Inhalt
1 Einleitung 1
2 Methodologie und Vorstellung der Romane 6
2.1 Methodologische Vorbemerkungen: Zum Verhältnis von Ökonomie und Literatur 6
2.2 Biographische Bezüge, Forschungsstand und Vorstellung der Romane 18
HAUPTTEIL
3 Wirtschaft als Erzählung und ökonomische Kodierung des Poetischen:
Das dialektische Verhältnis von Ökonomie und Literatur auf der Ebene des Erzählten 23
3.1 Wirtschaft als Erzählung 23
3.1.1 Narrative Momente des Ökonomischen auf der inhaltlichen Ebene 23
3.1.2 Deirdre McCloskeys Storytelling in Economics 29
3.1.3 Fiktionalität von materieller und immaterieller Ökonomie 31
3.2 Ökonomische Kodierung des Poetischen 35
3.2.1 Werttheorie in Simmels Philosophie des Geldes und in der Neoklassik 35
3.2.2 Ökonomische Durchdringung literarischer Medien 38
3.2.2.1 Tagebuch und Subjektdiskurs 39
3.2.2.2 Zwischenmenschliche Kommunikation und Intersubjektivitätsdiskurs 42
3.2.3 Auswege aus der ökonomischen Logik? Gesellschaftlicher Ausstieg und Tod 46
3.2.3.1 Am Rand der Tanzfläche: Gesellschaftlicher Ausstieg 46
3.2.3.2 „Man fällt einfach fürs öffentliche Leben aus “: Tod, Blut und Geld 49
4 Von Ökonomie erzählen: Poetische Verfahren 56
4.1 „[I]n der Luft gehen“: Poetische Aneignungsstrategien, monetäre Semiotik und literarische Selbstverzinsung in Händlers Roman Wenn wir sterben 58
4.1.1 Ökonomische, monetäre Strukturierung des Romanverfahrens 58
4.1.1.1 Metareflexive Aneignung verschiedener Sprachstile 58
4.1.1.2 Schlafender und Wächter zugleich: Erzähltheoretische Analyse der Instanz Wir 67
4.1.1.3 Poetische und pekuniäre Semiotik 73
4.1.2 Verschwendungslogik und Ästhetisierung der Wirtschaft 77
4.1.2.1 Umschlag der ökonomischen Aneignungsstrategie und monetären Semiotik in poetische Verschwendung 77
4.1.2.2 Der Leser als Ethnograph und die Ästhetisierung ökonomischer Diskurse 78
4.1.2.3 [G]rundsätzlich [hängt] alles von allem ab“: Die Theorie der rationalen Erwartung als Reflexionsmedium des dialektischen Romanverfahrens 81
4.2 „Saint-Exupèry und seine ganz spezielle märchenhafte Logik mit den Anforderungen von Lipinski […] verbinden“: Ironische Brechungen, Märchentopoi und Verschwendung in Merkels Roman Das Jahr der Wunder 85
4.2.1 Ökonomische, monetäre Strukturierung des Romanverfahrens 85
4.2.1.1 „Natürlich ist [das Konzept] auch ein bisschen ironisch gemeint“: Rollenprosa und ironische Brechungen 85
4.2.1.2 „Ich glaube, dass die Unterschiede nicht so groß [sind]“: Ästhetische und zeichentheoretische Implikationen der monetären Logik 89
4.2.2 Verschwendungslogik und Ästhetisierung der Wirtschaft 93
4.2.2.1 Der ethnographische Blick des Christian Schlier 93
4.2.2.2 Märchenhafte Logik und Geschichten für kleine Jungs: Intertextuelle Bezüge 95
4.2.2.3 Zu wenig Sekt und zu viel Trinkgeld: Das dialektische Verhältnis zwischen wirtschaftlicher Knappheit und maßloser Fülle 97
4.3 Die fiktionale Potentialität des Monetären: Simmels ‚Superadditum des Geldes’ und seine Implikationen für die literarischen Verfahren 99
5 Schluss-Bilanz und Forschungsausblick 107
6 Literaturangaben 114
Anhang
1 Einleitung
In der Gegenwartsliteratur lässt sich die Rückkehr eines Motivs verzeichnen, dessen Relevanz für die Poesie schon gänzlich verloren geglaubt war: Arbeitswelt und Ökonomie. In den siebziger Jahren war es vor dem Horizont der marxistischen Kritik am wirtschaftlichen System des internationalen Kapitalismus ausgiebig durch die literarische Bearbeitung angeeignet und vor allem ‚von unten’, aus der Perspektive des Arbeiters präsentiert worden. Dessen Entfremdung und Dehumanisierung durch das Eingebundensein in die industrielle fordistische Produktion stand damals im Mittelpunkt der Betrachtung. Die Position der Literatur zum Bereich der Ökonomie schien damals klar umrissen: Die Literatur bildet den kulturkritischen Gegenpol, das gesellschaftliche Gewissen, das die ökonomischen Mechanismen zu kritisieren und zu durchbrechen hat, das als Anwalt der Opfer dieses Systems genuin dem Wirtschaftlichen in seinem Prinzip des poetischen Überflusses und durch seine Funktion, ein utopisches Gegenbild zu entwerfen, entgegensteht. In den achtziger Jahren erlischt das poetische Interesse an dem Komplex der wirtschaftlichen Realität und es zeichnet sich eine Krise der Beschreibbarkeit ökonomischer Zusammenhänge und besonders der Position des Literarischen zu diesen Phänomenen ab, die sich spätestens nach dem Zusammenbruch des Kommunismus nicht mehr in der Terminologie des Klassenkampfes und der marxistischen Literaturtheorie fassen lassen.
Die Krise dieses literarischen Umgangs mit wirtschaftlichen Phänomenen scheint an ein Ende gelangt zu sein, tauchen doch in der Literaturlandschaft seit Mitte der neunziger Jahre Texte auf, die der Wirtschaftswelt und ihren Sprech- und Wahrnehmungsweisen neue Aufmerksamkeit schenken und auch literarisch-formal einen neuen Umgang mit dem ökonomischen Feld anstreben.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den vielfältigen Austauschprozessen zwischen ökonomischen und literarischen Diskursen. Sie widmet sich vornehmlich zwei Fragestellungen, die sich dialektisch von zwei verschiedenen Perspektiven aus ergänzen: Inwiefern folgt einerseits die Funktionsweise der poetischen Sprache ökonomischen Prinzipien bzw. orientieren sich die literarischen Erzählverfahren der Romane an ökonomischen Modellen und Konzepten, die für die Poesie ästhetisch produktiv gemacht werden können? Und wie kann andererseits das Ökonomische eine poetische, imaginative Komponente gewinnen?
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Zwei Texte, die diese Determination von Wahrnehmung und Sprache durch die Eingebundenheit in eine vom Ökonomischen durchdrungene Realität und die Anbindungen ökonomischer und sprachlich-literarischer Prozesse paradigmatisch vorführen, sind die Romane Das Jahr der Wunder (2001) von Rainer Merkel und Wenn wir sterben (2002) von Ernst-Wilhelm Händler. Das Besondere an ihrem Blick auf wirtschaftliche Phänomene ist die Einberechnung einer Ambivalenz, die an die literarischen Auseinandersetzungen der europäischen Gegenwartsliteratur mit dem modernen Dienstleistungsbereich, der Werbebranche und Managementwelt anschließt, wie sie etwa die Autoren Michel Houellebecq, Frédéric Beigbeder oder Bret Easton Ellis betreiben. Eine Form des Schreibens über Ökonomie und Arbeitswelt zeichnet sich ab, die die subtilen zwanghaften Mechanismen der Prozesse zum Vorschein bringt, sich aber ebenso fasziniert zeigt von den neuen Wahrnehmungsweisen, die mit dem Wirtschaftlichen vor allem seit den neunziger Jahren einhergehen und durch die technologische Revolution des Internets, dem damit verbundenen Wandel in den Produktions- und Managementprozessen, die Werbeindustrie und die Markenwaren hervorgebracht werden. Eine Poesie der Façon Händlers und Merkels arbeitet das ästhetische Moment des Ökonomischen jenseits jeder eindeutigen marxistischen oder kulturpessimistischen Kritik heraus und weiß darüber hinaus die wirtschaftlichen Neuerungen für das eigene literarische Verfahren ästhetisch produktiv zu machen. Die heutige Beschäftigung mit dem Sujet nimmt eine Position ‚von oben’ und ‚von innen’ ein: Protagonisten sind Manager aus den Vorstandsetagen, Kreative in Werbeagenturen - es sind die Gewinner des ökonomischen Systems. Die literarischen Figuren sind so eng eingebunden in wirtschaftliche Prozesse, dass diese ihre möglichen Weisen der Wahrnehmung und des Sprechens bis in die kleinsten Verästelungen hinein bestimmen. Durch die Integration dieses wirtschaftlichen Erkennens von Welt gelingt es den Romanen, eine Form von Mimesis gesellschaftlicher Realität zu verwirklichen, die es erlaubt, von einer neuen Welthaltigkeit der zeitgenössischen Literatur zu sprechen.
Der Vergleich der Romane ist nicht nur deshalb besonders reizvoll, weil sie sich beide mit dem Feld des Ökonomischen auseinandersetzen, sondern weil sie dieses poetologisch auf zwei vollkommenen verschiedene Arten tun. Daher können die Romane als Extrempunkte einer Skala betrachtet werden, die eine Bandbreite unterschiedlicher Poetiken des Ökonomischen umfasst. Die Texte nähern sich gleichsam ein und demselben Phänomen von zwei entgegengesetzten Seiten an und eröffnen somit ein Panorama des Umgangs mit und der Verbindung von Ökonomie und Ästhetik. Händler knüpft mit seinem sehr postmodernen, antinarrativen Text, der in der Aneignung verschiedener literarischer und ökonomischer Sprechweisen seine Figuren als Produkt dieser Diskurse hervortreten lässt, an die avantgardistische Roman-
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tradition an. Merkel bietet hingegen relativ traditionell aus der Perspektive eines etwas naiven Ich-Erzählers staunend, narrativ und mimetisch die Prozesse der neuen Medienwelt dar. Im Gegensatz zu Händlers Roman, in dessen Fokus der industriell produzierende, mittelständische Konzern Voigtländer steht, spielt Merkels Text in der Werbeagentur GFPD, die sich als Teil der New Economy durch die Immaterialität ökonomischer Werte auszeichnet und so von vornherein wirtschaftliche Zusammenhänge in den Kontext des Ästhetischen rückt. Insgesamt nimmt Händlers Text neben der Sphäre der Fabrik andere ökonomische Arbeitsfelder und ihre Diskurse in den Blick, wie etwa Managementtheorie, die Werbeagentur von Angel und Drifter und den Immobilienmarkt, und eröffnet somit im Verhältnis zum Jahr der Wunder ein breiteres Spektrum des Ökonomischen. Und doch weisen beide Romane gemeinsame Topoi, Strukturen und literarische Verfahren auf, die für die gegenwärtige literarische Auseinandersetzung mit der wirtschaftlichen Lebenswelt charakteristisch erscheinen und sich an diesen paradigmatisch aufzeigen lassen.
Händlers Text scheint zunächst durch das ökonomische Austauschsystem determiniert zu sein. Er vollzieht durch die Aneignung und die Zirkulation literarischer Stile und ökonomischer Diskurse eine literarisch-ökonomische Verzinsung des vorhandenen diskursiven Kapitals und stellt explizit mannigfaltige wirtschaftliche Theorien und Argumentationsmuster aus. Seine Poetologie auf der Schwelle zwischen Literatur und Nicht-Literatur verbindet die Ausstellung ökonomischer Diskurse mit poetologischer Reflexion. Merkels Text wirkt hingegen als Beleg für die These des New Economic Criticism, dass die Wirtschaft narrativen Mustern und poetischen Prinzipien folgt und ihr deshalb mit einer literaturwissenschaftlichen Methodik zu Leibe gerückt werden kann. Ein genauer Blick macht jedoch deutlich, dass sich die Romane nicht in die starre Dichotomie „Literatur funktioniert ökonomisch“ bei Händler und „Ökonomie ist nichts anderes als das Erzählen von Geschichten“ bei Merkel hineinzwängen lassen, sondern dass sie die gegenseitige Durchdringung beider Bereiche aufzeigen. Die Vereinung dieser Elemente macht sie erst interessant. Einerseits scheint bei Händler die diskursive Konstruktion des Ökonomischen sowie die ästhetische Produktivität gerade der industriellen Prozesse durch, andererseits läuft bei Merkels Roman die monetäre und ökonomische Strukturierung der scheinbar rein ästhetischen und entpragmatisierten Agenturwelt ständig mit.
Im Folgenden möchte ich den Aufbau und die Vorgehensweise der Arbeit transparent machen. In einem methodologischen Teil stelle ich zunächst die spezifische Herangehensweise der Arbeit heraus und grenze diese von bereits vorliegenden Untersuchungen ab. Dabei zeige
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ich, auf welcher methodologischen Grundlage Parallelen zwischen Narration, Metaphern und sprachlichen Zeichen einerseits und der Logik monetärer Zeichen, der Ökonomie und des Tausches andererseits ausgemacht werden können. Der literarische Text wird als ein aus ökonomischen Diskursfäden gebildetes Gewebe erkennbar, das durch die Aneignung ökonomischer Sprechformationen und Theorien ein poetologisches Wissen über das Wirtschaftliche hervorbringt. Als theoretische Grundlage der Debatte dient der Forschungsansatz des New Economic Criticism, der als interdisziplinärer Zugang den Dialog zwischen Wirtschafts- und Literatur- bzw. Kulturwissenschaften befördert.
Nach den methodischen Vorbemerkungen wird die Verflechtung der Autoren mit dem Feld des Ökonomischen aufgezeigt, die Forschungssituation zu den literarischen Texten umrissen und jeder Roman kurz vorgestellt.
Im ersten Abschnitt des Hauptteils (3) arbeite ich die Dialektik zwischen der Präsentation von Wirtschaft als Erzählung und der ökonomischen Kodierung des Poetischen auf der inhaltlichen Ebene der literarischen Texte heraus. Einerseits sollen die Romane in einer vergleichenden Perspektive daraufhin betrachtet werden, inwiefern sie die literarischen, fiktionalen Komponenten ihres wirtschaftlichen Gegenstandes herausstellen und inwiefern sie nicht nur der immateriellen, sondern auch der industriellen Ökonomie fiktionale Aspekte zuschreiben. Nach einem Exkurs zur Werttheorie in Simmels Philosophie des Geldes und in der Neoklassik findet andererseits die ökonomische Durchdringung literarischer Formen des Selbstausdrucks sowie ihre Implikationen für den Subjekt- und Intersubjektivitätsdiskurs Beachtung. Darüber hinaus führen das Scheitern des Literarischen als Gegenmodell zu einer wirtschaftlich determinierten Lebenswelt und das ökonomische Kalkül subjektiver und intersubjektiver Prozesse zu der Frage, welche Auswege aus dem ökonomischen System die Texte aufzeigen und inwiefern auch ihre eigene ästhetische Form sich einer monetären Verrechnungslogik bedient oder dieser entgegensteht.
Nach einer Skizzierung der ästhetischen Implikationen der relationalen Werttheorie soll deshalb im zweiten Abschnitt des Hauptteils (4) die Dialektik zwischen der monetären bzw. ökonomischen Poetik der Texte und der durch literarische Verfahren ästhetisierten Ökonomie auf der formalen Ebene an den literarischen Texten getrennt herausgearbeitet werden. Dabei stehen zwei Fragen im Mittelpunkt: 1) Inwiefern beeinflusst die Auseinandersetzung mit dem wirtschaftlichen Diskurs in der Literatur das poetische Verfahren beider Texte und inwiefern können ökonomische Theorien und Konzepte für die Beschreibung der literarischen Strategi-
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en fruchtbar gemacht werden? 2) Wie werden im Gegenzug die Wirtschaftswelten der Romane durch literarische Strategien ästhetisiert? Und inwiefern lässt die Poesie durch diese Ästhetisierung des Ökonomischen die fiktionale, imaginäre Potentialität der Wirtschaft und des Geldes hervortreten und produziert somit ein spezifisch literarisches Wissen über wirtschaftliche Zusammenhänge?
Ich stelle dabei die These auf, dass gerade die monetäre, ökonomische Funktionsweise der Romanverfahren in beiden Texten zu einer Ästhetisierung der Wirtschaft und einer ökonomischen Verschwendungslogik führt und daher beide Aspekte als zwei Seiten einer Medaille ständig ineinander umschlagen.
Am Ende der Arbeit wird mit Simmels Begriff des Superadditiums abschließend der Frage nachgegangen, inwiefern wirtschaftlichen Phänomenen wie dem Geld über die Ästhetisierung im literarischen Medium hinaus nicht schon an sich eine imaginäre, fiktionale Potentialität zukommt, die sich in den literarischen Texten auf inhaltlicher und formaler Ebene widerspiegelt.
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2 Methodologie und Vorstellung der Romane
2.1 Methodologische Vorbemerkungen:
Zum Verhältnis von Literatur und Ökonomie
Traditionell gelten die Wirtschafts- und Literaturwissenschaften als getrennte und voneinander unabhängige Bereiche, zumindest wenn es nach dem Selbstverständnis beider Disziplinen geht. Und wenn überhaupt ein Verhältnis zwischen beiden angenommen wird, so ist es meist das der Opposition. Die „Geisteswissenschaftler, die ja nicht umsonst so heißen wollen, [halten es] lieber mit dem Geist als mit dem unfeinen, geistlosen, ja schnöden Mammon“ 1 , um die Unabhängigkeit der Literatur von wirtschaftlichen Zwängen zu behaupten. Und Wirtschaftswissenschaftler grenzen ihren eigenen, als pragmatisch, objektiv und positiv verstandenen Arbeitsbereich gern vom literarischen als einem schöngeistigen, beliebigen, unpragmatischen und unwissenschaftlichen ab.
Doch trotz dieser vermeintlichen Dichotomie häufen sich in den letzten Jahren in den Literaturwissenschaften die Untersuchungen zu ökonomischen Aspekten in der Literatur. 2 In dem Bewusstsein, dass auch die Trennung zwischen faktischem Wissen und Fiktionalem ihren konkreten historischen Ort hat, wird verstärkt versucht, beide Bereiche zusammen zu denken. Vor allem Texte aus dem Mittelalter 3 sowie aus der Epoche der Klassik 4 und der Romantik 5
1 Jochen Hörisch: Kopf oder Zahl. Die Poesie des Geldes. Frankfurt am Main 1996, S. 22.
2 Als klares Anzeichen für das neue Interesse der Literaturwissenschaft an der Interaktionen von Literatur und Ökonomie muss die Häufung von Tagungen und Konferenzen zum Thema gedeutet werden: Vgl. u.a. „Denn wovon lebt der Mensch?“ Literatur und Wirtschaft - eine Bestandsaufnahme. Öffentliche Vortragsreihe, 10.04.2007 - 10.07.2007, Universität Hamburg. Und: Literarische Kritik der ökonomischen Kultur. Zur Rückkehr der Arbeitswelt in die Gegenwartsliteratur. Literaturtage des Zentrums für Literaturforschung (ZfL) Berlin in Kooperation mit dem Literaturhaus Berlin, 27. und 28. Januar 2006 im Literaturhaus Berlin.
3 Vgl. z.B. Udo Friedrich: Trieb und Ökonomie. Serialität und Kombinatorik in mittelalterlichen Kurzerzählungen, in: Mark Chinca (Hg.): Mittelalterliche Novellistik im europäischen Kontext. Kulturwissenschaftliche Perspektiven. Berlin 2006, 48-75. Oder: Jan-Dirk Müller: Gottfried von Straßburg Tristan. Transgression und Ökonomie, in: Gerhard Neumann (Hg.): Transgressionen. Literatur als Ethnographie. Freiburg im Breisgau 2003, S. 213-242.
4 Steffen Martus: Verbrechen lohnt sich. Die Ökonomie der Literatur in Schillers Verbrecher aus Infamie, in: Euphorion 99 (2005), H. 1/2, S. 243-271. Oder: Thomas Wegmann: Tauschverhältnisse. Zur Ökonomie des Literarischen und zum Ökonomischen in der Literatur von Gellert bis Goethe. Würzburg 2002. Oder: Margrit Fiederer: „Wenn die Herzen im Preise steigen“. Ökonomische Motive in Schillers Kabale und Liebe, in: Lenka Vanková/ Pavla Zajícová (Hg.): Aspekte der Textgestaltung. Referate der Internationalen Germanistischen Konferenz Ostrava 15.-16.Februar 2001. Ostrava 2001, S. 353-364. Oder: Heiner Weidmann: Ökonomie der „Großmuth“. Geldwirtschaft in Lessings Minna von Barnhelm und Nathan dem Weisen, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 68 (1994), H.3, S. 447-461.
5 Sebastian Gießmann: Die Romantik und das Unendliche. Grenzgänge zwischen Ästhetik und Ökonomie, in: Weimarer Beiträge 52 (2006), H. 2, 165-190. Oder: Christian Becker: Ökonomie und Natur in der Romantik. Das Denken von Novalis, Wordsworth und Thoreau als Grundlegung der ökologischen Ökonomik. Marburg 2003. Oder: Maren Jochimsen: Poesie und Ökonomie im mittelalterlichen „Zwielicht“. Die Bedeutung der Mit-
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erfreuen sich bei den Interpreten von ökonomischen Phänomenen im Poetischen großer Beliebtheit, allen voran Goethes Werke. 6 Doch nicht nur in der Analyse literarischer Texte scheint die Wirtschaft eine zunehmende Rolle zu spielen, auch literatur- und kulturwissenschaftliche Theorien bedienen sich immer häufiger einer ökonomischen Metaphorik, um ästhetische Phänomene zu beschreiben. Es stellt sich daher die Frage, worin für die literaturwissenschaftliche Beschäftigung mit der Poesie selbst der Mehrwert in der Verwendung einer wirtschaftlichen Bildlichkeit liegt und welche Zusammenhänge diese beschreiben kann, die zuvor, mit Metaphern aus anderen Bildbereichen, nicht deutlich gemacht werden konnten. Auf eine detaillierte Darstellung und Typologisierung aller vorherrschenden theoretischen Ansätze zur Klärung des Verhältnisses zwischen Ökonomie und Literatur soll an dieser Stelle verzichtet werden. 7 Vielmehr bezieht die Arbeit in den einzelnen Abschnitten ausgewählte Theorien ein, die für ihr spezielles Erkenntnisinteresse von Bedeutung sind. Deshalb soll im Folgenden die spezifische methodologische Herangehensweise der Arbeit herausgestellt und von bereits vorliegenden Untersuchungen abgegrenzt werden. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, auf welcher methodologischen Grundlage Parallelen zwischen Narrativen, Metaphern und sprachlichen Zeichen einerseits und der Logik monetärer Zeichen, Ökonomie und Tausch andererseits ausgemacht werden können.
Angesichts der zunehmenden Beschäftigung mit Ökonomie in der Literaturwissenschaft kann nicht mehr die Rede davon sein, dass die Beschäftigung mit ökonomischen Aspekten in der Poesie allein eine außergewöhnliche Erscheinung in der aktuellen Diskussion darstellt. Die vorliegende Arbeit unterscheidet sich jedoch deutlich von den bisherigen Ansätzen in zwei Punkten, die sich wechselseitig bedingen. Erstens untersucht sie mit den Romanen von Händler und Merkel ausdrücklich zwei literarische Texte der Gegenwart, die, wie bereits herausgestellt, mit ökonomischen Zusammenhängen deutlich anders umgehen als etwa die Literatur der siebziger Jahre. Zweitens ergeben sich aus dem gewählten literarischen Gegenstand me-
telalterrezeptionim Heinrich von Ofterdingen von Novalis für den Umgang mit der Natur in der Ökonomie heute, in: Ulrich Müller und Kathleen Verduin (Hg.): General Conference on Medievalism. Gesammelte Vorträge des 5. Salzburger Symposiums (Burg Kaprun, 1990). Göppingen 1996, 83-94.
6 Norbert Christian Wolf: Gegen den Markt. Goethes Etablierung der „doppelten Ökonomie“, in: Thomas Wegmann (Hg.): Markt - literarisch. Bern 2005, S. 59-74. Oder: Mathias Mayer: Ökonomie und Verschwendung in der klassischen Lyrik Goethes. Episteln und Amyntas, in: Goethe-Jahrbuch 122 (2005), 62-75. Oder: Joseph Vogl: Nomos der Ökonomie. Steuerungen in Goethes Wahlverwandtschaften, in: MLN 114 (1999), N.3, S. 503-527.
7 Eine umfangreiche, teils chronologische, teils systematische Aufarbeitung des Forschungsstandes findet sich bei Bernd Blaschke: Der homo oeconomicus und sein Kredit bei Musil, Joyce, Svevo, Unamuno und Céline. München 2004, S. 37-106. Des Weiteren bietet die Einleitung des Sammelbandes zum New Economic Criticism. einen guten Überblick über verschiedene Zugänge zum Thema: Martha Woodmansee/ Marc Osteen: Taking account of the New Economic Criticism. An historical introduction, in: Martha Woodmansee/ Marc Osteen (Hg.): The New Economic Criticism. Studies at the Intersection of Literature and Economics. London 1999, S. 3-50.
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thodische Konsequenzen für die literaturwissenschaftliche Analyse, da sich das ambivalente Verhältnis der zeitgenössischen Literatur zur Ökonomie, das zwischen Faszination und Kritik oszilliert, nicht mehr mit marxistischen Termini adäquat fassen lässt. Im Gegensatz dazu zeichnet sich in vielen Ansätzen ein literarisches Verständnis des Ökonomischen ab, das sich an der marxschen Arbeitswertlehre orientiert und auf die Entwicklung der wirtschaftswissenschaftlichen Diskussion der letzten hundertfünfzig Jahre kaum eingeht. So bemerkt auch Deirdre McCloskey: „[T]he trouble with most literary critics who claim to do economic criticism is that their understanding of economics too often ends with Marx“ 8 . Die Verwendung marxistischer Kategorien mag für die Betrachtung historisch ferner literarischer Texte angemessen sein, in die der Diskurs des Marxismus explizit einging. Die Behandlung zeitgenössischer Literatur erfordert jedoch eine genaue Auseinandersetzung mit aktuellen ökonomischen Diskursen sowie mit deren poetischer Verarbeitung. Zwar soll es nicht darum gehen, die neoklassische Theorie den Romanen aufzuoktroyieren und so zusätzliche alternative Bedeutungsbereiche als abseitig auszuschließen, die gerade aus der spezifischen Transformation ins Poetische entstehen. Da Literatur gleichsam ein Reservoir bildet, in dem auch das Andere des Diskurses, das Abseitige und Ausgeschlossene bewahrt wird, können die literarischen Texte nicht als reine Abbildung und Darstellung der neusten ökonomischen Theorien betrachtet werden. Jedoch ist es „legitimate to ask […] about the relation of these formulations to the concepts and constructs of economic theory proper, or at least to what can be regarded as ‚official’ economic discourse“ 9 , wird doch auch in diesen Diskursen spezifische Erkenntnis über wirtschaftliche Fragen gewonnen, die mit einer Poetologie des ökonomischen Wissens in einem Austauschverhältnis steht. Anders als es der New Historicism jedoch selbst fordert, werden ökonomische Texte und Diskurse von Literaturwissenschaftlern meist gerade nicht in ihrer Partikularität betrachtet 10 , sondern die genaue Beschaffenheit dieser ökonomischen Sprechweisen als nebensächlich vernachlässigt. Um beurteilen zu können, ob es wichtig ist, die wirtschaftlichen Exkurse eines literarischen Textes inhaltlich zu verstehen und mit den aktuellen ökonomischen Diskursen zu konfrontieren, muss zunächst die Frage beantwortet werden, welche Funktion diesen Passagen zukommt. Sollen sie durch ihre dem Laien unzugängliche Terminologie nur auf die Geschlossenheit des Diskurses und die Leere und Formelhaftigkeit der Begriffe verweisen oder kommt ihnen vielmehr eine poetische Funktion zu,
8 Jack Amariglio/ David F. Ruccio: Literary/ Cultural „Economies“, Economic Discourse, and the Question of Marxism, in: Martha Woodmansee/ Marc Osteen (Hg.): The New Economic Criticism. Studies at the Intersection of Literature and Economics. London 1999, S. 381-400, hier S. 382.
9 Amariglio/ Ruccio: Literary/ Cultural „Economies“, S. 381.
10 Zum Begriff der Partikularität im New Historicism und dem Verständnis von Kultur als Text vgl. Louis A. Montrose: Die Renaissance behaupten. Poetik und Politik der Kultur, in: Moritz Baßler (Hg.): New Historicism. Literaturgeschichte als Poetik der Kultur. 2., aktualisierte Aufl. Frankfurt am Main 2001, S. 60-93.
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die die literarischen Texte erst durch den Einbezug dieser ökonomischen Diskurse realisieren können? Die Auffassung, in der Literatur werde nur die Hermetik wirtschaftlichen Sprechens ausgestellt, greift zu kurz. Sie ist das Ergebnis eines fehlenden Verständnisses der vielfältigen Beziehungen zwischen den Disziplinen der Literatur- und Wirtschaftswissenschaft, das es ja gerade zu überwinden gilt. Literaturwissenschaftler schließen etwa mythologische, psychoanalytische oder kunsthistorische Bezüge, die eine Verwandtschaft mit dem literaturwissenschaftlichen Feld aufweisen, nicht mit der Begründung aus der Interpretation aus, dass sie für die Allgemeinheit nicht zugänglich und unverständlich sind. Ganz im Gegenteil machen sie sich in akribischen Lektüren die Mühe, diese Diskurse zunächst detailliert anhand von einzelnen Texten herauszuarbeiten. Das Interessante scheint deshalb eher in der Frage zu liegen, warum die literaturwissenschaftliche Analyse dem ökonomischen Diskurs nicht auch von vornherein die gleiche Aufmerksamkeit schenkt, sondern dieser sofort mit Phrasenhaftigkeit, Rhetorik und einem inflationären Gebrauch von mehr oder minder bedeutungslosen Begriffen verbunden wird. In dieser Arbeit soll daher, dem Ansatz des New Economic Criticism folgend, die Perspektive beider Bereiche, der Ökonomie, verstanden als diskursive Wissenschaft, und der Literatur als Produzent von alternativem ökonomischen Wissen, eingenommen werden. So kann sowohl die literarische als auch die ökonomische Produktion von Wissen über wirtschaftliche Zusammenhänge berücksichtig werden.
Zunächst möchte sich die Studie vom Ansatz und Erkenntnisinteresse der ideologiekritischen, soziologischen und marxistischen Literaturanalyse abgrenzen. Während sich die marxistische Literaturwissenschaft vornehmlich auf die Untersuchung von Produktion, Arbeit und Ware in literarischen Texten konzentriert und mit den zentralen Kategorien der Entfremdung und Verdinglichung arbeitet 11 , operiert die vorliegende Betrachtung mit dem Begriff des ‚Monetären’ nach Simmel und mit ökonomischen Modellen aus der neoklassischen Theoriebildung. Hierbei handelt es sich jedoch nicht nur um unterschiedliche Gegenstände der Betrachtung, sondern darüber hinaus auch um ein gewandeltes Verständnis der Repräsentation und der Beziehung zwischen Signifikant und Signifikat. Dieses ist im Kontext des Paradigmenwechsels im ökonomischen Diskurs von der Arbeitswertlehre zur subjektiven Wertlehre zu verorten. Während erstere den Wert und damit auch den gerechten Preis eines Gutes an der Summe der in der Ware vergegenständlichten Arbeit bemisst und damit von einem absoluten individuellen Wert ausgeht, orientiert sich letztere an einem relationalen Wertbegriff, bei dem der Wert aus dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage gebildet wird. In der Neoklassik ergibt sich der Wert einer Ware demnach aus der individuellen Bedürfnisbefriedigung, die dem Individuum
11 Vgl. Blaschke: Der homo oeconomicus und sein Kredit, S. 42.
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aus dem Konsum des Gutes erwächst, aus der Beziehung des Subjekts zum Produkt, und nicht etwa aus einem dem Wesen des Gutes inhärenten, unveränderlichen Wert. Des Weiteren wird ein Verständnis von Literatur als Phänomen des Überbaus abgelehnt, das nur die materiellen, wirtschaftlichen Verhältnisse des Unterbaus abbilden und widerspiegeln könne. 12 Die Lektüre soll sich weniger an einem ideologiekritischen Erkenntnisinteresse ausrichten, das häufig die Gefahr in sich birgt, die Texte auf bestimmte politische Inhalte hin ‚abzuklopfen’, als vielmehr ihre spezifische Literarizität und genaue literaturwissenschaftliche Analyse im Blick behalten. Daher werden die Romane nicht als bloße Zurschaustellung menschlicher Entfremdung durch das internationale kapitalistische Wirtschaftssystem begriffen, sondern das Augenmerk richtet sich darauf, zu beobachten und zu beschreiben, in welchem Verhältnis ihr ökonomisches Sujet zur spezifisch ökonomischen Funktionsweise der Texte steht. Eine gute Alternative zur ideologiekritischen Literaturanalyse bietet ein theoretisches Modell wie der New Historicism, der sich als Praxis literaturwissenschaftlicher Renaissance-Forschung meist auf textuell verfasste literarische und historische Gegenstände konzentriert. Das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit geht dabei von einer Fragestellung aus, die Moritz Baßler in Bezug auf die Formulierung einer Cultural Poetics gestellt hat: „[A]ls was, auf welcher Basis, auf welchem methodischen Tableau [können] solche ‚lebensweltlichen’ Bezüge [wie die des wirtschaftlichen Austausches und der Geldwirtschaft] denn Objekte wissenschaftlicher Analyse und vergleichender Betrachtung“ 13 werden und mit einem literarisch-fiktionalen Text in Beziehung gesetzt werden? Baßler beruft sich zur Lösung dieser Frage auf einen semiotischen Kulturbegriff und versteht lebensweltliche, kulturelle und damit ökonomische Ereignisse und Handlungen als Texte aus Signifikanten, die im System der Kultur Bedeutung tragen und hervorbringen. Also lautet die Antwort in Hinblick auf die vorliegende Arbeit, dass ökonomische und literarische Phänomene auf einer textuellen Ebene des Vergleiches in Anlehnung an das Verständnis des New Historicism gemeinsam betrachtet werden können. Der Ansatz des New Historicism untersucht „die Herkunft der sprachlichen, inhaltlichen und rhetorischen Elemente von Kunstwerken“ und verfolgt „die ‚Fäden’, die aus den unterschiedlichsten kulturellen Bereichen in einen Text hinein[] und auch wieder aus ihm hinaus[führen]“ 14 . Der partikulare literarische Text wird dabei in den Bezug zu jeweils einzelnen geschichtlichen, philosophischen, ökonomischen und populären Texten gestellt, um verallgemeinernde, vereinfachende Metanarrationen über eine Epoche zu vermeiden, die problematische und abwei-
12 Vgl.ebd. zu Lukács, S. 43f.
13 Moritz Baßler: New Historicism, Cultural Materialism und Cultural Studies, in: Konzepte der Kulturwissenschaften. Theoretische Grundlagen - Ansätze - Perspektiven. Hrsg. von Ansgar Nünning und Vera Nünning. Stuttgart 2003, S. 132-155, hier S. 148.
14 Baßler: New Historicism, S. 134.
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chende Strömungen ausblenden. So erscheint das einst als autonom angenommene literarische Kunstwerk als Teil eines umfassenderen Textes der Kultur, als eingebunden in den Zusammenhang eines Feldes synchroner Texte, die an dem Diskurs einer Zeitspanne partizipieren. Der Vorteil der literaturwissenschaftlichen Methode des New Historicism liegt durch seinen semiotischen Kulturbegriff vor allem in der Möglichkeit, auch den Diskurs populärer oder wissenschaftlicher Texte (z. B. der ökonomischen Theorie) in der Poesie aufzuspüren, die zuvor nicht im Zusammenhang mit Literatur gesehen wurden. Deshalb sollen in der vorliegenden Arbeit ökonomische Theorien als Teile des Textes der Kultur begriffen werden, mit denen die Literatur in einem Austauschverhältnis steht.
So ergibt sich ein Dialog zwischen den Disziplinen, der für beide Seiten fruchtbar ist. Durch die ökonomische Neu-Kontextualisierung von Poesie kann nicht nur die Interpretation zu völlig neuen Lesarten gelangen, sondern auch die Partizipation der Literatur an gesellschaftlichen Diskursen, ja sogar deren Formung und Beeinflussung durch die poetische Reflexion offen gelegt werden. 15 So sieht auch Greenblatt den Mehrwert einer solchen Lektüre in einer Aufladung literarischer Texte mit social energy und bedient sich selbst zur Beschreibung des Text-und Literaturbegriffs des New Historicism einer ökonomischen Metaphorik. Er begreift literarische Texte als „ein subtiles, schwer faßbares Ensemble von Tauschprozessen, ein Netzwerk von Wechselgeschäften, ein Gedränge konkurrierender Repräsentationen, eine Verhandlung zwischen Aktiengesellschaften“ 16 . Gerade der ökonomische Diskurs, der in der Alltagswirklichkeit hochindustrialisierter, westlicher Nationen immer mehr an Bedeutung gewinnt, findet Eingang in poetische und literaturtheoretische Ausdrucksformen. Er bietet „a ready-made system of tropes and fictions about value, debt, money, and exchange that underpins not only its own practices and texts, but also literary discourses that are less obviously economic“ 17 . So haben wirtschaftliche Diskurse Anteil an der ästhetischen Gestaltung literarischer und kulturwissenschaftlicher Texte und laden diese mit kultureller Energie auf. Unter diesen Voraussetzungen dient der poetische Text nicht nur als Schauplatz wirtschaftlicher Diskursformationen, umgekehrt ist auch die Literatur als “Wissensspeicher“ 18 aktiv an der Produktion ökonomischen Wissens beteiligt: „Eine Literaturgeschichte, die als Problemgeschichte prozediert, wird nicht nur Wissen über Literatur, sondern das Wissen von und in Literatur versammeln.“ 19 In der Poesie können die moralischen, religiösen und mythischen
15 Vgl. ebd., S. 136.
16 Stephen Greenblatt: Verhandlungen mit Shakespeare. Innenansichten der englischen Renaissance. Berlin 1990, S. 12.
17 Woodmansee/ Osteen: Taking account of the New Economic Criticism, S. 14.
18 Hörisch: Kopf oder Zahl, S. 47.
19 Ebd., S. 48.
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Momente und Konnotationen wirtschaftlicher Begrifflichkeit hervortreten, die der scheinbar eindimensionale technische Terminus mittransportiert. So begreift auch Joseph Vogl in seinem Aufsatz Für eine Poetologie des Wissens den analytischen Begriff zum einen als diskontinuierlich in Hinblick „auf einen stets fluktuierenden Gegenstandsbereich, der keine Wissensvermehrung, keine asymptotische Annäherung an eine Wirklichkeit, sondern eine Wissensveränderung impliziert“, und zum zweiten als „ein Konglomerat aus verschiedenen Aussagen und Praktiken“ 20 . Da das historische Faktum sich als Ergebnis einer kollektiven Produktion konstituiere, die „allerdings weniger dem Modell intersubjektiver Verständigung als einem physikalischen Kraftfeld mit relativer Stabilität entspricht“ 21 , könne auch die Produktion von außerliterarischer Erkenntnis als poetologischer Prozess verstanden werden. Die von Vogl konstatierte Poetologie des Wissens sucht deshalb, den „eigenen performativen Charakter, eigene Formen der Darstellung und der Inszenierung“ 22 jeder Wissensform, sei es die literarische oder die ökonomische, zu erfassen. Da „[j]eder literarische Text [...] [somit] seine Poetologie des Wissens“ schreibe, müssen Vogl zufolge Wissenschaft und Poesie als gleichberechtigte Formen der Wissensproduktion verstanden werden, die „in keiner vorhersagbaren und entschiedenen Relation“ 23 wie der von Text und Kontext, Stoff und Form oder gar der eines Abbildungsverhältnisses zueinander stehen.
Um jedoch nicht nur das wirtschaftliche Handeln, sondern auch die Wirtschaftstheorie als Teil des kulturellen Kontextes begreifen zu können, muss die Ökonomie als diskursiv geformte Kulturwissenschaft verstanden werden, die durch Narrative, Rhetorik und Metaphorik Bedeutung erzeugt. Ein solches Verständnis von Ökonomie vertritt der sogenannte New Economic Criticism, der im Kontext der (anglo)amerikanischen kulturwissenschaftlichen Diskussion in den Literaturwissenschaften zu verorten ist. Dieser Ansatz wurde in der deutschen Literaturwissenschaft, zumal für die Analyse zeitgenössischer Texte bisher kaum fruchtbar gemacht. Daher stellt die vorliegende Arbeit sowohl in methodischer Hinsicht als auch in Bezug auf den zeitgenössischen Gegenstand einen innovativen Impuls für die aktuelle literaturwissenschaftliche Forschung dar. Es handelt sich beim New Economic Criticism um einen interdisziplinären Forschungsansatz, der von amerikanischen Ökonomen und Literaturwissenschaftlern im Jahr 1994 auf einer Konferenz mit dem Titel The New Economic Criticism: Studies at the Intersection of Literature and Economics begründet wurde. Die Notwendigkeit und Relevanz einer solchen Konferenz drängte sich den Veranstaltern aus beiden Disziplinen aufgrund
20 Joseph Vogl: Für eine Poetologie des Wissens, in: Karl Richter/ Jörg Schönert/ Michael Titzmann (Hg.): Die Literatur und die Wissenschaften 1770 - 1930. Stuttgart 1997, S. 107-127, hier S. 114.
21 Vogl: Für eine Poetologie des Wissens, 115.
22 Ebd., S. 121.
23 Ebd., S. 124.
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zweier Beobachtungen in der heutigen Theorielandschaft auf: Auf der einen Seite lässt sich eine zunehmende Anzahl an literatur- und kulturwissenschaftlichen Theorien wahrnehmen, die sich auf ökonomische Paradigmen, Modelle und Metaphorik stützen. Auf der anderen Seite machen Ansätze innerhalb der Wirtschaftswissenschaften auf sich aufmerksam, die literarische und rhetorische Methoden zur Analyse ökonomischer Theorien verwenden, um deren narrative und metaphorische Konstruiertheit aufzuzeigen und offen zu legen. 24 Der New Economic Criticism verfolgt das Ziel, ein Forum für den interdisziplinären Austausch zwischen beiden Wissenschaften zu bieten, um gemeinsam “the existence and disclosure of parallels and analogies between linguistic and economic systems” 25 herausarbeiten zu können und so gegenseitig voneinander zu profitieren.
Innerhalb der Wirtschaftswissenschaften untersucht der New Economic Criticism unter Verwendung eines poststrukturellen Ansatzes „the use of metaphors in economic analysis“ 26 und identifiziert “dominant metaphors shaping economic arguments“ 27 . Ziel ist die Dekonstruktion der ökonomischen Theorie, die Offenlegung ihrer Annahmen und die Akzeptanz der diskursiven Konstruktion der Wissenschaft im Gegensatz zu ihrem Selbstverständnis, dem zufolge sie sich als positive, objektive Naturwissenschaft einstuft: „To claim that metaphors are fundamental to economic claims is trite [banal, abgedroschen, ACS] for those relatively few economists who think of knowledge as discursive.” Diese Vorgehensweise läuft dem Selbstverständnis der Wirtschaftswissenschaft, der von ihr behaupteten Objektivität, dem Positivismus sowie ihrer angeblich mathematischen und statistischen Überprüfbarkeit diametral entgegen. Noch immer herrscht die Überzeugung vor „that economists are convinced by facts (always established by careful observation […]) and logic (reliable, unemotional, and often intricate)“. In Bezug auf ökonomische Metaphorik stimmen wohl die meisten Wirtschaftswissenschaftler mit Hobbes überein, “that to use words metaphorically is to encourage deception, because we are thereby using words in senses different from what they really mean“ 28 und folgen der Annahme, dass sprachliche Bilder nur Ablenkungen von der soliden, wissenschaftlichen Grundlage durch Logik und Fakten darstellen. Wie der Aufsatz von Browne und Quinn zu Dominant economic metaphors and the postmodern subversion of the subject zeigt, bedient sich die Ökonomie zur Erläuterung ihrer Theorie jedoch ausgiebig literarischer Metaphern. Das prägnanteste Beispiel stellt die Robinsonade dar, die bestimmte, literarisch erzeugte und
24 Vgl. Woodmansee/ Osteen: Taking account of the New Economic Criticism, S. 3.
25 Ebd., S. 14.
26 M. Neil Browne/ J. Kevin Quinn: Dominant Economic Metaphors and the Postmodern Subversion of the Subject, in: Martha Woodmansee/ Marc Osteen (Hg.): The New Economic Criticism. Studies at the Intersection of Literature and Economics. London 1999, S. 131-149, hier S. 131.
27 Browne/ Quinn: Dominant Economic Metaphors, S. 134.
28 Ebd., S. 133.
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ökonomisch umgewertete Bedeutungen transportiert und deren Aufschlüsselung implizite Annahmen und Argumentationsstrukturen der Ökonomie transparent machen könnte. Ein Dialog mit der Literaturwissenschaft kann somit - im besten, wenn auch noch hypothetischen Fall - ebenso der Volkswirtschaftslehre neue Erkenntnisse über ihre eigenen Verstehenshorizonte und Denkweisen ermöglichen.
Als Vorreiterin des New Economic Criticism innerhalb der Wirtschaftswissenschaften gilt Deirdre McCloskey mit ihrem in den 80er Jahren begründeten wissenschaftstheoretischen Ansatz einer Rhetoric of Economics, der nach ihrem 1985 erschienenen gleichnamigen Buch benannt ist. In diesem beschreibt sie den ökonomischen Diskurs als „a language comprised of tropes, tales and other rhetorical devices that are literary and rhetorical rather than scientific or natural“ 29 . Aufgrund dieser radikalen These wurde sie trotz ihrer neoklassisch-liberalen Position in den eigenen Reihen heftig kritisiert. Ihr Ziel ist jedoch nicht etwa die revolutionäre Aushebelung der ‚neoliberalen’ Wirtschaftstheorie, sondern ein eher reformistisches, ‚bescheidenes’ Projekt, die ökonomische Disziplin durch eine literaturwissenschaftliche Methodik zu bereichern, um das Sprachbewusstsein der Wissenschaft zu stärken und die rhetorischen und argumentativen Fähigkeiten ihrer Vertreter zu erhöhen: „The purpose of thinking about how economists converse with each other is to help the field mature as a science, not to attack it.“ 30 Da laut McCloskey sowohl ökonomische Theorie als auch die Alltagskommunikation der Wirtschaft aus Sprechakten bestehen, hat die Ökonomie auch immer eine literarisch-ästhetische und rhetorische Dimension, die jedoch von der Neoklassik, der gegenwärtig vorherrschenden ökonomischen Denkschule, geleugnet wird. Dabei ist die Sprache der ökonomischen Wissenschaft für die Theoretikerin nicht nur auf sprachliche Zeichen beschränkt, sondern erstreckt sich auch auf andere Formen der Darstellung wie Nachfrage- und Angebotskurven, mathematische Gleichungen sowie Kreislaufdiagramme und statistische Tabellen, deren metaphorischer Gehalt zu analysieren sei 31 : „[M]athematical models and statistical test and market arguments, which look alien to the literary eye [...] [,] may be seen as figures of speech - metaphors, analogies, and appeals to authority.“ 32 (iconic turn) Des Weiteren seien „[e]conomists [...] tellers of stories“ 33 , da sie im Sinne des Formalismus ökonomische Geschichten mit gleichbleibenden Strukturelementen „as matters of beginnings, middles, and
29 Woodmansee/ Osteen: Taking account of the New Economic Criticism, S. 22.
30 Deirdre N. McCloskey: The Rhetoric of Economics. 2. Aufl. Madison/ London 1998, S. xx.
31 Vgl. zu dieser Argumentation auch Horst Bredekamps Beiträge zum iconic turn und zur metaphorischen Funktion von Diagrammen in Texten: Diagramme und bildtextile Ordnungen. Berlin 2005. Oder: Visuelle Argumentationen. Die Mysterien der Repräsentation und die Berechenbarkeit der Welt. München 2006.
32 McCloskey: The Rhetoric of Economics, S. xix.
33 Deirdre McCloskey: Storytelling in Economics, in: Dies.: Measurement and Meaning in Economics. The Essential Deirdre McCloskey. Hg. v. Stephan Thomas Ziliak. Cheltenham/ Northampton 2001, S. 204-221, hier S. 204.
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ends“ 34 erzählten, in denen ein gegebener Zustand durch ein Ereignis zu einer neuen Situation transformiert werde. 35 (narrative turn) Die von McCloskey favorisierte Art der Wirtschaftswissenschaft muss daher gemäß dem von ihr aufgestellten „rhetorischen Viereck“ Fakten und Logik sowie Narration und Metaphorik gleichermaßen einbeziehen: „Fact and logic also come into the economics in large doses. [...] But a serious argument in economics will use meta-phors and stories as well - not for ornament or teaching alone but for the very science.” 36 McCloskeys Rhetoric of Economics erfährt durch neomarxistische Theoretiker wie Amariglio und Ruccio, die sich von der marxistischen Annahme eines ontologischen gegebenen Wertkerns verabschiedet haben, eine Weiterentwicklung bzw. Modifikation und neue Zielsetzung. 37 Diese kritisieren vor allem McCloskeys These, dass eine Untersuchung der narrativen, metaphorischen und rhetorischen Momente der ökonomischen Theorie zwar die Bewusstheit der eigenen Wissenschaft erhöhen und so zu einer ‚Verbesserung’ der Argumentationsweisen der Neoklassik führen könne, deren Axiome und Annahmen wie z. B. die des ‚methodologischen Individualismus’ 38 jedoch unangetastet lasse. Dementsprechend wird McCloskeys Ansatz, obgleich für eine kritische Auseinandersetzung mit der Neoklassik bahnbrechend, als unzureichend eingestuft, da „it stresses only the form of argumentation while leaving the content untouched“ 39 . Amariglio und Ruccio zufolge hat eine Auseinandersetzung mit der diskursiven Konstruiertheit der Wirtschaftswissenschaften auch unmittelbare Auswirkungen auf die Konstitution, die Annahmen und das Selbstverständnis dieser Disziplin. Eine konsequente Verfolgung der Auswirkungen eines diskursiven Ökonomieverständnisses impliziere folglich
34 McCloskey: Storytelling in Economics, S. 212.
35 Diese These findet ihren Vorläufer in Hayden Whites geschichtswissenschaftlichem Ansatz, die Darstellung von historischen Zusammenhängen als immer auch durch poetologische Strukturen geformt zu begreifen. Vgl.: Hayden White: Das Problem der Erzählung in der modernen Geschichtstheorie, in: Pietro Rossi (Hg.): Theorie der modernen Geschichtsschreibung. Frankfurt am Main 1987. Oder: The Content of the Form. Narrative Discourse and Historical Representation, Baltimore [u.a.] 1987. dt. Die Bedeutung der Form. Frankfurt am Main 1990. Oder: Tropics of Discourse. Essays in Cultural Criticism, Baltimore 1978. dt. „Auch Klio dichtet“ oder die Fiktion des Faktischen. Studien zur Tropologie des historischen Diskurses. Stuttgart 1991.
36 McCloskey: The Rhetoric of Economics, S. 19. Ihre Annahme, dass die Verwendung von Metaphern und Narrativen im Sinne der aristotelischen Rhetorik zu einer moralisch ‚guten’ Wissenschaft führe und damit nicht nur als Technik der Überzeugungskraft, sondern darüber hinaus „als wissenschaftstheoretische Grundlagendisziplin [verstanden werden kann], die in der Instanz des ethos auch noch den moralischen Charakter der Person betrifft“ (Blaschke: Der homo oeconomicus und sein Kredit, S. 390f.) und ‚gute’ Menschen auch ‚gut’ sprechen lässt, halte ich allerdings für eher problematisch. Mit einer solchen Annahme ist m. E. eine moralische Wertung verbunden, die in Widerspruch zu McCloskeys konstruktivistischer, diskursiver Theorie steht.
37 Zu Amariglios und Ruccios These eines postmodernen Shifts in den Wirtschaftswissenschaften siehe: Jack Amariglio/ David F. Ruccio: Postmodern Moments in Modern Economics. Princeton/ Oxford 2003. Und: Jack Amariglio/ Stephen Cullenberg/ David F. Ruccio (Hg.): Postmodernism, Economics and Knowledge. London/ New York 2001.
38 Der methodologische Individualismus geht vom anthropologischen Modell eines rationalen, seine eigenen Interessen verfolgenden, Nutzen maximierenden Individuums aus und sucht, soziales Handeln vorwiegend als Ergebnis der Handlungen des Einzelnen zu erklären. Die wichtigsten Vertreter dieses Konzepts sind Popper und Hayek. Vgl. [Art.:] Methodologischer Individualismus, in: Gabler Wirtschaftslexikon. 16., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Bd. 3 K - R. Wiesbaden 2004, S. 2041f.
39 Woodmansee/ Osteen: Taking account of the New Economic Criticism, S. 26.
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eine Infragestellung des positivistischen Wissenschaftsverständnisses, das durch den Begriff der ‚Überdetermination’, also der Vorstellung einer multikausalen Beeinflussung und Dialektik ökonomischer Phänomene ersetzt werden muss: „[S]ince all truths are plural and lack a definite essence, a full explanation for any circumstance, event or theory is impossible.“ 40
Als Kern der methodologischen Überlegungen lässt sich abschließend mit Kurt Heinzelman eine doppelseitige Relation festhalten, die changiert zwischen den poetischen, imaginativen Konzepten der Ökonomie (imaginative economics) und der Poesie, die den ökonomischen Diskurs als Strukturelement des Literarischen verwendet (poetic economics). Heinzelman definiert in seiner Studie The Economics of the Imagination den Begriff imaginative economics als „the way in which economic systems are structured, by means of the imagination, upon what are essentially fictive concepts“ 41 . Poetic economics beschreiben ihm zufolge entsprechend „the way in which literary writers use this fictive economic discourse [...] as an ordering principle in their own work” 42 . Diese dialektische Umschlagbewegung zwischen literarischen Aspekten des Ökonomischen und ökonomischen Aspekten des Literarischen zeichnet sich in beiden literarischen Texten in jeweils unterschiedlicher Gewichtung ab und durchzieht die einzelnen Ebenen der narrativen und strukturellen Analyse.
Des weiteren stützt sich der vorliegende Text zur theoretischen Fundierung der ästhetischen, fiktionalen und imaginären Momente des Ökonomischen im Allgemeinen und des Monetären im Besonderen sowie der ökonomischen Codierung literarischer Verfahren auf die Thesen der Philosophie des Geldes von Simmel. Simmels Theorie besitzt gerade deshalb besondere Aktualität und Relevanz für den Ausgangspunkt dieser Arbeit, da sie, etwa im Gegensatz zu Luhmanns Systemtheorie, die Annahme einer Entdifferenzierung der gesellschaftlichen Subsysteme aufstellt und sich durch diese Prämisse hervorragend mit dem Ansatz und Erkenntnisinteresse des New Economic Criticism verbinden lässt. Zum einen besitzt das Poetische Simmel zufolge auch außerliterarische, diskursive Aspekte, für deren Betrachtung eine ökonomische Perspektive relevant werden kann. Zum anderen begreift er die Nationalökonomie wie die postmoderne Bewegung innerhalb der Volkswirtschaftslehre nicht nur als Phänomen, das aus einem wirtschaftswissenschaftlichen Blickwinkel heraus Beachtung verdient, sondern hebt ausdrücklich deren außerökonomische Elemente, wie das Ästhetische und Psychologische, hervor:
40 Ebd., S. 26.
41 Kurt Heinzelman: The Economics of the Imagination. Amherst 1980, S. 11.
42 Heinzelman: The Economics of the Imagination, S. 11f.
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[W]ie ein Gedicht nicht nur eine litteraturgeschichtliche Tatsache ist, sondern auch eine ästhetische, eine philologische, eine biographische; wie überhaupt der Standpunkt einer Wissenschaft, die immer eine arbeitsteilige ist, niemals die Ganzheit einer Realität erschöpft - so ist, daß zwei Menschen ihre Produkte gegeneinander vertauschen, keineswegs nur eine nationalökonomische Tatsache; denn eine solche, d. h. eine, deren Inhalt mit ihrem nationalökonomischen Bilde erschöpft wäre, gibt es überhaupt nicht. Jener Tausch vielmehr kann ganz ebenso legitim als eine psychologische, als eine sittengeschichtliche, ja als eine ästhetische Tatsache behandelt werden. 43
Darüber hinaus lässt sich Simmels wertrelativistischer Ansatz, der die Konstitution von Wert und Bedeutung in der Relation des Begehrens zwischen Subjekt und Objekt anstatt im Ding an sich verortet, trotz zahlreicher Unterschiede zur Grenznutzentheorie der Neoklassik deutlich besser mit dieser vermitteln als etwa die marxistische Arbeitswertlehre. Die „grenzüberschreitende[], ja synthetisierende Blickrichtung Simmel[s]“ 44 erweist sich als besonders geeignet für die literaturwissenschaftliche Forschung. Diese Perspektive erlaubt es, das durch die Poesie produzierte Wissen über das Ökonomische zu entschlüsseln und die Beteiligung von Narration, Metaphorik und Rhetorik an der Konstitution des wirtschaftlichen Diskurses aufzuzeigen. Da in Anlehnung an Vogls Aufsatz (Wirtschafts-)Wissenschaft und Poesie als gleichberechtigte Formen der Wissensproduktion verstanden werden müssen, sind Händlers und Merkels Romane als Versuche zu interpretieren, eine Poetologie des ökonomischen Wissens zu schreiben, in der die verschiedenen, in der ökonomischen Disziplin verdrängten Bedeutungsschichten wirtschaftlicher Konzepte aufgefächert werden.
43 Georg Simmel: Philosophie des Geldes (1900). Gesamtausgabe Bd. 6. Hrsg. von David P. Frisby und Klaus Christian Köhnke. Frankfurt am Main 1989, S. 11.
44 Blaschke: Der homo oeconomicus und sein Kredit, S. 98.
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2.2 Biographische Bezüge, Forschungsstand und Vorstellung der Romane
Die Romane Das Jahr der Wunder 45 von Rainer Merkel (2001) und Wenn wir sterben 46 von Ernst-Wilhelm Händler (2002) sind, wie in der Einleitung bereits erläutert, geradezu prädestiniert für die Betrachtung des Zusammenhangs von Literatur und Ökonomie. Ihre hohe (ökonomische) Welt- und Wirklichkeitshaltigkeit macht die Analyse der Werke besonders im Zusammenhang mit der aktuellen literaturwissenschaftlichen Debatte über das Verhältnis von Poesie und Kultur interessant, weil sie außerliterarisches, ökonomisches Wissen in ihr ästhetisches Kalkül integrieren und es auf unterschiedliche Weise poetisieren. Zwar ist es im Rahmen einer literaturwissenschaftlich-interpretatorischen Analyse durchaus unüblich, die biographischen Verflechtungen der Autoren mit dem diskursiven Feld der Ökonomie aufzuzeigen. Jedoch erweist es sich aus einer diskursgeschichtlichen Perspektive heraus als interessant, welche Position beide Schriftsteller an der Schnittstelle zwischen den Diskursen Literatur und Wirtschaft einnehmen. Deshalb sollen einige interessante Aspekte über Händlers und Merkels Verhältnis zum ökonomischen Raum an dieser Stelle hervorgehoben werden.
Der biographische Bezug ist vor allem bei Händler deshalb spannend, weil er als Schriftsteller und Unternehmer Literatur und Ökonomie als interdependente Bereiche anerkennt und diese Einsicht in sein literarisches Schaffen einbezieht. Nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften und Philosophie in München übernimmt Händler als Geschäftsführer in Regensburg einen familieneigenen metallverarbeitenden Betrieb. Außerdem schreibt der Unternehmer seit 1995 sechs Romane, die in den Feuilletons der überregionalen Tageszeitungen „[v]ielbesprochen und hochgelobt“ 47 werden. 48 Darüber hinaus hat Händler eine Doktorarbeit über die Logische Struktur und Referenz von mathematischen ökonomischen Theorien 49 verfasst, in der er in Anlehnung an den Wissenssoziologen Kuhn einen diskursiven Ökonomiebegriff vertritt. Händlers darin ausgerückte Einsicht in die sprachliche Konstruktion wirtschaftlicher Zusammenhänge bildet einen weiteren Anknüpfungspunkt zum New Economic
45 Rainer Merkel: Das Jahr der Wunder. Frankfurt am Main 2001. Im Nachfolgenden wird aus dem Roman im fortlaufenden Text unter Nennung von (JdW, Seitenzahl) zitiert.
46 Ernst-Wilhelm Händler: Wenn wir sterben. Frankfurt am Main 2002. Im Nachfolgenden wird aus dem Roman im fortlaufenden Text unter Nennung von (WWS, Seitenzahl) zitiert.
47 Rolf Thym: Wie die Sprachwelten eines Unternehmers die Feuilletons erobern. Das Doppelleben des Ernst-Wilhelm Händler: Tagsüber leitet er eine Firma, nachts schreibt er Romane, in: Süddeutsche Zeitung (15./16.05.1999), S. 64.
48 Vgl. Joachim Unseld: Ernst-Wilhelm Händler. Einführung in eine „Grammatik der vollkommenen Klarheit“, in: Lutz Hagestedt/ Joachim Unseld (Hg.): Literatur als Passion. Zum Werk von Ernst-Wilhelm Händler. Frankfurt am Main 2006, S. 7-31, hier S. 7.
49 Ernst-Wilhelm Händler: Logische Struktur und Referenz von mathematischen ökonomischen Theorien. München 1980, S. I.
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Criticism und rückt so auch sein literarisches Werk und seine ästhetische Verarbeitung ökonomischer Theorien in den Kontext dieses methodischen Ansatzes. Somit vereint Händler nicht nur in seinem Roman, sondern auch in seiner beruflichen Existenz die als unverbunden angenommenen Bereiche des Literarischen und des Ökonomischen. Auch Merkel hat seine Erfahrungen mit der Arbeitswelt gesammelt. Nach dem Psychologie-Examen arbeitet er eineinhalb Jahre bei der renommierten Multimediaagentur Pixel Park, die während des New Economy-Booms der Neunziger in der Branche führend war und in kurzer Zeit stark expandierte, um dann zusammen mit der Börsenblase wenn nicht zu platzen, so doch zumindest wieder ‚zurechtzuschrumpfen’. Ein gewichtiger Unterschied zwischen den Autoren ist ihre Medienpräsenz. Während Merkel in Zeitung, Funk und Fernsehen, abgesehen von seiner Nominierung für den Ingeborg Bachmann-Preis 2001 durch Burkhard Spinnen, kaum präsent ist, spielt Händler nicht nur poetisch die Relation von Wirtschaft und Literatur durch, sondern weiß sich selbst als Experten für dieses Verhältnis medienwirksam zu inszenieren. So bezieht er regelmäßig in überregionalen Zeitungen (meist im Feuilleton) und auf den Kulturkanälen Stellung zu ökonomischen und kulturellen Fragen der Gegenwart. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Das Jahr der Wunder und Wenn wir sterben, gerade in vergleichender Perspektive, steht noch aus. Bisher veröffentlichte Beiträge zu den Romanen beschränken sich fast ausschließlich auf Rezensionen in überregionalen Tageszeitungen. Zu Merkels Roman existiert kein einziger wissenschaftlicher Aufsatz. Winkels eher feuilletonistisch anmutende, kurze Auseinandersetzung mit dem Text, dessen Lektüre sich ihm zufolge durch ein meditatives Gefühl der „Leere und zugleich der Leichtigkeit“ 50 auszeichnet und daher von Ellis’ und Beigbeders gewalttätigen, „zynisch[en] und hasserfüllt[en]“ 51 Verhandlungen der Werbewelt abgrenzt werden müsse, arbeitet nicht mit literaturwissenschaftlichen Kategorien. Bei Händler ist einzig ein Sammelband mit dem Titel Literatur als Passion 52 erwähnenswert, der aus einem 2004 von Händlers Verleger Joachim Unseld und Lutz Hagestedt veranstalteten Symposium hervorgegangen ist. Hinzu kommt ein Aufsatz von Sandra Pott mit dem Titel Wirtschaft in Literatur. ‚Ökonomische Wirtschaftssub-
50 HubertWinkels: Friede den Tischen. Rainer Merkels Roman Das Jahr der Wunder, in: Ders.: Gute Zeichen. Deutsche Literatur 1995-2005. Köln 2005, S. 280-287, hier S. 286.
51 Winkels: Friede den Tischen, S. 281. Winkels Behauptung, die Gewalttätigkeit des ökonomischen Systems spiele in Merkels Roman keine Rolle, lässt sich m. E. angesichts der militärischen, kämpferischen Metaphorik am Ende des Textes (vgl. JdW, 270-283) nicht aufrechterhalten. Vielmehr umreißt der Roman die wirtschaftlichen Kontrollmechanismen äußerst subtil und psychologisch feinfühlig und gesteht der Faszination für Ökonomie und für ihre imaginäre Kraft mehr Raum zu als dem desillusionierenden Zynismus.
52 Lutz Hagestedt/ Joachim Unseld (Hg.): Literatur als Passion. Zum Werk von Ernst-Wilhelm Händler. Frankfurt am Main 2006.
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jekte’ im Wirtschaftsroman der Gegenwart 53 . Die meisten Aufsätze und Rezensionen zu beiden Romanen konzentrieren sich jedoch vorwiegend auf eine am Inhalt orientierte Lektüre, die die narrativen, strukturellen sowie zeichentheoretischen Verbindungen zwischen Poesie und Ökonomie vernachlässigt. Weder werden detaillierte formale Analysen durchgeführt noch ökonomische Texte und Theorien konkret einbezogen. Die vorliegende Arbeit betritt somit nicht nur methodisches, sondern mit der Wahl der Werke auch literarisches Neuland. Es geht ihr (auch) darum, ein bisher wissenschaftlich noch kaum durchmessenes literarisches Gebiet, nämlich die an Ökonomie und Arbeitswelt interessierte Gegenwartsliteratur, zu erforschen. Zugleich müssen jedoch die methodischen Anforderungen ernst genommen werden, die der veränderte literarische Gegenstand durch seine ökonomische Welthaltigkeit an die Literaturwissenschaft stellt. Und vielleicht ist gerade das Fehlen einer Begrifflichkeit, mit der sich die Interaktion zwischen ökonomischen und literarischen Verfahren fassen ließe, ein Grund für die Forschungslücke, sträuben sich die Texte doch durch ihre Ambivalenz gegen rein marxistische Zugänge. Die vorliegende Arbeit sucht daher mit dem methodischen Ansatz des New Economic Criticism den Ansprüchen des literarischen Gegenstandes gerecht zu werden.
Doch worum geht es in den literarischen Texten, was passiert genau? Das ist in beiden Fällen aus unterschiedlichen Gründen nicht so genau zu sagen. In beiden Romanen stehen weniger die Handlung der Figuren oder die Entwicklung der Geschichte im Mittelpunkt, als vielmehr narrative Verfahren und Strukturen, die eine Paraphrasierung des Geschehens problematisch und wenig aussagekräftig werden lassen. Häufig ist auch der Status einer Passage (Imagination oder Beschreibung von Geschehnissen) nicht genau zu klassifizieren. Dennoch soll zur besseren Orientierung der Versuch unternommen werden, den Plot der Romane kurz zu umreißen.
Händlers Roman spielt Ende der neunziger Jahre in München. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen vier Frauen Mitte Vierzig, die als Führungspersönlichkeiten im industriellen Wirt-schaftssektor auf dem Höhepunkt ihrer beruflichen Laufbahn angekommen sind. Die erfolgreiche Managerin Charlotte will sich selbständig machen und erwirbt den mittelständischen Familienbetrieb Voigtländer, den sie zusammen mit der Vertriebsexpertin Stine und der Unternehmensplanerin Bär nach neusten betriebswirtschaftlichen Anforderungen an Management und Produktivität umgestalten und so konkurrenzfähig machen will. Stine wird zur Sprecherin des Konzerns ernannt, schnell jedoch von der neuen Macht korrumpiert: Sie will
53 Sandra Pott: Wirtschaft in Literatur. ‚Ökonomische Subjekte’ im Wirtschaftsroman der Gegenwart, in: KulturPoetik. Zeitschrift für kulturgeschichtliche Literaturwissenschaft 4 (2004), H. 2, S. 202-217.
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nun selbst die Firma besitzen und Charlottes Posten an sich reißen. Deshalb plant sie mit ihrem Lebensgefährten Egin, Charlotte durch ein verlustreiches Immobiliengeschäft derart zu schädigen, dass sie die Firma aus finanziellen Gründen an Stine verkaufen muss. Stines Intrige geht auf, Charlotte steht vor dem persönlichen und finanziellen Ruin. Anschließend wird Bär nach einem Mitarbeiterseminar entlassen, da sie sich Stine zufolge nicht mehr in das in-novationsorientierte Unternehmenskonzept integrieren lässt. Doch mit dem Besitz der Firma gibt sich Stine noch nicht zufrieden. Nach einem Besuch im Münchner Haus der Kunst beschließt sie, den ‚Global Breaker’, eine hochmoderne Schalttechnik zu entwickeln, durch die die Firma global expandieren könnte. Ein Joint Venture 54 mit dem internationalen Konzern D’Wolf, deren Chefin Milla Stine auf einer Industriemesse kennen lernt, soll Kapital für die Produktion zugänglich machen und dem neuen Schalter sowie Voigtländer den Zugang zum Weltmarkt eröffnen. Die Topmanagerin Milla geht auf Stines Vorschlag ein, jedoch hegen beide Zweifel an der Richtigkeit ihres Unternehmenszusammenschlusses und misstrauen ein-ander. Als Milla erfährt, dass Stines Freund Egin zwei ihrer Mitarbeiter mit dem Kauf einer wertlosen Ladenkette betrogen hat, beschließt sie, das Joint Venture und damit auch Stines Firma, ebenfalls durch einen Immobilienkomplott, in ihren Besitz zu bringen. Auf dem Grundstück, auf dem die Fertigungshalle des Joint Ventures errichtet werden soll und das Stine laut Vertrag in die Firma einbringen muss, liegen noch rechtmäßige Ansprüche früherer jüdischer Eigentümer, die auf Millas Empfehlung hin ihre Rechtsansprüche geltend machen. Der Beginn der Produktion verzögert sich um unbestimmte Zeit und Stine verstößt gegen den im Vertrag vereinbarten Zeitplan. So erhält Milla das Recht, vom Joint Venture zurückzutreten und Stine bleibt mit nicht gedeckten Kosten zurück, die sie zum Verkauf von Voigtländer an D’Wolf zwingen. Milla erreicht ihr Ziel, Stine ereilt ein ähnliches Schicksal wie zuvor Charlotte und Bär, das ökonomische Rad dreht sich weiter und weiter und weiter. Nur der
54 Ein Joint Venture ist eine „Kooperationsform selbständig bleibender Unternehmen […] zur Betreibung eines gemeinsamen Geschäftes“. Die Partner müssen ihre unterschiedlichen Beteiligungen, die sie in das Joint Venture einbringen, wie Kapital, Know-How oder Arbeitskräfte, sowie „ihre individuellen Ziele und Interessen vertraglich aufeinander abstimmen, da J[ointventures] nicht von einer Vertragspartei beherrschbar“ sind. ([Art.:] Joint Ventures, in: Wirtschaftslexikon. Hg. v. Dr. Dr. h. c. Artur Woll. 8., überarbeitete Aufl. München/ Wien 1996, S. 367.) Die Höhe der Kapitalbeteiligung beeinflusst das Ausmaß der Entscheidungsbefugnis der beteiligten Unternehmen im Joint Venture und damit auch die Machtverhältnisse innerhalb des Unternehmenszusammenschlusses. (Vgl. [Art.:] Joint Venture, in: Gabler Wirtschaftslexikon. 16., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Bd. 2 E - J. Wiesbaden 2004, S. 1616f.) Joint Ventures bieten eine Möglichkeit für Unternehmen, eine hohe Kontrolle über firmeninterne Prozesse zu behalten, „[to] ’unbundle’ the package of resources that accrues from […] investment“ und „[to enjoy] the benefits accruing from the import of capital and the transfer of managerial skills and technology […] without any loss of control of productive resources” (Nigel Grimwade: International Trade. New Patterns of Trade, Production & Investment. 2. Aufl. London/ New York 1990, S. 181.). Der unternehmerische Anreiz für die Gründung eines Joint Ventures liegt vor allem „in der Aufteilung des unternehmerischen Risikos auf zwei oder mehrere Partnerunternehmen“ sowie in der „Realisierung von Synergieeffekten und Wettbewerbsvorteilen“ ([Art.:] Joint Venture, in: Gabler. Bd. 2, S. 1617) durch die Zusammenführung des Know-Hows beider Konzerne.
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Anne-Christin Sievers, 2007, Schreibweisen des Ökonomischen in der deutschen Gegenwartsliteratur, München, GRIN Verlag GmbH
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Boylan Thomas, Thomas Boylan, Ruvin Gekker
Rational Choice and Social Welfare
Theory and Applications
Prasanta K. Pattanaik, Koichi Tadenuma, Yongsheng Xu, Naoki Yoshihara
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