1
Inhaltsverzeichnis Seite
1. Einleitung 2
2. Grundbegriff Siedlung 3
3. Siedlungsformen und deren Verbreitung in Mitteleuropa 5
3.1 Ländliche Siedlungstypen 5
3.1.1 Einzelhof / Doppelhof 7
3.1.2 Weiler 7
3.1.3 Haufendorf 8
3.1.4 Rundplatzdorf / Eckplatzdorf 8
3.1.5 Angerdorf 9
3.1.6 Straßendorf 9
3.1.7 Reihendorf / Waldhufendorf 10
3.1.8 Marschhufendorf 10
3.1.9 Streusiedlung 11
3.2 Städtische Siedlungstypen 11
3.2.1 Keltisch-Germanische Stadt 12
3.2.2 Städte in Dorfgestalt 12
3.2.3 Römerstädte 12
3.2.4 Burgstädte des Mittelalters 13
3.2.5 Frühneuzeitliche Stadttypen 14
4. Zusammenfassung 15
Quellenverzeichnis 16
Inhaltsverzeichnis des Anhangs 17
Anhang 18
2
1. Einleitung
Die meisten Menschen verbringen ihre Kindheit an einem einzigen Ort auf unserer Erde. Entweder in einem kleinen Dorf auf dem Land, vielleicht in der Nähe von Oma und Opa, oder sie wachsen in einer Stadt auf, weswegen sie sich das Leben auf dem Land nur schwerlich vorstellen können. Ein Jeder kennt seinen Ort oder sein Stadtviertel am Besten. Man weis wie die Straßen verlaufen, wie man am schnellsten in den Wald kommt, wo der Markt, die Kirche und der Park sind und wo die Felder oder die Betriebe angesiedelt sind. Das aber diese Siedlung auch einer bestimmten Gliederung unterliegt, ähnlich vieler anderer Siedlungen auch, darüber macht man sich kaum Gedanken. Das sich früher, als die Siedlungen entstanden, Menschen überlegt haben, wie sie den größten Schutz, die kürzesten Wege, trinkbares Wasser und die besten Böden erreichen können um ihr Überleben zu sichern, ist für heutige Generationen eher unrelevant. Ich möchte auf diesem Weg einen kurzen Einblick über die verschiedenen Siedlungsformen in Mitteleuropa geben. Über deren Verbreitung berichten, auf geschichtliche Entwicklung und Eigenschaften eingehen und an Beispielen belegen. Um eine Grundlage zum Thema „Siedlungsformen und deren Verbreitung in Mitteleuropa“ zu geben, werde ich zunächst auf den Siedlungsbegriff als solchen eingehen und dann spezielle Formen vorstellen.
3
2. Grundbegriff Siedlung
Es ist wichtig zuerst für den Begriff Siedlung eine Definition zu finden, damit wir keine unterschiedlichen Vorstellungen haben und es nicht zu Verwechslungen kommt. Diese folgende Begriffserklärung erscheint mir als die Verständlichste. „Unter einer Siedlung versteht man in der Geografie jeden menschlichen Wohnplatz, jede isolierte menschliche Wohn- oder Arbeitsstätte mit ihren dazugehörigen ergänzenden Anlagen an einer beliebigen Stelle der Erdoberfläche, sei sie auf Dauer oder nur zeitweise eingerichtet (Städte, Dörfer, einzeln stehende Häuser, Nomadenlager, Zeltplätze, eine bewohnte Höhle oder überhängende Felsen, unter denen die Steinzeitmenschen Schutz suchten)“ (Hertzsch, U., 1999, S. 110). Der Begriff „Siedlung“ wurde früher oft in unterschiedlichem Sinne gebraucht. Meist ist der Begriff auf Wohnplätze und den zugehörigen Wirtschaftsflächen bezogen. Demnach wurde eine Unterteilung vorgenommen, welche Ortsformen und Flurformen von einander abgrenzt, obwohl eine gegenseitige Bindung besteht. Siedlungen werden auch je nach Nutzungsdauer unterschieden. Danach gibt es neben den Dauersiedlungen auch die kurzzeitig bewohnten temporären Siedlungen, welche des Weiteren in saisonal bewohnte Siedlungen und ephemere (flüchtige) Siedlungen unterschieden werden. Neben den eigentlichen Behausungen gehören auch Grundstücke, öffentliche Flächen, Verkehrs-, Kult- und Schutzanlagen zu einer Siedlung. Land- und forstwirtschaftliche Nutzflächen sind eng verbunden (Geographisch-Kartographisches Institut Meyer, 1986, S. 320).
Eine Siedlung, in der Menschen wohnen, sich erholen und arbeiten, ist die kleinste mögliche Raumeinheit zum besiedeln der Erdoberfläche. Die Sammlung von Siedlungen an einem Ort lässt Gemeinden oder andere administrative Einheiten entstehen, welche entwickelt wurden um je nach Flächengröße oder u. a. nach Einwohnerzahl eine ordinale Ordnung vornehmen zu können. Jede Siedlung besitzt eigene formale Merkmale, wie Lage, Grundriss, oder Aufriss die einzigartig im Vergleich zu Anderen sind. Jede hat ihre eigene Struktur, Dynamik und Funktion. Außerdem bestehen Beziehungen zwischen Siedlungen untereinander und zu ihrer natürlichen Umwelt, welche unter dem Begriff Siedlungssysteme untersucht werden. Die Typisierung einer Siedlung kann also nach verschiedenen Gesichtspunkten erfolgen: historisch-genetische Typisierung, welche sich auf Entstehungszeit bezieht oder nach formalen Gesichtspunkten unterscheidet und es gibt Größentypen, Wirtschaftstypen, Sozialtypen und Planungstypen um nur Einige zu nennen (Hertzsch, U., 1999, S. 110 ff).
4
Um Siedlungen differenzierter auf ihre Eigenschaften hin untersuchen zu können werden sie in drei Siedlungskategorien differenziert. Zum einen die ländlichen Siedlungen im eigentlichen Sinne. Diese werden nach der Betätigung der Bewohner in den Wirtschaftszweigen Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei und Sammelwirtschaft bestimmt. Hierzu gehören neben den ländlichen Dörfern auch Lagerplätze der Wildbeuter und Sammler, Zeltlager, sowie standfeste Orte der Halbnomaden. Des Weiteren gibt es Siedlungen, die zwischen Land und Stadt stehen, welche in der Regel eine gewisse funktionale Einseitigkeit aufweisen. Dazu gehören Gewerbe- und Industrieansiedlungen vor Einsetzen der Industrialisierung, Verkehrssiedlungen, Fremdenverkehrs-Siedlungen, Wohnsiedlungen, Schutz- und Herrschaftssiedlungen und Kultsiedlungen. Zur dritten und letzten Kategorie gehört die Stadt (Heineberg, H., 2003, S. 252 f). Man muss aber jederzeit bedenken, dass diese Trennung der Kategorien recht problematisch ist, da es Kombinationen der Typen gibt und die Einteilung daher nicht immer eindeutig ist. Ländliche Siedlungen besitzen laut Lienau, C. folgende Eigenschaften: - „Dominanz der landwirtschaftlichen Nutzfläche und sonstiger nicht überbauter Flächen gegenüber der Siedlungsfläche;
- eine im Vergleich zur Stadt geringe Größe und geringe innere Differenzierung; - geringe oder fehlende Zentralität, oft Zentralitätsferne; - ein geringer Verknüpfungsgrad untereinander, ein hoher mit den Städten; - eine gegenüber Städten geringere Ausstattung mit Arbeitsplätzen im sekundären und tertiären Sektor sowie geringere Vielfalt und Qualität der Arbeitsplätze; - ein Pendlerdefizit;
- eine insgesamt geringe(re) Wirtschaftskraft und Entwicklungsdynamik; - im Regelfall ein nennenswerter Anteil von landwirtschaftlichen Arbeitsplätzen; - eine sozial noch überschaubare Gesellschaft; - von der Stadt unterschiedene Wohnformen ( Überwiegen von Ein- und Zweifamilienhäusern );
- ein Erscheinungsbild, das wenigstens teilweise noch durch - ggf. frühere - Funktionen im primären Sektor und die enge Einbindung in den ländlichen Raum bestimmt ist“ (Lienau, 2000, S. 13).
Natürlich muss nicht jede Eigenschaft zwingend zutreffen.
Im Vergleich zu diesen Eigenschaften besitzen Städte andere Merkmale. Die Wichtigsten lauten wie folgt:
- Geschlossenheit der Siedlung (kompakter Siedlungskörper), - hohe Bebauungsdichte,
5
- deutliche funktionale innere Gliederung, - Bevölkerungswachstum vor allem durch Wanderungsgewinn,
- Dominanz sekundär- und tertiärwirtschaftlicher Tätigkeiten bei großer Arbeitsteilung, - Einpendlerüberschuss, - Mindestmaß an Zentralität, - relativ hohe Verkehrstätigkeit, - weitgehend künstliche Umweltgestaltung (Heineberg, 2003, S. 305).
3. Siedlungsformen und deren Verbreitung in Mitteleuropa
Ich werde nun auf die wichtigsten Siedlungsformen in Mitteleuropa eingehen. Es gibt natürlich immer wieder leicht abweichende Formen, dies würde aber den Umfang dieser Arbeit sprengen und daher gehe ich nur auf die häufigsten und dominantesten Formen ein. „Die Siedlungsgestalt resultiert aus Anzahl, Gestalt und Anordnung ihrer Elemente, also der Haus- und Hofstätten und sonstiger Gebäude (Kirchen, Wirtshäuser, Fabrikationsstätten etc.), der Infrastruktureinrichtungen und der die Siedlung begrenzenden Befestigungsanlagen, Zäune und anderen Begrenzungen. Anzahl und Anordnung der Gebäudestätten bestimmen Siedlungsgröße und Grundriss, die Gebäudegestalt auch ihren Aufriss und ihre Silhouette“ (Lienau, 2000, S. 38).
Ich werde zunächst die grundlegensten ländlichen Siedlungsformen beschreiben und im Anschluss auf städtische Siedlungstypen Mitteleuropas eingehen.
3.1 Ländliche Siedlungstypen
Es gibt 3 Perioden der ländlichen Siedlungsbewegung. Die „älteren Dorfformen“, die sich bis zum 11. Jh. bildeten, „Übergangsformen“ des 11. und 12. Jh. und „jüngere Dorfformen“ des 13. und 14. Jahrhundert.
6
Die nachfolgende schematische Darstellung des Territoriums einer ländlichen Siedlung zeigt, dass neben der eigentlichen Dorfform auch die sich anschließenden Flurformen das Bild einer Siedlung bestimmen. Dieses Schema gibt eine Dorfgemeinde wieder, wie sie sich erstmals im 12. / 13. Jh. herausgebildet hat und bis heute besteht.
Abb. 3.1 Siedlungsdarstellung. Heineberg, 2003, S. 258, Abb. 5.5.
Die folgenden Siedlungstypen werde ich bezüglich ihrer Form, ihrer geschichtlichen Hintergründe und ihrer Verbreitung in Mitteleuropa beschreiben, dabei aber nicht auf die zugehörigen Flurformen eingehen. Im Anhang sind zu jedem Siedlungstyp eine Karte des typischen Grundrisses und meist noch eine Beispielsiedlung zu finden, an der man die Form gut erkennen kann. Des Weiteren sind Karten beigefügt, welche die Verbreitung der Siedlungen deutlich machen.
7
3.1.1 Einzelhof / Doppelhof
Dieser Siedlungstyp ist eine isolierte Wohn- und Wirtschaftseinheit, die als die kleinste und einfachste Siedelform angesehen werden kann und welche besonders während der Nachkriegszeit als Aussiedlerhöfe neu entstanden. Die ersten Einzelhöfe entwickelten sich bereits im früh- und vormittelalterlichen Jahrhundert, vorwiegend in der Schweiz, Österreich und Altbayern. Sie werden aber oft mit zu den im Spätmittelalter (11. bis 13. Jh.) entstandenen Einzelhöfen gezählt. In Nordwestdeutschland ist dieser Siedlungstyp weit verbreitet und reicht bis in die Niederlande hinein. Auch in den Nordseemarschen entwickelte sich während des Deichbaues, Anfang der letzten Jahrtausendwende, dieser Siedlungstyp. Des Weiteren gibt es Einzelhöfe in Teilen der Mittelgebirge, in waldreichen Gebieten und in den Seitentälern der Alpen, wo sie während des mittelalterlichen Rodungsprozesses entstanden. Von Doppelhöfen spricht man, wenn zwei Einzelhöfe in direkter Nachbarschaft nebeneinander stehen, wobei sie als getrennte Wohn- und Wirtschaftseinheit gesehen werden. Sie entstehen unter Anderem durch Teilungen der „Urhöfe“, durch eine rückläufige Siedlungsentwicklung, oder auch durch lokale Naturgunstfaktoren, welche einen weiteren Hof begünstigen, sodass sich ein Einzelner zu einem Doppelten entwickelt. Doppelhöfe sind eine „Zwischenstufe“ im Prozess der Entwicklung von Einzelhöfen zu Gruppensiedlungen. Ihre Verbreitung ist ähnlich der Einzelhöfe, weil sie oft unter Diesen gezählt wurden. Sie kommen in Niederbayern, Württemberg, Mittelfranken, in Westfalen bis nach Dänemark und Rügen vor (Heineberg, 2003, S. 259).
3.1.2 Weiler
Das Hauptkennzeichen des Weilers ist die lockere Bauweise gruppierter Höfe (3 - 10), die das Bild einer typischen „Bauerngemeinde“ prägen. Meist sind diese Siedlungen an Bächen, Seen, und in Gebieten wo ungünstiger Boden größere Siedlungen verbot, neu entstanden oder gingen aus Einzelhöfen hervor. Dies ist keine straff geplante Siedlung. Es gibt unterschiedliche Ausprägungen der Weilerform, wie z.B. Gutsweiler, Bauernweiler, Rundweiler und Rodungsweiler, die sich je nach ihrer Lage herausbildeten. In Westdeutschland sind Weiler genauso verbreitet wie im mitteldeutschen Markland und des
Arbeit zitieren:
Michael Wenzel, 2006, Siedlungsformen und deren Verbreitung in Mitteleuropa, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Michael Wenzel hat den Text Siedlungsformen und deren Verbreitung in Mitteleuropa veröffentlicht
Michael Wenzel hat einen neuen Text hochgeladen
Wirtschaftlichkeit in der öffentlichen Verwaltung
Grundsätze der Wirtschaftlichk...
Jürgen Schmidt
Wirtschafts-Wörterbuch der Praxis
Deutsch/englisch - englisch/de...
Ulrich Kohlmeier, Frank Koslowski
Gesellschaft, Politik und Wirtschaft in der Verantwortung
Lesewerkstatt Rezensionen, Ban...
Jost W. Kramer, Robert Schediwy
Recht der Wirtschaft und der Arbeit in Europa
Gedächtnisschrift für Wolfgang...
Rüdiger Krause, Winfried Veelken, Klaus Vieweg
0 Kommentare