Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 3
2 DIE LEIBESERZIEHUNG IN DER WEIMARER REPUBLIK 5
3 DIE IDEOLOGISCHEN UND PÄDAGOGISCHEN LEITIDEEN DER NATIONALSOZIALISTEN ZUR
LEIBESERZIEHUNG 9
3.1 DIE GRUNDSÄTZE DER LEIBESERZIEHUNG ADOLF HITLERS 9
3.2 DIE POLITISCHE LEIBESERZIEHUNG NACH ALFRED BÄUMLER 15
4 DIE ROLLE DES SPORTS IN DER SCHULE 17
4.1 DIE UMSTRUKTURIERUNG DES LEHRPLANS AN DEN HÖHEREN JUNGENSCHULEN 17
4.2 DIE SPORTARTEN AN DEN HÖHEREN JUNGENSCHULEN 22
4.2.1 SCHWIMMEN 22
4.2.2 FUßBALL 25
4.2.3 BOXEN 27
4.2.4 LEICHTATHLETIK 30
4.2.5 GERÄTE- UND BODENTURNEN 31
4.3 DIE NEUEN RICHTLINIEN 1937 33
4.4 DIE AUSWIRKUNGEN DES VIERJAHRESPLANS AUF DEN TURNUNTERRICHT 39
4.5 DER TURNUNTERRICHT WÄHREND DES ZWEITEN WELTKRIEGS 42
4.6 DIE ROLLE DES SPORTS AN DER MÄDCHENSCHULE 45
4.7 DIE ROLLE DES SPORTS AN ADOLF-HITLER-SCHULEN 51
5 DIE ROLLE DES SPORTS IN AUßERSCHULISCHEN ORGANISATIONEN 55
5.1 DIE ROLLE DES SPORTS IN DER HITLERJUGEND 55
5.2 DIE ROLLE DES SPORTS BEIM BUND DEUTSCHER MÄDEL 60
5.3 SPORT IN SA UND SS 63
5.4 SPORT BEI KRAFT-DURCH-FREUDE 67
5.5 DIE RÜCKDRÄNGUNG DES VEREINSSPORTS 69
6 DAS VERHÄLTNIS VON SCHULE UND HITLER-JUGEND 75
7 ABSCHLUSSANALYSE 79
8 QUELLENVERZEICHNIS 82
9 LITERATURVERZEICHNIS 84
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Michael Bode Die Leibeserziehung in der Weimarer Republik
Die Rolle des Sports in der Schule und in außerschulischen Organisationen im Nationalsozialismus
1 Einleitung
Bereits 1924 hattH $GROI +LWOHU LQ VHLQHP %XFK Ä0HLQ .DPSI³ GHQ ]XNQIWLJHQ :HJ Deutschlands aufgezeigt, sollte er mit seiner Partei jemals an die Macht gelangen. Im Januar 1933, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, begann dieser neue Weg mit seinen grundsätzlichen Veränderungen in allen Bereichen des Lebens, mit dem Ziel, den Grundstein für das Tausendjährige Reich 1 zu legen. Einer der Grundgedanken Hitlers war die Formung eines arischen, reinrassigen Herrenmenschen, der seinen Feinden körperlich überlegen sein sollte. Ein besonderes Interesse lag daher bei der Leibeserziehung und beim Sport. Diese Arbeit soll der Frage nachgehen, welche Rolle der Sport und die Leibeserziehung in der Schule und in außerschulischen Organisationen gespielt haben? Wie versuchten die Nationalsozialisten in der Schule, aber auch in der Freizeit, den Kindern und Jugendlichen dieses körperliche Überlegenheitsgefühl zu vermitteln? Welche Voraussetzungen mussten geschaffen werden, und welche Probleme traten bei der Aufwertung des Sports in der Schule und in der Freizeit auf? Um dies beurteilen zu können, wird zu Beginn der Arbeit der Wandel der Leibeserziehung von den Leibesübungen der Deutschen Turnerschaft in der Weimarer Republik hin zur politischen Leibeserziehung im Dritten Reich aufgezeigt. Der erste Schwerpunkt der Arbeit liegt auf Untersuchungen der höheren Jungenschulen in der Provinz Westfalen sowie der Jungenschulen in Halle (Saale) und soll die Schwierigkeiten hervorzuheben, mit denen die Schulen bei der Umsetzung der neuen pädagogischen Richtlinien zu kämpfen hatten. Des Weiteren soll ein Überblick über die Situation an Mädchenschulen, sowie an Adolf-Hitler-Schulen gegeben werden, um beurteilen zu können, ob die Umstrukturierung der Leibeserziehung auch an diesen Schulen stattfand.
Im zweiten Teil widmet sich die Arbeit den nichtschulischen Organisationen der Nationalsozialisten. Welche Rolle spielte die Leibeserziehung in der Hitlerjugend (HJ) und im Bund Deutscher Mädel (BDM)? Wie groß war das Bemühen von der SA und der Organisation Kraft durch Freude (KdF), auch die Erwachsenen zum Sport zu
1 Propagandistische Bezeichnung der Nationalsozialisten für das Dritte Reich
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Michael Bode Die Leibeserziehung in der Weimarer Republik
Die Rolle des Sports in der Schule und in außerschulischen Organisationen im Nationalsozialismus animieren? Was bedeutete dies für die Vereine und welche Rolle spielten sie im nationalsozialistischen System?
Kapitel Sechs der Arbeit soll das Verhältnis von Schule und Hitlerjugend untersuchen. Welche Schwierigkeiten und Konflikte traten zwischen diesen Erziehungsorganisationen auf, und wie versuchten die Nationalsozialisten diese Probleme zu lösen.
In der Abschlussanalyse soll neben einer Zusammenfassung der Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchung die Frage beantwortet werden, ob den Nationalsozialisten die Leibeserziehung ausschließlich zur Vermittlung eines Überlegenheitsgefühls diente, oder vielmehr eine systematische Kriegsvorbereitung Hitlers war.
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Michael Bode Die Leibeserziehung in der Weimarer Republik
Die Rolle des Sports in der Schule und in außerschulischen Organisationen im Nationalsozialismus
2 Die Leibeserziehung in der Weimarer Republik
Die Zeit der Weimarer Republik war geprägt von einem enormen Umbruch des Sport- bzw. Turnverständnisses. Nach dem verlorenen Krieg 1918 veränderten sich neben vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens auch die Leibesübungen. Traditionelle, zum Teil veraltete Strukturen verschwanden, der Weg für eine Modernisierung war frei, auch in der Turnerschaft. Krüger schreibt, dass sich die %HVHLWLJXQJRGHU5HODWLYLHUXQJGHVÄAlten³YHUN|USHUWLP7XUQHQXQGGHUDeutschen Turnerschaft, schon lange vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges abgezeichnet hatte (vgl. Krüger, 1993, S. 92). Der Krieg und die anschließende Revolution führten dazu, dass Sport und Sportspiele, ehemals randständige Leibesübungen, in den Mittelpunkt rückten und das traditionelle Deutsche Turnen verdrängten. Dies bedeutete inhaltlich eine Öffnung der Leibeserziehung weg von den Ordnungs-, Halte- und Freiübungen hin zu einer ganzheitlichen, natürlichen Leibeserziehung. Freiluftsportarten wie Fußball, Tennis und Rugby rückten stärker in den Vordergrund, aber auch Spielnachmittage und Wandertage. Turnen, Gymnastik und Tanz wurden dabei jedoch auch nicht vernachlässigt. Es brach eine regelrechte Sportbegeisterung in der Bevölkerung, was durch die Mitgliedszahlen der Vereine bzw. Sportverbände in den 1920er Jahren dokumentiert ist. Die Deutsche Turnerschaft war vor dem Ersten Weltkrieg mit 1,3 Millionen Mitgliedern der größte Verband für Leibesübungen. In Sportverbänden und Arbeitersportverbänden betrug die Zahl der Mitglieder zusammen rund 700.000. Dieses Verhältnis wandelte sich allerdings in den kommenden Jahren. 1927 stellte die Deutsche Turnerschaft mit rund 1,6 Millionen Mitgliedern zwar weiterhin den größten Verband, aber Sportverbände, Arbeitersportverbände und konfessionelle Sportverbände verzeichneten einen starken Zuwachs. Zusammen waren rund 3,4 Millionen Menschen in diesen drei Verbänden Mitglied. Sport war zu einem Massenphänomen geworden, was sich auch an den Besucherzahlen bei Großveranstaltungen z.B. bei Fußballländerspielen, Leichtathletik-Wettkämpfen oder Fahrradrennen widerspiegelte. (vgl. Krüger, 1993, S. 92f).
Während der Weimarer Republik tobte ein Machtkampf zwischen der Deutschen Turnerschaft und den aufstrebenden Sportvereinen um die Frage der besseren Leibesübungen. Dabei ging es nicht nur um die Praxis, sondern auch um die
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Michael Bode Die Leibeserziehung in der Weimarer Republik
Die Rolle des Sports in der Schule und in außerschulischen Organisationen im Nationalsozialismus dazugehörige nationale, geistige und moralische Frage. Die Turnerschaft beharrte dabei nicht auf alten Traditionen, im Gegenteil, sie wurde offener und moderner. Es entstanden neue Wettkampfformen und auch die Regeln wurden verändert. Die Turnerschaft entwickelte sich zu einem Ä)UHL]HLWVSRUWYHUEDQG³ EHVRQGHUV LQ GHU Reihe der Arbeiterklasse. Es ging bei dem Streit vielmehr um die Frage, wer in Zukunft Wettkämpfe und Meisterschaften in den immer beliebteren Sportarten wie Handball, Fußball oder Schwimmen ausrichten sollte, da in den Turnvereinen ebenfalls geschwommen wurde bzw. Fußball und Handball gespielt wurde. Es war also zum Teil auch ein Kompetenzstreit, denn die Vereine und sporttreibenden Verbände hatten sich mittlerweile zum Deutschen Reichsauschuss für /HLEHVEXQJHQ'5$]XVDPPHQJHVFKORVVHQXQGGLH5ROOHGHVÄ0LWWHODPWHVIUGLH Verwaltung des Gesamtgebietes aller Leibesübungen beWUHLEHQGHQ 9HUElQGH³ übernommen. Eine Aufgabe, die vor dem Ersten Weltkrieg durch die Deutsche Turnerschaft ausgeführt wurde (vgl. Krüger, 1993, S. 95). Den Vorsitz des DRA hatte seit dessen Gründung 1917 Carl Diem inne, der in den folgenden Jahren das sportpolitische Geschehen Deutschlands stark beeinflussen sollte. Diem vertrat das Prinzip, dass jeder Sportverband nur eine Sportart betreuen könnte. Dies hätte für die Turnerschaft bedeutet, dass sie ein Fachverband für Geräte- und Bodenturnen geworden wäre, was sie natürlich ablehnte. Die Fronten verhärteten sich immer weiter, so dass es 1925 zum Bruch zwischen Turnerschaft und DRA kam und die Turnerschaft aus dem DRA austrat, dem sie trotz der Meinungsverschiedenheiten angehört hatte (vgl. Beyer, 1982, S. 684f).
Die organisatorischen und praktischen Konflikte wurden immer begleitet von sportideologischen Rechtfertigungsversuchen seitens der Funktionäre. Die Turner warfen den sporttreibenden Verbänden vor, dass der sogenannte englische Sport, den sie betrieben, QXU HLQH ÄWHFKQLVFK-mechanische Verrichtung, ohne tiefen Sinn und Zweck und ohne den im VoONYHUDQNHUWHQQDWLRQDOHQ*HLVW³ war (Krüger, 1993, S. 96). Diesen nationalen Geist könne nur die Deutsche Turnerschaft mit ihrer langen Tradition bieten. Überdies sei der neue Sport nicht gesundheitsfördernd, sondern schade dem Körper eher, da in übertriebener Weise nach Höchstleistungen und Rekorden gestrebt werde. Überdies fördere das Rekordstreben den Individualismus und Egoismus und widerspreche so der Idee des Gemeinschaftslebens (vgl. Beyer, 1982, S. 684). Aufgrund des großen Zuspruchs, den die Sportvereine erfuhren, hätten sie gar keine Antwort auf die Vorwürfe geben müssen. Die steigenden
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Michael Bode Die Leibeserziehung in der Weimarer Republik
Die Rolle des Sports in der Schule und in außerschulischen Organisationen im Nationalsozialismus Mitgliederzahlen bestätigten ihre Arbeit. Es waren aber auch die bürgerlichen Kreise, die dem Sport kritisch und ablehnend gegenüberstanden. Der Sport wurde mit negativ besetzten Ausdrücken belegt, wie Gladiatorentum, Rekordwahnsinn, Mittel der Kriegsvorbereitung und englische Krankheit , oder als Unterdrückungsinstrument der Großindustrie von Seiten der Intellektuellen angesehen (vgl. Krüger, 1993, S. 97). Unter anderem kritisierte der als rasender Reporter bekannt gewordene Kulturkritiker Egon Erwin Kisch den Sport und sah die Zukunft der Leibesübungen auf einem gefährlichen Weg. In dem aus heutiger Sicht vorausschauenden Buch Ä'er 6SRUWDP6FKHLGHZHJ³YRQ:LOO\0HLVOVFKULHE.LVFK Ä(QWZHGHU GHU 6SRUW VFKUHLWHW DXI dem Weg GHV Ä5HNRUGZDKQVLQQV³ PLW GHU ÄSHUYHUVHQ .DQDOVFKZLPPHUHL³ GHQ XQJHVXQGHQ 0DUDWKRQOlXIHQ RGHU GHQ Sechstagerennen weiter voran, oder er besinnt sich auf Maß und Ziel. Nicht Sieg um jeden Preis, nicht Höchstleistung um jeden Preis, nicht widernatürlicher 5HNRUG :DV PDQ LQ GHQ %HLQHQ KDW PX PDQ DXFK LP .RSI KDEHQ³ (Kisch, 1928, S. 17; zit. nach Krüger, 1993, S. 97).
Im selben Buch äußerte sich auch DRA-Vorsitzender Carl Diem, mittlerweile der wichtigste Vertreter des Sports in Deutschland. Er zeigte die neuen Möglichkeiten auf, die der Sport bot. Die Entwicklung des Sports sah er als natürlichen Wandel der Zeit. Die Vereine und Verbände hatten laut Diem längst einen Weg gefunden, den 6SRUWDOVÄ.|USHUNXOWXU³GHUÄ*HLVWHVNXOWXU³JOHLFK]XVWHOOHQ XPHLQHUÄ(QWVHHOXQJGHU 0HQVFKKHLW³ HQWJHJHQ]XZLUNHQ YJO .UJHU 6 97). Dem Vorwurf, der Sport führe zu Individualismus und zu Egoismus, entgegnete Diem, dass bereits aus der Antike der sportliche Wettkampf überliefert sei, bei dem es natürlich darum ginge dem Gegner überlegen zu sein, aber nicht darum ihn zu vernichten. Das Prinzip des Wettkampfes bestehe aus dem fairen Messen der Kräfte unter gleichen Bedingungen. Ohne dieses Kräftemessen sei es auch nicht möglich die eigene Leistung richtig einzuschätzen. Es ging nicht um den Profisport, den auch Diem verurteilte und ihm niedere, materielle Motive unterstellte (vgl. Krüger, 1993, S. 98). Die Vertreter des Sports stützten sich vor allem auf die olympische Idee de Coubertains, um ihre Sport-Ansichten und Theorien zu formulieren. Sie waren von der Überlegenheit des amerikanischen bzw. des englischen Sportsystems gegenüber dem deutschen Turnen überzeugt. Dieses System aber auch richtig darzustellen, war die große Kunst. Welcher national gesinnte Bürger wollte schon
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Michael Bode Die Leibeserziehung in der Weimarer Republik
Die Rolle des Sports in der Schule und in außerschulischen Organisationen im Nationalsozialismus hören, dass der Engländer und der Franzose nicht nur im Krieg überlegen waren, sondern auch im Sport. Daher versuchte Diem die Charakteristika des Sports gesondert herauszustellen und einzudeutschen. Der Vorsitzende des Deutschen Schwimmverbandes, Hans Geisow, stellte LQ VHLQHP $UWLNHO Ä'LH *HVLQQXQJ LP 6SRUW³GLH7XJHQGHQGHVÄGHXWVFKHQ6SRUWVJHLVW³ heraus: Ä6WlKOH GHLQHQ :LOOHQ GLH 6SRUWEDKQ LVW GHLQH 6FKXOH « )UHX 'LFK GD GX etwas kannst, mehr kannst als andere. Lache, jauchze über Deine Leistung, aber OD'HLQH)UHXGHQLHhEHUKHEXQJZHUGHQ«:HQQ'XNlPSIVWNlPSIHULWWHUOLFK XQG JLE 'HLQ %HVWHV KHU « 'HU GHXWVFKH 6SRUWJHLVW SUHGLJWCV QLPPCV PLW LQV /HEHQ/HUQHGLHQHQ«%OHLEHGHXWVFK«'XVROOVW'HXWVFKODQGQHXHUEDXHQ³ (Geisow, 1927, S. 148).
Ähnlich äußerte sich auch August Bier, der erste Rektor der Deutschen Hochschule IU /HLEHVEXQJHQ LQ %HUOLQ 'LH /HLEHVEXQJHQ ZDUHQ IU LKQ HLQ Ä0LWWHO ]XU Errettung des Deutschen VolNHV DXV GHU (UQLHGULJXQJ³ (Krüger, 1993, S. 101). Die neuen Erziehungs]LHOHGHU+RFKVFKXOHODXWHWHQÄHiserner Wille, treue Pflichterfüllung unG NUDIWYROOH 0lQQOLFKNHLW³ Bernett, 1990, S. 169). Da Deutschland nur ein Heer von 100.000 Soldaten haben durfte, bildetet sich auch in den konservativen, bürgerlichen Kreisen nach und nach ein Verständnis für die Leibesübungen als Kampf und Wehrersatz (vgl. Bernett, 1990, S. 168). Wie weit die Idee der Leibesübungen als Wehrersatz in die Köpfe der Menschen vordrang, verdeutlicht die Aussage des Leiters der universitären TXUQDQVWDOW 7ELQJHQV GHU ÄGLH Veelischen und sittlichen Werte des Sports insbesondere des Fußballsports, als Grundlage zur %HIUHLXQJDXVGHU.QHFKWVFKDIW³DQVah (Krüger, 1993, S. 101). Ä'HU +DXSWYRUzug beider Sportspiele, Rugby voran, den anderen Kampfspielen gegenüber, liegt entscheidend an seinem starken Zug zum Nahkampf, der zu Angriff, Abwehr und Selbsthilfe führt und einen höheren Grad von Mannheit als irgendein anderes Spiel bedingt (Krüger, 1989, S. 238). Ein großer Verfechter dieser Theorien war Adolf Hitler, der in seinem Buch Ä0ein .DPSI³ genau diese Grundgedanken aufnahm und ausweitete, wie das nächste Kapitel aufzeigen wird.
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Michael Bode Leitideen der Nationalsozialisten zur Leibeserziehung
Die Rolle des Sports in der Schule und in außerschulischen Organisationen im Nationalsozialismus
3 Die ideologischen und pädagogischen Leitideen der Nationalsozialisten zur Leibeserziehung
3.1 Die Grundsätze der Leibeserziehung Adolf Hitlers
Nach Adolf Hitlers Vorstellung war es oberste Pflicht des Staates, sich um die Erziehung der Kinder von Geburt an zu kümmern, um aus dem jungen Sprößling ein wertvolles Glied für die Volksgemeinschaft zu machen (vgl. Hitler, 1935, S. 451). Er verstand unter den Erziehungsgrundsätzen des völkischen Staates zu allererst eine körperliche Erziehung, die zu Kraft, Mut, Entschlossenheit und Willensstärke führen sollte. Er begründete dies damit, dass nur in einem gesunden und kraftvollen Körper ein gesunder und kraftvoller Geist zu finden sei. Die Ausnahmen würden diese Regel nur bestätigen (vgl. Hitler, 1935, S. 452). Sport und Leibesübungen zum bloßen Vergnügen oder zur Erholung wurden im nationalsozialistischen Staat, anders als in den Vereinen, als Merkmale liberalistischen Sports stets abgelehnt. Für den Staat bedeutete dies:
Ä'HUY|ONLVFKH6WDDWKDWLQGLHVHU(UNHnntnis seine gesamte Erziehungsarbeit in erster Linie nicht auf das Einpumpen bloßen Wissens einzustellen, sondern auf das Heranzüchten kerngesunder Körper. Erst in zweiter Linie kommt dann die Ausbildung der geistigen Fähigkeiten³ (Hitler, 1935, S. 452). Auch bei den geistigen Fähigkeiten wurde bei Hitler noch unterschieden zwischen Charakterbildung und Wissensschulung. Letztere spielte für ihn die geringste Rolle. Ä+LHUDEHUZLHGHUDQGHU6SLW]HGLH(QWZLFNOXQJGHV&KDUDNWHUVEHVRQGHUVGHU Förderung des Willens und der Entschlusskraft, verbunden mit der Erziehung zur 9HUDQWZRUWXQJVIUHXGLJNHLW XQG HUVW DOV OHW]WH GLH ZLVVHQVFKDIWOLFKH 6FKXOXQJ³ (Hitler, 1935, S. 452).
Ä,FKZLOO NHLQH LQWHOOHNWXHOOH(U]LHKXQJ 0LW:LVVHQYHUGHUEH LFKPLU GLH-XJHQG Am liebsten ließe ich sie nur das lernen, was sie ihrem Spieltrieb folgend sich IUHLZLOOLJDQHLJQHQ³(Rauschning, 1940, S. 236f.; zit. nach Bernett, 1966, S. 26).
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Michael Bode Leitideen der Nationalsozialisten zur Leibeserziehung
Die Rolle des Sports in der Schule und in außerschulischen Organisationen im Nationalsozialismus Hitler betrachtete die Bewohner des Deutschen Reiches nicht als unantastbare Individuen, auch wenn er in seinem Buch von den Kindern als kostbarstes Gut eines Volkes spricht (vgl. Hitler, 1935, S. 466). Kostbar waren die Kinder für ihn jedoch nur, solange sie gesund waren und sich für seine Zwecke formen ließen. Unter der Erziehung des Staates wandelte VLFKGLHVHVÄNRVWEDUH*XW³LQGHU%HJULIIOLFKNHLW nach XQGQDFK]XHLQHPÄUDVVLVFKHQ(OHPHQW³HLQHPÄ*OLHGIUGLH:HLWHUYHUPHKUXQJ³ELV zum Ä0HQVFKHQPDWHULDO³ (Hitler, 1935, S. 454ff). Die Begriffe Glieder, Elemente und Material zeigen deutlich, dass Hitler den Menschen nicht als unantastbares Individuum sah, sondern als austausch- und ersetzbare Zellzusammensetzung, ÄGHUHQ ([LVWHQ]EHUHFKWLJXQJ YRP *UDG GHU 9HUIJEDUNHLW DEKlQJLJ LVW³ Steinhaus, 1981, S. 67). Hitler sah in den Menschen nur Werkzeuge, die er für seine Kriegsziele erziehen und manipulieren wollte. All jene Menschen, die seiner Vorstellung einer unbesiegbaren Armee nicht dienlich waren, da sie körperlich benachteiligt geboren wurden oder es im Verlauf ihres Lebens wurden, bezeichnete Hitler bereits beim 9HUIDVVHQ YRQ Ä0HLQ .DPSI³ DOV ÄNUDQNH :HVHQ ÄN|USHUOLFKH 'HJHQHUDWHQ³ XQG ÄKHUXQWHUJHNRPPHQHV 3DFN³ +LWOHU S. 451f). Nur der gestählte und gesunde Körper war für Hitler und die Nationalsozialisten von Wert. Auf dem Reichsparteitag 1935 sagte Hitler über die Rolle der Jugend: Ä:DVZLUYRQXQVHUHUGHXWVFKHQ-XJHQGZQVFKHQLVWHWZDVDQGHUHVDOVHVGLH Vergangenheit gewünscht hat. In unseren Augen muss der deutsche Junge der Zukunft schlank und rank sein, flink wie ein Windhund, zäh wie Leder und hart ZLH.UXSSVWDKO³%HUQHWW6.
In einem Interview wird der aggressive und militante Charakter von Hitlers Erziehungsideal deutlich:
Ä0LW GHU -XJHQG EHJLQQH LFK PHLQ JURHV (U]LHKXQJVZHUN Wir Alten sind YHUEUDXFKW«$EHUPHLQHKHUUOLFKH-XJHQG*LEWHVHLQHVFK|QHUHLQGHUJDQ]HQ Welt? Sehen sie sich diese jungen Männer und Knaben an! Welch Material. 'DUDXVZHUGHLFKHLQHQHXH:HOWIRUPHQ³Rauschning, 1940, S. 236f; zit. nach Bernett, 1966, S. 25f).
Auf die Frage, wie er seine Jugend pädagogisch erziehen werde, antwortete der Reichskanzler:
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Michael Bode Leitideen der Nationalsozialisten zur Leibeserziehung
Die Rolle des Sports in der Schule und in außerschulischen Organisationen im Nationalsozialismus Ä0HLQH 3lGDJRJLN LVW KDUW 'DV 6FKZDFKH PXVV ZHJJHKlPPHUW ZHUGHQ ,Q meinen Ordensburgen wird eine Jugend heranwachsen, vor der sich die Welt erschrecken wird. Eine gewalttätige, herrische, unerschrockene, grausame Jugend will ich. Jugend muß das alles sein. Schmerzen muß sie ertragen. Es darf nichts Schwaches und Zärtliches an ihr sein. Das freie, herrliche Raubtier muß erst wieder aus ihren Augen blitzen. Stark und schön will ich meine Jugend. Ich werde sie in allen Leibesübungen ausbilden lassen. Ich will eine athletische Jugend. DDVLVWGDVHUVWHXQGZLFKWLJVWH³ (Rauschning, 1940, S. 236f; zit. nach Bernett, 1966, S. 25f).
Als Legitimation seiner Forderungen behauptete Hitler, dass ein weniger gebildeter, aber körperlich gesunder Mensch mehr Wert sei für die Volksgemeinschaft als ein geistreicher Schwächling (vgl. Hitler, 1935, S. 452). Weiterhin behauptete er, dass ÄHLQ YHUIDXOWHU .|USHU GXUFK HLQHQ VWrahlenden Geist nicht im geringsten ästhetischer gemacht wird, ja, es ließe sich höchste Geistesbildung gar nicht rechtfertigen, wenn ihre Träger gleichzeitig körperlich verkommene und verkrüppelte, im Charakter willensschwache, schwankende und feige Subjekte ZlUHQ³+LWOHU6
Einen weiteren Legitimationsansatz für die nationalsozialistische Leibeserziehung zog Hitler aus den griechischen Heldensagen der Antike, wobei er diese, wie Steinhaus richtig anmerkt, aus dem ursprünglichen Zusammenhang reißt und für seine Zwecke neu interpretiert (vgl. Steinhaus, 1981, S. 66). In einem Gespräch, das Hitler mit seinem Leiter der Reichs-Organisationsabteilung II der NSDAP, Otto Wagener, im Jahr 1931 führte, greift er die antike Mythologie ebenfalls auf, indem er behauptet, dass die griechische Kultur und die griechische Philosophie nicht denkbar gewesen wäre, wenn ihr nicht eine besondere Pflege des Körpers und sogar seiner Ebenmäßigkeit und Schönheit zugrunde gelegen hätte. Ä1HLQ :LVVHQ XQG .|QQHQ EHGLQJen anderen Grundlagen, als diesen geistreichelnden Intellekt. Es bedingt zu allerHUVW HLQHQ JHVXQGHQ .|USHU³ (Peiffer, 1987, S. 27)
Die bis zur Machtergreifung der NSDAP praktizierte geistig-sittlich-ästhetische Bildung hat in Hitlers Überlegungen ausgedient, der Nationalsozialismus stellt unmissverständlich die körperliche Ertüchtigung in den Vordergrund. Drei
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Michael Bode Leitideen der Nationalsozialisten zur Leibeserziehung
Die Rolle des Sports in der Schule und in außerschulischen Organisationen im Nationalsozialismus Hauptmotive werden zur Erziehung der deutschen Jugend, aber auch des gesamten GHXWVFKHQ9RONHVEHUHLWVLQÄ0HLQ.DPSI³ ausgegeben:
1.) Körperliche Ertüchtigung ist die vornehmste Pflicht einer aufstrebenden Nation.
2.) Die Staatspädagogik züchtet den Menschen als Volksglied in seiner biologisch-rassischen Substanz.
3.) Volksgemeinschaft, Kraftbewusstsein und soldatisch-kämpferische Haltung sind Ziel der körperlichen Ertüchtigung (vgl. Hitler, 1935, S. 454). Die verantwortlichen Stellen in Partei und Staat unterstützten dieses Hauptziel der nationalsozialistischen Leibeserziehung, welches auf den Grundsätzen Rasse, Wehr, Führertum und Volksgemeinschaft aufbaute. ÄWir Nationalsozialisten wollen durch GHQ6SRUW0HQVFKHQHU]LHKHQ³Joch, 1976, S.706). Besonderes Gewicht lag hierbei bei der Wehrerziehung.
Bei einem Tischgespräch im Februar 1942 verdeutlicht Hitler noch einmal, dass für ihn die Leibeserziehung oberste Priorität habe und er von seinen Forderungen und Maximen nicht abweiche. Deutlich wird bei diesen Worten sein Hass auf die geistigsittlich-ästhetische Bildung und auf die Intellektuellen: ÄDie europäisch-intellektuelle Welt, Universitätsprofessoren, höhere Beamte GHQHQHLQ:LVVHQEO|GHHLQJHWULFKWHUWLVWGLHKDEHQHVQLFKWNDSLHUW«6WDWWVLFK zu sagen, die Basis des Wissens muss ein gesunder Körper sein, lehnt er die Kraft ab. Die Natur passt sich den Lebensgewohnheiten an. Und würde die Welt auf einige Jahrhunderte dem deutschen Professor überantwortet, so würden nach einer Million Jahren lauter Kretins bei uns herumwandeln: Riesenköpfe auf einem Nichts DQ.|USHU³Picker, 1976, S.107; zit. nach Peiffer, 1987, S. 107). Die Aussagen der Nationalsozialisten zu den ideologischen und pädagogischen Leitideen der Leibeserziehung bezogen sich demzufolge zum größten Teil auf die männliche Bevölkerung im Hinblick auf die Rolle des Mannes als künftiger Soldat und Herrenmensch. Welche Aufgabe aber fiel der Frau zu? Einige Zitate sollen nachfolgend aufzeigen, welche Bedeutung die Frau in der nationalsozialistischen Welt hatte. Hitler sah Mann und Frau in zwei vollkommen unterschiedlichen Welten und sagte am 08. September 1934 auf einer NS-Frauenschaftstagung dazu:
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Michael Bode Leitideen der Nationalsozialisten zur Leibeserziehung
Die Rolle des Sports in der Schule und in außerschulischen Organisationen im Nationalsozialismus Ä:HQQPDQVDJWGLH:HOWGHV0DQQHVLVWGHU6WDDW«GLH(LQVDW]EHUHLWVFKDIWIU GLH*HPHLQVFKDIWVRN|QQWHPDQ«VDJHQGDGLH:HOWGHU)UDXHLQHNOHLQHUH sei. Denn ihre Welt ist ihr Mann, ihre Familie, ihre Kinder und ihr Haus. Wo aber wäre die große WelW ZHQQ QLHPDQG GLH NOHLQHUH EHWUHXHQ ZUGH" « :LU empfinden es nicht als richtig, wenn das Weib in die Welt des Mannes eindringt, sondern wir empfinden es als natürlich, wenn diese beiden Welten geschieden bleiben. In die eine gehört die Kraft des Gemütes, die Kraft der Seele. Zu der DQGHUHQJHK|UWGLH.UDIWGHV6HKHQVGLH.UDIWGHU+lUWH³/DQGVFKRRI6 38).
Ähnlich äußerte sich Hitler auch bei einem Tischgespräch in den 1940er Jahren: Ä'LH :HOW GHV 0DQQHV LVW JUR YHUJOLFKHQ PLW GHU GHU )UDX 'Hr Mann gehört seiner Pflicht, und nur ab und zu schweift sein Gedanke zur Frau hinüber. Die Welt der Frau ist der Mann. An anderes denkt sie nur ab und zX³ (Landschoof, 1985, S. 40).
Hierbei ist deutlich die vermeintliche Überlegenheit des Mannes über die Frau zu erkennen, die den Nationalsozialisten als Legitimation für den Führungsanspruch des Mannes diente. Der Frau wurde die Rolle der Hausfrau und Mutter zugeschrieben mit GHU ZLFKWLJHQ $XIJDEH GHU Ä5DVVHQYHUPHKUXQJ³ Schon die Erziehung kleiner Mädchen sollte dahingehend sein, sie auf das Leben als Mutter vorzubereiten: Ä'DV =LHO GHU ZHLEOLFKHQ (U]LHKXQJ KDW XQYHUUFNEDU GLH NRPPHQGH 0XWWHU ]X VHLQ³+LWOHU6
Ein weiteres Ziel der nationalsozialistischen ,GHRORJLHZDUGLHÄ5FNIKrung der Frau an +HLP XQG +HUG³ (Landschoof, 1985, S. 41). Gerade zu Beginn des Dritten Reiches sahen die Nationalsozialisten die Aufgabenbereiche bei der Familie und den Kindern. Erst später, während des Krieges, erkannten sie die bedeutende Rolle der Frau u.a. in der Rüstungsindustrie. Kurt Rosten formulierte die Wunschvorstellung der nationalsozialistischen Führung folgendermaßen: Ä'LHGHXWVFKHQ)UDXHQZROOHQDEHU in der Hauptsache Gattin und Mutter sein « Sie haben keine Sehnsucht nach der Fabrik, keine Sehnsucht nach dem Büro und auch keine Sehnsucht nach dem Parlament. Ein trautes Heim, ein lieber Mann und eine Schar glücklicher Kinder stehen ihrem Herz näher (Landschoof, 1985, S. 41; zit. nach Rosten, 1933, S. 162).
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Michael Bode Leitideen der Nationalsozialisten zur Leibeserziehung
Die Rolle des Sports in der Schule und in außerschulischen Organisationen im Nationalsozialismus Die Leibeserziehung der Mädchen hatte also den primären Zweck, die jungen Frauen gesund und sportlich zu machen, damit sie für ihre zukünftigen häuslichen Aufgaben bestens vorbereitet sind. Baldur von Schirach, Jugendführer des Deutschen Reichs, sagte zur Notwendigkeit der Leibeserziehung der Mädchen: Ä:LUKRIIHQLQXQVHUHP%'0-Werk `Glaube und Schönheit` die weibliche Jugend so zu erziehen, daß sie auch später nicht in mißbräuchlicher Weise sich und ihr Lebensglück, das heißt ihre Nachkommenschaft, gefährdet und unter der heiligen Fahne Adolf Hitlers in strahlender Schönheit in eine helle Zukunft sieht und mit LKU GHU *ODXEH DQ GLH 6FK|QKHLW GHU GHXWVFKH 1DWLRQ³ von Schirach, 1934, S. n.n.; zit. nach Landschoof, 1985, S. 54).
Bereits 1929 waren die ersten Aufsätze in Fachzeitschriften für Gymnastik aufgetaucht, die eine Verbindung zwischen einem gut trainierten weiblichen Körper und einer erhöhten Gebärfähigkeit sahen. Tradition der Gymnastik der 1920er Jahre war es, nicht nur ein traditionelles Frauenbild zu vertreten, wonach die Frau zart und emotional war, sondern darüber hinaus auch die Steigerung der körperlichen Anmut zum Zweck der gesteigerten Gebärfähigkeit als Ziel des Frauensports zu sehen. Ä«GDV=LHODOOHU)UDXHQNXOWXUNDQQQXU darin liegen, die Frau körperlich, geistig und seelisch für ihre Hauptaufgabe, die Fortpflanzung, Entwicklung und Erziehung des Menschengeschlechts vorzubereiten. Da diese Ziele aber gleichzeitig die der Gymnastik sind, so ist hierdurch eigentlich schon die Frage QDFKGHP:HUWGHU*\PQDVWLNIUGLHIDPLOLHQJHEXQGHQH)UDXJHJHEHQ³Thiele, 1929, S.109; zit. nach Überhorst, 1982, S.1009). Ä«/HLEHVEXQJGHUZHLEOLFKHQ-XJHQGLP'ULWWHQ5HLFKLVW/HLEHVHU]LHKXQJGLH in der Erfassung des ganzen Menschen ihr letztes Ziel sieht. Sie will gesunde, kraftvolle Frauen heranbilden, voll freudiger Lebensbejahung, voll Mut und Selbstsicherheit, will rein empfindende Frauen schaffen, die sich ihrer hohen Verantwortung als Trägerin und Hüterin neuen Lebens bewußt sind und stark XQGIURKLKUHUKHLOLJHQ1DWXUDXIJDEHGLHQHQZROOHQ«³(Dapper, 1934, S. 77f; zit. nach Bernett, 1966, S. 75).
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Die Rolle des Sports in der Schule und in außerschulischen Organisationen im Nationalsozialismus
3.2 Die politische Leibeserziehung nach Alfred Bäumler
Neben diesen von Adolf Hitler geprägten Theorien und Grundsätzen muss zudem der Begriff der politischen Leibeserziehung genauer untersucht werden. Die politische Leibeserziehung beruht auf Gedanken und Theorien des Philosophen und Erziehungswissenschaftlers Alfred Bäumler. Da der namenhafteste Vertreter der Erziehungswissenschaft, Ernst Krieck, sich zum Thema der Leibeserziehung allenfalls nebenbei äußerte, war Bäumler der Einzige, der sich um die Integration der Leibeserziehung in ein theoretisch-wissenschaftlich begründetes System der Pädagogik bemühte (vgl. Friese, 1974, S. 39; Tietze, 1984, S. 71). Auf Grundlage einer philosophischen Begründung entwickelte er seine Idee der politischen Leibeserziehung, die später von Hitler übernommen wurde. Für Bäumler ging es darum, die Antwort auf die Frage nach dem ganzen Menschen und dem Sinn seiner Betätigung zu suchen. Für ihn war es der ganze Mensch, der bei den Leibesübungen im Mittelpunkt stand.
Ä6RODQJH PDQ GHQ 0HQVFKHQ DOV :HVHQ ]ZHLHU 6\VWHPH DQVLHKW GLH LP Verhältnis Mittel - Zweck, Befehlsorgan - Vollzugsorgan, oder, wie Bäumler sagt, ÄJHLVWORVHU .|USHU³ ± ÄN|USHUORVHU *HLVW³ ]XHLQDQGHU VWHKHQ ZLUGGLH%HZHUWXQJ GHV.|USHUOLFKHQKLQWHUGHUGHV*HLVWLJHQ]XUFNEOHLEHQ³Tietze, 1984, S. 77). Bäumler ersetzte in seiner Theorie die Begriffe Körper und Geist durch die mystisch erhöhten Begriffe Leib und Seele und folgerte, dass der Leib durch die Seele gebunden ist und umgekehrt (vgl. Tietze, 1984, S. 77). Er sah in der Einheit von Leib und Seele den Ansatz zur Ausbildung des Leibes. Kein Zweck stehe hinter der leiblichen Ausbildung des Körpers, sondern eine dem Menschen eigene Lust an der Bewegung. Mit seinem Ansatz ging Bäumler über Leitideen Hitlers hinaus. Hitlers Meinung nach war es die Pflicht eines jeden Volksgenossen Gesundheit, Wehrhaftigkeit und Überlegenheitsgefühl durch die leibliche Erziehung zu erreichen. Bei Bäumler war es ein innerer Antrieb im Menschen zur Bewegung, der nur durch Bewegung selber gestillt werden konnte. Dies geschah allerdings völlig zweckfrei. Um diesen Antrieb zu stillen, erklärte Bäumler die deutschen Leibesübungen für
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Die Rolle des Sports in der Schule und in außerschulischen Organisationen im Nationalsozialismus sinnvoll, da diese nicht zweckgebunden seien, aber dennoch ernsthaft (vgl. Bäumler, 1934, S. 45f).
Ein weiterer Ansatz Bäumlers war es, der die Begründung für die politische Leibeserziehung lieferte. Für ihn war der Mensch ein in Gemeinschaft und Geschichte integriertes Wesen. Es gab keinen Bereich in seinem Leben, der unpolitisch war. Das machte ihn zu einem politischen Wesen (vgl. Landschoof, 1985, S. Ä'HU0HQVFKLVWHLQ3ROLWLFXP± das ist die erste Folgerung, die wir aus dem 9RONVJHGDQNHQ ]X ]LHKHQ KDEHQ³ %lXPOHU 6 $XV GLHVHU 7KHVH begründete Bäumler den Anspruch des Staates auf eine gelenkte Leibeserziehung. Der neue Volksbürger war durch den Leib mit der Gemeinschaft des Volkes verbunden. Der Staat hatte als Beauftragter der Volksgesamtheit daher einen Anspruch auf eine Leibeserziehung, die von ihm gelenkt wurde und in seinem Sinne war.
Ä/HLEHVSIOHJH /HLEHVEXQJHQ XQG /HLEHV]XFKW GHV (LQ]HOQHQ VLQG IU GDV völkische Denken nicht mehr Sache eines Privatmannes, der um sein persönliches Wohl besorgt ist, sondern rücken unter den Gesichtspunkt der *HVXQGKHLWXQG.UDIWGHV*DQ]HQ³%lXPOHU6
Mit dieser Aussage unterstützte er fast wörtlich Hitlers Forderung, dass die körperliche Ertüchtigung im völkischen Staat nicht die Sache des Einzelnen sei (vgl. Hitler, 1935, S. 453). Zudem legitimiert er den Anspruch der NS-Regierung die Leibeserziehung staatlich zu organisieren und zu lenken.
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Die Rolle des Sports in der Schule und in außerschulischen Organisationen im Nationalsozialismus
4 Die Rolle des Sports in der Schule
4.1 Die Umstrukturierung des Lehrplans an den höheren Jungenschulen
Was bedeutete die Machtergreifung der Nationalsozialisten konkret für die Schule? Wie wirkte sie sich insbesondere auf den Turn- und Sportunterricht aus? Hitler forderte von den Schulen im völkischen Staat, dass die Leibeserziehung im Lehrplan wieder stärker zu berücksichtigen war.
Ä:HQQ KHXWH VHOEVW LP /HKUSODQ GHU 0LWWHOVFKXOHQ 7XUQHQ LQ HLQHU :RFKH PLW knapp zwei Stunden bedacht und die Teilnahme daran sogar als nicht obligat dem einzelnen freigegeben wird, so ist dies, verglichen zur rein geistigen Ausbildung, ein krasses Missverhältnis. Es dürfe kein Tag vergehen, an dem der junge Mensch nicht mindestens vormittags und abends je eine Stunde lang N|USHUOLFK JHVFKXOW ZLUG XQG ]ZDU LQ MHGHU $UW YRQ 6SRUW XQG 7XUQHQ³ +LWOHU 1935, S. 454).
Er begründete seine Forderung nach mehr körperlicher Erziehung mit der Behauptung, dass
Ä« eine deutsche Revolution von Zuhältern, Deserteuren und ähnlichem Gesindel niemals möglich gewesen wäre, wenn die geistige Elite durchgehend Boxen gelernt hätte³ (Hitler, 1935, S. 455).
Für die Nationalsozialisten war der Sport nicht nur dafür da stark, gewandt und kühn zu machen, sondern auch um abzuhärten, zur Steigerung der Kampfkraft und der Aggressivität. Außerdem sollte sich durch die Leibesübungen bei den jungen Menschen ein Überlegenheitsgefühl ausbilden (vgl. Hitler, 1935, S. 456). Doch nicht nur Hitler alleine forderte von den Schulen eine Umgestaltung des Sportunterrichts. Bereits 1932 forderte der Turnpädagoge Edmund Neuendorff den schulischen Turnunterricht in vierfacher Weise zu ergänzen, damit garantiert werden könneGDVVGLH-XJHQGÄLPK|FKVWHQ6LQQHZHKUKDIWZLUG³3eiffer, 1987, S. 32). Im Ä9|ONLVFKHQ %HREDFKWHU³ YRP VFKULHE 1HXHQGRUII über die Anforderungen, die die neuen deutschen Leibesübungen an den Schulen erfüllen müssen:
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Michael Bode, 2009, Die Rolle des Sports in der Schule und in außerschulischen Organisationen im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag GmbH
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