Bourdieu, Pierre (1990): Was heißt Sprechen? Die Ökonomie des sprachlichen Tauschs. Braumüller Verlag, Wien. Frz. Orig. 1982.
Gellner, Ernest (1991): Nationalismus und Moder ne. Rotbuch Verlag, Berlin. Engl. Orig. 1983.
Koselleck, Reinhart, (Hg.) (1989): Vergangene Zukunft. Zur Semantik geschichtlicher Zeiten. Suhrkamp, Frankfurt/M.
Tenbruck, Friedrich H. (1989): Die kulturellen Grundlagen der Gesellschaft. Der Fall der Moder ne. Westdeutscher Verlag, Opladen.
1. Einleitung
In diesem Essay soll es um die Rolle, die Sprache, gesprochen und geschrieben, bei der Differenzierung von Gesellschaften spielen kann. Das Essay wird sowohl auf Differenzierungen innerhalb einer Gesellschaft als auch auf Differenzierungen zwischen zwei oder mehr Gesellschaften kurz eingehen.
2. Sprache als Instrument der kulturellen Vereinheitlichung 1
Friedrich Tenbuck spricht in seiner Analyse der verschiedenen historischen Stadien der Gesellschaft ab der Stufe der Ausbildung der Hochkulturen davon, dass das die im Entstehen begriffenen überlokalen Herrschaftsschichten für die Sicherung ihrer Existenz eine einheitliche und überlokale Identität sowie Loyalität bedürfen. Dafür muss ein neuer kultureller Identifikationsraum entstehen, der über den bisherigen räumlich sehr eingegrenzten hinaus geht.
Damit so ein überlokaler Indentifikationsraum nun entstehen kann, muss auch überlokal kommuniziert werden. Selbst bei der einfachsten Art der Verwaltung gehört hierzu schon die Entwicklung einer Schrift dazu.
Neben dieser Verwaltungsfunktion dient die Schrift aber auch der Mitteilung und hier ergeben sich neue Anforderungen. Sprache wird hier zu einer expliziten Aussage gedrängt und muss eine abstrakte und objektive Form annehmen.
Insoweit drängt die Sprache hier auf eine kulturelle Vereinheitlichung, die man als charakteristische Schöpfung einer Hochkultur ansehen kann.
In der modernen Gesellschaft sind die Menschen dann kurz gesagt aus ihrer lokalen Gebundenheit völlig losgelöst. Die Gesellschaften beginnen allmählich mit der Industrialisierung, Proletariat und Bourgeoisie entstehen. In den formal organisierten Bereichen wird das Handeln mittels expliziter und lehrbarer Anweisungen reguliert und koordiniert, so dass immer weniger auf gemeinsame Bedeutungswelten und direkte Kommunikation zurückgegriffen werden muss.
Die Wert- und Sinnwelten hingegen werden pluralisiert. Die Herstellung einer sozialen Zielübereinstimmung rückt in den Mittelpunkt. Sie findet in einer u.a. durch Massenmedien getragenen ständigen Diskussion statt.
vgl. Tenbuck 1989
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Katja Diedler, 2009, Die Rolle der Sprache bei der Differenzierung von Gesellschaften, Munich, GRIN Publishing GmbH
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