Inhaltsangabe Seite
Einleitung 03
1. Bestandsaufnahme 04
1.1 Daten zum Film 04
1.2 Inhalt des Films 04
1.3 Zentrale Themen 05
1.4 Bedeutung des Films 06
1.5 Wahre Begebenheit, auf der Mar adentro beruht 06
2. Sterbehilfe in Spanien - ein Exkurs 07
3. Die handelnden Personen 09
4. Filmanalyse 11
4.1 Allgemeines 11
4.2 Zeit- und Erzählstruktur 12
4.3 Ton 16
4.3.1 Sprache 16
4.3.2 Geräusche 16
4.3.3 Musik 17
4.4 Energie ohne Bewegung schaffen 18
4.5 Symbolik 20
4.5.1 Farbsymbolik 20
4.5.2 Symbole 20
Zusammenfassung 22
Literaturverzeichnis 23
2
Einleitung
Wer sterben will, aber aus eigener Kraft heraus nicht sterben kann, ist auf Hilfe angewiesen. Doch was passiert, wenn einem diese Hilfe verweigert wird? Wer kann objektiv entscheiden, ob ein Leben lebenswert ist oder nicht? Nicht nur zahlreiche amerikanische Filme wie Clint Eastwoods Million Dollar Baby
beschäftigen sich mit dem Thema Euthanasie, sondern auch Alejandro Amenábars 1 vierter Film Mar adentro, der durch einen Oscar in der Kategorie bester fremdsprachiger Film im Jahre 2005 und durch zahlreiche weitere Auszeichnungen ein
Welterfolg geworden ist, handelt von einem Tetraplegiker 2 namens Ramón, der vergeblich auf Sterbehilfe hofft. Dieser querschnittsgelähmte Mann begründet seinen Wunsch zu sterben damit, dass er keine Freiheit mehr hat, weil er sich nicht bewegen kann und dass er nicht mehr lieben kann, weil er zu keiner körperlichen Liebe mehr fähig ist.
Wie in Alejandro Amenábars vorherigen Filmen Tesis (1996), Abre Los Ojos (1997) und The Others (2001) geht es um psychische Grenzerfahrungen zwischen Leben und Tod und zwischen Wirklichkeit und Vision.
Das Meer in mir hätte aufgrund seiner Darstellung eines Einzelschicksals ein banales Melodram werden können. Der Humors des Drehbuchs, die Präsenz Ramóns und die gekonnten Inszenierung jedoch verhelfen dazu, dass der Film nicht in tiefste Dramatik verfällt. Zudem bleibt völlig ausgeklammert, was die jahrelange Bettlägerigkeit für Ramóns Körper eigentlich bedeutet. Amenábar hat es geschafft aus Das Meer in mir einen Film zu machen, der gleichzeitig lachen und weinen lässt. Die menschliche Freiheit in einer Extremsituation wird mit raffinierten erzählerischfilmischen Mitteln mitreißend thematisiert. Wie der Regisseur das im Einzelnen erreicht hat, soll nun näher analysiert werden.
1 Alejandro Fernando Amenábar Cantos (* 31. März 1972 in Santiago de Chile) ist ein chilenischspanischer Filmregisseur. Amenábar wurde als Sohn eines Chilenen und einer Spanierin in Chile geboren, die Familie floh 1973 vor der Militärdiktatur Augusto Pinochets nach Spanien, wo Amenábar in Madrid aufwuchs. Er begann ein Studium der Informationswissenschaften an der Madrider Universidad Complutense, wandte sich aber bald der Filmkunst zu. Er wurde für mehrere Kurzfilme mit Filmpreisen ausgezeichnet, beispielsweise für sein Erstlingswerk La cabeza. Sein erster Film Tesis wurde 1997 mit sieben Goyas bedacht. Der amerikanische Schauspieler Tom Cruise kaufte die Rechte an seinem zweiten Film, Abre los ojos, um nur vier Jahre später das Remake Vanilla Sky zu produzieren. (Vgl. http//de.wikipedia.org/wiki/Alejandro_Amen%C3%A1bar)
2 Tetraplegie: (griech.: tetra:vier, plege:Schlag) ist eine Form der Querschnittslähmung, bei der alle vier Gliedmaßen betroffen sind (Vgl. http//de.wikipedia.org/wiki/Tetraplegie)
3
1. Bestandsaufnahme
1.1 Daten zum Film
Das Meer in mir (Mar adentro). Spanien 2004. Länge: 121 Minuten. Regie: Alejandro Amenábar. Buch: Alejandro Amenábar, Mateo Gil. Kamera: Javier Aguirresarobe.
Darsteller: Javier Bardem (Ramón Sampedro), Belén Rueda (Julia), Lola Dueñas (Rosa), Mabel Rivera (Manuela), Celso Bugallo (José), Clara Segura (Gené), Joan Dalmau (Joaquin), Tamar Novas (Javi), Alberto Jiménez (Germán) und andere. FSK: Freigegeben ab 12 Jahren.
Auszeichnungen: Oscar 2005: bester fremdsprachiger Film, Golden Globes 2005: bester nicht-englischsprachiger Film, Spanischer Filmpreis 2005 (Goya-Awards), Filmfestspiele Venedig 2004: Silberner Löwe.
1.2 Inhalt des Films
Im Alter von 25 Jahren verunglückt Ramón Sampedro, ein galizischer Schiffsmechaniker, bei einem Sprung von einer Klippe ins Meer. Von nun an ist er querschnittsgelähmt und kann nur noch seinen Kopf bewegen. Jahrelang liegt der mittlerweile 52-Jährige in seinem Bett im Hause der Familie seines Bruders. Ramón trägt noch immer ein Strahlen in den Augen, flirtet mit den Frauen und schreibt Gedichte, dennoch wünscht er sich nichts sehnlicher als den Tod. Doch dieser lässt sich nicht erfüllen: Bruder und Vater finden ihn verwerflich, Neffe und Schwägerin wollen sich nicht damit abfinden und die Justiz schließlich lehnt seine Bitte um legalisierte aktive Sterbehilfe ab.
In dieser Situation lernt er die Anwältin Julia kennen, die für eine Organisation, die Ramóns Ziele teilt, den Fall übernehmen will. Ramón verliebt sich in die verheiratete Julia, doch auch sie entscheidet sich letztlich dagegen, Ramón den Tod zu ermöglichen. Nachdem die Prozesse endgültig gescheitert sind, ist es seine Freundin Rosa, die ihm schließlich in Wasser gelöstes Zyankali gibt. Damit seine Helfer nicht juristisch belangt
werden können, stirbt Ramón wie ein Verbrecher qualvoll allein vor laufender Kamera. 3
3 Vgl. Institut für Kino und Filmkultur e.V., Das Meer in mir. S.1
4
1.3 Zentrale Themen
Sterbehilfe wird auch als Euthanasie bezeichnet. Im deutschen Sprachraum jedoch ist dieser Begriff durch den Missbrauch im Dritten Reich stark vorbelastet. Historiker verstehen darunter die planmäßige Ermordung alter, kranker und behinderter Menschen
durch die Nationalsozialisten. 4 Euthanasie ist das Hauptthema von Mar adentro. Im Film erscheinen vielfältige Aspekte der Auseinandersetzung mit dem kontroversen Thema Sterbehilfe: philosophische Argumente stehen juristischen und religiösen gegenüber. Der Standpunkt der Kirche ist vertreten durch einen Priester, der Ramón besucht. Es erfolgt ein verbaler Schlagabtausch zuerst über einen Mittler, später direkt. Dieser Filmabschnitt, der zeigt, dass auch religiöse Einwände Ramóns Auffassung nicht überzeugen können, ist wichtig, aber nicht dramaturgisch wertvoll. Spannungsreich dagegen sind die zwei juristischen Szenen, die im Film auftauchen. In der ersten Szene wird Ramóns Antrag in Barcelona wegen einem Formfehler abgelehnt; Ramón hätte sich nach La Coruña wenden müssen. Aus der Sicht von Ramón können die Richter daher nur unmenschlich und gefühllos wirken, wenn sie einen Antrag auf Sterbehilfe aufgrund eines Verfahrensfehlers ablehnen. In der zweiten Szene wird sein Antrag endgültig abgelehnt. Das Gericht versteht Ramón, Euthanasie aber stelle eine Straftat dar und sei deswegen nicht zulässig.
Auch Krankheit und Tod spielen eine wichtige Rolle. Ramón wählt Julia, die an CADASIL, einer degenerativen Krankheit, leidet, als Anwältin, da sie sich besser in seine Lage versetzen kann. Ramóns eingeschränkte Mobilität macht ihn komplett abhängig von der Hilfe anderer, er wünscht sich deshalb einen Tod im Kreise seiner Familie, muss aber allein, versteckt wie ein Verbrecher oder Krimineller, sterben, um seine Freunde vor Strafverfolgung zu schützen: „Ich will nicht mehr leben, weil ich nicht mehr lieben kann.“ Eng verbunden mit Ramóns Wunsch zu sterben ist das Recht auf Freiheit und Selbstbestimmung. Ramón beansprucht für sich ein Recht auf Leben, jedoch nicht die Pflicht, zu leben.
Ramóns Liebesbeziehung zu Julia und zu Rosa sind zudem enorm bedeutsam für den Verlauf der Handlung. Julia verspricht Ramón den gemeinsamen Freitod, im letzten Augenblick jedoch schreckt sie zurück. Am Ende des Film wird sie sich aufgrund ihrer
4 Vgl. Institut für Kino und Filmkultur e.V., Das Meer in mir. S.2
5
Krankheit nicht mal mehr an Ramón erinnern können. Rosa dagegen ist es nun, die Rámon zum Freitod verhilft, da sie ihn liebt und nicht möchte, dass er weiterhin leidet.
1.4 Bedeutung des Films
Mar adentro kann als universeller Film verstanden werden, da die Thematik Sterbehilfe in jedem Kulturkreis verständlich ist. Der Film beinhaltet eine juristische Anspielung auf die derzeitige rechtliche Lage bezüglich der Euthanasie in Spanien. Desweiteren soll, so Amenábar, auch Standpunkt der Kirche deutlich gemacht werden, die auch in Extremsituationen die Sterbehilfe ablehnt:
„Jede Form aktiver Sterbehilfe ist Tötung eines Menschen und deshalb aus christlicher Sicht unannehmbar. Das Leben ist uns nicht frei verfügbar, sondern ein Geschenk Gottes. Niemand hat das Recht, über den Wert oder Unwert eines menschlichen Lebens zu entscheiden. Jeder Mensch hat seine Würde und sein Lebensrecht von Gott her.“ 5
Der Film ist trotz seines Handlungsverlaufs kein Plädoyer für Selbstmord, auch kein so genannter „downer“ sondern ein Trost für die Hinterbliebenen, welcher auf Ramóns Humor basiert. Mar adentro wird vielmehr zu einem Plädoyer für Freiheit und Selbstbestimmung mit dem Ziel, den Menschen zu zeigen, dass sie für sich selbst denken, Sachen in Frage stellen und nicht alles annehmen sollen.
1.5 Wahre Begebenheit, auf der Mar adentro beruht
Mar adentro beruht auf der wahren Lebensgeschichte von Ramón Sampedro, der 1943 in Xuñio geboren wurde und schon mit 19 Jahren als Seemann um die Welt reiste. Seit seinem Unfall im Jahr 1968 kämpfte er vor den spanischen Gerichten für aktive Sterbehilfe. Nach jahrelangen vergeblichen Verhandlungen starb er durch die Hilfe seiner Freundin Ramona Maneiro, die ihm illegaler weise den Tod durch in Wasser gelöstes Zyankali ermöglichte. Erst Anfang 2005 konnte sie sich zu der Tat bekennen, ohne eine juristische Verfolgung befürchten zu müssen.
5 Zitiert nach Katholischem Filmwerk, Das Meer in mir. S.8
6
Arbeit zitieren:
Ulrike Weiher, 2006, Filmanalyse: Mar adentro (Das Meer in mir) von Alejandro Amenábar, München, GRIN Verlag GmbH
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