Inhalt
1. Einleitung 3
2. Geschichtlicher Rückblick und aktueller Bezug 4
2.1 Die Anfänge der Schulfächer 4
2.2 Comenius’ „weltanschauungskonzentrische Bildung“ 4
2.3 Der vielkritisierte Fächerkanon und seine Alternativen. 5
3. Fächerung vs. interdisziplinärer Unterricht 9
3.1 Orientierung an den wissenschaftlichen Disziplinen. 9
3.2 Interdisziplinärer Unterricht 10
3.3 Aus der Praxis: Der integrative Sachunterricht 13
4. Resümee 14
Bibliographie 16
2
1. Einleitung
Bereits seit Jahrhunderten machen sich Gelehrte Gedanken über die Form und die Legitimation eines bestimmten Fächerkanons im Bildungssystem. Gerade in der heutigen Zeit, in der das deutsche Schulsystem ständiger Kritik ausgesetzt ist, versucht man, das Schulsystem, die Lehrerausbildung und den Fächerkanon zu reformieren. Dabei stößt man leicht auf Kritikpunkte, wie z.B. dass viele Lehrer die mittlerweile stark heterogenen Klassen nach wie vor als homogene Gruppe betrachten, die viel diskutierte PISA-Studie, veraltete Lehrer, die schlechte Allgemeinbildung der Schüler und Erwachsenen und veraltete didaktische Konzepte und natürlich auf die von vielen Seiten als fragwürdig bezeichnete Fächerung in der Grundschule und in der höheren Schule. „Schulreformen haben Hochkonjunktur in der gesellschaftlichen und erziehungswissenschaftlichen Diskussion.“ 1 Die Kindheit und Jugendzeit hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend gewandelt. Demzufolge lockt man die Schüler mit dem traditionellen Unterricht definitiv „nicht mehr hinter dem Ofen hervor“ und es darf auch nicht dementiert werden, dass die Schule heutzutage nun einmal eine Brückenfunktion einnimmt, d.h. das zu kompensieren versucht, was das Kind im Elternhaus nicht lernen konnte/kann.
Im Hinblick auf die diversen Meinungen und Ansätzen fragt man sich, ob die Fächerung in der (Grund-)Schule noch zeitgemäß ist und ob es nicht sinnvoller wäre, den interdisziplinären Unterricht als Unterrichtsgrundlage einzuführen? Dies werde ich in dieser Hausarbeit untersuchen, indem ich zunächst die wichtigsten historischen Aspekte und ihren Bezug zur Gegenwart skizziere - mich dabei auf Memmert beziehe - und diese diskutiere. Im Anschluss daran werde ich auf die Legitimation des „fächerübergreifenden“ oder „fächerverbindenden“ Unterrichts in der (Grund-)Schule, unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen, eingehen. In diesem Zusammenhang erachte ich es als
1 Geigle, Martina, Chancen und Grenzen des fächerübergreifenden Unterrichts, In: Die Grundschulzeitschrift 11/08, Seite 14.
3
notwendig, dass ich ebenso auf den einen oder anderen fachspezifischen Aspekt eingehe.
2. Geschichtlicher Rückblick und aktueller Bezug
2.1 Die Anfänge der Schulfächer
Im Laufe der Zeit haben sich unsere Lebensverhältnisse weiter ausdifferenziert und sowohl das prozedurale als auch das deklarative Wissen und die beruflichen Tätigkeiten wurden umfangreicher. „Bei der Bewältigung bestimmter Lebensaufgaben haben wir es im Alltag mit sehr komplexen Situationen zu tun.“ 2
2.2 Comenius’ „weltanschauungskonzentrische Bildung“
Bereits in Comenius’ Unterrichtswerk Orbis sensualium pictus findet man diverse Wissensgebiete, die man zwar nicht als akademische Disziplinen, dafür jedoch als lebensbedeutsam bezeichnen kann (z.B. „die physische Welt“, „Berufe“, „Zusammenleben“ oder „Christliche Kirche und andere Religionen“) und dieser Vorläufer erinnert stark an Hermann Meyers „Lebensschule“, welche erst viel später von ihm entwickelt worden ist. Bei Comenius war alles fächer- bzw. weltanschauungskonzentriert und es wurde besonderer Wert auf die religiöse und ethische Bildung gelegt. Heutzutage wird weiterhin ein Augenmerk auf die Vermittlung von Werten oder Tugenden gelegt, allerdings verfolgt man dabei nicht das Ziel, die Schüler zu bekehren oder sie in eine bestimmte weltanschauliche Richtung zu drängen. Bei der zunehmenden Säkularisierung spielt die Religion, v.a. das Christentum, wenn man einmal von den süddeutschen Regionen absieht, mittlerweile eine untergeordnete Rolle. Seit einigen Jahrzehnten haben wir laut Memmert eine pluralistische, tolerant-allzutolerante Gesellschaft und er schreibt sogar: „Auf jeden Fall lohnt es sich, über eine zeitgemäße Mitte für eine weltanschauliche Konzentration der Fächer
2 Memmert, Wolfgang, Welt Verstehen - Welt verändern, Vom Sinn der Schulfächer. In:
Prof. Dr. Werner Loch (Hg.) und Prof. Dr. Jakob Muth (Hg.), Neu
pädagogischeBemühungen, Band 97, Essen: Neue-Deutsche-Schule-Verlagsgesellschaft, 1986, Seite 11
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nachzudenken.“ 3 Dies hat bei näherer Betrachtung einen starken Uniformitätscharakter und man fragt sich im Hinblick auf eine so einschneidende Erfahrung wie z.B. das Nazi-Deutschland, ob es nicht wirklich besser wäre, die pluralistische Gesellschaft beizubehalten? Die Schule und die Fächer sollten zu einer umfassenden Bildung des Kindes beitragen und dabei unter keinen Umständen versuchen, es in eine bestimmte Richtung (politisch, religiös, sozial, ethisch, psychologisch o.ä.) zu lenken.
2.3 Der vielkritisierte Fächerkanon und seine Alternativen
Der Fächerkanon wie wir ihn heute kennen, ist in den Epochen des Pietismus, Philanthropismus und Neuhumanismus entstanden. Das mittelalterliche Bildungssystem war traditionsbestimmt: man las, kommentierte und repetierte die Werke kanonischer Autoren. An ihren Texten entlang wurden die Sachfragen und sprachlichen Künste geübt. 4 Während man in früheren Jahrhunderten auf eine „volkstümliche“ bzw. „höhere“ Bildung setzte, ging man später von dem Prinzip der „Wissenschaftsorientierung“ aus. Dies gilt für alle Fächer mit kognitiver Grundlage und für alle Schularten. 5 Merkmale des Fächerkanons: 1. Gliederung der Fächer in fachimmanente, systematische Kriterien, 2. „stellen die Fächer inhaltlich einen oft mehrfach verdünnten Aufguss der akademischen Bezugsdisziplinen dar“ 6 , 3. dauern die Unterrichtseinheiten 45 Minuten (früher: 60 Minuten) 4. werden die einzelnen Fächer von Fachlehrern erteilt. Dieser Fächerkanon wird gemeinhin kritisiert und von Reformpädagogen gibt es auch zahlreiche Ansätze, das Lernen aus dem starren Korsett des Fächerzwangs 7 zu lösen. Was wird am Fachunterricht eigentlich kritisiert? Zum einen wird ihm eine einseitig kognitive Ausrichtung vorgeworfen, die emotionale und soziale Aspekte
3 Memmert, Wolfgang, Über den Umgang mit den Fächern - Sechs historische Modelle.
In: Duncker, Popp: Über Fachgrenzen hinaus - Chancen und Schwierigkeiten des
Fächerübergreifenden Lehrens und Lernens, Heinsberg: Dieck, 1997, Seite 20.
4 Vgl. hierzu: Lust an der Erkenntnis: Die Pädagogik der Moderne, hrsg. von Hans
Scheuerl - München: Piper GmbH & Co. KG, 1992, Seite 21
5 vgl. hierzu: Handlexikon zur Didaktik der Schulfächer/ hrsg. von Leo Roth. - München:
Ehrenwirth, 1980. 1. Abschnitt.
6 Vgl. hierzu: Memmert (1997), Seite 21
7 Formulierung von Schwenk, Dominik, „Interdisziplinäres Lehren und Lernen“,
Vortragskonzept für die Seminarleiter-Tagung in Schöntal - Juni 2001, übernommen,
Seite 4
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Arbeit zitieren:
Nadine Richters, 2009, Die didaktische Rechtfertigung der Verbindung des Fachunterrichts mit dem interdisziplinären Unterricht in der (Grund-)Schule, München, GRIN Verlag GmbH
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