Inhaltsverzeichnis
I Einleitung 3
II 1 Der Orator im medialen Subsystem 5
1.1. Der Autor als Orator 7
1.2. Die Künstlerische Leitung als Orator 7
1.3. Die Regie als Orator 7
2. Die kommunikative Funktion des Schauspieler im medialen Subsystem 8
2.1. Rhetoriktheoretische Überlegungen 8
2.2. Theatertheoretische Überlegungen 10
3. Der Orator und die Mediale Tragfläche: Praxisbeispiel George Tabori 12
III Zusammenfassung 15
Literaturliste 16
2 NA
I. Einleitung
Eine Aufführung im Theater: die Person auf der Bühne spricht zu uns, ihre Worte stehen im Einklang mit der Körpersprache, ihr ganzer Habitus vermittelt ein einheitliches Bild. Wir glauben ihr, wir erleben mit, was sie uns kommuniziert.
Uns wird hier bei dieser Aufführung eine Figur mir einer ihr eigenen Intentionalität gezeigt, die mit uns kommunikativ interagiert. Es handelt sich um Face-to-face-Kommunikation, deren rhetoriktheoretische Merkmale der Gebrauch der Medien Körper und Schall durch den Kommunikator sind.
In der Rhetorik wird der strategische Kommunikator als Orator bezeichnet. 1 Die Perspektive der Rhetorik ist der Blickwinkel des Orators, ihr Forschungsgegenstand die strategische Kommunikation eines Menschen. Dieser Mensch, der Orator wird definiert als „ein Mensch, der in seinem Bewusstsein Intentionalität (kommunikative Zielvorstellungen, gerichtete Dynamik) ausprägt, sie im sozialen Handlungsraum per kommunikativer Intervention über Texte ausagiert, um sie letztendlich im Bewusstsein seiner Kommunikationspartner zu implementieren.“ 2 Dem Orator wird eine richtungsweisende Rolle zugeordnet. Sein Ziel ist die Persuasion, seine actio ist einer Intentionalität unterworfen.
Um diese Intentionalität dem Adressaten kommunikativ zu übermitteln, bedient sich der Orator eines Instrumentariums verschiedener rhetorischer Mittel, Medien genannt. Auch das Theater ist als Medium zu sehen, genauer: als Medialsystem, gegliedert in mediale Subsysteme, die alle einer Intentionalität folgend das Endprodukt Aufführung hervorbringen.
Eines dieser Subsysteme ist das Medialsystem der Face-to-face-Interaktion zwischen Kommunikator und Publikum. Dieses Medialsystem hebt sich von anderen Systemen wie z. B. der Publizistik oder technisch-elektronischen Systemen durch die korporale Präsenz des Orators ab. Auf die Kommunikationssituation im Theater übertragen erhebt dies die vom Schauspieler verkörperte Figur als Kommunikator in die strategische Handlungsrolle des Orators. Nun wird klar, dass diese Parallele nicht ohne Überlegung gezogen werden kann und es sich im Theater um einen Spezialfall der Face-to-face-Kommunikation handeln muss. Denn wer genau ist in diesem Subsystem der Orator? Wessen Intentionalität verbirgt sich hinter der vom Schauspieler verfolgten Figurenintention? Und welche Handlungsrolle übernimmt der Schauspieler?
1 Vgl. J. Knape: Was ist Rhetorik? Stuttgart 2000, S. 98
2 J. Knape: Was ist Rhetorik? Stuttgart 2000, S. 46 f
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Der Frage nach dem Orator kann man sich über die Fragestellung der Intentionalität nähern. Ich möchte nun zuerst auf die Frage nach der Person des Orators in diesem speziellen Bruchteil des Medialsystems Theater eingehen, anhand dieser Überlegungen die Funktion des Schauspielers als mediale Tragfläche näher beleuchten und abschließend mein Augenmerk auf die Beziehung des Orators zum Kommunikator legen sowie die Handlungsrolle des Schauspielers am Beispiel George Taboris ergründen.
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II.1. Der Orator im medialen Subsystem Das Medialsystem der Face-to-face-Interaktion läßt sich rhetoriktheoretisch folgendermaßen analysieren: 3 Bei der Face-to-face-Interaktion bedient sich der Orator der Medien Körper und Schall, er verwendet demnach die Zeichensysteme des Körpers, der Gestik, der Stimme und der Sprache. Von anderen Medialsystemen wie zum Beispiel der Publizistik hebt sich dieses System durch die korporale Präsenz des Orators ab.
Die Kommunikationssituation in einer Theateraufführung unterscheidet sich jedoch von der Kommunikationssituation anderer Face-to-face-Interaktionen, wie beispielsweise der politischen Rede: In beiden Situationen verfolgt ein Kommunikator, sein Ziel, nämlich Persuasion beim Adressaten, mithilfe rhetorischer Mittel. Der Unterschied ist in der Rolle dieses Kommunikators zu suchen.
Wenn wir diese Handlungsrollen in beiden rhetorischen Situationen nebeneinander stellen, so ergeben sich folgende Differenzen:
(1) Verfolgt der politische Redner mit rhetorischen Mitteln eine Intention, so ist es seine eigene. (2) Er gebraucht das Medium der Sprache um einen eigenen Text dem Adressaten zu vermitteln. (3) Er steht als er selbst vor dem Publikum.
Der politische Redner ist aufgrund seines Impetus ein strategisch handelnder Kommunikator und somit anhand der gängigen Definition als ein Orator anzuerkennen.
Beim Schauspieler hingegen finden wir Gegenteiliges: (1) Seine Intentionalität ist eine fremde, (2) die Wortwahl, die er zur Persuasion getroffen hat, ist nicht die eigene und (3) die Person, die er auf der Bühne darstellt, ist nicht er selbst.
Im Folgenden soll auf die theoretische Größe Figur eingegangen werden. Wir müssen klar differenzieren zwischen dem Schauspieler und der Figur, die er verkörpert. Wenn man die fiktionale Figur als Kommunikator akzeptiert, wird den Überlegungen eine weitere Ebene eröffnet und die Identifikation des Orators in der Figur wird möglich. Persuasion auf der Theaterbühne bedeutet vor allem Authentizität, Erfolg tritt ein, wenn der Zuschauer sich identifizieren kann und vom Geschehen auf der Bühne affiziert wird.
Wenn wir nun weiter davon ausgehen, dass der Schauspieler nur in seiner Funktion als ebensolcher auf der Bühne steht und somit keine Personengleichheit zwischen den einzelnen Instanzen besteht, bedeutet dies, dass Intendant, Autor, Dramaturg, Regisseur und
3 J. Knape: Was ist Rhetorik? Stuttgart, 2000; S. 98
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Christine Eiche, 2008, Der Schauspieler im Medialsystem des Theaters, Munich, GRIN Publishing GmbH
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