1. Planungszusammenhang Das expressionistische Porträt
1.1. Thema der Stunde
Expressiver Farbauftrag - Ausschnittvergrößerung aus dem Werk „Frauenkopf“, 1912 von Alexej Jawlensky
1.2. Aufbau der Unterrichtseinheit
(Vorlauf im 1. Schulhalbjahr: Einführung in das Thema Portrait, klassische Proportionslehre, Renaissanceporträts, Besuch der Gemäldegalerie, Bleistift- und Kohleskizzen.)
1. Std.. Einführung in den Expressionismus
- gemeinsames Erarbeiten der bildnerischen Mittel und deren
- praktisch-rezeptive Bildbetrachtung (Analysemethode, h: Auszug)
2./3. Std. Expressive Farbgebung
- Mischen von Farben und Zusammenstellen von Farbkompositionen, Komplementärkontraste
- Detailbetrachtungen und Experimentieren anhand einfacher Formen (- für einige SuS: Vorbereitung der Ausschnitte)
4. Std. Expressiver Farbauftrag
- Ausschnittvergrößerungen aus dem Porträt Frauenkopf, 1912 von
5. Std. Expressive Komposition - Widerholen der bildnerischen Mittel - Skizzen: Komposition eines eigenen Portrait.
6./7. Std. Arbeit am expressionistischen Portrait - Wiederholen der bildnerischen Mittel - Skizzierung von Hinter- und Vordergrund (Farbgebung)
8. Std. Arbeit am expressionistischen Portrait - Reflexion, Vertiefung, Weiterarbeit
9./10. Std. Abschluss und Präsentation des Portrait - Beenden der praktischen Arbeit, Gesamtreflexion - Planung und Vorbereitung für die Präsentation - ggf. Anfertigen von Texten
Abschließend und überleitend zum kubistischen Porträt ist für den 17.03.04 ein geführter Museumsbesuch in der Neuen Nationalgalerie („Das Moma“) geplant.
(Anschließende UE: Portrait und Collagen nach dem Vorbild Picassos; weiterführende Verfremdungen von Portraits in der klassischen Moderne und zeitgenössischen Kunst)
2
2. Ziele 2.1. Stundenziel
2.2. Teillernziele
Die Schülerinnen und Schüler
- nennen das Thema der UE und bildnerische Mittel der expressionistischen Malerei - können wesentliche Charakteristika der Art und Weise des expressionistischen Farbauftrags anhand eines Werkes von Jawlensky benennen und im weiteren Verlauf praktisch umsetzen. - wiederholen und vertiefen ihre Kenntnisse zur expressionistischen Farbgebung und üben das entsprechende Mischen von Farben
- können unter Berücksichtigung der zuvor erarbeiteten Kriterien ihre eigenen und die Ergebnissen ihrer Mitschüler und Mitschülerinnen kritisch reflektieren und sich sprachlich zu ihnen äußern.
2.3. Ziele und Absichten der Unterrichtseinheit Die Schülerinnen und Schüler
- lernen am Beispiel eines Bildes von Alexej Jawlensky den Begriff „expressionistische Malerei“ kennen.
- erfahren am Beispiel Jawlensky die Wirkung expressionistischer Gestaltungsmittel (expressive Farbgebung, Duktus, Komposition, Vereinfachung, Deformation, Einsatz von Kontrasten, Großformatigkeit, Einsatz von Umrisslinien).
- erproben die Möglichkeiten expressiver Malerei (s.o.) im Sinne von Anregung und Beispiel (Jawlensky) in einem eigenen Porträt.
- lernen durch die Beschäftigung mit Jawlenkys Werk auf praktische und theoretische Weise eine Möglichkeit der Abstraktion in der Malerei kennen und gewinnen damit an Einsicht und Verständnis moderner Kunst gegenüber.
3. Einbettung in den Gesamtzusammenhang und Rahmenplanbezug
Die Unterrichtsstunde „Expressiver Farbauftrag - Ausschnittvergrößerung“ ist eingegliedert in die Unterrichtseinheit „Das expressionistische Porträt“. Nachdem zu Beginn der Unterrichtseinheit wesentliche Charakteristika der expressionistischen Malerei erarbeitet wurden, geht es in den folgenden Stunden um die schwerpunktmäßige Bearbeitung der sich daraus ergebenden Einzelaspekte der bildnerischen Mittel der Expressionisten. Da die Kompetenz der Farbwahl und Farbmischung unmittelbare Voraussetzung für den Farbauftrag ist, wurde diese Stunde vorangestellt. Die hier geplante Stunde baut auf diesem Wissen auf, vertieft es und soll die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler um einen weiteren Aspekt, den des expressiven Farbauftrags erweitern. Diese Kompetenz stellt wiederum eine wichtige
3
Voraussetzung für die anschließenden Stunden, in denen die Schülerinnen und Schüler an einem eigenen expressionistischen Porträt arbeiten.
Die zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres durchgeführte Einheit zum expressionistischen Porträt stellt eine Fortführung des zentralen Themas des Schuljahres „Porträt“ dar, das der Stoffverteilungsplan der Oberschule für die WP Kunstkurse des neunten Jahrganges so
vorsieht. Während im ersten Schulhalbjahr das Porträt im Zeitalter der Renaissance durchgenommen wurde und sich die Schülerinnen und Schüler mit der naturalistischen Abbildung und mit unterschiedlichen Zeichentechniken vorwiegend mit Kohle und Bleistift geübt haben, wurde von dort im zweiten Schulhalbjahr ein Bogen zur Klassischen Moderne geschlagen, um schließlich die Grundlage für ein Verständnis zeitgenössischer Kunst zu erleichtern, die zum Ende des Schuljahres thematisiert werden soll. Unmittelbar vor der Unterrichtseinheit zum expressionistischen Porträt fand eine insgesamt fünf Unterrichtstunden umfassende Einführung zur klassischen Moderne statt. Während dieser konnten sich die Schülerinnen und Schüler einen ersten Eindruck über die Vielfalt moderner Strömungen verschaffen und in einer durch Lernstationen organisierten Doppelstunde unterschiedliche Techniken zur Porträtgestaltung praktisch erproben.
Der Berliner Rahmenplan für das Fach Kunst sieht für die Sekundarstufe I im Bereich Bildende Kunst innerhalb der Gestaltungslehre bildnerische Tätigkeiten vor, die sich mit Bildnerischen Mitteln und Komposition beschäftigen sollen. Als Fachgegenstände und Bereiche werden u.a. Linie, Fläche, Form und Farbe genannt. Sowohl die in dieser Unterrichtseinheit praktizierte Bildanalyse als auch die freie praktische Tätigkeit und der Museumsbesuch gehören zu den dort vorgeschriebenen Methoden bzw. Tätigkeiten im Kunstunterricht. 1
4. Sachdarstellung
4.1. Jawlenskys Porträt Frauenkopf im Rahmen der expressionistischen Malerei Der Expressionismus (lat. expressio = Ausdruck) ist eine moderne gegenständliche Kunstrichtung vorwiegend in Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts. Ihre Parallele in Frankreich ist der Fauvismus. Den Namen Expressionismus prägte Herwarth Walden im Jahre 1911, die Anfänge gehen jedoch auf van Gogh, Gauguin und Munch zurück. Der Expressionismus ist u.a. als Reaktion auf den Impressionismus zu verstehen, der „nur“ an der Wiedergabe des Sichtbaren interessiert war (vgl. Eucker, 1998). Einige, vor allem jüngere Künstler dieser Zeit wollten über diese bloße Darstellung hinaus ausdrücken, was hinter den Dingen ist. Ihr soziales Engagement oder starke innere Gefühle bzw. Ekstasen sollten in ihrer Kunst zum Ausdruck gebracht werden.
1 Berliner Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule. Klassenstufen 7 - 10. Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Gesamtschule. Fach Bildende Kunst. Hrsg.: Senator für Schulwesen. Berlin: 1979
4
Alle bildnerischen Mittel der expressionistischen Malerei und deren kompositionelle Verwendung gehen von der Vereinfachung aus. In Gemälden versuchten die expressionistischen Maler dieses mit heftigen, oft groben, auch hektischen Pinselstrichen (Duktus), die außerhalb des bisher künstlerisch Üblichen lagen. Die Expressionisten wählten
überdies starke, oftmals reine, wenig differenzierte, ungebrochene, grelle und intensive Farben, die nicht den Gegenstandsfarben entsprachen. Schwarz wurde bewusst als Farbe
eingesetzt. Die Leuchtkraft der Farben erfolgt oftmals durch Komplementärkontraste, Großflächigkeit und schwarze Konturen. Die Farbe wurde zum herausragenden Gestaltungsmittel und ausschließlich als Stimmungsträger und Ausdrucksfarbe eingesetzt. Häufig wurde Farbe neben dem reinen Ausdruckswert auch ein Symbolwert unterlegt und war dann keine Gegenstandsfarbe. 2 Die Komposition der expressionistischen Maler ging nicht auf
Ausgewogenheit, Schönheit und Harmonie aus (wie z.B. in der Renaissance). Der expressionistische Künstler suchte nach Spannung, scharfen Rhythmen, Unruhe, wilder Bewegung und Disharmonie. Zu den wesentlichen Mitteln um dieses zu erreichen gehört der Einsatz von Kontrasten, wie Hell-Dunkel, Komplementärfarben, Kalt-Warm, Form-Kontrast.
Ausdruck wurde ferner erzielt durch starke Vereinfachung von Formen, dem Weglassen von
Einzelheiten und der Beschränkung auf das Wesentliche sowie eine überwiegend großflächige Gestaltung, mitunter auch mit scharfen Konturen. Die Maler übertrieben die Gestik der
Figuren und modifizierten die Proportionen der Dinge. Grundlegend neues Ausdrucksmittel war die Deformation des optischen Erscheinungsbildes und der Gegenstandselemente.
Die Künstler des Expressionismus hatten sich bis auf wenige (wie Kokoschka, Schiele, Beckmann, Barlach und Modersohn-Becker) in den Gruppen „Die Brücke“ (Erich Heckel, Ludwig Kirchner, Otto Müller, Karl Schmidt-Rotluff u.a.) und „Der Blauer Reiter“ (Franz Marc, Gabriele Münter, Wassily Kandinsky, Paul Klee, August Macke u.a.) organisiert. Gemeinsames Ziel war die radikale Abkehr von der traditionellen Malerei und die Hinwendung zur modernen Malerei des Expressionismus.
Der russisch-deutsche Maler Alexej Jawlensky (*1864 in Torschok, +1941 in Wiesbaden) stand in engem Kontakt zu den Künstlern des Expressionismus und war dem Blauen Reiter eng verbunden, allerdings ist umstritten. ob er tatsächlich jemals mit der Gruppe gemeinsam ausgestellt hat 3 . Obwohl er sich später in die Nähe zu Nolde hin entwickelt hat, war er bis etwa 1912 entscheidend von Gauguin, Matisse und van Dongen beeinflusst. Seine warme, leidenschaftliche Bildgestaltung beruhte weitgehend auf Vereinfachungen, auf leuchtenden Farben, die von dunklen Konturen eingerahmt waren. In vielen seiner Bilder um 1912 findet sich eine hüpfende ausholende Linienführung, die der Gesamtkomposition eine hieratische Einheit verleiht. Während Jawlensky sich zunächst mit Themen wie Landschaft, Porträt und
2 Blau wird beispielsweise über die natürliche Farbe hinaus übertrieben, um die Bedeutung des Himmels oder bei Tieren die Verbindung mit dem Kosmischen zu zeigen.
3 Gegensätzliche Angaben werden u.a. in den folgenden Zusammenfassungen getroffen: vgl. Gebhardt, Volker. Kunstgeschichte Malerei (Köln: DuMont, 2001), p. 147 und Walch, Josef. Bildende Kunst (Hannover: Schroedel, 1998), p. 26.
5
Arbeit zitieren:
tatjana Katharina Schikorski, 2004, Unterrichtsstunde: Expressiver Farbauftrag nach einem Bild von Jawlensky - Ausschnittvergrößerung aus dem Werk „Frauenkopf“, 1912 von Alexej Jawlensky, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Erzählung "Die schönsten Sagen vom Räuber Woynok" von An...
Ein Beitrag zur Realismus/Expr...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 17 Seiten
Unterrichtseinheit: Self-portrait "Change yourself!" - Umges...
Unterrichtsentwurf, 23 Seiten
Ermittlung der Kreiszahl Pi und Umfang des Kreises
Mathematik - Mathematik als Schulfach
Unterrichtsentwurf, 29 Seiten
Zu Besuch bei der alten Moorhexe - Marmorierungsverfahren
Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung
Unterrichtsentwurf, 14 Seiten
Kreative Wortschatzarbeit im fremdsprachigen Deutschunterricht. Exkurs...
Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache
Hausarbeit (Hauptseminar), 32 Seiten
Unterrichtsstunde: Bauen mit Soma-Würfeln
Unterrichtsentwurf und Materia...
Unterrichtsentwurf, 15 Seiten
Neue Sachlichkeit/ Georges Grosz "Die Stützen der Gesellschaft&qu...
Referat / Aufsatz (Schule), 8 Seiten
Unterrichtsplanung: Blätter im Herbst
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Unterrichtsentwurf, 13 Seiten
Unterrichtseinheit: Laubbäume im Sachunterricht - Gestaltung einer Bau...
Sachunterricht, Heimatkunde (Grundschulpädagogik)
Unterrichtsentwurf, 14 Seiten
Analyse und Interpretation von Marc Chagalls "Akt in Bewegung&quo...
Referat / Aufsatz (Schule), 5 Seiten
Unterrichtsplanung: Blätter unterscheiden - Stationenarbeit (2. Klasse...
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Unterrichtsentwurf, 17 Seiten
Werkbetrachtung im Kunstunterricht. Farbe als Ausdrucksmittel für Natu...
Unterrichtsentwurf, 8 Seiten
Textilarbeiten und andere Materialien zur Wahrnehmungsförderung in der...
Hausarbeit, 96 Seiten
Tatjana Katharina Schikorski hat den Text Unterrichtsstunde: Expressiver Farbauftrag nach einem Bild von Jawlensky - Ausschnittvergrößerung aus dem Werk „Frauenkopf“, 1912 von Alexej Jawlensky veröffentlicht
Tatjana Katharina Schikorski hat einen neuen Text hochgeladen
Alexej Von Jawlensky: Catalogue Raisonne of the Oil Paintings Volume O...
Alexej Von Jawlensky, Lucia Pieroni-Jawlensky, Angelica Jawlensky
Alexej Von Jawlensky: Catalogue Raisonne of the Oil Paintings 1914-193...
Maria Jawlensky, Lucia Pieroni-Jawlensky, Angelica Jawlensky
Begegnungen mit Hodler, Klee, ...
Angelika Affentranger-Kirchrath
0 Kommentare