Inhaltsverzeichnis
Einleitung und Zielsetzung
Terminus
Vorgehen
1. Die Symbiose Informant - Ethnologe 5
2. Das ethnologische Interview im wissenschaftlichen Kontext 6
3. Vorgehensweise beim ethnologischen Interview 9
4. Die potentiellen Fehlerquellen 11
4.1 Der Informant 11
4.2 Der Ethnologe 12
5. Das "ero-epische Gespräch" 13
6. Fazit 14
Literaturverzeichnis
2
Einleitung und Zielsetzung
Die Feldforschung und die damit verbundene Methode der teilnehmenden Beobachtung ist das elementare Charakteristikum der Ethnologie. 1 Die teilnehmende Beobachtung wiederum geht einher mit dem ethnologischen Interview, einer für die Ethnologie spezifischen Vorgehensweise des wissenschaftlichen Gesprächs. In meiner Abhandlung werde ich auf die Besonderheiten dieser Methode eingehen. Dabei werde ich sie in den Kontext anderer sozialwissenschaftlicher Interviewmethoden einordnen. Besondere Aufmerksamkeit gebührt den Fragen, inwiefern man allgemein gültige Regeln für die Durchführung des ethnologischen Interviews geltend machen kann und wie die Wissenschaftlichkeit dieser Methode zu rechtfertigen ist. Eines ist vorab zu klären: Es gibt keine Regeln, die immer und überall anwendbar sind. Das gilt erst recht für die Ethnologie, da sie von der Einmaligkeit der Forschungssituation geprägt ist. Ich stelle die These auf, dass es zu diesem Forschungsansatz keine vorgeschriebenen Regeln geben kann und dadurch die Vergleichbarkeit der Ergebnisse, die herausgefunden werden, und damit auch die Wissenschaftlichkeit der gewonnenen Kenntnisse, in Frage gestellt werden müssen.
Terminus
Der Begriff "Interview" entstammt der US-amerikanischen Journalistensprache und wurde erstmalig um 1860 verwendet. 2 Er bezog sich hauptsächlich auf das Befragen von Politikern, Künstlern und anderen relevanten Persönlichkeiten. Anders als bei sozialwissenschaftlich angelegten Interviews hatte es zum Ziel, schnelle, klare und kurze Antworten zu erhalten. Der Terminus passt also eher zum Journalismus als zur Ethnologie, denn der Ethnologe will tiefere soziale und kulturelle Zusammenhänge verstehen, die sich meist nicht durch kurze und bündige Antworten erschließen lassen. Dennoch werde ich den Begriff des Interviews verwenden, da dieser sich in der wissenschaftlichen Diskussion etabliert hat.
1 STAGL, JUSTIN: Einleitung des Herausgebers. In: BOHANNAN, LAURA: Rückkehr zum Lachen. Berlin: Rowohlt 1984; S. 7
2 GIRTLER, ROLAND: Methoden der Feldforschung, Wien u.a: Böhlau Verlag GmbH 2001, S. 147
Es wird wahlweise vom ethnografischen oder vom ethnologischen Interview gesprochen. Ausgehend von der Formulierung Bruno Illius´ 3 , der Ethnograf beschreibe, wie Menschen leben und der Ethnologe analysiere in Erweiterung dessen, wie diese Menschen ihrem Leben einen Sinn geben, entscheide ich mich für den Terminus des ethnologischen Interviews. Denn als Forschungsziel möchte ich damit einschließen, dass man nicht nur die Umwelt des Probanden beobachten und beschreiben, sondern auch die dahinter stehenden Zusammenhänge aufdecken und verstehen will. Beide, sowohl der Ethnograf als auch der Ethnologe, interpretieren die Umwelt, in die sie durch teilnehmende Beobachtung involviert sind. Der Ethnologe versucht dabei eine adäquate wissenschaftliche Neutralität und Distanz zu wahren und die Wirklichkeit seines untersuchten Probanden so realitätsnah wie möglich zu dokumentieren und zu analysieren.
Vorgehen
Man kann über das ethnologische Interview nicht reflektieren, ohne kurz auf das Verhältnis zwischen Ethnologe und Informant einzugehen. Denn daraus leitet sich die spezifische Form dieser Methode ab. Nachdem das geschehen ist, werde ich die Besonderheiten des ethnologischen Gesprächs aufdecken, indem ich es von anderen Interviewformen, die auch in der Ethnologie ihre Anwendung finden können, abgrenze. Ich werde zusammenfassen, wie verschiedene Autoren die Durchführung des ethnologischen Interviews beschreiben, auf welche Fehlerquellen sie hinweisen und welche allgemein gültige Regeln sie abzuleiten versuchen. Ob diese Regeln eine eigenständige Methode des Interviews konstituieren und inwiefern diese sich auf einer wissenschaftlichen Basis begründen, wird anschließend im Fazit erörtert.
3 ILLIUS, BRUNO: Feldforschung. In: FISCHER, HANS; BEER, BETTINA (Hg.): Ethnologie. Einführung und Überblick. Fünfte Auflage, Berlin: Dietrich Reimer Verlag 2003, S. 73
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1. Die Symbiose Informant - Ethnologe
Der Ethnologe sucht sich in seinem Forschungsgebiet, in dem er sich teilnehmend beobachtend aufhält, einen Hauptansprechpartner und erhebt diesen zum wesentlichen Untersuchungsobjekt. Beide treffen sich in regelmäßigen Abständen zum Gespräch. Dabei bauen sie eine sehr spezifische Beziehung untereinander auf, die es näher zu beleuchten Wert ist. Wichtig bei der Gesprächssituation im ethnologischen Interview ist es, dass die Partner als gleichberechtigt zu verstehen sind. 4 Beide lenken das Gespräch, beide beeinflussen es gleichermaßen und tragen somit im selben Maße zum Ergebnis bei. Es ist sogar zu hinterfragen, ob sich wirklich der Ethnologe einen Informanten wählt oder ob der Informant nicht vielmehr den Ethnologen wählt. 5
Die Beziehung der Gesprächspartner ist symbiotisch zu verstehen, denn beide haben einen Mehrwert von den regelmäßigen Treffen: Der Ethnologe erhält durch seinen Informanten Einblicke in die zu erforschende Welt und profitiert von der Erfahrung, Meinung und Kenntnis des Informanten gegenüber seiner Gesellschaft. Doch auch die Gegenseite ist nicht zu unterschätzen. Der Informant kann ebenfalls in vielfältiger Weise aus der Forschungssituation schöpfen. Er erhält eine Bezahlung finanzieller, materieller oder ideeller Art und ist deswegen diese Beziehung freiwillig eingegangen. Diese Freiwilligkeit seitens der Interviewpartner ist Grundvoraussetzung, um adäquate Ergebnisse zu erhalten. 6 Der Ethnologe kann für den Informanten interessante Einblicke in eine andere Welt bedeuten und auch ihm seine Welt näher bringen. Beide lernen dabei voneinander. Der Informant lernt, seine Wirklichkeit zu objektivieren und zu analysieren. Er wird sich vielleicht erstmals einiger Phänomene seiner Gesellschaft bewusst. Die zwei Gesprächspartner Ethnologe und Informant sind gleichzeitig Schauspieler und Publikum füreinander. 7 Jedoch versucht gerade der Ethnologe ab und zu einen Blick hinter die Kulissen zu erhaschen, dabei muss er jedoch sehr viel Geschicklichkeit, Taktgefühl und Menschenkenntnis mitbringen. Diese gilt es im ethnologischen Interview mit Feingefühl umzusetzen.
4 GIRTLER, ROLAND: Methoden der Feldforschung, Wien u.a: Böhlau Verlag GmbH 2001, S. 147 5 ILLIUS, BRUNO: Feldforschung. In: FISCHER, HANS; BEER, BETTINA (Hg.): Ethnologie. Einführung und Überblick. Fünfte Auflage, Berlin: Dietrich Reimer Verlag 2003, S. 82 6 GIRTLER, ROLAND: Methoden der Feldforschung, Wien u.a: Böhlau Verlag GmbH 2001, S. 148 7 ILLIUS, BRUNO: Feldforschung. In: FISCHER, HANS; BEER, BETTINA (Hg.): Ethnologie. Einführung und Überblick. Fünfte Auflage, Berlin: Dietrich Reimer Verlag 2003, S. 83
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Arbeit zitieren:
Katrin Haase, 2008, Das ethnologische Interview in der Feldforschung, München, GRIN Verlag GmbH
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