Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Die Bedeutung der Kunst im Drama. 4
2.1 Das differierende Kunstverständnis der Charaktere. 4
2.2 Die unterschiedlichen Kunstgeschmäcker als Konfliktkatalysator. 5
2.3 Die postmoderne Definition der Kunst 12
2.4 Die Lösung des Konfliktes. 13
3. Zusammenfassung. 14
Bibliographie. 15
I Primärliteratur. 15
II Sekundärliteratur. 15
2
1. Einleitung
Der Konflikt der beiden langjährigen Freunde Serge und Marc in Yasmina Rezas Drama <
Wie kommt es jedoch dazu, dass drei langjährig befreundeten Mittvierziger wegen eines Gemäldes in einen beinahe unauflöslichen Konflikt geraten? Diese Fragestellung werde ich in meiner Hausarbeit untersuchen, indem ich unter 2. zunächst auf die Bedeutung der Kunst innerhalb des Dramas eingehe und danach in das Kunstverständnis der drei Hauptfiguren Serge, Marc und Yvan beleuchte. Des Weiterem werde ich näher auf den Kunstkonflikt der Hauptfiguren eingehen, in die poststrukturelle Definition der Kunst erläutern und aufzeigen, inwieweit sich dieser Konflikt löst bzw. ob er sich überhaupt lösen lässt.
1 Es handelt sich bei Antrios in dem Drama um einen fiktiven Maler.
3
2. Die Bedeutung der Kunst im Drama
Die Kunst als solche spielt in dem Drama
<
2.1 Das differierende Kunstverständnis der Charaktere
Es wird zu Beginn des Dramas deutlich, dass Serge’ und Marcs Auffassung und Wahrnehmung von Kunst stark divergiert. Den drei Charakteren sind jeweils unterschiedliche Bilder zugeordnet, wie man den Regieanweisungen entnehmen kann. Serge bevorzugt die moderne, abstrakte Kunst. Dies wird durch den Kauf des „Antrios“ ersichtlich und wird außerdem von Serge dadurch untermauert, dass er wiederholt sehr emphatisch über diesen Kauf spricht und eben diesen vor Marc vehement verteidigt.
Laut Grewe und Zimmermann gehöre Serge, rekurrierend auf das „kulturelle Kapital“ 3 , der Elite an, wohingegen Marc dem mittleren Kunstgeschmack anhänge und Yvan dem populären Kunstkonsum zugehörig sei. 4 Marc ist der Verfechter der traditionellen, gegenständlichen Kunst. Dies wird unter anderem dadurch deutlich, dass er ein gegenständliches, dem Realismus anmutendes Gemälde in seiner Wohnung hängen hat: Chez Marc. Au mur, un tableau figuratif représantant un paysage vu d’une fenêtre [S. 30]. Des Weiteren charakterisiert Serge den Kunstgeschmack von Marc wie folgt : Tu ne t’intéresse pas à la peinture contemporaine, tu ne t’y es jamais intéressé. Tu n’as aucune connaissance dans ce domaine [S. 18]. In dieser Äußerung bringt Serge zum Ausdruck, dass Marc die zeitgenössische Malerei de facto ablehnt. Im Vergleich zu seinen beiden Freunden Serge und Marc, hat Yvan sein Bild nicht selbst gekauft, sondern dieses von seinem Vater geerbt. Bei diesem Bild handelt es sich um eine „croûte“, d.h.
2 Vgl. Hierzu: Grewe, Andrea und Margarete Zimmermann: „Die Kunst der Männerfreundschaft. Yasmina
Rezas 'Art'“, in: A. Grewe und M. Zimmermann (hrsg.): Theater-Proben. Ro-manistische Studien zu Drama
und Theater. Jürgen Grimm zum 65. Geburtstag. Münster: Daedalus, 2001, Seite 129.
3 Dieser Begriff stammt von Pierre Bourdieu. Vgl.: Bourdieu, Pierre : http://www.erzwiss.uni-hamburg.de/personal/lohmann/lehre/som3/bourdieu1992.pdf.
4 Grewe, Zimmermann, (2001), Seite 130/131.
4
einen Schinken. Yvan ist im Vergleich zu Marc und Serge mehr im Bereich des Kunstbanausen anzusiedeln.
Diese großen Kunstkonsumunterschiede resultieren laut Grewe und Zimmermann aus dem stark divergierenden „sozialen Habitus“ 5 der Charaktere, d.h. dass die unterschiedlichen Schichtzugehörigkeiten ein anderes soziales und kulturelles Kapital bedingen. 6 Dies sagt aus, dass freiberuflich Tätige, wie der Dermatologe Serge, über ein anderes soziales und kulturelles Kapital verfügen als zum Beispiel ein Ex-Textilvertreter wie Yvan. Der Tatsache, dass Marc ebenfalls wie Serge Akademiker ist, widerspricht dies allerdings. Ihre akademischen Metiers unterscheiden sich zwar, doch beide gehören der Bildungselite an.
2.2 Die unterschiedlichen Kunstgeschmäcker als Konfliktkatalysator
Man fragt sich als Leser, wie der unterschiedliche Kunstkonsum von Serge und Marc zu einem derartigen Konflikt führt bzw. dass die beiden Freunde - die wohl gemerkt seit fast 15 Jahren befreundet sind - und später sogar alle drei Freunde Serge, Marc und Yvan, die Freundschaft auf Grund dieses Unterschiedes direkt in Frage stellen Carroll stellt diesbezüglich ebenfalls einige bezeichnende Fragen:
The action of the play raises an immediate question. Why is Marc’s reaction to the painting by Antrios sp
intense, so violent? Why would a painting endange a friendship? Why do Marc and Serge seem to be willing to
split apart after fifteen years over a matter of taste? Can’t they just agree to disagree and leave it at that? 7
Die erste Besichtigung des Bildes wird von Marc aus der Retrospektive erzählt 8 . In seinem ersten Monolog, d.h. dem Prolog 9 oder der Exposition des Dramas, beschreibt Marc den „Antrios“: C’est une toile d’environ un mètre soixante sur un mètre vingt, peinte en blanc. Le fond est blanc et si on cligne des yeux, on peut apercevoir de fins liserés blancs transversaux [S. 15]. Wenn man dies mit dem weiteren Verlauf der Sprechhandlungen vergleicht, deutet sich bereits hier an, dass Marc Kritik an dem „Antrios“ bzw. der modernen Kunst übt; denn schon kurz darauf wird während des
5 Dieser Begriff ist auf Pierre Bourdieu zurückzuführen. Vgl.: Bourdieu, Pierre (1982). « Der Sozialraum und
seine Transformationen“. In: Die feinen Unterschiede - Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. Frankfurt am
Main, S. 171-210.
6 Grewe, Zimmermann (2001), Seite 130.
7 Carroll, Noël, “« Art » and Friendship”, aus: Philosophy and Literature, Massachusetts: The Johns Hopkins
University Press 2002, Seite 200.
8
Meiner Meinung nach gibt es in <
dramatischen haben.
9 Vgl. Hierzu: Grewe, und Zimmermann, (2001), Seite 126.
5
Arbeit zitieren:
Nadine Richters, 2009, Inwiefern führt das unterschiedliche Kunstverständnis der drei Freunde Serge, Marc und Yvan in Yasmina Rezas Drama "Art" zum Konflikt?, München, GRIN Verlag GmbH
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