Inhaltsverzeichnis 2
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
Abbildungsverzeichnis 4
Tabellenverzeichnis 4
Einleitung 5
1 Empirische Befunde 8
1.1 Tendenzen in der Entwicklung der Bevölkerungsstruktur in Japan. 8
1.1.1 Bevölkerungsverteilung nach Altersgruppen und durchschnittliche
Lebenserwartung 9
1.1.2 Geburten- und Sterbeziffern, Eheschließungen und Ehescheidungen 13
1.1.3 Haushaltsgröße 16
1.2 Analysen und Fazit. 22
2 Entwicklung des Single-Daseins in Japan. 27
2.1 Vorbetrachtung. 28
2.2 „Parasiten-Singles“ in Japan 29
2.2.1 Charakteristische Paras I 32
2.2.2 Charakteristische(?) Paras II 37
2.3 Non-paras - die Gegenspieler. 41
3 Exkurs: Konsumtheorie - ein Definitionsversuch. 49
3.1 Der wirtschaftliche Kontext 49
3.2 Der sozialwissenschaftliche Kontext Konsumtheorien ein Auszug. 51
3.3 Konsum in Japan 58
4 Konsum - Ausdruck des Lebensstils der Singles in Japan 63
4.1 Vorbetrachtung. 63
4.2 Lebensstil in Japan 65
4.2.1 Freizeit als gegenwärtiges Phänomen 67
4.2.2 Shopping als neue Freizeitbeschäftigung. 70
4.2.3 Käuferverhalten und Präferenzbildung 72
4.2.4 Kaufentscheidungsprozesse 76
5 Konsumverhalten paras vs. non-paras. 79
5.1 Die Äußerlichkeiten der paras und non-paras 80
Inhaltsverzeichnis 3
5.2 Der Konsum der paras 81
5.3 Das non-bura-Konzept. 88
5.4 Die Brillanz der non-paras. 91
6 Zusammenfassung. 95
Glossar 104
Literaturverzeichnis 106
Einschl ägige Literatur. 106
Nachschlagewerke 112
Internetdokumente 113
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Life Expectancy at Birth (1983-2001)
Abbildung 2: Vital Statistics
Abbildung 3: Changes in Marrriage Rate and Divorce Rate.
Abbildung 4: Changes in Household Composition
Abbildung 5: Number of Households, Population in Households (1980-2000)
Abbildung 6: Anzahl der verschiedenen Haushaltstypen mit Mitgliedern über
65 Jahre (1990-2000)
Abbildung 7: Percentage Distribution of Households of single women aged
and over by age group.
Abbildung 8: Zusammenleben mit den Eltern.
Abbildung 9: Zusammenleben mit den Eltern (2000)
Abbildung 10: Bevölkerungspyramide - Japan 2000
Abbildung 11: Household Income and Expenditure (1984-2001)
Abbildung 12: Satisfying ways of spending time.
Abbildung 13: Hours of Actual Work per Month (1983-2001)
Abbildung 14: Main interest among aspects of lifestyle
Abbildung 15: Black-Box-Modell.
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Population by age group (1,000)
Tabelle 2: Anzahl der Personen mit einem Alter über 100 Jahren.
Tabelle 3: Live birth rates and death rates (1995-1999)
Tabelle 4: Distribution of one-person-households (in 1 000)
Tabelle 5: Increase of Elderly Households
Einleitung 5
Einleitung
„Ich hab schon alles, ich will noch mehr, alles hält ewig, jetzt muß was Neues her. Ich könnt im Angebot ersaufen, mich um Sonderposten raufen, hab diverse Kredite laufen [...] ich kauf’ mir was, kaufen macht soviel Spaß, ich könnte ständig kaufen gehen, kaufen ist wunderschön.“ Diese Zeilen aus einem Song von dem deutschen Popsänger Herbert Grönemeyer aus dem Jahr 1982 könnten auch auf die sogenannten Parasiten-Singles in Japan passen, die in den letzten Jahren durch ihre hedonistische Lebensweise auf sich aufmerksam gemacht haben und noch immer für ausreichend Gesprächsstoff sorgen.
„Auch mit über dreißig Jahren wohnen sie noch zu Hause bei den Eltern, machen in ihrer Freizeit Auslandsreisen, auf denen sie teure Markenartikel kaufen und führen alles in allem ein gemütliches Leben - dies sind die unbekümmerten und unverheirateten jungen Männer und Frauen Japans - die Parasiten-Singles.“ 1 So beschreibt sie Yamada Masahiro in seinem Buch „Das Zeitalter der Parasiten-Singles“ (Parasaito shinguru no jidai). Yamada, Professor der Soziologie an der Universität für Kunst und Wissenschaft in Tôkyô spezialisierte sich auf dem Gebiet der Eltern-Kind-Beziehung sowie ehelichen Beziehungen zwischen Mann und Frau, wozu er verschiedene Veröffentlichungen wie „Das Risiko namens Familie“ (Kazoku to iu risuku) oder „Die Restrukturierung der Familie“ (Kazoku no resutorakuchâringu) herausgegeben hat. In dem erstgenannten Buch „Das Zeitalter der Parasiten-Singles“ versucht er, dem zur Zeit nicht mehr nur japanspezifischen Phänomen auf den Grund zu gehen. Da die „Parasiten-Singles“ aus Bequemlichkeit länger unverheiratet bleiben, macht sie der Soziologe für die sinkende Geburtenrate verantwortlich. Laut Yamada sind es grundsätzlich die jungen Menschen Japans, die unter dem Dach der Eltern und auf Kosten der Eltern leben und dies in vollen Zügen genießen, er verurteilt sie wegen ihres hedonistischen Lebensstils und warnt auch vor Folgen für Gesellschaft und Wirtschaft, bezeichnet sie als das Symbol der Sackgasse, in der sich Japan gegenwärtig befindet.
Die mit einer stark pejorativen Konnotation behafteten Bezeichnung „Parasiten-Singles“ gab mir den Anstoß, dieses Phänomen näher zu untersuchen. Hauptanliegen dieser Arbeit soll es
1 Yamada (1999)
Einleitung 6
sein, Yamadas These einer gründlichen Prüfung zu unterziehen und eine differenzierende sowie sachlichere Darlegung zu liefern.
Dazu dienten mir im Einzelnen zahlreiche Aspekte zur Heranführung, Einführung, Konkretisierung und Analyse der Thematik, die in den einzelnen Kapiteln abgehandelt wurden, wobei laut Titel dieser Arbeit Schwerpunkte gesetzt wurden und auch gesetzt werden mussten. Das oben genannte Konzept Yamadas drängt sich auf, betrachtet man den demografischen Wandel der japanischen Bevölkerung, was Thema des ersten Teils dieser Arbeit ist. Mit Hilfe von statistischem Zahlenmaterial ist die Entwicklung der Bevölkerungsstruktur in Japan dargestellt, das sich zusehends zu einer überalterten Gesellschaft mit zu wenig Nachwuchs entwickelt und gleichzeitig immer mehr Abstand vom traditionellen ie-seido [Familiensystem] gewinnt. Möglichen Ursachen für den Wandel in der Bevölkerungsstruktur Japans werden aufgezeigt und anlaysiert.
Die Entwicklung des Single-Daseins in der japanischen Gesellschaft ist Gegenstand des zweiten Kapitels, wobei das Phänomen der „Parasiten-Singles“ veranschaulicht wird. Hier werden Kriterien, Charakteristika und Beispiele von sogenannten Parasiten-Singles näher beleuchtet, um diesen Single-Typ von anderen abzugrenzen und einen Einblick in deren Wesen zu bekommen. Darauf folgt die Darlegung zu den „Nicht-Parasiten-Singles“, dem lebendigen Beweis für die Fähigkeit, selbstständig und unabhängig - gleichwohl ledig - zu wohnen, zu wirtschaften und zu leben.
Bevor der zweite große Schwerpunkt der Arbeit, das Konsumverhalten der Singles, in den Mittelpunkt rückt, schließt sich ein Exkurs zur Konsumtheorie sowohl aus westlicher als auch japanischer Perspektive an. Diesbezüglich wird es im dritten Kapitel einen kurzen Abriss zu einigen bedeutenden Thesen und Kritiken in der Wissenschaftstheorie des Konsums geben, um die Begrifflichkeiten Konsum, Konsument, Konsumgesellschaft etwas einzugrenzen und anschließend den japanischen Aspekt herauszuarbeiten.
Dieser wird Grundlage für das folgende vierte Kapitel sein, in dem Schlagwörter wie „Lebensstil“, „Freizeit“ und „Shopping“ in Japan im Vordergrund stehen. Konsum als Ausdruck des Lebensstils, die Identifikation der eigenen Persönlichkeit mit einem Status über Waren, Dinge, Dienstleistungen in einer freizeitorientierten Gesellschaft, in der Shopping ein Erlebnis, Hobby und Genuss ist, wird hier veranschaulicht. Diese Begrifflichkeiten stehen anschließend im japanischen Kontext im Zentrum, wobei das Augenmerk auf die Gruppe der Singles gerichtet wird. Das Käuferverhalten im Allgemeinen wie im Besonderen bezüglich
Einleitung 7
Entscheidungsprozessen wird herausgearbeitet, um Unterschiede in den Konsummustern der einzelnen Lebensformen erkennen zu können.
Das fünfte Kapitel beschäftigt sich mit konkreten Beispielen zum Konsumverhalten der „Parasiten-Singles“ bzw. „Nicht-Parasiten-Singles“. Die Ergebnisse einer Studie des Hakuhôdô Institute of Life & Living werden bezüglich der unterschiedlichen Bedürfnisse, Präferenzen und Neigungen der beiden Single-Typen verarbeitet und die auffallenden und entscheidenden Parameter des Konsumverhaltens zu jedem Typ herauskristallisiert. Die abschließende Zusammenfassung dient schließlich dazu, die wichtigsten Eckpunkte innerhalb der Debatte um die Single-Problematik in Japan hervorzuheben und wie eingangs erwähnt, mittels gründlicher Ursachenforschung und -darlegung, eine sorgsamere Argumenta- tion im Hinblick auf die Untersuchung von Yamadas These vorzuschlagen.
1 Empirische Befunde 8
1 Empirische Befunde
In den folgenden Abschnitten des ersten Teils der Arbeit werden die demografischen Entwicklungen für Japan dargestellt. Demografie heißt in diesem Falle „Wissenschaft von der Bevölkerung, insbesondere der Bevölkerungsstruktur und der Bevölkerungsentwicklung“ 2 und beschränkt sich im engeren Sinne auf die formale Demografie, auf die Beschreibung von Größe, Verteilung, Struktur und Veränderung von Populationen. 3
Mit Hilfe von statistischem Zahlenmaterial möchte ich versuchen, einen Überblick über die Bevölkerungsstruktur Japans zu geben, wobei folgende Punkte von besonderem Interesse sein werden: Empirie und Analyse der Bevölkerungsstruktur im Hinblick auf Alter (Altersgruppenverteilung, durchschnittliche Lebenserwartung) und Familienstand, deren Veränderung infolge von Geburten- bzw. Sterbefällen sowie Heiratsverhalten. Außerdem wird die Entwicklung der Haushaltsgröße und der Anzahl der Haushaltsmitglieder im Laufe des letzten Jahrzehnts untersucht und analysiert.
1.1 Tendenzen in der Entwicklung der Bevölkerungsstruktur in Japan
Einführend zur Demografie Japans ist es meines Erachtens sinnvoll, einige Eckdaten zur Bevölkerungsentwicklung Japans zu nennen, um diese zeitlich und dimensional einordnen zu können. Japans Bevölkerung hatte, beginnend mit dem 18. Jahrhundert bis hin zur Hälfte des 19. Jahrhundert, eine stabile Einwohnerzahl von etwa 30 Millionen zu verzeichnen. Mit der Meiji-Restauration im Jahre 1868 begann die Bevölkerung - im Zuge des Aufbaus eines modernen Nationalstaates - zu wachsen. 1926 zählte man um die 60 Millionen, und im Jahre 1967 überschritt die Einwohnerzahl die 100-Millionen-Grenze. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wird angenommen, dass die Einwohnerzahl Japans im Jahre 2006 ihren höchsten Wert mit
2 Lexikon zur Soziologie (1994: 129)
3 Dinkel (1989: 1)
1 Empirische Befunde 9
circa 127,7 Millionen Menschen erreichen und in eine Periode des Bevölkerungsschwundes geraten wird. 4
Zum Zensus im Jahr 2000 zählte Japans Bevölkerung 126 925 843 Menschen, 5 und im Jahr 2001 war Japan das Land mit der neuntgrößten Population der Welt, was 2,1% der Weltbevölkerung entspricht.
1.1.1 Bevölkerungsverteilung nach Altersgruppen und durchschnittliche
Lebenserwartung
Beginnen möchte ich mit einer kurzen Zusammenfassung eines Berichtes im Rahmen des Auslandsjournals im ZDF mit dem Titel „Jungbrunnen in Japan - Das Dorf der Hundertjährigen.“ 6
„In dem Dorf der rüstigen Rentner ist schon lange Realität, was in ganz Japan in etwa zwanzig Jahren eintreten wird: Jeder dritte Bewohner ist über 65. Wenn die Kleinen aus dem Kindergarten in Ôgimi im Berufsleben stehen, muss jeder von ihnen einen Rentner unterstützen.“, so wird von dem kleinen Dörfchen Ôgimi im Norden Okinawas berichtet. Statistisch gesehen gibt es in Ôgimi 10 mal so viel 100jährige wie im übrigen Land. Die Alten sind glücklicheiner der Gründe, warum so viele von ihnen über 100 Jahre alt werden, sagen die Forscher. Japans Renten- und Gesundheitssystem drohe genau wie unserem der Kollaps. „Aber Ôgimi mit seinen glücklichen und kerngesunden alten Menschen ist nicht Teil des Problems,“ meint Altersforscher Prof. Taida, „sondern Teil der Lösung. Die Regierung will erreichen, dass jeder Mensch bis zu seinem Ende gesund bleibt und die Kranken- und Pflegeversicherung möglichst wenig belastet. In Ôgimi nehmen die Alten aktiv am sozialen Leben teil und arbeiten weiter, deswegen sind sie glücklich und gesund, wenn das im ganzen Land überall so wäre, gäbe es überhaupt kein Problem.“
Das Programm im Seniorenclub dient allein dem Zweck, die alten Menschen froh zu machen, denn wer froh ist, wird nicht krank. Doch die Wurzel des Übels muss auch an anderer Stelle gesucht werden, was Gegenstand dieses ersten Kapitels sein soll.
4 http://www.stat.go.jp/english/data/handbook/c02cont.htm
5 http://www.stat.go.jp/english/data/kokusei/2000/kihon1/00/12.htm
6 ZDF auslandsjournal 16.01.03, 22.15 Uhr
1 Empirische Befunde 10
Am Altersaufbau der Bevölkerung eines Landes lässt sich ablesen, wie sich das Verhältnis der jüngeren zur älteren Generation entwickelt. Dies wird oft in einer Grafik dargestellt, die bei der optimalen Verteilung der einzelnen Altersgruppen eine pyramidenartige Form aufweist. An diesem Punkt lässt sich eine für die Demografie Japans durchaus bedenkliche Entwicklung erkennen: Bereits heute ist Japan durch eine verhältnismäßig schwach vertretene junge Generation gekennzeichnet. Das heißt, dass sich die sogenannte Alterspyramide weiterhin in eine atompilzartige Figur wandelt bzw. wandeln wird und die Überalterung der Gesellschaft (kôreika shakai) voranschreitet.
Im Jahr 2000 lebten in Japan mehr 65-Jährige oder ältere Menschen als 15-Jährige und jüngere, wie die folgende Ansicht zeigt:
Tabelle 1: Population by age group (1,000) 7
Source: Ministry of Public Management, Home Affairs, Posts and Telecommunications, Japan
Die prozentuale Verteilung lässt sich wie folgt beschreiben: Der Anteil der unter 15-Jährigen und der 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung beträgt 31,9%, wobei rund 14,6% auf die erste Gruppe und rund 17,3% auf die zweite Gruppe entfallen. 8
7 http://www.stat.go.jp/english/data/handbook/c02cont.htm
1 Empirische Befunde 11
Erst wenn man in der Statistik einige Jahrzehnte zurückgeht, wird die Schwere des Problems der Überalterung der Bevölkerung deutlich. Laut der Tabelle hat sich die Zahl der Menschen im Alter von 65 Jahren oder älter von 1950 mit 4 155 000 Menschen bis 1980 auf knapp 11 Millionen nahezu verdreifacht, eine weitere Verdopplung ist bereits in den nachfolgenden zwei Jahrzehnten zu erkennen. 9
In kontinuierlicher Weise hat auch die Anzahl der Menschen in Japan zugenommen, die ein Lebensalter jenseits der 100 erreichen. Im Jahr 1960 waren es 144 Menschen mit einem Alter von über 100 Jahren, 20 Jahre später 968, und vom Jahr 1990 ist die Zahl von 3 298 auf beachtliche 13 036 Personen im Jahr 2000 angestiegen. 10 Hier ist zu erwähnen, dass seit den 1980er Jahren die Frauen stets den größeren und ab den 1990er Jahren zusätzlich einen sehr beträchtlichen Anteil an dieser Bevölkerungsgruppe ausmachen, wie die folgende Tabelle zeigt.
Tabelle 2: Anzahl der Personen mit einem Alter über 100 Jahren 11
Die Lebenserwartung in Japan hat vom Jahr 1980 bis zum Jahr 2000 bei Männern um 4,29 Jahre und bei Frauen um 5,86 Jahre zugenommen. 12 Das bedeutet für die 60-Jährigen in den vergangenen 25 Jahren eine Lebensverlängerung um circa vier Jahre. Im folgenden ist die
8 http://www.stat.go.jp/english/data/handbook/c02cont.htm
9 Asahi Shinbun (Hg.) (2002: 59)
10 Asai Shinbun (Hg.) (2002: 59)
11 ibid
12 Asahi Shinbun (Hg.) (2002: 225)
1 Empirische Befunde 12
ständig steigende Lebenserwartung der Japaner für Männer und Frauen getrennt grafisch dargestellt:
Abbildung 1: Life Expectancy at Birth (1983-2001) 13
In einem Interview mit Naohiro Ogawa, Bevölkerungsexperte und Wirtschaftsprofessor, kam zur Sprache, dass die Bevölkerung der über 65-Jährigen in Japan im Jahr 2025 am höchsten und Japan das älteste Volk der Welt sein wird. Im Jahr 2007 wird in Japan als erstem Land der Welt die Rate der über 65-Jährigen erstmals die 20%-Marke überschreiten. „Japan konnte in der Vergangenheit sehr gut Maßnahmen von anderen Ländern adaptieren. Doch dann können wir nicht mehr die Politik anderer Länder kopieren,“ führt Ogawa fort, „da Japan als erstes Land diese Erfahrungen bezüglich des demografischen Wandels machen wird.“ Hier seien eigene Strategien gefragt. Im Jahr 2025 wird es aufgrund der Unterschiede in der Lebenserwartung mehr Frauen - ältere Frauen - als Männer in der japanischen Bevölkerung geben, und der Großteil dieser Frauen wird verwitwet sein, schlussfolgert Ogawa. 14 Die Auswirkungen dieser Entwicklung für die Altersversorgungssysteme, das Gesundheitswesen und die Altenpflege sind offensichtlich und schwerwiegend. Es ergeben sich daraus aber auch Auswirkungen auf die Struktur des Arbeitsmarktes, der Familie und der Machtverhältnisse in der Gesellschaft, worauf ich an anderer Stelle noch einmal eingehen werde.
13 http://jin.jcic.or.jp/stat/stats/02VIT24.html
14 http://www.mofa.go.jp/j_info/japan/socsec/ogawa.html
1 Empirische Befunde 13
1.1.2 Geburten- und Sterbeziffern, Eheschließungen und Ehescheidungen
Neben der wachsenden Lebenserwartung, haben auch niedrige Geburtenzahlen und abnehmende Heiratsbereitschaft einen entscheidenden Einfluss auf die Bevölkerungsentwicklung eines Landes. Im folgenden sind zunächst die Sterbezahlen den Geburtenziffern für Japan gegenübergestellt.
Tabelle 3: Live birth rates and death rates (1995-1999) 15
Vergleicht man die Zahlen langfristig miteinander (siehe nachfolgende Tabelle) und geht dabei bis in die fünfziger Jahre zurück, ist das Problem offensichtlicher. Andere Quellen besagen Ähnliches: Beispielsweise erreichte die Geburtenrate zur Zeit des zweiten Babybooms zwischen 1971 und 1973 einen Wert von 19,9. Von dieser Zeit an sank die Rate ständig bis auf 9,6 im Jahr 1993. Im Jahr 1994 gab es nach 21 Jahren einen leichten Aufwärtstrend (10,0), der aber wieder in einen erneuten Abfall der Rate umschlug. Schließlich wurde im Jahr 1999 ein Wert von 9,4 erreicht. Dies war der niedrigste Wert seit 1899, dem Zeitpunkt, an dem man in Japan begann, derartige Statistiken aufzustellen. 16
15 Asahi Shinbun (Hg.) (2002: 61)
16 http://www.stat.go.jp/english/data/handbook/c02cont.htm
1 Empirische Befunde 14
Dieser generelle Rückgang der Geburtenrate in Japan ging einher mit dem des durchschnittlichen Alters, in dem Frauen ihr erstes Kind zur Welt brachten. Dies stieg von 25,6 Jahren im Jahr 1970 auf 28 Jahre im Jahr 2000 an.
Laut Sumiko Iwao, Psychologin und Professorin der Keiô-Universität, kann der Rückgang der Kinder in der japanischen Gesellschaft auf Ursachen wie die ausgedehnte Geburtenkontrolle und die Legalität der Abtreibung aus wirtschaftlichen Gründen zurückgeführt werden. 18 In den frühen Nachkriegsjahren gebar die Durchschnittsjapanerin 4 Kinder. Im Jahr 1989 war diese Zahl auf 1,57 gefallen. Dies verursachte eine gewisse Unruhe unter den männlichen Politikern und man begann, sich ernsthaft Sorgen um die fallende Kinderanzahl pro Familie zu machen, die im Jahr 1995 bei 1,43 und im Jahr 2000 bei 1,35 lag,. 19 Eine Besserung ist nicht in Sicht.
Zur Sterblichkeitsrate ist nur kurz folgendes zu bemerken: Diese schwankte von 1975 bis 1987 zwischen 6,0 und 6,3. Seit 1987 ist ein kontinuierlicher Anstieg zu verzeichnen, was sich allerdings auf den generell sehr hohen Anteil an älteren Menschen in der Bevölkerung zurückführen lässt. Im Jahr 2000 betrug die Sterblichkeitsrate 7,7%. 20
17 http://www.stat.go.jp/english/data/handbook/c02cont.htm
18 http://www.mofa.go.jp/j_info/japan/opinion/iwao.html
19 Asahi Shinbun (Hg.) (2002: 61)
20 http://www.stat.go.jp/english/data/handbook/c02cont.htm#cha2_3
1 Empirische Befunde 15
Auf die Eheschließungen möchte ich etwas näher eingehen. Die Anzahl der Eheschließungen pro Jahr in Japan erreichte in den frühen 1970ern erstmals die 1-Millionen-Marke. Ab diesem Zeitpunkt nahm die Rate kontinuierlich ab und seit dem Jahr 1993 ist sie Jahr für Jahr relativ stabil geblieben. Im Vergleich zum Jahr 1970, in dem es 1 029 405 Hochzeiten gab, heirateten 1999 nur noch 762 028 Paare. 21
Laut des Statistikamtes waren im Jahr 2000 69,3% der Männer im Alter zwischen 25 und 34 Jahren unverheiratet und 54% der Frauen zwischen 25 und 30 Jahren. Das bedeutet, dass seit 1995 der Prozentsatz der Unverheirateten in den späten 20ern um 2,5 Punkte bei den Männern und 5,9 Punkte bei den Frauen zugenommen hat. Der Anstieg ist sogar noch höher bei den 30 bis 34-Jährigen: 42,9% der Männer (Anstieg um 5,6 Punkte) und 26,6% der Frauen (Anstieg um 6,9 Punkte) blieben in ihren frühen 30ern ledig. Hervorzuheben ist hier, dass die höchste Rate an ledigen Menschen zwischen 25 und 29 Jahren im Großraum Tôkyô zu finden ist, wo 79,4% der Männer und 65,3% der Frauen unverheiratet sind. 22 Das durchschnittliche Alter der ersten Hochzeit ist in den letzten 30 Jahren in ganz Japan bei den Männern von 27,6 auf 30,2 Jahre und bei den Frauen von 24,6 auf 27,9 Jahre angestiegen. 23 Die Angaben zu den Scheidungen sollen ebenso etwas ausführlicher erläutert werden. Die Scheidungsrate in Japan liegt zwar immer noch deutlich unter dem Durchschnitt anderer Industriestaaten, doch die Anzahl der Scheidungen ist im Ansteigen begriffen. So gab es im Jahr 1990 knapp 158 000 und im Jahr 1999 bereits reichlich 250 000 Scheidungen, 24 was für Japan erstaunlich viel ist. Die jüngere Generation nimmt zum Thema Scheidungen eine immer tolerantere Stellung ein. In der folgenden Grafik ist die Eheschließungsrate der Scheidungsrate gegenübergestellt.
21 Asahi Shinbun (Hg.) (2002: 62)
22 http://www.stat.go.jp/english/data/kokusei/2000/kihon1/00/04.htm
23 Asahi Shinbun (Hg.) (2002: 62)
24 Asahi Shinbun (Hg.) (2002: 62)
1 Empirische Befunde 16
An dieser Stelle ist erwähnenswert, dass die Zahl der Scheidungen von Ehepaaren, die mehr als 15 Jahre verheiratet sind, angestiegen ist. Diese Entwicklung ist wiederum ein Produkt der Industrialisierung und Urbanisierung. Der Anstieg der Mobilität, die Trennung von Wohn-und Arbeitswelt schwächten den Familienzusammenhang. Die Individuen (hier: Mann und Frau ) begannen sich aus den Gruppenzwängen zu lösen und sich zwei getrennte soziale Welten zu schaffen: Der Mann überlässt für gewöhnlich das Management des Haushalts und der Kindererziehung der Ehefrau, die auch die Familienfinanzen überwacht. Der Ehemann hingegen arbeitet lang und hart für das Wohl der Familie und seine Abkehr von häuslichen Pflichten hat den Effekt, dass die Ehefrau psychisch unabhängig wird. Laut Iwao sind Scheidungen unter Paaren im Alter von 45 und älter ein weiteres neues Phänomen, welches das pragmatische Denken japanischer Frauen reflektiert. 26
1.1.3 Haushaltsgröße
Aufgrund der Abnahme der Heiratsbereitschaft und der Kinderzahlen, aber auch wegen der Zunahme der Ehescheidungen und der fortschreitenden Alterung der Bevölkerung hat sich die
25 http://www.stat.go.jp/english/data/handbook/c02cont.htm.
26 http://www.mofa.go.jp/j_info/japan/opinion/iwao.html#prof.
1 Empirische Befunde 17
durchschnittliche Personenzahl der Haushalte stark vermindert. Demgemäß nimmt die Haushaltsgröße in Japan seit Jahren ab: Haushalte mit mehr als fünf Personen sind nur noch äußerst selten vorzufinden, während die Zahl der Einpersonenhaushalte ständig wächst. Besonders in Großstädten sind Einpersonenhaushalte überdurchschnittlich häufig anzutreffen. Die steigende Tendenz der Einpersonen- bzw. Kernfamilienhaushalte lässt sich in folgender Abbildung erkennen.
Laut dieser Ergebnisse waren 26,5% aller Haushalte Japans Einpersonenhaushalte, 59,2% stellten Kernfamilienhaushalte dar, und es wird angenommen, da sich die durchschnittliche Haushaltsgröße verkleinern wird, dass sich die Anzahl der Haushalte in Zukunft erhöhen wird, auch wenn die Bevölkerung Japans insgesamt abnimmt. Dieser Trend ist in folgender Abbildung zu erkennen.
27 http://www.stat.go.jp/english/data/handbook/c02cont.htm
1 Empirische Befunde 18
Abbildung 5: Number of Households, Population in Households (1980-2000) 28
Die Zunahme der Einpersonenhaushalte im Vergleich zur Gesamtanzahl der Haushalte in den letzten 20 Jahren wird in der folgenden Tabelle veranschaulicht.
Tabelle 4: Distribution of one-person-households (in 1 000) 29
Source: Ministry of Public Management, Home Affairs, Posts and Telecommunications, Japan
28 http://jin.jcic.or.jp/stat/stats/01CEN31.html
29 http://www.stat.go.jp/english/data/kokusei/2000/kihon1/00/12.htm;
http://www.stat.go.jp/english/data/figures/zuhyou/1608.xls.
1 Empirische Befunde 19
Von den 1920ern bis in die Mitte der 1950er Jahre zählte der durchschnittliche japanische Haushalt rund 5 Mitglieder, in den 1970ern verringerte sich die Zahl aufgrund der abnehmenden Geburtenziffer auf 3,41 Personen.
Die Anzahl der Mitglieder ging weiterhin zurück, da sich einerseits ein Trend zur Kernfamilie entwickelte und sich andererseits die Zahl der Einpersonenhaushalte seit den 1980ern erhöhte. Im Jahr 2000 besteht der durchschnittliche Haushalt in Japan aus 2,67 Personen und wird sich bis ins Jahr 2020 auf 2,49 Personen verringern. 30
Seit 1995 stieg die Anzahl der Kernfamilienhaushalte um 6,1%, und im Jahr 2000 sind 58,4% aller Haushalte Kernfamilienhaushalte. Des Weiteren nahm seit 1995 die Anzahl der Haushalte, die nur aus zwei Ehepartnern bestehen, um 16% zu; Haushalte, bestehend aus Ehepartnern und Kindern, nahmen um 0,8% ab.
Knapp 13 Millionen Haushalte sind Einpersonenhaushalte, das entspricht 27,6% aller Haushalte und einem Anstieg von 14,9% seit dem Jahr 1995. 31 Es ist darauf hinzuweisen, dass ein beträchtlicher Teil der Einpersonenhaushalte aus Mitgliedern mit einem Alter von über 65 Jahren besteht. Dieser Anteil betrug 1975 1,1 Million, was einem Prozentsatz von 3,3 entspricht und stieg im Jahr 2000 auf 6,26 Millionen (13,7%), was folgende Tabelle darstellt.
Tabelle 5: Increase of Elderly Households 32
Innerhalb dieser Ergebnisse lässt sich weiterhin erkennen, dass die Anzahl der alleinlebenden Menschen über 65 Jahre von 1975 bis zum Jahr 2000 von 0,61 auf 3,08 Millionen anstieg und sich damit verfünffachte, was die anschließende Abbildung aufzeigt.
30 http://www.stat.go.jp/english/data/handbook/c02cont.htm
31 http://www.stat.go.jp/english/data/kokusei/2000/kihon1/00/06.htm
32 http://www.stat.go.jp/english/data/handbook/c02cont.htm
1 Empirische Befunde 20
Abbildung 6: Anzahl der verschiedenen Haushaltstypen mit Mitgliedern über 65 Jahre (1990-2000) 33
Außerdem lebten im Jahr 1997 laut Angaben im Interview mit Ogawa 14,7% der Frauen über 65 Jahren allein, diese Zahl wird in den folgenden Jahren auf schätzungsweise 23% ansteigen. 34
Abbildung 7: Percentage Distribution of Households of single women aged 60 and over by
age group 35
33 http://www.stat.go.jp/english/data/handbook/c02cont.htm
34 http://www.mofa.go.jp/j_info/japan/socsec/ogawa.html
1 Empirische Befunde 21
Ein auffallender und für diese Arbeit ausschlaggebender Aspekt hinsichtlich der Haushalte und deren Zusammensetzung ist die Tatsache, dass ein Großteil der jungen Leute im Haus der Eltern wohnen bleibt.
Laut dem Zensus aus dem Jahr 1995 waren es 53 Millionen Menschen oder 42,5% der Gesamtbevölkerung Japans, die mit ihren Eltern zusammenwohnten, davon waren 27 Millionen Männer und 26 Millionen Frauen. 67,6% der 53 Millionen im Alter von 20 bis 39 Jahren waren ledig und lebten zudem unter dem Dach der Eltern, wie es die folgende Abbildung zeigt.
Abbildung 8: Zusammenleben mit den Eltern 36
Im Jahr 2000 gab es in Japan 36,79 Millionen 20-39-Jährige, was rund 2 Millionen mehr waren als zum Zensus im Jahr 1995. Von den 36,79 Millionen waren 18,04 Millionen unverheiratet. Diese Zahl spaltet sich bezüglich des Zusammenlebens mit den Eltern wie folgt auf: Es wohnten 12,15 Millionen 20-39-jährige Ledige bei den Eltern, was 67,3% entspricht, 5,9 Millionen (32,7%) wohnten nicht im elterlichen Haushalt, was auf folgender Grafik zu sehen ist.
35 http://www.mofa.go.jp/policy/human/women_rep5/003.html
36 http://www.stat.go.jp/english/data/kokusei/1995/12.htm
1 Empirische Befunde 22
Die Zahl der bei den Eltern wohnenden unverheirateten 20-39-Jährigen machte mit 9,57% im Jahr 2000 knapp ein Zehntel der Gesamtbevölkerung Japans aus und ist damit im Vergleich zu 1995 (9,43%) marginal angestiegen.
In einem japanischen Pressebericht waren Angaben bezüglich der Abhängigkeit der Kinder von den Eltern zu finden. Demzufolge beträgt der Anteil der ledigen 25-49-jährigen Frauen, der wirtschaftlich von den Eltern abhängig ist, 40%, bei den Männern sind es 30%. Außerdem gaben 73% der weiblichen Befragten an, dass sie sich von den Eltern um- bzw. versorgen lassen, der männliche Anteil betrug 52%. 38 Hier kann jedoch kein Rückschluss auf die Wohnverhältnisse gezogen werden. Es könnte sich sowohl um Personen handeln, die bei den Eltern wohnen oder allein oder auch um Pärchen, die einen eigenen Haushalt führen, sich aber im Haushalt helfen lassen und Unterstützung bei Dingen des alltäglichen Lebens von den Eltern bekommen.
1.2 Analysen und Fazit
Zum ersten Teil der Arbeit kann man zusammenfassend feststellen, dass sich die Demografie Japans in den letzten Jahren und Jahrzehnten dahingehend entwickelt hat, dass die Überalterung der Gesellschaft weiterhin fortschreitet und die Anzahl der Menschen der älteren Generation im Vergleich zu den Jüngeren unverhältnismäßig groß geworden ist. Dies liegt zum einen am kontinuierlichen Anstieg der durchschnittlichen Lebenserwartung der Menschen. Gleichzeitig nehmen die Geburten ab und die Sterbeziffern bleiben eher stabil. Zum anderen entscheiden sich immer weniger Menschen für den Familienstand der Ehe und die Ehescheidungen nehmen zu.
Die Entwicklung der Geburten, aber auch der Eheschließungen und -scheidungen spiegelt die veränderte Einstellung der Gesellschaft zur Familie und zu Kindern wider. Hinsichtlich des Heiratsverhalten ist eine Veränderung hin zu einer gewissen Liberalisierung und Zunahme an Toleranz zu verzeichnen. Die Statistiken waren Beweis dafür, dass sich die Einstellungen zu Familie, Heirat und Kinderwunsch in der japanischen Gesellschaft stark geändert haben und
37 http://www.stat.go.jp/data/kokusai/2000/kihon1/00/hyodai.htm
38 http://www5.cao.go.jp/j-j/wp-pl/wp-pl01/html/13102c10.html
1 Empirische Befunde 23
dass Heiraten längst keine Selbstverständlichkeit mehr für junge erwachsene Frauen und Männer ist.
Nicht zu vernachlässigen ist die Erhöhung der Zahl der Altersscheidungen, die einer kurzen Analyse bedarf. Geht eine verheiratete Frau einer Beschäftigung nach und werden die Kinder langsam selbstständig, kommt der Wunsch in ihr auf, die Ressourcen für ein unabhängiges Leben ebenso wie der Mann zu nutzen. Sie beginnt, die Vor- und Nachteile abzuwägen, mit einem Mann verheiratet zu bleiben, der die meiste Zeit am Arbeitsplatz verbringt und sich keine Mühe gibt, mit seiner Frau zu kommunizieren. Sie stellt sich vor, dass er, wenn er pensioniert ist, die ganze Zeit zuhause sein, weniger tun und Anweisungen geben wird und sie all ihre Freiheit und Autonomie verlieren würde, die sie bis dahin hatte. Japanische Frauen nennen ihren „unbrauchbar gewordenen Mann“ ochi nureba - feuchtes (störendes) Laubblattwelches an der Schulter einer vielbeschäftigten Frau haftet und sich nur schwer entfernen lässt. Anstatt den unbrauchbaren Ehemann „wegzukehren“, beschließen einige Frauen, sobald die Kinder aus dem Haus sind, sich ihren eigenen Weg zu suchen. Diese Frauen sind gefühlsmäßig durchaus bereit und gewillt, ein unabhängiges Leben zu führen. Innerhalb von 20 oder 30 Jahren Ehe, in denen der Ehemann nur selten ein Wort der Anerkennung oder Zuneigung verloren hat, haben diese Frauen gelernt, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und in eigener Regie zu handeln. Dennoch, die Scheidung verläuft nicht, ohne von ihnen Opfer zu verlangen: Sie werden gezwungen sein hart zu arbeiten, um ihr Leben zu meistern, und infolgedessen werden sie auch etwas von ihrer sozialen und wirtschaftlichen Freiheit abgeben müssen.
Die genannten Aspekte führen dazu, dass sich die Anzahl der Haushalte in Japan stetig erhöht, obwohl die Bevölkerung abnimmt. Hier ist allerdings einzufügen, dass die steigende Zahl von Einpersonenhaushalten hauptsächlich durch ältere Menschen bedingt ist und deshalb keine Aussage über die Entwicklung der Anzahl der Singles erlaubt. Die ständig zunehmende Lebenserwartung und die damit abnehmende Sterbeziffer ist die Folge des steten medizinischen Fortschritts und der ständigen Erforschung neuer Medikamente. Viele noch vor Jahrzehnten tödlich verlaufende Krankheiten, wie zum Beispiel Seuchen, die sich über ganze Siedlungen oder Städte ungehindert ausbreiten konnten, können heutzutage geheilt werden. Außerdem nimmt das Gesundheitsbewusstsein der Menschen zu, um zum Beispiel noch nicht heilbaren Krankheiten wie Krebs vorzubeugen. Laut „Pharmazeutischer Zeitung“ hat die Selbstmedikation beispielsweise in Deutschland, bezogen auf den Arzneimittelmarkt, in den letzten Jahren zugenommen. Gemessen an den abgesetzten Einheiten ent- sprachen 677 Millionen Packungen einem Anteil von mehr als 70 %, der direkt von den
Arbeit zitieren:
Ulrike Schlack, 2003, Singles in Japan - Demografischer Wandel und Konsumverhalten Ende der 1990er Jahre, München, GRIN Verlag GmbH
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Ulrike Schlack's Text Singles in Japan - Demografischer Wandel und Konsumverhalten Ende der 1990er Jahre ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Ulrike Schlack hat den Text Singles in Japan - Demografischer Wandel und Konsumverhalten Ende der 1990er Jahre veröffentlicht
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