1. Einleitung
Beschäftigt man sich mit der Wirtschaft Roms, so ist es auch notwenig sich mit den römischen Provinzen auseinanderzusetzen um ein vollständiges Bild zu erhalten. Schließlich sind Rom und die Provinzen eng miteinander verknüpft, in manchen Fällen sogar voneinander abhängig. Mit Spanien verbindet man oft den Reichtum an Edelmetallen und kommt in Versuchung diesen Reichtum als das wichtigste wirtschaftliche Element dieser Provinz zu deuten. Wie sieht es aber mit anderen Waren aus? In der vorliegenden Arbeit soll verdeutlicht werden, dass es ausser der Gewinnung von Edelmetallen auch noch einen regen Warenaustausch gab. Ausser den archäologischen Funden gibt es noch schriftliche Quellen zu diesem Thema von STRA- BON undPLINIUS 1 . Weiterhin hilfreich war insbesondere die Forschungsliteratur von LEONARD A. CURCHIN und SIMON J. KEAY. 2
2. Hauptteil
2.1. Die Entstehung der spanischen Provinz
Es erscheint sinnvoll einige Informationen zum historischen Kontext Spaniens an dieser Stelle anzufügen um den nachfolgenden Ausführungen besser folgen zu können. Im Folgendem werden die Überlegungen von SIMON J. KEAY zu diesem Thema knapp dargestellt.
Mit dem Ende des 2. Punischen Krieges (218-201 v.Chr.) war auch die karthagische Herrschaft in Spanien beendet. Die Römer vertrieben 206 v. Chr. die Karthager aus Spanien und eroberten somit ein riesiges Gebiet. Doch brachte diese Eroberung auch verschiedene Probleme mit sich. Zum einen setzte sich Spanien aus verschiedenen Landschaften und zum anderen auch aus verschiedenen Völkern zusammen. Hinzu kam noch, dass die Menschen in Spanien nicht mit einer zentralen Autorität vertraut waren. Um den militärischen Frieden zu wahren, die Völker zu vereinigen und das Land für sich profitabler nutzen zu können, entwickelten die Römer ein zentrales
1 Strabon: The Geography of Strabo, with an english translation by Horace Leonard Jones, Ph.D., LL.D., Cornell University, 1988.; Gaius Plinius secundus d.Ä.: Naturkunde, lateinisch-deutsch, herausgegeben und übersetzt von Roderich König in Zusammenarbeit mit Joachim Hopp und Wolfgang Glöckner, München Artemis&Winkler (Sammlung Tusculum), 1995.
2 Curchin, Leonard A.: Roman Spain, Conquest and Assimilation, London/New York 1991.; Keay, Simon J.: Roman Spain, Exploring the Roman world, London 1988.
2
Regierungssystem. Zusätzlich wurden Städte, Festungen und Villen errichtet und ein riesiges Straßennetz geschaffen. 3 Die Iberische Halbinsel wurde neu strukturiert und 197 v. Chr. erfolgte eine formale Teilung Spaniens in zwei Provinzen - Hispania Ci-terior und Hispania Ulterior. Diese waren keine Provinzen im heutigen Sinne, sondern eher Verwaltungsbereiche, die dem Kommando Roms unterstanden. Aufgrund der Größe dieser Gebiete entstanden Schwierigkeiten bei der Aufsicht und dem Regieren. Aus diesem Grund wurde Hispania Ulterior zwischen 16 und 13 v. Chr. nochmals zweigeteilt, in Hispania Baetica mit der Hauptstadt Corduba und Hispania Lusitania mit der Hauptstadt Emerita Augusta (heute Mérida). Hispania Citerior blieb mit ihrer Hauptstadt Tarraco (heute Taragona) erhalten, bekam aber im Laufe der Zeit den Namen Tarraconensis. 4
2.2. Aktive Bergwerke in Spanien
Einen großen Stellenwert in der Wirtschaft der spanischen Provinzen nahm die Edelmetallgewinnung ein. So berichtet STRABON von einem großen Bergwerk in Carthago Nova:
„Polybius, in mentioning the silver-mines of New Carthage, says that they are very large; that they are distant from the city about twenty stadia and embrace an area four hundred stadia in circuit; and that forty thousand workmen stay there, who (in his time) bring into the Roman exchequer a daily revenue of twenty-five thousand drachmae.(Strab. Geogr. 3,2,10).
STRABON, der sich auf POLYBIUS beruft, nennt hier nicht nur den Standort der Mienen, sondern auch konkrete Zahlen in Bezug auf die Arbeiter und den Gewinn aus den Bergwerken. Auch PLINIUS berichtet von Silber aus Spanien:
„Man
findet
Merkwürdig ist, daß (sic!) die von Hannibal in den spanischen Provinzen angelegten Gruben noch jetzt in Tätigkeit sind. [...] Es gibt in diesen
Neben dem Silber wurde in den Bergwerken reichlich Quecksilber, aber auch Zinnober gefunden, welches als Farbstoff sehr beliebt war:
3 vgl.: Keay, (1988: S.47).
4 vgl.: Keay (1988: S.47-49).
3
„In den Silberbergwerken findet man auch den Zinnober, der jetzt unter den Pigmenten großes Ansehen genießt und einst bei den Römern nicht nur in höchster, sondern auch heiliger
Die aktiven Bergwerke in Spanien, die nicht nur Silber, Quecksilber und Zinnober, sondern auch Kupfer und Gold lieferten, standen unter dem Konkurrenzdruck der Edelmetallgewinnung aus Britannien und dem Balkan. 6
2.3. Die wirtschaftliche Vielfalt Hispaniens
Die wirtschaftliche Vielfalt der Provinz Spanien soll im Folgendem verdeutlicht werden. PLINIUS und STRABON erweisen sich diesbezüglich als wichtige Quellenau-toren. So berichtet PLINIUS von Weizenlieferungen aus Baetica: „Heutzutage ist von den Arten, die man nach Rom einführt, am leichtesten die gallischen und die aus der Chersonnes kommende; wiegt man nämlich das Korn selbst, so gehen auf einen modius nicht über 20 Pfund. Der Weizen aus Sardinien wiegt ein halbes Pfund mehr, der aus Alexandreia noch ein Drittel drüberauch der aus Sizilien hat dieses Gewicht - , der aus der Baetica wiegt ein ganzes Pfund mehr, der aus Afrika noch dreiviertel (sic!) drüber."(Plin. nat. XVIII, 66) Rom war auf die Getreidelieferungen aus seinen Provinzen angewiesen um die Zivilbevölkerung ernähren zu können. So diente nicht nur Spanien als Getreidelieferant, sondern beispielsweise auch Sardinien und Sizilien. 7 Auch STRABON berichtet von Exporten aus Baetica, jedoch nicht nur von Weizen, sondern auch von Wein, Olivenöl, Wachs, Honig sowie von den Farbstoffen Kermes, Rötel und Sinopia:
„There are exported from Turdetania large quantities of grain and wine, and also olive oil, not only in large quantities, but also of best quality. And further, wax, honey, and pitch are exported form there, and large quantities of kermes, and ruddle which is not inferior to the Sinopean earth." (Strab. Geogr. 3.2.6.) Wein wurde dabei nicht nur nach Rom exportiert, sondern auch nach Pompeii, Britannien und Karthago. 8 Auch das Olivenöl fand große Verbreitung im ganzen Mittelmeerraum. 9 PLINIUS berichtet unter anderem auch über die Produktion von Garum. Diese Fischsoße beschreibt er folgendermassen:
5 Plinius, nat.hist. XXXIII, 111
6 Curchin (1991: S.136-138)./Jacques (1998: S.428).
7 vgl.: De Martino, Francesco: Wirtschaftsgeschichte des alten Rom, München 1991, S.213-215.
8 Curchin (1991: S.148-150).
9 Curchin (1991: S.151-153).
4
Arbeit zitieren:
Olessja Bojko, 2008, Die Wirtschaftssituation der Provinz Spanien, München, GRIN Verlag GmbH
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