Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung 1
2. Der Herbstfeldzug des Jahres 14 n. Chr. 2
3. Die Feldzüge des Jahres 15 n. Chr.
3.1. Frühjahrsfeldzug 15 3
3.2. Sommerfeldzug 15 5
4. Die Feldzüge des Jahres 16 n. Chr.
4.1. Frühjahrsfeldzug 16 6
4.2. Sommerfeldzug 16 7
4.3. Herbstfeldzug 16 8
5. Die römische Zielsetzung in der Gesamtheit der Feldzüge
5.1. Rache für die clades Variana 9
5.2. Germanicus Intentionen 10
5.3. Motive in der Tabula Siarensis 10
6. Zusammenfassung 11
Quellen - und Literaturverzeichnis 12
1. Einleitung
Als Germanicus am 26. Mai des Jahres 17 n. Chr. einen Triumph de Cheruscis Chattisque et Angrivariis quaeque aliae nationes usque ad Albim colunt 1 feierte, endete eine dreijährige Reihe von römischen Feldzügen rechts des Rheins, die als die Feldzüge des Germanicus in die Geschichte eingegangen sind. Mit diesen Feldzügen sind hinsichtlich ihres Verlaufes sowie ihrer Intention einige Unklarheiten verbunden, die das Thema, mit dem sich die folgende Arbeit beschäftigt, darstellen. Der Schwerpunkt der in der Arbeit benutzten Literatur wird auf Timpe und Wolters gelegt, da diese sich sehr ausführlich zu einzelnen Problempunkten äußern und sich auf eine umfangreiche Quellenbasis stützen. Die umfangreichste und wichtigste der herangezogenen Quellen sind Tacitus` Annalen, die er nach seiner politischen Karriere ab 115 n. Chr. verfasste und die aufgrund der zeitlichen Distanz zu den Feldzügen des Germanicus nicht als zeitgenössische Quelle gelten können. 2 Wenn auch die Darstellung Tacitus` die ausführlichste ist, bereitet die Tatsache, dass der römische Historiker keinen in sich geschlossenen Bericht gibt, der alles enthält, was zum Verständnis der Zusammenhänge notwendig ist, ein Problem. 3 Neben den Annalen herangezogene Quellenwerke der zeitgenössischen römischen Autoren Strabon und Velleius Paterculus sowie des erst etwa 140 Jahre nach den Feldzügen des Germanicus geborenen Cassius Dio, in denen einzelne Stellen der Züge bzw. des Triumphes auftauchen, dienen dazu, die Glaubwürdigkeit des Tacitus zu untermauern oder in Frage zu stellen bzw. Unklarheiten zu bereinigen. Die Arbeit wird zunächst jeweils ausschließlich den taciteischen Bericht über den Verlauf der einzelnen Feldzüge des Germanicus summarisch wiedergeben ohne auf alle eventuell von der historischen Forschung behandelten Probleme des Textes und Lokalisierungsfragen Bezug zu nehmen, um den gesetzten Rahmen der Arbeit nicht zu sprengen. An die jeweilige Zusammenfassung der jahreszeitlich geordneten Feldzüge der Jahre 14 - 16 n. Chr. schließen sich verschiedene Interpretations- und Forschungsansätze an, die der Klärung der Frage nach Motivation und Zielsetzung der Züge dienen. Zu Ende der Arbeit geht es um die Behandlung der Frage nach einer römischen politischen Intention in der Gesamtheit der Feldzüge des Germanicus und wie diese nach dem Tod des Prinzen in der Tabula Siarensis offiziell vertreten wurde.
1 Tac. ann. II 41,2
2 Römer, s.v. Tacitus, in: MLAA, 1997, 683-685
3 Timpe, 1968, 8; Koestermann, in: Historia 6, 1957, 431
1
2. Der Herbstfeldzug des Jahres 14 n. Chr.
Im Herbst des Jahres 14 n. Chr. führte Germanicus 12.000 Legionäre aus den vier niedergermanischen Legionen, 26 Auxiliarkohorten und acht Alen über eine Brücke in das rechtsrheinische Gebiet und zog gegen die Marser. Die ahnungslosen Angehörigen des Stammes wurden in ihren Dörfern von römischen Militärposten umzingelt und nach einer ihrer nächtlichen Feiern überfallen. Germanicus teilte den römischen Heereszug in vier Keilformationen, ließ die Marser unabhängig ihres Geschlechts und Alters niedermetzeln und ihr Siedlungsgebiet in großem Ausmaß verwüsten. Die gezielte Zerstörung des weithin bekannten und bedeutenden Heiligtums der Göttin Tanfana durch römische Heeresgruppen führte zum Angriff der zum Tanfana-Kultverband gehörigen Brukterer, Tubanter und Usipeter aus dem Hinterhalt auf dem Rückweg der römischen Truppe, die den Ansturm jedoch abwehrte, den Feind zurückschlug und daraufhin ihr Winterquartier bezog. 4
Tacitus begründet den Herbstfeldzug mit neuerwachtem Kampfeswillen der niedergermanischen Legionäre, die den Wunsch verspürten, die Schande ihrer Beteiligung an der zuvor beendeten Meuterei durch einen Sieg über äußere Feinde zu tilgen. Germanicus folgte sodann der Kriegsbegeisterung seiner Truppe und bot die von ihr selbst geforderte Kriegsbewährung. 5 Nach Cassius Dio hingegen ging die Initiative zu dem Verheerungszug gegen die Marser allein von Germanicus aus, der mit dem improvisierten Zug die noch andauernde Rebellion der römischen Rheintruppen endgültig beizulegen suchte. 6 Eine ausgiebige Untersuchung der unterschiedlichen Darstellungen der taciteischen und dionischen Quelle findet sich bei Timpe, der den Schilderungen Dios den Vorzug gibt. 7 Da nach Dio die Aufnahme militärischer Operationen unter Germanicus in Germanien lediglich aufgrund der noch nicht endgültig beendeten Meuterei notwendig wurde, zerbricht der Zusammenhang der Feldzüge 14 - 16 n. Chr., die Tacitus zu einem von Germanicus geführten Krieg zur Rückeroberung der vor 9 n. Chr. kontrollierten Gebiete, die nach der clades Variana aus dem römischen Herrschafts- und Einflussbereich fielen, stilisierte und dessen Auftakt für ihn der Zug gegen die Marser darstellte. 8 Christ und Koestermann hingegen lösen sich vom engen
4 Tac. ann. I 49,4-51,4
5 ebd. I 49,3.4
6 Cass. Dio LVII 6,1
7 Timpe, 1968, 9 f., 24-30
8 ebd. 21 f., 29 f.; Becker, 1992, 195; Wolters, 1990, 229 f.
2
Zusammenhang mit der Meuterei der rheinischen Legionen und deuten die Operation im Herbst des Jahres 14 n. Chr. auch als Kriegsprobe, die erst durch ihren erfolgreichen Ausgang zu den Feldzügen der folgenden Jahre führte. 9
3. Die Feldzüge des Jahres 15 n. Chr.
3.1. Frühjahrsfeldzug 15
Zu Beginn des Jahres 15 n. Chr. nahm Germanicus, obwohl er sich noch in der Vorbereitungszeit auf einen groß angelegten Sommerfeldzug befand, die römischen Militäroperationen rechts des Rheins mit einem Überraschungsangriff auf die Chatten wieder auf. 10 Germanicus übergab vier Legionen, 5.000 Auxiliarsoldaten und die irregulären Heeresaufgebote der linksrheinischen Germanenstämme Aulus Caecina, dem Legaten der niedergermanischen Legionen, und übernahm selbst ebenfalls vier Legionen und die doppelte Anzahl an Bundesgenossen. Während ein Teil der römischen Truppe unter L. Apronius zum Schutz und zur Befestigung der Strassen und Brücken zurückgelassen wurde, gelangte Germanicus mit seinem Heeresaufgebot in Eilmärschen in das Gebiet der Chatten, nachdem er zuvor ein Kastell auf den Resten einer von seinem Vater Drusus in monte Tauno angelegten Befestigung hatte errichten lassen. Der blitzartige Überfall auf die Chatten hatte den Tod oder die Gefangennahme der Nichtwehrfähigen und die Verfolgung des Stammesaufgebotes zur Folge. Germanicus lehnte Friedensangebote des flüchtigen Gegners ab, so dass einige Teile zu ihm überliefen und den Hauptort des chattischen Stammes, Mattium, der Zerstörung und ihr Land der Verwüstung preisgaben. Parallel zur Chatten-Operation unter Führung Germanicus` hielt das niedergermanische Heer unter Caecina die Cherusker von Hilfeleistungen für ihre südlichen Nachbarn ab und bezwang zudem die Marser erneut in einer erfolgreichen Schlacht. 11
Ein von Gesandten Segestes` überbrachter Hilfegesuch des von Anhängern Arminius` belagerten Cheruskerfürsten bewog Germanicus auf dem Rückmarsch zum Rhein dazu, mit seinem Heereszug zurückzukehren. Segestes wurde nach einem Kampf zwischen den
9 Christ, 1956, 86; Koestermann, in: Historia 6, 1957, 430
10 Tac. ann. I 55,1
11 ebd. I 56
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Arbeit zitieren:
Jürgen Menze, 2002, Die Feldzüge des Germanicus 14–16 n.Chr. und ihre Zielsetzung , München, GRIN Verlag GmbH
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