II
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Bäume im Lebensraum Stadt 2
2.1 Lebensbedingungen der Stadtbäume 2
3 Kriterien zur Baumartenwahl und verwendung 5
3.1 Gestalterische Auswahlkriterien 5
3.2 Ökologische Auswahlkriterien 6
3.3 Ökonomische Auswahlkriterien 8
4 Beurteilung von Baumarten für die Verwendung in Städten 9
4.1 GALK-Straßenbaumliste 9
4.1.1 Erläuterungen zur Anwendung 10
4.1.2 Aufgaben und Ziele 11
5 Abschlussbetrachtung 12
6 Quellenverzeichnis 13
7 Anhang 15
III
Abkürzungsverzeichnis
BdB Bund deutscher Baumschulen e.V.
bzgl. bezüglich
bzw. beziehungsweise
ca. cirka
e.V. eingetragener Verein
FLL Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung
Landschaftsbau e.V.
GALK Ständige Konferenz der Gartenamtsleiter beim
Deutschen Städtetag
m.E. mit Einschränkungen
Tab. Tabelle
usw. und so weiter
z.B. zum Beispiel
Aus Gründen der Lesbarkeit wurde im Text auf die doppelte Nennung von femininen
und maskulinen Formen verzichtet. Bezeichnungen in der maskulinen Form sind als
neutral anzusehen und beziehen sich ausdrücklich auf Frauen und Männer.
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1Einleitung
„Dem Alter gebührt Respekt. Und welche in ihrem Ursprung gebliebene Lebensform ist älter als die der Bäume? Seit über 400 Millionen Jahren gibt es bereits die grünbekronten, hölzernen Riesen. Was sind dagegen schon die gerade mal drei Millionen Jahre, seit denen wir Menschen die Erde besiedeln?
So hat beispielsweise der Ginkobaum, der heutzutage bei uns ein beliebter Parkbaum ist und in Städten wie Tokio sogar mehr als 50 Prozent der Straßenbäume stellt, schon in der Prähistorie als stummer Beobachter der Dinosaurierwelt beigewohnt.
Doch wuchsen die Bäume damals noch wild in die Landschaft hinein und brauchten keine Widerstände zu fürchten, die sich ihrem Wurzelwerk entgegenstellen oder die freie Ausdehnung ihrer Baumkronen einschränkt, so haben diese Pflanzen gegenwärtig mit sehr vielen negativen Einflüssen zu kämpfen. Einflüsse, die das Leben gerade in urbanen Gebieten, Seite an Seite mit dem Menschen, mit sich bringt.“ (Zeitschrift Neue Landschaft, Ausgabe Juli 2005, S. 22 ff.)
Selbstverständlich brauchen Menschen das Grün und sie haben sich von jeher gerne im Grünen aufgehalten. Allerdings stellt dieses Verlangen Planer und Ausführende in der Außenbegrünung immer wieder vor schwierige und wichtige Entscheidungen. So sollten die Eigenschaften, die Ansprüche und der Verwendungszweck des Gehölzes dem gewählten Standort mit seinen spezifischen Bedingungen gerecht werden. Nur so können nachhaltige Pflanzungen unter den jeweiligen Standortbedingungen gewährleistet sein.
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2Bäume im Lebensraum Stadt
Linden können an ihrem natürlichen Standort mehr als tausend Jahre alt werden. Als städtischer Straßenbaum verwendet, hat diese vitale Baumart ihr Lebensoptimum teilweise bereits mit 50 Jahren überschritten. Auch andere Baumarten haben im Vergleich zum Naturstandort im Lebensraum Stadt eine verkürzte Lebenserwartung. (Dobner et al. 1993) Dies lässt vermuten, dass in der Stadt und insbesondere an Straßen Umweltbedingungen herrschen, welche den Anforderungen vieler Baumarten nicht entsprechen.
2.1 Lebensbedingungen der Stadtbäume
Es wird häufig gesagt, dass im Artenspektrum der „heutigen potentiell natürlichen Vegetation“, die als Indikator für das Potential des jeweiligen Standorts dient, auch ausreichend Baumarten für die Stadtbegrünung zur Verfügung stehen. Dies gilt für den anthropogen veränderten Pflanzenstandort im städtischen Siedlungsbereich nur noch mit großen Einschränkungen. (www.xfaweb.baden-wuerttemberg.de 06.10.2006) Es ist aus ökologischer Sicht zu bedenken, dass die Vegetation vom Boden und Klima sowie von biotischen und abiotischen Faktoren abhängig ist. Die meisten heimischen Waldgesellschaften sind gekennzeichnet von einer gewissen Tiefgründigkeit des Bodens mit einem relativ hohen Humusanteil und optimalen Gasaustausch. Viele Waldbäume sind auf eine Symbiose mit Pilzen angewiesen, wobei sich die Wurzelenden verpilzt haben und der Pilz für den Baum Wasser und Nährstoffe aufnimmt, dafür wiederum der Baum den Pilz ernährt. Man nennt diese Symbiose der Waldbäume mit Pilzen Mykorrhiza. Dabei unterscheidet man in eine obligate Ektomykorrhiza und fakultative Ektomykorrhiza, wobei der Baum sowohl mit als auch ohne den Pilz existieren kann, der Pilz sich aber positiv auf das Wachstum des Baumes auswirkt. Der Pilz ist sehr sauerstoffzehrend und empfindlich gegenüber Luftmangel. (Odum 1999, Dobner et al. 1993)
Im Gegensatz zu natürlichen Standorten liegen in städtischen Räumen andere standörtliche Rahmenbedingungen vor. Dort müssen Bäume teils unter extrem widrigen Einflüssen existieren.
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Urbane Räume sind häufig durch folgende Standortbedingungen charakterisiert:
künstliche humusarme, nicht natürlich gewachsene Böden
(teilweise mit hohem Anteil an Bauschutt und hohen Kalkgehalten)
Bodenversiegelung
(Daraus resultieren Wassermangel und Verhinderung des Gasaustausches zwischen Wurzelhorizont und Atmosphäre. Ein CO 2 -Stau unter der Versiegelung führt zu Sauerstoffmangel und Wurzeltod.)
Nährstoffmangel
(Das Falllaub kann nicht mineralisiert und nicht vom Baum genutzt werden, weil es in der Regel entfernt wird und der Boden größtenteils versiegelt ist – unterbrochene Nährstoffkreisläufe.)
Bodenverdichtung mit geringem Hohlraum- und Porenvolumen (verursacht durch Befahren, Beparken, Betreten, indirekt durch Vibrationen vom Straßenverkehr usw.)
mechanische Beschädigungen
(Straßenbäume erleiden durch Unfälle und infolge unzureichender Schutz-vorkehrungen bei Baumaßnahmen regelmäßig schwere Kronen-, Stamm- und Wurzelbeschädigungen.)
Aufgrabungen für Leitungsverlegungen
(Gas, Wasser, Elektrizität usw.)
Mangel an ausreichendem Raum für Wurzelentwicklung und Ernährung
notwendige Baumscheibengrößen oft nicht realisierbar (mindestens 6 m 2 und möglichst 16 m 2 )
Grundwasserabsenkung im bebauten städtischen Raum
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wärmeres und lufttrockeneres Stadtklima als im Umland
(Im Jahresdurchschnitt 0,5 - 2 °C höhere Lufttemperaturen führen zu erhöhten Wasserverbrauch.)
Luftverschmutzung
(Kohlenmonoxid, Stickoxide, Kohlenwasserstoffe, Ruß- und Staubteilchen usw.)
Solitärstellung
(Der Schadstoffeinfluss ist somit gegenüber geschlossenen, sich gegenseitig abschirmenden Beständen gesteigert.)
Salzbelastung
(insbesondere durch Tausalz im Winter)
Hundeurin
(ätzt die Rinde junger Bäume)
Chemikalien
(abtropfende Öle, Kraftstoffe usw.)
Es wird deutlich, dass Stadtbäume auf mehr oder weniger artfremden Extremstandorten stehen. Die Lebensbedingungen in der Stadt weichen in aller Regel hinsichtlich Klima und Boden erheblich von denen der natürlichen Standorte ab und sind durchaus mit denen von „Wüstenpflanzen“ vergleichbar. Hinzu kommen noch eine Vielzahl von anderen Umweltbelastungen und Stressfaktoren, die das Wachstum der Stadtbäume negativ beeinflussen.
Wenn man von diesem gedanklichen Hintergrund ausgeht und sich dazu noch bewusst macht, dass die Stadtbäume zum überwiegenden Teil „Waldpflanzen“ und keine an das Stadtklima angepassten „Wüstenpflanzen“ sind, dann wird deutlich, welche Bedingungen die künstlichen Standorte in der Stadt erfüllen müssten, damit ein Stadtbaum gut wachsen kann. (Dobner et al. 1993)
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B.Sc. Ingo Schuch, 2006, Entscheidungskriterien zur Baumartenwahl und -verwendung außerhalb des Naturstandortes, Munich, GRIN Publishing GmbH
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