Die Konzeptionen des Klassischen Liberalismus, der Neoklassik und
des Monetarismus im Kontext ihrer Entstehungszeit
Hausarbeit für das Proseminar:
Wirtschaftssystem und Wirtschaftspolitik in der BRD
Institut für Politikwissenschaft
Marko Rossmann
Inhalt
I. Einleitung 1
II. Der klassische Liberalismus 1
III. Die Neo-Klassik 4
IV. Der Monetarismus 8
V. Fazit 11
VI. Literaturangaben 12
I. Einleitung
Nachdem sich der Kapitalismus im Zuge der industriellen Revolution des 18. und 19. Jahrhunderts fast überall in Europa etablieren konnte, wurde auch die individualistische Weltanschauung des klassischen Liberalismus zur herrschenden Ideologie. Die Entwicklung der Marktwirtschaft, angefangen mit dem Merkantilismus des 16./ 17. Jahrhunderts, brachte im Laufe der Zeit verschiedene marktwirtschaftliche Konzeptionen hervor. So erfuhr auch die Ideologie des klassischen Liberalismus von Epoche zu Epoche zahlreiche Ergänzungen bzw. Modifikationen, woraus neue Konzeptionen bzw. Theorien, wie die Neo-Klassik am Anfang des 20. Jahrhunderts und der Monetarismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden. Im Folgenden möchte ich versuchen die Unterschiede zwischen der klassisch-liberalen Auffassung einer Marktwirtschaft, der Neoklassischen Theorie und dem monetaristischen Konzept herauszufiltern und diese im Kontext ihrer Zeit zu begründen.
II. Der Klassische Liberalismus
Den klassischen Liberalismus kann man auch als Philosophie des jungen Industriekapitalismus bezeichnen. Besonders im England des 18. Jahrhunderts wandten sich die Kapitalisten gegen das bisher allgegenwärtige mittelalterliche System von Verhaltensbeschränkungen, was die wirtschaftliche Handlungsfreiheit stark einschränkte. Durch die industrielle Revolution, welche den Kapitalisten die ökonomische Vorherrschaft brachte, konnte sich der klassische Liberalismus auch politisch etablieren.
Psychologisch gesehen, geht der klassische Liberalismus von vier Grundannahmen über die menschliche Natur aus. Der menschliche Egoismus, in Anlehnung an Hobbes Leviathan, steht dabei an erster Stelle. Alle Handlungen des Menschen werden durch zwei Elemente bestimmt, Genuss und Leid. Der Mensch orientiert sein Handeln daran, Genuss zu erlangen und Schmerz zu vermeiden. Wichtige Vertreter der klassisch-liberalen Theorie, wie John Locke und Adam Smith vertraten den Standpunkt, dass der Egoismus die zentrale Handlungsmaxime des Menschen ist.
Auch wenn den Handlungen der Menschen rein egoistische Beweggründe innewohnen, ist ihr Verhalten jedoch immer rational. Das heißt, die Vernunft verleiht dem Menschen die Fähigkeit, alle in einer bestimmten Situation gegebenen Handlungsmöglichkeiten nach ihren Nutzen gegeneinander abzuwägen, also rational zu handeln.
Eine weitere Annahme in der Theorie des klassischen Liberalismus lautet, das der Mensch von Natur aus träge ist. Das bedeutet, solange er kein Leid fürchten muss bzw. bestimmte Handlungen ihm keinem direkten Nutzen bringen, bleibt der Mensch träge und unbeweglich, da jede Art von Anstrengung oder Arbeit sonst nur Qualen erzeugt. Eine daraus resultierende weitere Annahme dieser Zeit war, dass die Arbeiter nur durch den Anreiz einer hohen Belohnung bzw. den drohenden Hungertod zur Arbeit gezwungen werden können. Einige Vertreter dieser Zeit, so auch Joseph Townsend, glaubten sogar, dass nur die Erfahrung von Hunger einen Menschen zum arbeiten ermutigen kann1. Solche Ansichten ließen sich jedoch kaum mit dem damals existierenden Paternalismus vereinbaren. Den Grundstein für eine paternalistische Armenfürsorgesystem setzte das unter Königin Elisabeth im Jahre 1601 erlassene Gesetz zur Unterstützung der Armen und fand ihren Höhepunkt im sog. Speenhamland- System von 1795. Das System garantierte jeden Menschen in seinem Heimatort, eine minimale Versorgung aus öffentlichen Steuermitteln. Im Einklang mit ihrer Ideologie kämpften die klassischen Ökonomen gegen dieses System an und konnten 1834 in England ein neues Armengesetz verabschieden, dessen Inhalt der Schutz des Eigentums der arbeitenden Bevölkerung war bzw. es den „Arbeitsunwilligen“ nicht mehr erlaubte auf Kosten ihrer Mitbürger zu leben. Auch in den Augen der klassischen Liberalen war die Hauptaufgabe des Staates der Schutz des Privateigentums der herrschenden Elite, nämlich der Kapitalisten und nicht die Ergreifung wohlfahrtsstaatlicher Maßnahmen zu Gunsten der Armen und Bedürftigen und zu Lasten der Arbeitenden. Man kann also behaupten, dass beim klassischen Liberalismus das Individuum immer im Vordergrund steht und die Gruppe oder die Gesellschaft im Hintergrund. Das Individuum (speziell der Unternehmer) sollte sich unabhängig und frei entfalten können, wobei die Gesellschaft nur als ein handlungseinschränkender Faktor betrachtet wurde. Die Gesellschaft ist lediglich ein Werkzeug der Individuen, was sie sich selbst erschaffen haben, weil sie dem einzelnen nützlich ist. So sprechen die klassischen Liberalen der Gesellschaft bzw. dem Staat eine Sicherheitsfunktion zu, die den Individuen erlaubt ohne Angst zu leben. Aus ökonomischer Sicht betrachtet, kann nur in einer Gesellschaft eine mögliche Arbeitsteilung gewährleist werden. Als wichtigster Vertreter des klassischen Liberalismus äußert sich auch Adam Smith zur Rolle des Individuums und der Gesellschaft. Nach Adam Smith wirkt der Markt, frei von jeder Beschränkung oder Lenkung und paternalistischer Führung, als „unsichtbare Hand“, die alle selbstsüchtigen, egoistischen Motive in wechselseitig übereinstimmende und sich ergänzende Aktivität überführen würde, zum Besten der gesamten Gesellschaft.
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1 Bendix, Reinhard, Work and Authority in Industry, New York 1963, S. 74
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Marko Rossmann, 2003, Die Konzeptionen des Klassischen Liberalismus, der Neoklassik und des Monetarismus im Kontext ihrer Entstehungszeit, Munich, GRIN Publishing GmbH
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