Einleitung: Kurze Biografie des Kaisers
Als Sohn des Feldherren Germanicus und der Agrippina wurde Gaius, der seit seiner frühesten Jugend Caligula genannt wurde, am 31. August des Jahres 12 geboren in Antium geboren. Er wuchs mit fünf Geschwistern, Nero, Drusus, Agrippina Minor, Drusilla und Livilla, in verschiedenen Soldatenlagern in Germanien, Rom, Griechenland und dem Orient auf. Deshalb bekam Gaius auch den Spitznamen Caligula, was soviel wie Soldatenstiefelchen bedeutet. Germanicus, leiblicher Sohn des Drusus und der jüngeren Agrippina, Großneffe von Augustus und Neffe des Tiberius. Von seinem Onkel Tiberius wurde Germanicus später auf Drängen des Augustus adoptiert. Die ältere Agrippina, Gaius´ Mutter, war eine Enkelin des Augustus. (Barrett, S.1 ff.)
Da Augustus keine leiblichen Söhne und somit keine direkten Thronfolger hatte und alle von ihm vorgesehenen potentiellen Nachfolger starben, wurde sein Stiefsohn Tiberius für dieses Amt vorgesehen und letztendlich auch eingesetzt. (Winterling, S. 20 ff.) Dieser war, trotz oder gerade wegen seines kaiserlichen Status, voller Argwohn gegenüber seinen Verwandten. Besonders fürchtete er Germanicus, denn ihn hatte nicht nur Augustus für die Thronfolge ins Auge gefasst. Denn auch nach dem Tod des Augustus, wollte das germanische Heer Tiberius nicht als neuen Fürsten anerkennen und rief deshalb Germanicus als neuen Herrscher aus. Und auch beim Volk war Germanicus sehr beliebt. Der Tod, des angesehenen Feldherren im Jahre 19, kam deshalb für Tiberius nicht nur gelegen, vermutlich hatte er ihn sogar veranlasst. Doch starben mit dem Tod des Germanicus, die Angst- und Eifersuchtsgefühle des Tiberius gegenüber Germanicus´ Familie, die im Falle seines Todes ein Anrecht auf den Thron hatten nicht.
Die Familie wurde in Rom bespitzelt, drangsaliert und schließlich wurden im Jahr 27 Agrippina, und ihr ältester Sohn Nero, unter Arrest gestellt
So kam Caligula zusammen mit zwei seiner Schwestern als 14-jähriger in die Obhut seiner Großmutter Livia Augusta, die Witwe des Augustus. Diese starb zwei Jahre später im Alter von 86 Jahre und so fanden die Kinder im Jahre 29 weitere zwei Jahre bei ihrer Großmutter Antonia Minor Unterschlupf. Während dieser Zeit wurden Agrippina und Nero, wegen des Vorwurfs der Verschwörung vor Gericht gestellt und auf die Inseln Pandataria und Pontia verbannt. Nero starb dort im Jahr 31 aus ungeklärter Ursache. (Winterling, S. 34 ff.) Und auch Drusus, Caligulas zweiter Bruder und Anwärter auf den Thron, wurde im Jahr 30 aus demselben Grund wie schon zuvor seine Mutter und sein Bruder Nero, vor Gericht gestellt und verurteilt. Er verhungerte im Jahr 33 in einem Gefängnis auf dem Palatin. In dieser Zeit befand sich der inzwischen 20-jährige Caligula bereits seit zwei Jahren auf der
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Insel Capri bei Tiberius, der seinen Enkel aus politisch - strategischen Gründen auf Anraten Macros, einem seiner engsten Berater, zu sich holte. Denn das Volk war informiert über die Vorgänge gegen die beliebte Germanicus - Familie und verlangte die Freilassung der Inhaftierten. Es war nicht sicher, ob die Stimmung kippen würde und es zu einem Volksaufstand kam. Um dem vorzubeugen, wurde Caligula als lebendes Friedenssymbol in das kaiserliche Gefolge aufgenommen. (Winterling, S. 39 ff.) Caligula war in diesem Umfeld umgeben von Menschen, die ihm feindlich gesinnt und die wahrscheinlich auch verantwortlich für die Ermordung seiner nächsten Verwandten waren, für den Tod Neros, wie auch für den Tod seiner Mutter, die im selben Jahr wie sein Bruder Nero starb. (Winterling, S. 45)
Dies alles ertrug Caligula stillschweigend, so dass der Eindruck entstand, ihn tangierte der Tod seiner engsten Familiemitglieder nicht. Sein ruhiges angepasstes Verhalten während der Zeit auf Capri gefiel Tiberius, so dass er Caligula im Alter von 20 Jahren die Quästur verlieh und dies die Aufnahme in den Senat zur Folge hatte. Er bekam sogar von Tiberius die Erlaubnis sich fünf Jahre vor dem festgesetzten Alter um die übrigen Ämter zu bewerben. Diese Ehre wurde normalerweise nur den Prinzen zuteil. Und schließlich wurde Caligula im Testament von Tiberius, sogar zu gleichen Teilen wie Tiberius´ Enkel Gemellus, als Erbe eingesetzt. (Winterling, S. 45 ff.)
Der Prätorianerpräfekt Macro und enger Vertrauter von Tiberius verhalf Caligula schließlich auf den Kaiserthron, als Tiberius unter nicht ganz geklärten Umständen im Jahr 37 starb. (Winterling, S. 48 ff.) Von den Prätorianern wurde Caligula zum Kaiser ausgerufen und auch das Volk war anfangs sehr erfreut über einen Kaiser aus der Germanicus Familie. Doch nach etwa zwei Jahren verschwand dieses Hochgefühl, denn Caligula war nicht nur sehr verschwenderisch, er ließ auch viele Menschen hinrichten oder ermorden, er verspottete den Senat und quälte sogar einige Senatoren, wie auch andere Bürger. (Sueton, S. 233 f.; Balsdon, S. XVIII) Letztendlich wurde ihm diese Misanthropie zum Verhängnis. Denn er wurde am 24. Januar des Jahres 41 von Cassius Charea und Cornelius Sabinus, zwei Tribunen der Prätorianergarde, ermordet. Chareas Motivation den Kaiser zu töten entstand durch die ständigen Demütigungen, die er durch Caligula erfuhr. (Sueton, S. 253 ff., Balsdon, S. XIX) Darstellung Caligulas in den Quellen und in der Forschungsliteratur Doch war Caligula wirklich dieser verbrecherische oder gar wahnsinnige Kaiser, der scheinbar wahllos Menschen meucheln ließ und sogar vor seiner nahen Verwandtschaft nicht Halt machte?
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Die Quellen wollen uns das zumindest glauben machen. Der Philosoph und Schriftsteller Lucius Annaeus Seneca schreibt in der Trostschrift an seine Mutter Helvia: „Der Kaiser Gaius Caesar (Caligula), an dem, wie mir scheint, die schöpferische Natur zeigen wollte, was bei höchster Lebensstellung der höchste Grad von Verworfenheit vermöchte, ...“. (Seneca, S. 206)
Und auch der römische Schriftsteller Gaius Suetonius Tranquillus bezeichnet Caligula in seinen Kaiserbiografien als „Ungeheuer“ (Sueton, S.228), allerdings beschreibt er auch seine guten Taten: „Mit gleicher Leutseligkeit begnadigte er alle Verurteilten und Verbannten vollständig und schlug die Kriminalprozesse, die etwa noch aus der früheren Zeit schwebten, samt und sonders nieder.“ (Sueton, S. 223) Damit schafft er jedoch den Eindruck eines zwiespältigen, unsteten Kaisers.
Sueton erwähnt Verschwörungen gegen Caligula (Sueton, S. 233), ohne auf diese einzugehen und sie in Zusammenhang mit Caligulas Verhalten zu bringen. Er stellt ihn dadurch als willkürlich handelnde, launische Bestie dar.
Auch Lucius Claudius Cassius Dio Cocceianus beschreibt Caligula in seinen ´Römischen Büchern´ als launischen, geldgierigen Tyrannen, der aus Geldnot auch nicht vor Mord zurückschreckte. (Cassius Dio, S. 392 ff.)
Die Hinrichtung des Feldherrn Gaetulicus begründet Dio mit der Eifersucht Caligulas auf ihn. Und auch die Ermordung des wichtigsten politischen Vertrauten Caligulas, Lepidus, sowie die Verbannung der Schwestern auf die Pontischen Inseln, werden nicht weiter erläutert. (Cassius Dio, S. 407)
Dass diese Personen in eine Verschwörung gegen Caligula verwickelt waren, wie anzunehmen ist, erwähnt Cassius Dio nicht.
Die neuere Forschungsliteratur ist zwiegespalten, was die Führungspersönlichkeit Caligulas betrifft. Zvi Yavetz schreibt in seinem Aufsatz: „Caligula, Imperial Madness and Modern Historiography“, dass Caligula durch seine Kindheitserlebnisse traumatisiert wurde, es aber nicht sicher ist, ob diese Tatsache allein, ihn zu diesem verhassten Regenten machte. Oder aber, ob sein Alkoholproblem, seine Ernährungsweise, seine sexuellen Ausschweifungen, seine Epilepsie oder seine schwere Krankheit im Jahr 37 dafür verantwortlich waren. (Yavetz, S. 106) Doch Yavetz schreibt auch, dass Caligula nicht der einzige Kaiser war, der ein exzessives Leben führte und viele Geschichten, die Sueton anführte, um Caligula als Wahnsinnigen darzustellen, sollten relativiert werden, wie z.B. die Morde an den Senatoren, die Yavetz als notwendig beschreibt. (Yavetz, S. 108 f.)
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Arbeit zitieren:
Saskya Olympio, 2007, Caligulas Kindheit und Jugend und die Auswirkungen auf seine spätere Regierungszeit, München, GRIN Verlag GmbH
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