Newtons berühmte Frage: Warum fällt der Apfel herunter und
nicht herauf? suchen und nach erfinden, etc.).
Die Lerngruppe setzt sich aus 25 Kindern, 13 Mädchen und 12 Jungen zusammen. 2 Kinder (B. und
P.) sind seither in die zweite Klasse zurückversetzt worden, wodurch sich auch die
Leistungsverhältnisse innerhalb der Klasse merkbar verschoben haben.
Die Schülerinnen und Schüler zeigen großes Interesse an mathematischen Problemstellungen, an der
Präsentation ihres Vorwissens und ihrer Lösungswege und sind insbesondere in handelnden und
entdeckenden Lernphasen sehr motiviert.
2.2 Lernstand und Erfahrungen der Kinder
Das Thema „Gewichte“ wurde in den ersten beiden Klassenstufen nicht behandelt, so dass die Kinder
in einem für sie neuen mathematischen Bereich arbeiten. Waagen sind ihnen aus dem Alltag bekannt.
Hier sind jedoch keine soliden Größenvorstellungen vorhanden, so dass beispielsweise das Ablesen
digitaler Waagen kein Problem darstellt, ein Schätzen aber noch auf Raten beruht. Der Zahlbereich
wurde mit dem Tausenderbuch und Zahlenstrahl auf 1000 erweitert und die Größenbereiche Geld (€,
ct) und Längen (km, m, cm) bereits handlungsorientiert erarbeitet, so dass die Schülerinnen und
Schüler eine grobe Zahlvorstellung besitzen und mit den Begriffen Gramm und Kilogramm „als 1000
Gramm“ an Bekanntes anknüpfen können.
2.3 Interaktionsformen und Handlungsmuster
Offene und freie Unterrichtssituationen kennt die Lerngruppe aus den offenen Phasen im Unterricht meiner Mentorin seit Beginn dieses Schuljahres. Es werden hier oft neue, zum Teil flexible, auch persönliche Absprachen getroffen. Die Sozialformen der Partner- und Gruppenarbeit ist den Kindern seit diesem Jahr vertraut. Die meisten Kinder können inzwischen
relativ selbstständig und kooperativ arbeiten. Die schwarze Mappe diente in vorherigen Einheiten
bereits zum Sammeln von Arbeitsblättern, bevor sie in die blaue Mathematikmappe übernommen
werden. Seit der Arbeit mit dem Tausenderbuch wird an differenzierten Aufgabenstellungen im
Mathematikunterricht gearbeitet, wobei zusätzliche Arbeitsblätter im Schrank eine Erweiterung
darstellen.
Zunehmend gelingt es den Schülerinnen und Schülern, sich bei auftretenden Fragen und Problemen
zunächst an ihre Mitschülerinnen und Mitschüler zu wenden. Einzelnen (J.) fällt dies jedoch immer
noch schwer.
Insgesamt gesehen erlebe ich die Lerngruppe als aktiv und lebhaft. Einigen Jungen (A., H.,
gelegentlich auch M.) fällt es oft nicht leicht, sich an vereinbarte Regeln und Rituale zu halten oder
6
auch mit Mädchen zusammen zu arbeiten. Ihnen gelingt es meist nur über einen kurzen Zeitraum
selbstständig und konzentriert zu arbeiten. P. ist ein durchaus leistungsstarker Schüler, der jedoch im
Klassenregelunterricht zu für ihn nicht kontrollierbarem Verhalten (Wutausbrüche und Grimassen)
neigt.
Die Zusammenarbeit mit einem ausgewählten Partner erweist sich zum Teil bei oben genannten
Schülern als sehr positiv. Das Partnerkind gibt ihnen Halt und steht als Stütze zur Seite, so dass sie
innerlich zur Ruhe kommen können und die Konzentrationsfähigkeit gestärkt wird.
P. ist ein sehr leistungsstarker Schüler, der andere Kinder vom Unterrichtsgeschehen ablenkt, sobald
ihm etwas zu simpel erscheint. Um Unterrichtsstörungen dieser Art zu vermeiden, kann er
beispielsweise selbstständig eigene Aufgaben entwerfen, welche in der Abschlussphase aufgegriffen
werden können.
J., mit Einschränkungen auch M., H., L. und V. sind leistungsschwache Schüler und Schülerinnen und brauchen oft zusätzliche Anleitung und Hilfe. Ihnen fällt es schwer, konkrete Handlungen in mathematische Operationen umzusetzen. In handlungsorientierten Unterrichtssituationen kommt ihre Schwäche je nach Thematik nur in geringem Maße zum Ausdruck. Es hat sich gezeigt, dass diese Kinder angemessene Leistungen erbringen können, wenn sie ebenfalls mit ausgewählten Partnern zusammen arbeiten. Diese können ihnen in unsicheren Situationen erste Hilfestellung leisten.
7
3 DIDAKTISCHE UND METHODISCHE
STRUKTURIERUNG
3.1 Begründungszusammenhang
3.1.1 Einordnung der Reihe in Richtlinien und Lehrplan
Größenvorstellungen zu Gewichten entwickeln ist Lerninhalt des Lernbereichs Größen. Der Aufbau von Größenvorstellungen trägt dazu bei, dass die Kinder die Lebenswirklichkeit verstehen und bewältigen lernen. Die Arbeit mit Größen vermittelt zudem Einsicht in die Lebensnähe von Mathematik und schafft vielfältige Gelegenheiten zum Üben arithmetischer und geometrischer Fertigkeiten. In der Grundschule wird vor allem in den Größenbereichen Geld, Länge, Zeit, Gewicht, Flächeninhalt und Volumen gearbeitet. Bei der Bestimmung von Größen lernen Kinder verschiedene Messgeräte kennen und gebrauchen. Für den Aufbau realistischer Größenvorstellungen ist es notwendig, dass die Kinder immer wieder Größen miteinander vergleichen und Standardbeispiele aus ihrem Erfahrungsbereich fest im Gedächtnis verankern und darüber verfügen.
Während der Grundschulzeit lernen die Kinder auch Bruchteile von Größen aus dem alltäglichen Leben kennen. Sie verwenden dabei naiv die Bruchschreibweise (1/2 kg = 500 g). Die dezimale Schreibweise wird behutsam und in alltagsrelevanten Fällen verwendet, ohne den Bruchcharakter ausdrücklich bewusst zu machen (z.B. Deine Schultasche wiegt ein Zehntel deines Körpergewichts, das heißt 10 Schultaschen sollen soviel wiegen wie du, das kann beispielsweise an einem Schaubild mit Waage in Gleichgewichtsposition verdeutlicht werden.).
Die Kinder sollen auch fähig werden, zufallsbehaftete Daten (Stichproben) aus ihrem Erfahrungsbereich zu gewinnen, darzustellen und zu bewerten. Listen, Tabellen und bildliche Darstellungen sowie einfache Kennzahlen (z.B. höchster Wert) stehen dabei im Vordergrund (z.B. Gewichte im Gewichtssatz auflisten und anschließend eigenen Gewichtssatz mit anderen Materialien herstellen, vgl. Joghurtbecher füllen, abwiegen und beschriften.). Zur Anwendungs- und Strukturorientierung schreiben die Richtlinien vor, dass einerseits das vorhandene Alltagswissen zur Darstellung mathematischer Ideen verwandt, andererseits neues Wissen über die Wirklichkeit durch Mathematisierung entwickelt wird (z.B. Waagen in Scoutschultornistern im Griff entdecken und IST- und SOLL - Gewicht der Schultaschen zur
Prävention von Haltungsschäden vergleichen, Kleiderbügelwaagen bauen, Matheradio Station).
Beim Anwenden des Gelernten (z.B. in fächerübergreifendem Unterricht oder in Projekten) soll den Kindern deutlich werden, dass lediglich Ausschnitte der Lebenswirklichkeit mathematisch aufgearbeitet werden können (z.B. Werkstattarbeit mit einer kleinen Waagenauswahl, „Gold & Kohle“ Strategiespiel, ausgewählte Waren im Warentest und Post Serviceleistungen Brief und Päckchen).
Strukturorientierung bei Größen heißt, dass Gesetzmäßigkeiten aufgedeckt werden sollen (z.B. Gleichgewicht tariert die Balkenwaage aus). In Vorgehensweisen wie Klassifizieren und Anordnen wird logisches Durchdringen angebahnt und Übertragen angeregt (z.B. können Plättchen, Steckwürfel, Reis usw. verwendet werden, aber auch z.B. 2 Päckchen mit 500 g Haferflocken, um die Angabe 1000 g Reis auf der Verpackung zu überprüfen.). Erkennbar werden Strukturen im Bereich Größen beim Umwandeln von Größen beispielsweise beim Auszählen und Darstellen von Stichproben, wie es mit der Arbeit mit Plättchen und weiteren willkürlichen Maßeinheiten geplant ist.
Zu den Grundsätzen der Unterrichtsgestaltung nennt der Lehrplan das entdeckende konstruktive Lernen, das von herausfordernden Situationen ausgeht, die Kinder zum Beobachten, Fragen und Vermuten auffordert, wie in dieser Reihe das Strategiespiel zum Gleichgewicht. Es kann auch ein Problem oder einen Problemkomplex herausstellen, das Kinder zu eigenen Lösungsansätzen ermutigt. Hier kann gefragt („Wann ist Gleichgewicht ereicht? Ist Gewicht sichtbar?“) und es können Hilfen zum Selbstfinden („Was ist Gleichgewicht? Wie kann ich es erkennen?“ - beispielsweise durch Austarieren von Balken-oder Kleiderbügelwaagen) angeboten werden. Die Ergebnisse sollen bisheriges Wissen in vielfältige Verbindungen bringen. Übung und Anwendung der neuen Erkenntnisse in anderen Zusammenhängen ist wesentlich, um diese im Langzeitgedächtnis zu speichern. Beim Üben sollen spielerische Formen betont werden. Didaktische Materialien wie Messwerkzeuge (viele verschiedene Balken-, Seil-, Tafel- oder Federwaagen, dazu gehören auch selbstgebaute Kleiderbügelwaagen, jedoch in dieser Reihe bewusster Verzicht auf Digitalanzeigen und Wasserwaagen) erfordern praktisches Handeln und ermöglichen eigenständiges Entdecken. Der Einsatz dieser Lernmittel legt Arbeit in Gruppen, hier auch in einer Werkstatt, nahe.
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3.1.1.1 Das Portfolio als alternatives Instrument zur Leistungsmessung
Das Portfolio stammt aus dem Bankwesen, es ist auch in der angewandten Kunst und anderen universitären Fachbereichen zuhause, und wird als Methode seit etwa 10 Jahren für die Schule, auch Primarschule, genutzt. Die Idee des Mathematik Portfolios stammt aus der Grundschule im US-Bundesstaat Vermont. Es ist eine individuelle Sammlung von Material, die der Dokumentation des individuellen Lern- oder Arbeitsprozesses dient. Es wird in einer eigenen Mappe zur Präsentation gesammelt. Wesentlich ist, dass nicht nur das Material dort abgelegt ist, sondern auch ein Prozess anhand der Ordnung und der Kommentare ersichtlich wird. Es kann auch mit einem Inhaltsverzeichnis versehen werden (in dieser Reihe dient der Werkstattplan diesem Zweck), vor allem dann, wenn es das ganze Schulleben begleitet und daher viele Themen beinhaltet. Es wird oft mit offenem Unterricht verbunden. Werkstätten, auch Fachwerkstätten, in denen manchmal auch nur Dossiers erstellt werden, die anschließend zu einem neuen Portfoliokapitel geordnet werden können, sind eine beliebte Form. Auch andere Medien, beispielsweise Bilder, Kassetten, Videos, nicht nur Papier, gehören zu den Dokumenten.
Hier wird das Portfolio eingesetzt, um verschiedene Wege zu den (evtl. auch verschiedenen) Standardrepräsentanten zu dokumentieren und schon den Weg dorthin „schmackhaft“ zu machen. Das soll gerade die lernschwachen Schüler motivieren, denn sie geben sonst allzu schnell auf, weil sie meinen, es gibt doch Waagen, die einem das Üben und Vergleichen und Schätzen und Verschätzen abnehmen. Durch die kombinierte Form soll ein Weg gezeigt werden, der gar nicht erst das Ziel, sondern direkt den Weg dorthin zum lustvollen Erlebnis macht. Das gilt exemplarisch für viele Themen, in denen wir versuchen, den Lernprozess und auch darin die Lernleistung sichtbar zu machen. Ein Instrument wie das Portfolio kann da sehr reizvoll sein. Leistungsmessung darf sich nicht auf punktuelle Erhebungen beschränken, wenn sie dem ganzen Menschen bzw. seinem Lernen gerecht werden will. Im Wesentlichen sind es acht Dinge, die das Portfolio ausmachen:
1. „Portfolios eröffnen den Lernenden die Möglichkeit der Selbstreflexion, des Nachdenkens über ihr Lernen
2. Sie bedingen die Mitarbeit der Schülerinnen und Schüler bei der Auswahl der aufzunehmenden Materialien, denn es geht um persönliche Geschichten.
3. Sie können ein Bild davon vermitteln, was die Schülerinnen und Schüler getan haben und warum sie es getan haben.
4. Da sie für einen fremden Blick gedacht sind, sollen sie nur zeigen, was ihre Eigentümer und Eigentümerinnen zu zeigen bereit sind.
5. Ein Portfolio vermag aufzuzeigen, wie und wie sehr der Schüler, die Schülerin sich entwickelt hat.
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6. Das Portfolio ist nicht für die Präsentation schriftlicher Prüfungsergebnisse gedacht. Diese gehören in andere Dokumentationen.
7. Portfolios verfolgen mehrere Ziele aufs Mal. Es ist darauf zu achten, dass die Verfolgung des einen Ziels nicht hinderlich wird für das Verfolgen eines anderen. Übermäßige Gewichtung eines Aspekts kann der Kreativität der Schülerinnen und Schüle abträglich sein. 8. Sie müssen ihre Rolle darin sehen, den Schülerinnen und Schülern bei der Gestaltung ihrer Portfolios zu helfen, nicht darin, es für sie zu tun. Zeigen und diskutieren Sie Beispiele. Die Schülerinnen und Schüler müssen lernen, selber Material auszulesen und kritisch zu bewerten. Gestalten Sie sich ihr eigenes Portfolio und besprechen Sie es mit ihren Schülerinnen und Schülern.“ 1
Wesentlich ist auch, dass die wachsende Mappe mit eigenen Anmerkungen zur Auswahl und gewählten Methode (z.B. auch der eigene Anteil in einer Gruppenarbeit, wie er immer im Werkstattplan notiert wird), das Portfolio in unserem Rahmen, im Schulzimmer aufbewahrt wird. Mit offenem Werkstattunterricht lassen sich seine Ziele gut verbinden, denn fast alle seine Merkmale sind Merkmale des Werkstattlernens - er begünstigt Lernen durch Selbstentdeckung
- er ermöglicht Individualisierung, indem die Kinder dort ansetzen, wo sie stehen - das Lernen wird intensiviert, weil die meisten Schüler gleichzeitig aktiv sind - die Kinder gehen eigenen Interessen mit mehr Sachmotivation nach - das Lernen erfolgt nach eigenem Tempo - Über- und Unterforderung treten seltener auf
- Eine gute Arbeitshaltung der Schüler wird unterstützt: sie lernen das Lernen - Die Lehrerin hat Zeit, die Schüler in natürlichen sozialen Situationen zu beobachten und sich intensiv mit einzelnen zu befassen
- Zwischen Lehrerin und Schüler wird ein entspanntes Verhältnis begünstigt - Unterrichtszeit und Arbeitsmaterial lassen sich gut ausnutzen - Die Selbstkompetenz wird nachhaltig gefördert: denn selber entscheiden zu können, was man unternehmen will, führt zu einer realistischen Selbsteinschätzung und stärkt die Selbstverantwortung
1 Paulson, S.8
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3.1.1.1.1 Rahmenbedingungen und Vorüberlegungen zum Einsatz
3.1.1.1.2 Empfehlungen der Bildungskommission NRW
Das Portfolio als methodische Großform trägt durch seine Offenheit den Empfehlungen der Bildungskommission NRW Rechnung, indem es die hier ausgeschriebenen 7 Lerndimensionen (Identität; kulturelle Tradition; gestaltender Umgang mit Natur, Kunst und Medien; Sprache und Kommunikation; Fremdbestimmung und Selbstverwirklichung in Arbeit, Wirtschaft und Beruflichkeit; Beteiligung an der Gestaltung der Wirklichkeit bei Demokratie und Partizipation; Ökologie und Umgang mit der Welt) gleichermaßen berücksichtigt, jeweils im ausgewählten Rahmen. Es fördert in allen Bereichen aber insbesondere die Schlüsselqualifikationen, die erwerbbaren allgemeinen Fähigkeiten, Einstellungen und Strategien, die bei der Lösung von Problemen und beim Erwerb neuer Kompetenzen in möglichst vielen Inhaltsbereichen von Nutzen sind, denn vernetztes Wissen entsteht nicht linear, sondern in der Koppelung an bestimmte Aneignungs- und Anwendungssituationen wie in dieser „Waagen-Werkstatt“. Emotion und Kognition sind zudem eng miteinander verbunden, so dass eine offene, spielerisch initiierte Lernatmosphäre günstige Voraussetzungen für dieses Lernen schafft.
3.1.1.1.3 Pädagogischer Leistungsbegriff und das Portfolio
Auch Merkmale des pädagogischen Leistungsbegriffs im Gegensatz zu den Merkmalen des anforderungsbezogenen Leistungsbegriffs schaffen die theoretische Rechtfertigung zum Einsatz in dieser Reihe zu einer Werkstattarbeit. Es ist alternatives Instrument der Leistungsmessung, indem den Kindern zunächst die Selbstbeurteilung ihres Lernprozesses zugemutet wird, sie also auf sehr hohem Abstraktionsgrad zielgerichtet und selbstständig ihre Lernwege gehen und beschreiben, soweit das nach Piagetschen Erkenntnisstufen nun möglich ist, da die Kinder des dritten Schuljahres empirisch gesehen nun erstmals ihre Wahrnehmungen objektivieren können.
Hier kommt jetzt das Fördern der Lernentwicklung, eine Forderung des neuen Lehrplans in den Mittelpunkt. Zur Leistungsbewertung gilt es, die Fähigkeit zur positiven und realistischen Selbsteinschätzung zu fördern 2 . Ich erwarte, dass anhand der Reflexion dem Kind selbst Lernprobleme deutlich werden, um sie dann gezielter und frühzeitiger auffangen zu können. Beim Portfolio wird aufgearbeitet und individuelle Vernetzung sichtbar gemacht.
2 Heft 2012, S. 19
12
Gegenüber der ausschließlichen Produkt-, Konkurrenz- und Ausleseorientierung orientiert sich offene Werkstattarbeit, spielerischer Zugang, handlungsorientiertes differenziertes Lernen und das Portfolio am individuellen Lernprozess und -produkt des Kindes, gewährt ihm Ruhe und sein momentanes Verständnis von Vollkommenheit. Es orientiert sich an der sozialen Dimension des Lernens und an den Grundsätzen des Ermutigens und Förderns. Es ist damit in besonderer, radikal konstruktiver Form ein individuelles Dokument zu Fortschritt, Schwierigkeiten und Stärken der Kinder im eingeschränkten Thema und verfolgt damit Ziele des fachlichen und des allgemeinen Lehrplans. In Werkstattphasen vermeidet es zudem weitgehend die allgemeinen Erkennungszeichen des Schullebens: Verzögerungen, Versagungen und Unterbrechungen, da nach eigenem Plan gelernt werden kann und Angebote in eigenem Tempo bearbeitet werden. Es gibt jedoch gerade hier einen deutlichen Bezug zu sozialen Regeln, Regelungen und Routinen, ohne die eine offene Werkstattarbeit unmöglich wäre (vgl. Jackson: Der heimliche Lehrplan).
Damit wendet es sich gegen die allgemeine Haltung, dass Geduld und Resignation im Schulleben sinnvoll seien, Geduld sogar die ganze Tugend umschließe, die das Leben in einer bürokratischen Organisation erfordert.
3.1.1.1.4 Lernbegleitbögen zum Portfolio - Lernfortschritt vergleichbar machen
Die Begleitbögen werden gleichsam einer Lernstandsdiagnose mit einer Punktzahl versehen, die den Kindern einen Überblick über ihre Leistungen bei den erwarteten Teilanforderungen zu Beginn und Abschluss der Reihe vermittelt. Sie werden den Kindern ausgehändigt und können nach Belieben ins Mini-Portfolio aufgenommen werden.
Lernstand bzw. Vorwissen und Lernprogression werden in dieser Reihe durch die Lernbegleitbögen I und II, schriftliche Eingangs- und Abschlussbefragungen im Auswahlantwort-Verfahren (10 Fragen mit je 3 - 4 möglichen Antworten, multiple choice) durch Ankreuzen und anfangs eine, abschließend zwei offene Aufgabenstellungen ermittelt. Eine relative Vergleichbarkeit in Inhalt (keine identischen Items) und Form lässt Lernzuwachs absolut und relativ erkennen, wobei Objektivität auch hier sicher nicht vollkommen gewährleistet ist, möglicherweise aber durch totale (100 %) Beteiligung ein Versuch unternommen wird, Chancengleichheit zu realisieren und gemeinsam zu planen, indem Einsichten in erreichbare Ziele gegeben werden, die durch humorvolle Aufbereitung (witzige falsche Antworten „Wenn man schon teilweise nicht weiß, was richtig ist, war es wenigstens lustig.“) Anstoß zum Weiterlernen geben sollen. Freude am Mathematisieren, beim
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Arbeit zitieren:
M. A. Jutta Mahlke, 2004, Mini-Portfolios im Mathematikunterricht der Grundschule , München, GRIN Verlag GmbH
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