Gliederung:
1) Einleitung 3
2) Ritualmorde
2.1. Ritualmordbeschuldigung 4
2.2. Die Trienter Ritualmordbeschuldigung 5
3) Luther und die Juden
7
4) Gegenstimmen
9
5) Zusammenfassung 11
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1) Einleitung:
Die frühe Neuzeit war eine Epoche in der die Deutschen 1 lernen mussten, große Krisen, sowohl politischer und natürlicher Art, als auch und insbesondere kultureller und spiritueller Natur, zu bewältigen. Eines der Hauptventile zum Abbau der daraus entstandenen soziokulturellen Spannungen waren diverse Feind- und Angstbilder, deren Objekte, dem einfachen Menschen als Sündenbock dienend, ein starkes machtpolitisches Instrument der Kirchen 2 darstellten. Das wohl auffallendste und absurdeste Bild in diesem Kontext ist das der Juden, das hier näher untersucht werden soll.
Die Kirche setzte viel daran, die Juden öffentlich zu diskreditieren und als Mörder, Gottesschänder und generell als die Schuldigen für viele größere und kleinere Übel darzustellen. Auf der einen Seite wurden dubiose Scheinprozesse abgehalten, die häufig durch unter Folter erzwungene Geständnisse entschieden wurden (der Trienter Prozess, auf den hier näher eingegangen wird, dient als eindrucksvolles Beispiel). Horrornachrichten über „jüdische Hostienfrevel“ und Ritualmorde, verbreitet in Flugblättern, Traktaten und Chroniken“ 3 taten ein Weiteres.
Es lässt sich schwer nachvollziehen, wie groß und wie direkt der Einfluss der Kirchen auf den Aberglauben der Bevölkerung sein musste, um die weit verbreitete Angst vor den „mordenden, schändenden und vergiftenden 4 Juden“ zu schüren. Sicher ist jedoch, dass die Geschichtswissenschaft erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs begann, die weit reichenden Facetten, und vor allem
1 Der Fokus dieser Arbeit liegt auf dem deutschsprachigen Raum, jedoch wäre eine Untersuchung der
antijüdischen Einflüsse in z.B. Frankreich oder England ebenfalls äußerst interessant.
2 Sowohl für die katholische Kirche als natürlich auch für die evangelische nach und während der
Reformation (siehe Kapitel 3). Vgl. hierzu die fast deckungsgleiche Argumentation von Johann Eck mit der
Luthers.
3 Frey, Winfried: keyn volck vff erden nymer dreyt / Also grossen hass im muot, alß der iud zuom christen duot. Zu einem antijüdischen Text aus dem frühen 16. Jahrhundert; in: Jahrbuch der Oswald- von-
Wolkenstein- Gesellschaft 7 (1992/1993), S. 163f
4 Erb, Rainer: Die Ritualmordlegende; in: Buttaroni, Susanna (Hrsg.) und Musial, Stanislaw (Hrsg.),
Ritualmord; Wien 2003, S. 10
3
Schlüsselmomente wie den Trienter oder den Prozess zu Rinn, kritisch zu untersuchen. 5
Zweierlei Dinge müssen zum besseren Verständnis getrennt voneinander untersucht werden: auf der einen Seite der Konflikt der gelehrten Religion und auf der anderen Seite die Problematik des Volksglaubens. Die Briefe und Schriften Luthers zum Beispiel richten sich an eine komplett andere Zielgruppe als öffentliche Scheinprozesse mit anschließender Hinrichtung. Trotzdem ist das vermittelte Bild des Juden dasselbe.
2. Ritualmorde
2.1 Ritualmordbeschuldigung
Ein für das Verständnis des Judenhasses wichtiger Aspekt im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit ist der damals weit verbreitete Aberglaube an scheinbare Ritualmorde, die, der Legende nach über ganz Europa verteilt 6 , von Juden praktiziert wurden. Eine treffende Definition der Morphologie dieser Morde liefert Ronnie Po-chia Hsia:
„Bei einem angeblichen Ritualmord wurde ein Jude oder mehrere Juden angeklagt,
christliche Kinder, fast immer Jungen, entführt und getötet zu haben um Rache an
Christen zu nehmen, besonders aber, um ihr Blut für magische Zwecke zu
verwenden[...].“ 7
Aus dieser „Blutgewinnung“ entstand der Begriff der Blutbeschuldigung, der als Synonym für jüdischen, ritualisierten Mord gelten kann, jedoch auch im Kontext des Christusverrats betrachtet werden muss.
Im allgemeinen Volksglauben übernahmen die Juden die Rolle des Schuldigen für viele der Dinge, die man sich nicht erklären konnte bzw. die man als Gerücht
5 Vgl. Brandstätter, Klaus: Antijüdische Ritualmordvorwürfe in Trient und Tirol; in: Historisches Jahrbuch
125 (2005), S. 519
6 Vgl. Erb, S. 13
7 Hsia, Ronnie Po-chia: Blut, Magie und Judenhaß im Deutschland der frühen Neuzeit; in: Hagenmaier,
Monika (Hrsg.), Krisenbewußtsein und Krisenbewältigung in der Frühen Neuzeit; Frankfurt am Main 1992,
S. 353
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Arbeit zitieren:
Lars-Benja Braasch, 2006, Judenhass in der frühen Neuzeit, München, GRIN Verlag GmbH
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