Inhaltsverzeichnis
1. PROBLEMSTELLUNG UND GANG DER ARBEIT. 3
2. KULTURBEGRIFF 3
3. DAS VERHÄLTNIS VON KULTUR UND WIRTSCHAFT 4
3.1. KULTUR UND WIRTSCHAFT - AUTONOM ODER REZIPROK? 4
3.1.1 ABHÄNGIGKEIT DER KULTUR VON DER WIRTSCHAFT 5
3.1.2 DIE KULTUR ALS WIRTSCHAFTSZWEIG /-FAKTOR 6
3.1.3 DIE KULTUR ALS MOTOR DER KREATIVITÄT FÜR DIE WIRTSCHAFT 7
3.2. KULTUR ALS STANDORTFAKTOR FÜR DIE WIRTSCHAFT 8
3.2.1 BEGRIFFSBESTIMMUNG STANDORTFAKTOR 8
3.2.2 KULTUR ALS EINFLUSSGRÖßE BEI STANDORTENTSCHEIDUNGEN 9
3.2.3 KULTUR ALS FAKTOR FÜR DAS POTENTIAL AN QUALIFIZIERTEN ARBEITSKRÄFTEN
EINER REGION 10
3.2.4 KULTUR ALS IMAGEFAKTOR EINER REGION 10
3.2.5 KULTURANGEBOT IM VERGLEICH ZU ANDEREN (GROß-)STÄDTEN 11
4. STADTMARKETING ALS NOTWENDIGKEIT IN DER HEUTIGEN KOMMUNALEN
SITUATION 12
4.1. AUSGANGSSITUATION IN UND ANFORDERUNGEN AN KOMMUNEN. 12
4.2. STADTMARKETING - BEGRIFFLICHKEIT, ZENTRALE ZIELE, ZIELGRUPPEN 13
4.2.1 BEGRIFFLICHKEIT 13
4.2.2 ZENTRALE ZIELE 14
4.2.3 ZIELGRUPPEN 14
4.3. STADTMARKETING IM KONTEXT VON KULTURMANAGEMENT. 15
5. BRAUCHT KULTUR MANAGEMENT? 15
6. ZUSAMMENFASSUNG. 17
LITERATUR - UND QUELLENVERZEICHNIS 19
3
1. Problemstellung und Gang der Arbeit
In Zeiten der Globalisierung sind Kommunen einem immer mehr wachsenden Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Zum einen kämpfen sie um Anwohner, zum anderen um Unternehmen. In diesem Zusammenhang wird es zunehmend wichtiger, die jeweilige Stadt als Standort attraktiver zu gestalten. Von diversen weichen und harten Standortfaktoren ausgehend, rückt in der Literatur die Diskussion um Kultur in den Vordergrund. Die Diskussion dreht sich um die Frage, inwieweit Kultur die Attraktivität einer Stadt erhöhen kann und welche Zielgruppe davon primär betroffen ist. Hier wird die Frage aufgeworfen, inwieweit Kultur als Wirtschafts- und Standortfaktor Relevanz besitzt und ob ein gezieltes Marketing diese Faktoren zu einem Wettbewerbsvorteil manifestieren kann. Das Schlagwort des Kulturmanagements wird aufgegriffen.
Diese Ausarbeitung setzt sich kritisch mit dem Thema Kultur als Wirtschafts- und Standortfaktor sowie mit Stadtmarketing auseinander. Dafür wird in Kapitel zwei ein kurzer Überblick der herrschenden Kulturdefinitionen gegeben. In Kapitel drei wird auf das Verhältnis von Kultur und Wirtschaft eingegangen und Kultur als Wirtschafts- und Standortfaktor beleuchtet. Die Relevanz der Kultur für eine Kommune wird aufgezeigt. Daraus folgend stellt sich die Frage, inwieweit Kultur von der Kommune vermarktet werden kann und inwieweit Stadtmarketing dieses Ziel unterstützen kann. Im vierten Kapitel wird somit diskutiert, welche Ziele Stadtmarketing primär verfolgen sollte und welche Zielgruppen angesprochen werden können. Hier wird ebenfalls der Kontext zwischen Stadtmarketing und Kulturmanagement hergestellt. Kapitel sechs widmet sich einer kritischen Würdigung der Frage, ob Kultur Management benötigt. Die Arbeit schließt im sechsten Kapitel mit einer Zusammenfassung der wesentlichen Aspekte.
2. Kulturbegriff
Der Kulturbegriff unterliegt keiner einheitlichen Definition. Vielmehr ist dieser variabel und änderte sich im Laufe der Jahrhunderte. 1 Die Literatur unterscheidet zwischen dem normativen Kulturbegriff, der Kultur als geistig-moralische Verfassung oder als Moment des kritischen Selbstbezugs auffasst 2 und Kultur als gesellschaftlichem Teilgebiet der
1 Vgl. Heinrichs, Werner: Kulturmanagement, Kommunale Kulturarbeit - Kultur vor Ort, Fernuniversität-Gesamthochschule - Hagen. Hagen. 1992, S.22.
2 Vgl. Parcons, Talcott: Theories of society. Foundations of modern sociological theories. New York. 1961.
4
Postmoderne. Darin findet eine Ästhetisierung und Reflexivität von alltäglichen Lebensformen statt. Daraus entstehen ausdifferenzierte Konsumkulturen, die ausgehend von Trend setzenden Subkulturen das soziale Milieu der Mittelklasse prägen. 3 Die dritte Differenzierung ist holistischer Natur und in der Kulturanthropologie vorherrschend. Die in der Literatur vorherrschende klassische Definition des weit gefaßten Kulturbegriffes gab 1871 der britische Ethnologe Edward B. Tyler in seinem Hauptwerk „Primitive Culture“. Danach ist Kultur das komplexe Ganze, das aus Wissen, Glauben, Kunst, Moral, Recht, Sitten und allen anderen vom Menschen als Mitglied der Gesellschaft erworbenen Fähigkeiten und Gewohnheiten besteht. 4 Danach gehört zu Kultur die Wohn-, Eß- und Trinkkultur ebenso wie Goethes „Faust“.
Kultur als Bestandteil von Kulturmanagement beinhaltet jedoch weit weniger als Kultur im anthropologischen Sinne. Folglich ist es für diese Ausarbeitung am praktikabelsten den Kulturbegriff unter anderem auf kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte, Festivals, Ausstellungen und auf kulturelle Einrichtungen wie Theater, Museen, kommunale Galerien, Archive, Volkshochschulen, Bibliotheken, soziokulturelle Zentren, kommunale Kinos usw. zu verengen.
Diesen Kulturbegriff zugrunde legend, wird im folgenden Kapitel eingehend die Frage erörtert, ob die auf den ersten Blick unvereinbaren Pole, Kultur und Wirtschaft, doch zusammengehören, einander beeinflussen können oder gar in Abhängigkeit voneinander stehen.
3. Das Verhältnis von Kultur und Wirtschaft
3.1. Kultur und Wirtschaft - autonom oder reziprok?
Unter Wirtschaft soll hier „… die Gesamtheit der Unternehmen verstanden werden, die der Deckung des menschlichen Bedarfes an Sachgütern und Dienstleistungen dienen“. 5 Bei der Frage in welchem Verhältnis Kultur und Wirtschaft zueinander stehen, denkt man zunächst, dass es sich dabei um zwei Antipole handelt. Der Unterschied wird unter anderem als warm/ kalt oder Geld/ Idee benannt. Vergegenwärtigt man sich nochmals die Bedeutungen
3 Vgl. Jameson, Frederic: Postmodernism, or, the cultural logic of late capitalism. London. 1992.
4 Zitiert nach Heinz, Marco: Ethnizität und ethnische Identität. Eine Begriffsgeschichte. Mudus Reihe Ethnologie. Bd. 72. 1. Auflage. Bonn. Holos Verlag,, 1993. S.3.
5 Braun, Günther E., u.a.: Kultursponsoring für die kommunale Kulturarbeit. Grundlagen, Praxisbeispiele, Handlungsempfehlungen für Kulturmanagement und -verwaltung. Köln. Deutscher Gemeindeverlag Kohlhammer, 1996. S.
9.
5
der beiden Begrifflichkeiten, so kann man erst recht von zwei autonomen Bereichen sprechen. Denn „Kultur bedeutet, ‚meist eine freie Entfaltung des menschlichen Geistes ohne direkten materiellen Nutzen.’ Wirtschaft dagegen ist rational und zweckorientiert und dient der Befriedigung von Bedürfnissen mit Hilfe von Sachgütern und Dienstleistungen, die Geld kosten.“ 6 Die bestehenden Differenzen zwischen Kultur und Wirtschaft beziehen sich dabei im Wesentlichen auf
• „… Inhalte kultureller Leistungen einerseits und Inhalte von Sachgütern und Dienstleistungen andererseits: Wertorientierung der Kultur steht im Gegensatz zur Gebrauchsorientierung der Güter.
• Qualitätsstandards, die bei der Beurteilung von Kultur und Wirtschaft eine Rolle spielen: Wann ist z.B. ein Buch ‚gut’ und was definiert einen ‚guten’ PKW? • Entstehungsbedingungen von Gütern und kulturellen Leistungen: Güter werden überwiegend privat produziert. Als Veranstalter, Träger und Förderer kultureller Leistungen spielen Staat und Kommune eine bedeutende Rolle.“ 7 Somit stehen Kultur und Wirtschaft in einem Spannungsverhältnis zueinander. 8 Dieses Spannungsverhältnis kann insbesondere in den folgenden vier Feldern vorliegen: • Kultur steht in Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Situation, • Kultur ist selbst ein bedeutender Wirtschaftszweig, • Kultur ist Motor der Kreativität für die Wirtschaft und • Kultur ist Standortfaktor für die Wirtschaft.
In den folgenden Kapiteln wird jedes dieser Felder dezidiert erklärt und somit die Bedeutung von Kultur als Wirtschaftsfaktor hervorgehoben.
3.1.1 Abhängigkeit der Kultur von der Wirtschaft
Mit der Frage, inwieweit Kultur auf eine florierende Wirtschaft angewiesen ist, hat sich bereits Shepard B. Clough im Jahre 1954 auseinandergesetzt und ist zu dem Schluss gekommen, die Kultur könne sich nur entwickeln, wenn ein wirtschaftlicher Reichtum
6 Braun, Günther E., u.a.: a.a.O., S. 9.
7 ebda.
8 Vgl. Priddat, Birger P.: Kultur unternehmen. Skizze zu einigen weniger erwogenen Aspekten des Verhältnisses von Kultur und Wirtschaft. In: Grosz, Andreas u. Delhaes, Daniel (Hrsg.): Die Kultur-AG: neue Allianzen zwischen Wirtschaft und
Kultur. München. Wien. Carl Hanser Verlag, 1999. S. 105 f..
Vgl. hierzu auch: Zimmerli, Walther Ch. u. Palazzo, Guido: Transkulturelles Management. In: Grosz, Andreas u. Delhaes,
Daniel (Hrsg.): Die Kultur-AG: neue Allianzen zwischen Wirtschaft und Kultur. München. Wien. Carl Hanser Verlag, 1999.
S. 140 f..
6
vorliege. 9 Ein wirtschaftlicher Überschuss stellt sich erst ein, wenn die Bedürfnisse der physischen Existenz befriedigt sind. Die Energien für schöpferische Unternehmungen künstlerischer und interkultureller Art werden frei. Die Bedingung für die kulturelle Entwicklung der Gesellschaft ist damit gegeben. Hinzu kommt der internationale Handel, der elementar für den wirtschaftlichen Wohlstand ist. Er fördert auch den Gedankenaustausch zwischen Völkern und damit wiederum den kulturellen Fortschritt. Shepard B. Clough führt des weiteren an, dass ein ‚wirtschaftlicher Überschuss’ die Verstädterung herbeiführt. Diese bedingt als weiterer Faktor den kulturellen Fortschritt, da in Städten die größten Kulturleistungen stattfinden. Insofern kann zu Recht die Aussage getroffen werden, dass die Kultur von der Wirtschaft abhängt.
3.1.2 Die Kultur als Wirtschaftszweig/ -faktor
Die Kultur selbst stellt einen bedeutenden Wirtschaftszweig dar. Sie schafft Arbeitsplätze und Einkommen und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Bruttosozialprodukt und zur Beschäftigungssituation eines Landes. Der Kulturwirtschaftszweig umfasst nicht nur die ‚marktorientierte Kulturindustrie’ sondern auch die von der öffentlichen Hand getragenen Kultureinrichtungen wie das Theater und das Orchester. Dabei gilt es den umfassenden Kulturbereich gegliedert zu differenzieren. Hilfreich hierfür ist die Unterscheidung, die bereits von Marlis Hummel und Manfred Berger im Jahr 1988 vorgenommen wurde. 10 Dabei wird - wie in der folgenden Tabelle aufgeführt - zwischen einem kulturellen Kernbereich und einem vor- bzw. nachgeordneten Bereich getrennt.
Kultursponsoring für die kommunale Kulturarbeit, S.11 f..)
9 Vgl. Clough, Shepard B.: Kultur und Wirtschaft. Der Anteil des ökonomischen Faktors am Steigen und Sinken der Kultur. Frankfurt/ Main. Wien. 1954, S.12.
10 Vgl. Hummel, Marlies u. Berger, Manfred unter Mitarbeit von Müller, Franz: Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Kunst und Kultur. Gutachten im Auftrag des Bundesministers des Innern. Schriftenreihe des Ifo-Instituts für
Wirtschaftsforschung. Nr. 122. Berlin. München. Duncker & Humblot, 1988. S. 29 ff. und S. 106.
Arbeit zitieren:
Diplom Kauffrau (FH) Katharina Schlosser, 2006, Kultur als Wirtschafts- und Standortfaktor, Stadtmarketing, München, GRIN Verlag GmbH
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