So oder ähnlich lautet das Credo der Humanistischen Psychologie, deren Wertmaßstäbe und Handlungsanweisungen Hintergrund der Themenzentrierten Interaktion sind.
Diese ist inzwischen unter dem Kürzel TZI im Lehr - und Lernbereich, im therapeutischen und sozialen Arbeitsfeld und in der Wirtschaft und Politik als eine Methode bekannt geworden, die individuelle, zwischenmenschliche und sachliche Aspekte zu einem pädagogischen Konzept verbinden.
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Hier wird nicht vordergründig auf der intellektuellen Ebene gehandelt, sondern werden Kopf, Herz und Hand gleichermaßen einbezogen.
Themen und Aufgaben werden ins Zentrum der beteiligten Personen gestellt, (themenzentriert)
um sie dann im Hin und Her zwischen allen Beteiligten zu bearbeiten. (interaktionell)
Wie bei allen Konzepten der Humanistischen Psychologie sind dabei Sinn -und Wertfragen von entscheidender Bedeutung: Hier ist das Bild vom Menschen durch persönliche Entwicklung während des ganzen Lebens, durch Selbstaktivierung und Eigenverantwortung charakterisiert. Der Glaube an die Fähigkeit des Menschen, aus eigener Kraft sein Leben mit zu gestalten, ist ein wichtiger Grundsatz der Humanistischen Psychologie. Auch die TZI, basiert auf diesen wertbetonenden Voraussetzungen.
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Eigene Erfahrungen mit der TZI
In meiner Tätigkeit als Direktor einer großen sozialen Einrichtung von 1965 bis 1984 mit über 2oo Plätzen für Betreute und ca. 145 Mitarbeiterunterschiedlichster Vorbildung und Aufgabenstellung - habe ich das größte Problem im Bereich der Kommunikation, der Störungen und Missverständnisse, gesehen und erfahren.
Störungen zwischen den einzelnen und der Gruppe, zwischen der Gruppe und der Aufgabenstellung, zwischen den verschiedenen Gruppen, so dass viel Zeit, Energie und Kosten zu Lasten der Betreuten verloren gingen.
Es war die Zeit der Bewusstseinsänderung in unserem Lande, nach den studentischen Unruhen, des wachsenden Umweltbewusstseins, der atomaren Bedrohung, der Betonung der Individualität, um nur wenige Gründe zu benennen. Hinzu kam die steigende berufliche individuelle Qualifikation der Mitarbeiter, so dass eine andere Qualität der Kommunikation unausweichlich wurde.
In den 80er Jahren wurden verstärkt Managementseminare, in Akademien und Fortbildung angeboten, in der Hoffnung die Probleme der Personalentwicklung in den Griff zu bekommen. Die Veranstalter waren der irrigen Meinung, Personal mit Organisationsmethoden (Management) führen zu können. Sie vergaßen und unterschätzten, dass Personalführung und die Betreuung von Menschen ein Prozess der Interaktion und Kommunikation ist und nur in der Begegnung von Persönlichkeit zu Persönlichkeit erfolgreich gestaltet werden kann.
So lernte ich in der Fortbildungsakademie des Deutschen Caritasverbandes Anfang der 80er Jahre neben den gewohnten Managementtheorien auch Kommunikationstheorien kennen.
Beeindruckt wurde ich von dem Kommunikationsmodell der "Transaktionalen Analyse" (TAA) und von der "Themenzentrierten Interaktion" (TZI) und gleichzeitig neugierig mehr darüber zu erfahren.
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1984 bis 1989 studierte ich an der LMU München, empirische Pädagogik, Philosophie und pädagogische Psychologie und schloss mit dem Magister Artium ab.
Es war nur folgerichtig sich mit Kommunikationstheorien und - Techniken auch weiterhin auseinander zu setzen.
So lernte ich näher u.a. Ruth C. Cohn, Paul Watzlawick, Virginia Satir und auch das Neurolinguistische Programmieren (NLP), Rapport Techniken und ähnliche Methoden kennen.
Als "Unterbau" war natürlich das Studium der Humanistischen Psychologie von großer Bedeutung.
Zwischenzeitlich arbeitete ich in der Erwachsenenbildung und besuchte 1986 die ersten Fortbildungsveranstaltungen des VHS Verbandes; der "WILL" (Workshop Institute for Living - Learning). Institut für Aus- und Fortbildung in der TZI Themenzentrierten Interaktion.
Die während des Studiums und der Fortbildungen erarbeiteten Unterlagen und Dokumente wurden ständig erweitert und ich arbeite seither sowohl im Unterricht, (Dozententätigkeit Altenpflegeausbildung) in der Erwachsenenbildung, als auch in Kursen und Sitzungen, besonders nach der "Dreieck Methode" und erfahre immer wieder das "Gleichgewicht" nicht nur in der Gruppe und in der Aufgabe, sondern auch in mir. Dieses "Gleichgewicht" ist auch in der Welt notwendig und möglich, wenn politische und wirtschaftliche Aktivitäten auf ethischen Überlegungen basieren und somit den Fortbestand humaner Werte garantieren, bei denen wirklich der Mensch als Maßstab gilt und nicht rivalisierende Mächte und rein profitorientierte Ziele. Dieses geht jeden an und darf nicht nur für "die da oben" gelten.
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Zu Beginn noch einige Gedanken und Grundzüge zur humanistischen Psychologie.
Ich favorisiere die humanistische Psychologie, weil ich in jahrzehntelanger Erfahrung erkannt habe, dass die "wissenschaftliche Psychologie" nicht ausreicht, das menschliche Leben und Zusammenleben zu erfassen. Die humanistische Psychologie
ist eine Anti - Bewegung innerhalb der Psychologie. In ihr sind Psychologen zusammengeschlossen, die den Wert der herrschenden Psychologie anzweifeln.
"Wir sind es leid, Psychologen zu sein, wenn Psychologie darin besteht, den Menschen als eine größere weiße Ratte oder einen langsamen Computer zu betrachten"
Bugental, 1967 Lit.: Seite 276 Wörterbuch der klinischen Psychologie" DTV Bd. 1. München 1981
In der Gegenwart wird Psychologie wie folgt definiert: "Die Wissenschaft vom Erleben, vom Verhalten des Menschen und dem Bewerten dieser beiden"
Seite 31; DTV Atlas zur Psychologie Bd. 1; Nr. 3224 München 1987
Diese Definition wird dem Menschen auch nicht gerecht und kann weder die Einmaligkeit des Menschen noch das Zusammenleben mit anderen berücksichtigen. Es müssen neue, humane Ansätze der Psychologie her. Bereits 1927 wurden von Bühler u.a. die "Krise der Psychologie" prognostiziert.
Diese Krise ist längst erreicht, denn die Psychologie wird von den Naturwissenschaften immer noch häufig belächelt und von weiten Bevölkerungskreisen misstrauisch ob ihrer übertriebenen Wissenschaftlichkeit betrachtet.
Humanistische Bewegungen gehen immer von der Einmaligkeit, Unverwechselbarkeit, Eigenständigkeit usw. des Menschen aus. Immer, wenn Erstarrung in der gesellschaftlichen Entwicklung erkennbar wurde, gab es humanistische Gegenbewegungen in der Gesellschaft. Bereits Ende des Mittelalters fand eine "Befreiung" von der kirchlichen Dogmatik statt.
Ende des 19. Jahrhunderts die "Befreiung" in der Pädagogik durch Schaffung des humanistischen Gymnasiums als Gegenpol zur aufklärerischen Realschule. Ebenso werden in der Sozialpolitik totalitären Bestrebungen Einhalt geboten.
In einer Zeit der zunehmenden Bindungslosigkeit, Rücksichtslosigkeit und absolutem Egoismus muss die Gegenbewegung besonders von der Psychologie her kommen, wenn dieses Leben human und damit lebenswert bleiben soll.
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Endlich haben heute humanistische Psychologen Anerkennung gefunden, so dass Ansätze nicht nur im Bereich von Lehre und Forschung Beachtung finden sondern auch Eingang finden in Bildung und Fortbildung im Bereich der Wirtschaft und Dienstleistung. Überall dort wo Menschen mit Menschen umgehen (müssen), wird die Frage der Humanität in Zukunft verstärkt im Zentrum stehen.
Die humanistische Psychologie nennt vier Hauptpunkte
- das menschliche Potential,
um zu bestimmen, was Menschenwürde und Humanität ist; man benötigt eine Theorie von seinen Bestimmungen und Zielen. - die Sinnorientierung
als Sinngebung, sei es eine aus sich oder aus der Erkenntnis anderer gewonnenen. Für ihre Darstellung wird meist auf Gegenpositionen verwiesen. - die Selbstverwirklichung,
als Bestreben seine Fähigkeiten zu entfalten und seine kognitiven und emotionalen Potentiale freizusetzen.
(Die "Selbstverwirklichung" als Schlagwort in den 60er und 70er Jahren im Sinne eines rücksichtslosen Egoismus, hat der humanistischen Psychologie großen Schaden zugefügt.) Eigene Bewertung. - die menschliche Persönlichkeit als Einheit in der Vielfalt
begreifen. Die menschliche Orientierung auf das "Du", denn wir können ohne sozialen Bezug, ohne Bindungen nicht leben.
Mit diesen Erkenntnissen sollten wir uns an Prozesse heranwagen, die nicht das Zusammenleben trainieren, sondern durch Einsicht die Persönlichkeit verändern und somit auch das Wirken in Gruppen human beeinflussen.
Arbeit zitieren:
Dr. Phil. M.A. Hans-Siegfried Fiedler, 1998, Lebendiges Lernen mit der Themenzentrierten Interaktion (TZI), München, GRIN Verlag GmbH
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