Universität Konstanz
Fachbereich Geschichte und Soziologie
Seminar: Soziale Ungleichheit
Hausarbeit
Zeitgenössische Ungleichheitsforschung - Soziale Schichtung und Mobilität
Malko Ebers
Inhaltsverzeichnis
1. Prolog 3
2. Methodik 4
Grundlagen
3. Soziale Schicht 5
3.1. Das moderne Schichtkonzept Rainer Geißlers 6
4. Soziale Mobilität 8
5. Moderne Entschichtungstheorien: Soziale Milieus – oder von der Klasse zur Schicht zum Milieu? 9
Der Gesellschaftliche Wandel – Kennzeichen zunehmender Mobilität
6. Die moderne Gesellschaft 12
7. Schichtstrukturen des Arbeitsmarkts – statistische Trends 13
8. Trend zur Mittelschicht und subjektive Schichteinteilung 17
Stabilisierungsfaktoren sozialer Ungleichheit
9. Heiratsbeziehungen und Familieneinflüsse 19
10. Ungleichheit im Bildungssektor 21
11. Neuere Forschungsergebnisse: Elitenforschung, Pisa Studie 23
12. Neue Grundschicht 26
13. Schlussbemerkung 27
Literaturverzeichnis 29
1. Prolog
Der Begriff der Gleichheit beziehungsweise Ungleichheit ist ein Schlüsselbegriff der modernen Gesellschaftsgeschichte. Die moralische und rechtliche Gleichheit aller Menschen war das revolutionäre Prinzip, das die Aufklärung dem ancien régime, der Gesellschaft der Stände, der Privilegien und der von Gott gewollten Ordnungen entgegenhielt. Der Abbau dieser Privilegien, die Zerschlagung der Stände, Zünfte und Korporationen war das Ziel der Französischen Revolution von 1789. Gleiche unter Gleichen sollten die Gesellschaft bilden und gleich unmittelbar sein zum Staat, der demokratisch legitimierten Ordnungsmacht. Dieser rechtlichen und politischen Gleichheit folgte im 19. Jh. die Forderung nach sozialer Gleichheit (Klassenkampf).
Keine Gesellschaftstheorie mit Ausnahme der kommunistischen leugnet das Vorhandensein und die Berechtigung sozialer Ungleichheit, oder neutraler formuliert sozialer Differenzierung. Die Unterscheidung einzelner Sozialstrukturen bezieht sich vielmehr auf die unterschiedliche Ausprägung sozialer Mobilität. Die gegenwärtige deutsche Gesellschaft wird im Gegensatz zu geschlossenen Sozialstrukturen, die es nicht oder nur äußerst schwierig ermöglichen die soziale Schicht zu wechseln wie der indischen Kastengesellschaft oder der ständisch-mittelalterlichen Feudalgesellschaft als offen bezeichnet. In einer als offen bezeichneten Gesellschaftsform kann (zumindest theoretisch) jedes Mitglied jede gesellschaftliche Ebene erreichen, wenn es die entsprechenden Fähigkeiten besitzt. Die soziale Mobilität zwischen den gesellschaftlichen Positionen ist also besonders ausgeprägt, und gesellschaftliche Ressourcen inklusive Sozialprestige werden allein nach individueller Leistung verteilt, welches sozialen Abstieg nicht ausschließt. Diese Arbeit soll die These Helmut Schelskys prüfen, dass wir uns inzwischen in der „nivellierten Mittelstandsgesellschaft“ befinden, einer Leistungsgesellschaft in der die soziale Positionierung allein anhand der individuellen Leistungsfähigkeit und Bereitschaft erfolgt. Nicht zuletzt die Pisa Studie hat der Frage nach der Offenheit der deutschen Gesellschaft und ihrer Sozialstruktur Aktualität verliehen.
Eine Analyse der Art und des Ausmaßes sozialer Mobilität ist hierbei eng an die Sozialstruktur gekoppelt, welche sich wiederum im Zeitverlauf beständig wandelt. Um also soziale Mobilität zu analysieren, muss zuerst die bestehende Sozialstruktur (Klassen- Schichtmodell, Lebensstilkonzept etc.) klassifiziert werden.
2. Methodik
Die vorliegende Arbeit besteht aus den drei Themenfeldern: Grundlagen, gesellschaftlicher Wandel und Stabilisierungsfaktoren sozialer Ungleichheit. Im ersten Teil Grundlagen wird die gegenwärtige Sozialstruktur Deutschlands in Anlehnung an das dynamische Schichtmodell Rainer Geißlers vorgestellt, gegenüber anderen Strukturkonzepten abgegrenzt, und die zugrundeliegenden Begriffe werden operationalisiert.
Nach Darstellung der Sozialstruktur in der die soziale Mobilität stattfindet, wird der Begriff soziale Mobilität selbst erläutert und die verschiedenen Ausprägungen werden dargestellt. Es handelt sich also im ersten Teil um die Verortung sozialer Mobilität, da diese stark von der Sozialstruktur abhängt. Hieraus ergeben sich Fragen nach der Strukturprägung durch einzelne Determinanten wie zum Beispiel Bildungsabschlüssen. Der zweite Themenbereich gesellschaftlicher Wandel soll die Bereiche zunehmender sozialer Mobilität der Nachkriegsgesellschaft anhand der Schwerpunkte Bildung und Arbeitsmarkt aufzeigen. Wo findet oder fand soziale Mobilität im Zeitverlauf statt und welche Faktoren ermöglichten dies? In welchem Zusammenhang stehen die einzelnen Schichtindikatoren, wie Beruf, Einkommen, Sozialprestige oder Bildung? Ferner sollen exogene Faktoren einbezogen werden, die tendenziell soziale Mobilität fördern.
Der dritte Bereich Stabilisierungsfaktoren sozialer Ungleichheit steht dem zweiten konträr gegenüber. Hier sollen den Pluralisierungs- und Dynamisierungstendenzen Formen sozialer Schließung im Bereich der Familie, der Qualifikation/Bildung und des Arbeitsmarktes gegenübergestellt werden. Was behindert also soziale Mobilität und welche gesellschaftlichen Gruppen lassen sich hierbei identifizieren? Da alle Unterpunkte sowohl mobilisierende als auch hemmende Faktoren in Bezug auf soziale Mobilität angeben, steht die Einordnung in diese groben Kategorien nur für die zentrale Tendenz. Dieser Auswahl liegt die Annahme zugrunde, dass sich durch soziale Prägung auf der Mikroebene der Familie der Lebensweg des Einzelnen weitgehend – stochastisch nicht deterministisch- ergibt. Je nach spezifischer Sozialisation wird so der Bildungsweg vorgeprägt, woraus sich wiederum ein bestimmtes Berufsfeld ergibt. Aus der Berufstätigkeit folgt wiederum Sozialprestige (Makroebene),dass auf die Mikroebene der Familie zurückwirkt. Es wird also von einer Art geschlossenem Regelkreis ausgegangen dessen Zentrum die Familie bildet. Beruf, Einkommen, Sozialprestige sind also Wirkung nicht – primär nur sekundär- Ursache. Schließlich sind diese “Aggregatzustände“ über die Familie vermittelt und nicht primär über Indifferenz, beziehungsweise rein individuelle Fähigkeit.
Anhand der Gegenüberstellung stabilisierender wie auch flexibilisierender gesellschaftlicher Faktoren und Einflüsse soll so die Frage geklärt werden, wie durchlässig die gesellschaftliche Sozialstruktur ist und vor allem, wovon Mobilität abhängt. Wie offen ist die offene Gesellschaft Deutschlands wirklich?
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Malko Ebers, 2002, Zeitgenössische Ungleichheitsforschung - Soziale Schichtung und Mobilität, Munich, GRIN Publishing GmbH
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