Inhaltsverzeichnis I
Inhaltsverzeichnis
ABBILDUNGSVERZEICHNIS III
TABELLENVERZEICHNIS IV
1 EINLEITUNG UND ALLGEMEINE PROBLEMSTELLUNG 1
2 WERTEWANDEL 4
2.1 Gesellschaftlicher Wertewandel 4
2.2 Wertewandel im Sport 5
2.3 Welche Werte verändern sich und wie im Besonderen? 9
3 TRENDSPORT 11
3.1 Trendsportdefinition 11
3.1.1 Zum Begriff „Trend“ 11
3.1.2 Zum Begriff „Sport“ 12
3.1.3 Versuch einer Trendsportdefinition 13
3.2 Zusammenfassung 19
4 TRENDSPORTARTEN IM SCHULSPORT - PERSPEKTIVEN UND PROBLEME 20
4.1 Warum gehört Trendsport in die Schule? 20
4.2 Wie beweglich ist die Schule? 23
4.3 Welcher Trendsport passt in die Schule? 24
4.4 Probleme bei der Integration von Trendsportarten in den Schulsport 25
4.5 Wie kann man Trendsportarten im Sportunterricht vermitteln? 27
4.6 Zusammenfassung 33
5 KONKRETE PROBLEMSTELLUNG 34
Inhaltsverzeichnis II
6 EMPIRISCHE STUDIE 36
6.1 Theoretische Konzeption der empirischen Studie 36
6.1.1 Begründung und Zielsetzung der empirischen Studie 36
6.1.2 Auswahl der Erhebungsmethode 36
6.1.3 Fragebogenkonstruktion 38
6.2 Durchführung und Auswertung der erhobenen Daten 42
7 DARSTELLUNG DER ERGEBNISSE 43
7.1 Allgemeine Angaben 43
7.2 Fragen zum Thema „Trendsport“ 44
7.3 Fragen zum Thema „Trendsport in der Schule“ 50
8 DISKUSSION 59
8.1 Allgemeine Angaben 59
8.2 Fragen zum Thema „Trendsport“ 59
8.3 Fragen zum Thema „Trendsportarten in der Schule“ 61
8.4 Zusammenfassung 65
9 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK 67
10 LITERATUR 69
11 ANHANG 73
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Der deutsche Mann, Lebensstile und Orientierung (Diegel, 1986, S. 34)
Abbildung 2: Darstellung ausgewählter Merkmale zweier Wertehaltungen (Diegel, 1986, S. 17)
Abbildung 3: Niedergang der Traditionsvereine (Opaschowski, 2001, S. 159)
Abbildung 4: Übersetzung der sechs Sinnperspektiven von Kurz in ein Trendsportartenkonzept (Lange, 2007,
25).
Abbildung 5: Bewegungslernen als aktiver Suchprozess (Lange, 2007, S. 30)
Abbildung 6: Vier Anhaltspunkte zum Inszenieren von Trendsportarten im Unterricht (Lange, 2007, S. 31)
Abbildung 7: Typen der Befragung (Atteslander, 1984, S. 105)
Abbildung 8: Bezugsquelle von Informationen zum Thema „Trendsport“
Abbildung 9: Merkmale von Trendsport.
Abbildung 10: Eignung von Trendsport in verschiedenen Klassenstufen.
Abbildung 11: Integration von Trendsport in die Schule
Tabellenverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Trendsportarten von 1997 - 2000 (Schwier, 2000a, S. 76) 18
Tabelle 2: Weitere Merkmale von Trendsport. 45
Tabelle 3: Trendsporttypische Bewegungsaktivitäten. 47
Tabelle 4: Trendsportarten, die von den Befragten betrieben werden. 49
Tabelle 5: Trendsportarten, die für den Schulsport geeignet sind. 50
Tabelle 6: Eingesetzte Trendsportarten im regulären Sportunterricht. 52
Tabelle 7: Eingesetzte Trendsportarten im Rahmen einer AG oder eines Projektes. 53
Tabelle 8: Schwierigkeiten bei der Integration von Trendsportarten in den Schulsport. 54
Tabelle 9: Pädagogischer Gewinn bei der Integration von Trendsportarten in den Schulsport 56
Einleitung und allgemeine Problemstellung 1
1 Einleitung und allgemeine Problemstellung
Seit dem Bestand des Faches Sport in der Schule, haben sich Begriffe, Vorstellungen über Ziele, Inhalte und Methoden, die Rahmenbedingungen und auch die Praxis immer wieder verändert. Infolgedessen muss im Kontext vom Wandel der Jugend, der Schule, des Sports und der Gesellschaft immer wieder über eine neue Gestaltung von Schulsportinhalten nachgedacht und diskutiert werden (vgl. Balz, 1996, S. 7). Gerade in den letzten 40 Jahren hat sich die Gesellschaft stark gewandelt, es kam zu einen Wandel der Werte weg von Leistung und Erfolg im Beruf, hin zu „dem Leben einen Sinn geben und Spaß haben“ (vgl. Digel 1986, S. 33-34). Dieser Wertewandel der Gesellschaft scheint sich auch auf den Sport übertragen zu haben, denn frühere Wertemuster lösten sich in den 70 und 80 Jahren auf und es kam zu einem Wertepluralismus im Sport (vgl. auch Digel 1986, S. 15). In Zusammenhang mit diesen Prozessen spricht man auch von einem Wandel der materialistischen zu postmaterialistischen Werten (vgl. Klages, Hippler, Herbert, 1992, S. 22). Demzufolge und aufgrund der Probleme unserer komplexen Gesellschaft kommt es im Sport zunehmend zu einer Vervielfältigung der Aufgaben und Funktionen. Das ist wiederrum verbunden mit einer immensen Nachfrage nach individuellen Sportarten, was zu einer großen Vielfalt von neuen Bewegungsaktivitäten führt und eine kontinuierliche Ausdifferenzierung des Sports zur Folge hat (vgl. Digel, 1986, S. 38; Digel, 1990, S. 65-66).
Gerade Heranwachsende spielen in dieser Entwicklung eine große Rolle. Sie sind es, die häufig auf diese neuen Bewegungsaktivitäten zugreifen, sie ausprobieren und ihnen teilweise ganze Lebensstile, wie z.B. beim Skateboarden, zuschreiben (vgl. Heim, 2006, S. 17). Tendenziell zeigt sich, dass viele dieser betriebenen Bewegungsaktivitäten zum Trendsport zählen. Trendsport scheint sich als Ausdruck der heutigen gesellschaftlichen Werte gut zu eignen und somit für die Jugendlichen eine wichtige Rolle zu spielen (vgl. Balz, 2001, S. 5). Wenn Trendsport also bei den Jugendlichen und in ihrer Entwicklung einen scheinbar so großen Stellenwert darstellt, sollte er auch in das Blickfeld und Interesse von Sportlehrern und -innen rücken. Denn früher waren die Unterrichtsinhalte des Schulsports oft deckungsgleich mit denen des Freizeitsports, doch heute „läuft der Sportunterricht Gefahr, zu einem Museum für den traditionellen Sport zu werden!“ (Heim, 2006, S. 17). Demzufolge drängt sich durch die Veränderungen der außerschulischen Sportwelt die Frage auf, ob der Schulsport mit seiner Orientierung an traditionellen Schulsportarten und der traditionellen Art der Sportausübung
Einleitung und allgemeine Problemstellung 2
nicht Gefahr läuft, eine wesentliche Entwicklung zu versäumen und den Bedürfnissen von Schülern nicht mehr gerecht zu werden, denn:
„Wenn diese außerschulische Bewegungswelt, die sich von der Bewegungswelt des Schulsports erheblich unterscheidet, tatsächlich in nennenswertem Umfang existiert, ist es doch wohl eine grundlegende sportdidaktische Aufgabe und damit die einer jeden Sportlehrkraft, darüber zu reflektieren, wie der Schulsport darauf zu reagieren hat, wie dieser Wandel in der Bewegungskultur unserer Gesellschaft im Schulsport zu beachten ist und wenn positiv beantwortet, wie das zu geschehen hat.“ (Köppe, 2001, S. 2).
Der Trendsport wirft jedoch viele ungeklärte Fragen auf. Dies liegt sicherlich auch daran, dass eine einheitliche Definition des Begriffs „Trendsport“ aufgrund der Komplexität des Phänomens noch nicht möglich ist. Dabei geht es nicht nur um eine Aufnahme oder Nichtaufnahme in den Schulsport, sondern darüberhinaus auch um die Vermittlung, also um das didaktische und methodische Vorgehen bei einer Integration. Auch die mögliche Qualifikation der Lehrer und Lehrerinnen spielt eine Rolle.
Folglich stellt sich die Frage, ob Trendsport ein Sport für die Schule ist. Zur Beantwortung dieser Frage, sollen Lehrer und Lehrerinnen dazu in einer empirischen Untersuchung befragt werden. Auf Grundlage dessen, ist das Ziel dieser Arbeit die Frage ob Trendsport ein Sport für die Schule ist, also eine mögliche Integration von Trendsport in den Schulsport anhand der Ergebnisse der Lehrerbefragung zu beantworten. Zur Vermittlung des notwendigen theoretischen Hintergrundwissens, soll im ersten Teil der Arbeit gezeigt werden, wie sich der Wandel der Werte in der Gesellschaft vollzogen hat und welcher Form er sichtbar wird. Weiter soll gezeigt werden, wie sich dieser Wandel auch auf das heutige Sportverständnis und Sporttreiben, besonders auch der jüngeren Generation, übertragen hat. Aufgrund dieser Entwicklungen soll das Phänomen des Trendsports näher gebracht werden und ein Definitionsversuch dessen vorgenommen werden. Anschließend soll gezeigt werden, dass Trendsport einen geeigneten sportlichen Ausdruck der gesellschaftlichen Werteentwicklung darstellen kann und daher von Interesse für den Schulsport sein kann. Infolgedessen wird eine konkrete Problemstellung entwickelt, die anschließend im empirischen Teil der Arbeit, anhand einer Befragung von Sportlehrern- und innen durch einen Fragebogen überprüft und beantwortet werden soll.
Einleitung und allgemeine Problemstellung 3
Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der Darstellung, Konzeption und Durchführung der empirischen Studie. Dem schließt sich eine Diskussion an, in der die Interpretation der Ergebnisse aus der empirischen Untersuchung vorgenommen wird.
Wertewandel 4
2 Wertewandel
2.1 Gesellschaftlicher Wertewandel
Die Gesellschaft hat sich in den letzten 40 Jahren gewandelt. Wenn man heute sein eigenes Handeln mit dem von vor 40 Jahren vergleicht, kann man feststellen, dass sich einige Werte geändert haben, z.B. die Frage nach dem Sinn der Arbeit, später aufstehen, besser essen und mehr Luxus haben wollen.
Nach Klages (1981, S. 118) sind „Werte“ Background-Größen des überwiegenden Teils der Meinungs-, Einstellungs- und Verhaltensentscheidungen, die man im sozialen Alltag beobachten kann. Das heißt man orientiert sich immer an den Werten, die zum jetzigen Zeitpunkt vorherrschend sind und dies wirkt sich auf die eigene Meinung, Einstellung und das eigene Verhalten aus.
Bei der Beobachtung der gesellschaftlichen Veränderung, kann man feststellen, dass die Freizeitentwicklung dabei eine sehr wichtige Rolle spielt. Denn vor 40 Jahren stand sie noch für eine Regernationsphase des Arbeitsalltages. Man lebte in einer Arbeitsgesellschaft, das heißt man lebte mit und von der Arbeit (vgl. Digel 1986, S. 33-34; Opaschowski, 2006, S. 31-33). Aufgrund der ständig sinkenden Arbeitszeiten seit 1965 wächst die Freizeit beständig an. Das Sporttreiben spielt vermehrt eine Rolle, man will „abschalten“, einen „Tapetenwechsel“ zum täglichen Arbeitsleben. Es entwickelt sich in eine Richtung hedonistischer Bedürfnisbefriedigung, „viel Spaß und Unterhaltung“ haben. Daher kommt es diesbezüglich zu einem Werte-wandel, weg von Leistung und Erfolg im Beruf, hin zu „dem Leben einen Sinn geben“, Erlebnisse und Spaß haben (vgl. Digel 1986, S. 33-34; Opaschowski, 2006, S. 33). Wenn man die Veränderung der Freizeit näher beschreiben gibt es nach Digel (1986, S. 35) einige Tendenzen, die sich ganz deutlich zeigen:
S Es herrscht eine Zunahme kommunikativer Bedürfnisse und Aktivitäten (selber machen, kreativ sein, Gemeinsamkeit). Dies ist sehr häufig auch mit einer höheren Sportaktivität verbunden.
S Das zunehmende Bedürfnis, des körperlichen Kontakts, um die Körperlichkeit besser ausleben zu können (Sozialkontakt, Spaß, Aktivität). Dies steht erneut in Zusammenhang mit vermehrtem Sporttreiben.
S Ein zunehmendes Reisebedürfnis (erholen, Lebensgenuss).
Wertewandel 5
Nach Vester (1988, S. 165) bestimmen die Größen Zeit, Geld, Werte und Einstellungen die Freizeit und auch den in der Freizeit betriebenen Sport. Zum einen gibt es mehr Geld durch das Erben der jetzigen Generationen vom aufgebauten Nachkriegsvermögen, aber auch durch die Zunahme von Doppelverdienern und höheren Berufsqualifikationen bei Frauen (vgl. Opaschowski 1987b, S. 24). Abbildung 1 soll noch einmal verdeutlichen, wie sich die Werte
des deutschen Mannes hinsichtlich seines Lebensstiles und seiner Orientierung verändert haben.
Abbildung 1: Der deutsche Mann, Lebensstile und Orientierung (Diegel, 1986, S. 34).
2.2 Wertewandel im Sport
„Die menschliche Phantasie wagt sich immer mehr an kühne Träume heran, begnügt sich jedoch mit den Träumen nicht, sondern macht sie wirklich wahr“ (Opaschowski, 2001, S. 173).
Der Wertewandel der Gesellschaft ab der 2. Hälfte des 20. Jahrhundert, übertrug sich auch auf den Bereich des Sports. Wie Digel (1990, S. 59) schreibt, hat sich die Sportwissenschaft in üblicher zeitlicher Verzögerung nun auch diesem Thema zugewandt. Seinen Vermutungen zur Folge, hat sich durch allgemeine Wandlungstendenzen auch eine Werteveränderung im Sport ergeben. In den 50er und 60er Jahren verfügte der Sport noch über ein einheitliches Werte-
Wertewandel 6
muster. Dieses war durch Begriffe wie Leistung, Wetteifer, Konkurrenz, Disziplin, Unterordnung, Bedürfnisaufschub, Solidarität und Selbstzweck gekennzeichnet. Diese Struktur zog sich durch den ganzen Sport. Sport war damals gleichbedeutend mit Leistungssport, egal in welcher Hinsicht man ihn betrieb, ob als Profi oder als Laie.
Ende der 70 Jahre und in den 80 Jahren löste sich dieses Wertemuster auf. Es kam zu einem Wertepluralismus, das heißt, es kam zu Prozessen der Entwertung, der Wertesubstitution und der Neubewertung. Demzufolge brach alles was einmal einheitlich im Sport war auseinander (vgl. auch Digel 1986, S. 15). In Zusammenhang mit diesen Prozessen, spricht man von einem Wandel der materialistischen zu postmaterialistischen Werten (vgl. Klages, Hippler, Herbert, 1992, S. 22). Abbildung 2 zeigt die Unterschiede der beiden Werthaltungen:
Wertewandel 7
Abbildung 2: Darstellung ausgewählter Merkmale zweier Wertehaltungen (Diegel, 1986, S. 17).
Für viele Menschen ist der Beruf mehr und mehr Mittel zum Zweck geworden und gilt nicht mehr als Selbstzweck (vgl. auch Digel 1986, S. 15). Lebensziele und Prioritäten ändern sich. Der Fokus richtet sich auf postmaterialistische Werte, wie die Persönlichkeitsentfaltung und Selbstverwirklichung. Währenddessen verlieren die tradierten Werte, wie Disziplin, Anpassung, Unterordnung, Gehorsam und Treue stark an Bedeutung. Die Entwickelung geht in Richtung eines freizeitkulturellen Lebensstils, der sich durch Genuss, Lebensfreude, Natür-
Wertewandel 8
lichkeit, Aufgeschlossenheit und Toleranz auszeichnet (vgl. Digel, 1986, S. 36). Dieser Prozess des Wertewandels wird zusätzlich begünstigt, durch Menschen, für die ihre Gesundheit und Körperlichkeit immer wichtiger werden und der Sport als allgemeine Lebenshilfe ver-standen wird (Küßner, 2002, S. 17; Rittner, 1991, S. 18-19).
Dies ist auch ein Zeichen, der sich innerhalb der letzten dreißig Jahren veränderten Sozialstruktur des Sports. Im Zuge dessen sind viele neue Bevölkerungsgruppen zum Sport hinzugestoßen. Die Anzahl der weiblichen Mitglieder hat sich enorm erhöht und neben all den tradierten Organisationformen haben sich viele neue Organisationsformen, wie zum Beispiel der Trendsport hinzu entwickelt. Durch diese sportliche Globalisierung finden auch viele kulturfremde Sportarten Eingang in die europäische Sportkultur. Es kommt also zu einer Erweiterung sportlicher Traditionen auch über die Ländergrenzen hinaus und der eigene nationale Sport wird durch neue fremde Sportarten erweitert z.B. Baseball und Lacrosse (vgl. Digel, 1990, S. 62-65; Küßner, 2002, S. 15-16). Gerade diese neuen Formen des Sports erfreuen sich einer großen Beliebtheit und zeichnen sich durch Leistung ohne Wettbewerb aus. Es kommt also zu einer Entwicklungstendenz in Richtung des Hedonismus (vgl. Digel, 1986, S. 36). Aufgrund der aufgezeigten Entwicklung wird ersichtlich, dass der Postmaterialismus den Sport keineswegs unberührt lässt und im Sport ein Wandel der Werte als Mischung stattfindet, der mitten durch den Menschen geht und sich unabhängig von Alter, Geschlecht und sozialer Position kontinuierlich ergibt (vgl. Klages, 1983, S. 343; Küßner, 2002, S. 17; Rittner, 1991, S. 38).
Zusammenfassend kann man das anfangs aufgeführte Zitat von Opaschowski (2001, S. 172-173) heranziehen. Er beschreibt damit den Sportler der Zukunft. Dieser Sportler vereint viele verschiedene Talente in einem. Er ist Freak, Allrounder, trendig, modebewusst, erfolgreich mit dem richtigen Feeling für Spaß, Fun und Thrill (Nervenkitzel) ausgestattet. Der uns bekannte Karrierebegriff bleibt nicht mehr auf den beruflichen Bereich beschränkt. Stattdessen gibt es ein weites Profilierungsfeld auch im Freizeitbereich. Jüngere Generationen entwickeln Qualifikationsprofile für Freizeitkarrieren, z.B. als Sportler, Musiker und Computerfreaks, die Hobby und Beruf oftmals verbinden. Diese Freizeitprofis lösen das Image des Workaholics, der sich als einzig Leistender für seine Karriere sieht, ab und treten in Konkurrenz mit ihm. Der Erlebniskonsument der Zukunft lebt seine Träume ganz nach dem Motto „Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum“ (vgl. Opaschowski, 2001, S. 172-173).
Wertewandel 9
2.3 Welche Werte verändern sich und wie im Besonderen?
Ein wichtiger Wandel hat sich hinsichtlich des Stellenwerts des Körpers vollzogen. Der Körper ist das einzig Feststehende in einer pluralistischen, differenzierten, unübersichtlichen und orientierungslosen Alltagswelt. Sportliches Training wirkt sich auf den Körper aus und wird sichtbar. Das wiederrum gilt als Statussymbol. An einem sportlich geformten Körper kann man viele Werte ablesen z.B. Erfolg, Kontinuität, Leistungsfähigkeit usw. Wer so viel in seinen Körper investiert, der kann dies auch in anderen Lebensbereichen (vgl. Küßner, 2002, S. 16-17). Einen weiteren Wandel stellt die Individualisierung dar. Der Traditionshintergrund für Entscheidungen verliert immer mehr an Bedeutung, d. h. der Individualisierungsprozess einer Person nimmt zu (vgl. Digel, 1990, S. 65; Küßner, 2002, S. 16). Paradoxerweise nimmt im Gegenzug die Entindividualisierung durch eine erhöhte Austauschbarkeit von Personen zu. Personen haben also heute viel mehr Entscheidungsfreiheiten, können sich mehr Selbstverwirklichen, von der Masse abheben und einmal mehr die Einmaligkeit ihrer selbst anstreben. Im Gegenzug dazu, gibt es für viele andere Personen die Möglichkeit der Reproduktion dieser Einzigartigkeit und das nimmt der Individualität ihre Einzigartigkeit und macht sie zu etwas Alltäglichem. Dadurch wird die Austauschbarkeit zum Ausdruck gebracht und die Freiheit wieder einschränkt. Ein weiteres sich änderndes Merkmal ist die größere Bereitschaft zum Genuss. Sport macht Spaß und wird genossen. Desweiteren scheint sich die materielle Werthaltung geändert zu haben. Sport dient zur Bereicherung und die Parole „Gewinn, ganz gleich für welche Leistung“ (Digel, 1990, S. 65) gilt. Sport hat sich in Richtung Rationalität und Modernität, also in Richtung neuer Technologien entwickelt. Sie beeinflussen den Sport stark und stellen heute neben der sportlichen Aktivität einen wichtigen Faktor zum Erringen des Sieges dar (vgl. Digel, 1990, S. 65). Aufgrund dieses Wertewandels lautete die These von Digel:
„Die ehemals eher einheitliche Wertestruktur des Sports, die sich in erster Linie durch Fleiß, Bedürfnisaufschub, Anstrengung, Leistung, Fair-Play und Solidarität in Training und Wettkampf ausgezeichnet hat, hat sich mit neuen Werten vermischt. …Im Sport ist es zu einer einseitigen Überbetonung der Interessen des Einzelmenschen und zu einer einseitigen Überbewertung von Lust, Vergnügen und Genuß gekommen“ (Digel, 1990, S. 65).
Abschließend kann gesagt werden, dass es im Sport zunehmend zu einer Vervielfältigung der Aufgaben und Funktionen kommt, aufgrund der Probleme unserer komplexen Gesellschaft.
Wertewandel 10
Diese immense Nachfrage nach individuellen Sportarten und die Zunahme der Sporttreibenden hat eine Zunahme der Aktivitäten zur Folge. Dies spiegelt sich in der Vielfalt von neuen Sportarten wieder und führt zu einer kontinuierlichen Ausdifferenzierung des Sportsystems verbunden mit einer breiten Palette von Angeboten, also vielen Teilsystemen im Bereich des Sportsystems. Das Wachstum findet auf Kosten der einstmals einheitlichen Werte des Wettkampf- und Leistungssport statt. (vgl. Digel, 1986, S. 38; Digel, 1990, S. 65-66; Stumm, 2004, S.60-61). Kennzeichen des modernen Sports ist dabei eine Kommunikation körperlicher Leistungsfähigkeit. Die Einheit des Sports wird folglich nicht vom binären Code Sieg/Niederlage zusammengehalten, sondern nach Stichweh (1990, S. 384) vom binären Code leisten/nicht leisten. Daraus ergibt sich, dass es im modernen Sport viele Handlungen gibt, die nicht agonal ausgelegt sind.
Trendsport 11
3 Trendsport
3.1 Trendsportdefinition
„Fragt man 10 Wissenschaftler nach einer Definition von Trendsport, so erhält man sicherlich 11 Antworten“ (Breuer & Michels, 2003, S. 12).
Schon anhand dieses kurzen Zitates wird klar, dass Trendsport trotz einer intensiven wissenschaftlichen Auseinandersetzung noch immer nicht definierbar und verstanden ist. Hinzu kommt, dass es schwierig ist etwas zu definieren, das sich ständig wieder ändern kann. Eine Sportart die heute als Trendsport gilt, kann bereits in wenigen Monaten wieder von der Bildfläche verschwunden sein und im Gegenzug dazu, gibt es dann wieder andere Sportarten, die als Trendsportarten bezeichnet werden. Es handelt sich hier um ein sehr unstetes Phänomen, das es zu beschreiben gilt. Verschiedene Autoren haben sich eines Definitionsversuches angenommen. Im Folgenden werden diese kurz beschrieben und dann ein eigener Definitionsversuch versucht.
3.1.1 Zum Begriff „Trend“
Wenn man sich dem Wort „Trendsport“ etymologisch annähern möchte, dann findet man im Duden unter „Trendsportart“ nur die Beschreibung „eine Sportart die im Trend liegt“ (vgl. Dudenredaktion, 2003, S. 1601). Das ist weder eine genaue Definition, noch kann man damit irgendetwas eingrenzen.
Der Begriff „Trend“ weist einige Unklarheiten auf und wird in den verschiedensten Bereichen gebraucht. Trend wird zum Bespiel mit dem Begriff „Mode“ gleichgesetzt. Mode gilt auch als etwas Neues, das einen Zeitgeschmack trifft, also etwas das nur temporär gilt (vgl. Breuer & Sander, 2003, S. 42; Schildmacher, 1998, S. 63). Mode kann sich nicht nur auf Kleidung beziehen, sondern jedes Gut kann diese als Methode wählen (vgl. Bossele 1959, S. 56). Als wichtigen Unterschied zwischen Mode und Trend gilt, dass der Trend eine längere zeitliche Dauer hat und dass der Trend sich eher in der Tiefenstruktur der Gesellschaft ansiedelt, wohingegen Moden eher Formen der Oberflächenstruktur darstellen (vgl. Schildmacher, 1998, S. 64). Modesportarten sind nur kurz auf dem Markt und werden nicht von allen modebewussten Sportlern betrieben. Sie haben eine geringere Anhängerzahl und geraten schnell in Vergessenheit. Bei Trends kommt es zu richtigen Veränderungen, also Verschiebung von gesell- schaftlichen Parametern, z.B. Werten. Die heutige Gesellschaft unterliegt der Veränderung
Trendsport 12
durch Globalisierung, Pluralisierung und Individualisierung. Dies wirkt sich auch auf den Sport aus. Dieser entwickelt sich weiter und es entstehen sogenannte Trendsportarten (vgl. Küßner, 2002, S. 25).
„Trends“ beschreiben nach Horx (1991, S. 11-12) eine kulturelle Anpassung an neue veränderte Gegebenheiten. Die Gesellschaft versucht durch Trends die Spannungen, die sie durch die Modernisierung und die veränderten Gegebenheiten erfährt, aufzunehmen und damit besser umgehen zu können.
Nimmt man aber das englischen Verb „to trend“ = sich neigen, sich erstrecken, in einer bestimmten Richtung verlaufen (vgl. Dudenredaktion, 2003, S. 1601), bedeutet es, dass ein Trend einen Richtungsverlauf bezeichnet, oder die Tendenz einer Entwicklung (vgl. Breuer & Sander, 2003, S. 42; Schildmacher, 1998, S. 63). Wopp (2006, S. 13) formuliert folgende Definition: „Trends sind vom Menschen bewirkte Grundrichtungen von Entwicklungen in der Gesellschaft, durch die Handlungen großer Bevölkerungsgruppen nachhaltig beeinflusst werden“.
Wie lange ein Trend anhält, ist umstritten und kann nicht mit Sicherheit vorhergesagt werden (vgl. Schildmacher, 1998, S. 64). Stumm (2004, S. 61) formuliert zur Dauer eines Trends folgendes:
„Die Dauer eines Trends bleibt relativ offen. Der Zeitraum richtet sich lediglich nach statistischen Fakten und kann daher sowohl auf einen Tag (z.B. an der Börse) oder auf mehrere Monate bzw. Jahre (z.B. Inflation, Arbeitslosigkeit) bezogen werden und sowohl eine positive als auch eine negative Konnotation haben“.
3.1.2 Zum Begriff „Sport“
Der Ursprung des Wortes „Sport“ lässt sich zurückführen auf das lateinische Wort „deportare“ (fortbringen) und „portare“ (tragen, bringen) mit der Spezialbedeutung (vergnügen, zerstreuen) in der Vulgärsprache. Daraus entstand später das französische Wort „de(s)porter“ (das sich zerstreuen), welches sich im Englischen wieder weiterentwickelte in das Wort „sport“. Dies bedeutet Vergnügen, Zeitvertreib und Spiel, erlangte seine spezielle Bedeutung aber erst durch den Wettkampf und den Leistungssport (vgl. Breuer & Sander, 2003, S. 42-43).
Wopp (2006, S. 24-25) sieht den Sport als „die Lösung von Bewegungsaufgaben, die von den Handelnden als Sport bezeichnet werden“. D.h., es gibt keine strikte Einteilung mehr dahingehend, welches Lösen von Bewegungsaufgaben man als Sport betrachtet. Damit hat sich das Sportverständnis stark erweitert. Was heute als Sport betrachtet wird, liegt im Sinne des Be-
Arbeit zitieren:
Daniel Sigg, 2009, Trendsport, ein Sport für die Schule?, München, GRIN Verlag GmbH
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