Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Was versteht man unter Prekarisierung ? 3
3. Erklärungsansätze über Arbeitslosigkeit vs. Armutsforschung 4
4. Grundsicherungsmodelle 11
5. Fazit 16
6. Bibliographie 17
1
1. Einleitung
Seit einiger Zeit ist die Diskussion über die neue deutsche Unterschicht ein verstärkt politisches Thema. Laut der Studie „Gesellschaft im Reformprozess“ der Friedrich-Ebert-Stiftung sind acht Prozent der Deutschen der sozialen Unterschicht zuzurechnen, das sind circa 6,3 Millionen Menschen. 1 Angehörige der Unterschicht haben zumeist eine niedrige bis mittlere Bildung, üben oft eine einfache und somit unterbezahlte Tätigkeit aus oder sind in den meisten Fällen arbeitslos. Die Angst ist groß, sozial weiter abzusteigen und den, wenn vorhandenen, Job wieder zu verlieren. Es gibt zu viele, die keinerlei Hoffnung mehr haben, den Aufstieg zu schaffen; sie finden sich mit ihrer Situation ab und arrangieren sich materiell und sozial. Dabei stellt sich die Frage, ob sich eine Unterschicht von dauerhaft prekär oder nicht Beschäftigten in Deutschland herausbildet. Diese Frage soll in der vorliegenden Hausarbeit erläutert und analysiert werden. Grundlage dessen sind Definitionsansätze über die Prekarisierung, den Begriff der Armut und der Arbeitslosigkeit. Anhand der Darstellung verschiedener Grundsicherungsmodelle soll erläutert werden, welche positiven und negativen Aspekte diesen Modellen zugrunde liegen und wie sie miteinander verglichen werden können. Ausgehend davon soll analysiert werden, inwieweit die Theorien über Unterschicht und Arbeitslosigkeit miteinander in Zusammenhang stehen und sich gegenseitig beeinflussen.
2. Was versteht man unter Prekarisierung?
Im ersten Teil der vorliegenden Hausarbeit soll geklärt werden, ob sich eine Unterschicht von dauerhaft prekär oder nicht Beschäftigten in Deutschland herausbildet. Zunächst möchte ich den Begriff der Prekarisierung näher erläutern. Es bezeichnet die stetige Zunahme von Arbeitsplätzen mit geringer Arbeitsplatzsicherheit, niedrigem Lohn, Teilzeitbeschäftigung, befristeten Verträgen und mangelnden Kündigungsschutz in der Gesellschaft. Allerdings ist nicht jede atypische Beschäftigung wie Teilzeitarbeit auch gleichzeitig prekär: „Prekär ist Erwerbsarbeit in der Regel dann, wenn der Lohn deutlich unter dem Durchschnittseinkommen liegt, keine zuverlässige Zukunftsplanung für den einzelnen möglich ist und Arbeitnehmerschutzrechte reduziert sind.“ 2 Die Ursachen für die Zunahme prekärer Beschäftigungsformen und das Zurückdrängen des Normalarbeitsverhältnisses sind
1 Vgl. „Gesellschaft im Reformprozess“ - eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, aus:
http://www.fes.de/aktuell/documents/061017_Gesellschaft_im_Reformprozess_komplett.pdf (30.09.2008)
2 Zitat aus : Brinkmann : Prekäre Arbeit : S.5
2
mannigfaltig. Die Internationalisierung der Märkte und Globalisierungsprozesse erzeugen einen hohen Konkurrenzdruck für Wirtschaft und Betriebe. Sie sind gezwungen ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, wobei die Lohnkosten eine enorm große Rolle spielen. Oft werden von der Arbeitgeberseite prekäre Beschäftigungsverhältnisse auch als Brücke zu gesicherten Arbeitsplätzen verstanden. Prekäre Beschäftigungsverhältnisse führen nicht nur zu Unsicherheitsgefühlen bei den unmittelbar Betroffenen, sondern reflektieren dieses Gefühl auch auf die Beschäftigten in gesicherten Normalverhältnissen. Zukunftsangst und Gefühle der Unsicherheit breiten sich in weiten Teilen der Bevölkerung aus. Ebenfalls schränkt die Ausübung einer prekären Beschäftigung die Chancen einen rationalen, längerfristigen Lebensplan zu entwickeln, ein. Die Erwerbstätigen spalten sich zunehmend in zwei Gruppen auf, in jene, die fest angestellt sind, um es zu bleiben und in solche, die zu vielem bereit sind, um der Unsicherheit zu entfliehen. Aber was sind die Ursachen der fortschreitenden Prekarisierung? Es muss eine Erklärung für die Ausbreitung flexibler und häufig eben prekärer Beschäftigungsverhältnisse bei den ökonomisch- politischen Ursachen dieser Entwicklung ansetzen. Eine fortschreitende Marktsteuerung und Prekarisierung von Erwerbsarbeit ist nicht nur Folge, sondern auch in gewisser Weise eine Funktionsbedingung eines Kapitalismusmodells. Über das Ausmaß prekärer Beschäftigung wird jedoch höchst kontrovers geurteilt. Ein Indikator ist die Zunahme so genannter atypischer oder nicht-standardisierter Beschäftigungsverhältnisse. Deren Bandbreite reicht von häufig erwünschter und auch tariflich geschützter Teilzeitarbeit über befristete Beschäftigungsverhältnisse, Leih und Zeitarbeit bis hin zu abhängigen Selbständigen, Ich- AGs und Minijobs. Nicht jede dieser Beschäftigungsform wird als prekär empfunden, aber sie besitzen ein „prekäres Potential“. Die atypischen Beschäftigungen müssen nicht unbedingt prekär sein, wenn die Betroffenen sich nicht anderweitig abgesichert haben. Dennoch sehen sich die meisten atypischen Beschäftigungsformen einem Prekaritätsrisiko ausgesetzt, da sie weniger Einfluss auf Arbeitsbedingungen haben und flexible Arbeitsverträge meist einen Zwang zur Unsicherheit bedeuten. Die Auswirkungen der Flexibilisierung finden sich in manchen Branchen in konzentrierter Form, wie zum Beispiel im Baugewerbe und im Einzelhandel. Hier sind Normarbeitsverhältnisse nicht mehr erreichbar. 3 Der Einzelhandel gilt als Vorreiter für die Nutzung prekärer Beschäftigungsformen. Befristete Verträge, Teilzeitarbeit und die Verwandlung von Normarbeitsverhältnissen stehen an der Tagesordnung. Ein relativ kontinuierlich wachsender Teil der Erwerbsbevölkerung ist bei der Sicherung ihres Lebensunterhaltes auf flexible Arbeitsformen angewiesen. Dennoch sind flexible
3 Vgl : Brinkmann S. 41
3
Beschäftigungsverhältnisse kein neues Phänomen und es gibt auch keine dramatische Expansion solcher Beschäftigungsverhältnisse.
3. Erklärungsansätze über Arbeitslosigkeit vs. Armutsforschung
Nun komme ich zu dem zweiten Teil meiner Hausarbeit. Hierbei stelle ich verschiedene Erklärungssätze von Arbeitslosigkeit vor. Später wird ein Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Armut hergestellt.
Es gibt viele neue Erklärungssätze für Arbeitslosigkeit. Einige davon möchte ich im folgenden vorstellen: Zunächst soll geklärt werden, wie Arbeitslosigkeit definiert wird. Hierbei gibt es verschiedene Definitionsmöglichkeiten: „Arbeitslosigkeit ist ein Zustand in der Marktwirtschaft, in dem mehr Menschen eine Erwerbsarbeit suchen als finden, weil weniger Arbeitskräfte gebraucht werden als vorhanden sind. Anders ausgedrückt: Das Angebot (an Arbeitskräften) ist größer ist als die Nachfrage.“ 4 Eine weitere Definition wäre: „Grundsätzlich scheint es sich bei Arbeitslosigkeit um einen einfachen Sachverhalt zu handeln, nämlich um die Nichtübereinstimmung von Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften, genauer gesagt: um ein Angebot, das die Nachfrage übersteigt.“ 5 Die Marktungleichgewichte sind aus ökonomischer Sicht jedoch kein Problem, sie treten auf allen Märkten auf und werden laut dem neoklassischen Modell auf eine einfache Art und Weise behoben, was ich im näheren erläutern möchte. Im neoklassischen Ansatz heißt es am Beispiel von Arbeitslosigkeit: „Die Arbeitslosen- die Anbieter von Arbeitskraft - suchen nach Arbeitgebern, die sie zu einem bestimmten Preis (dem angestrebten Lohn) zu beschäftigen bereit sind. Stellen sie fest, dass ein solcher Arbeitgeber nicht zu finden ist, so senken sie den Preis für ihre Arbeitskraft so lange, bis entweder ein Arbeitgeber bereit ist, sie einzustellen, oder bis ein Lohnniveau unterschritten ist, zu dem sie überhaupt bereit sind ihre Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen.“ 6 Jedoch wenn dieser so genannte „Anspruchslohn“ nicht gezahlt wird, gehen viele in die „freiwillige Arbeitslosigkeit“, damit schaffen sie sich den damit verbundenen Gewinn an Freizeit. Es kann sich bei diesem Modell der Arbeitslosigkeit nur um eine kurzfristige Dauer handeln, da sich eine anhaltende Arbeitslosigkeit nur durch Störungen der Marktkräfte entwickeln kann. Solche Störungen sind im neoklassischen Ansatz
4 Vgl: http://www.bpb.de/suche/?all_search_action=search&all_search_text=arbeitslosigkeit
5 Zitat aus: Mayerhofer: Arbeitslosigkeit. S. 201
6 Zitat aus: Mayerhofer: Arbeitslosigkeit. S. 202
4
Arbeit zitieren:
Anika Geldner, 2008, Arbeitslosigkeit - Bildet sich eine Unterschicht von dauerhaft prekär oder nicht Beschäftigten in Deutschland heraus?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Reflexion des Fremdseins anhand der literarischen Figur K. aus Franz K...
Seminararbeit, 18 Seiten
Dynamiken der Staatlichkeit: Entstehung, Zerfall und Rekonstruierung v...
Politik - Internationale Politik - Region: Osteuropa
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Der Umgang des Individuums mit...
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Politik - Internationale Politik - Region: Südosteuropa, Balkan
Hausarbeit, 26 Seiten
Bildungsarmut und haushaltsbezogene Bildung
Ernährungswissenschaft / Ökotrophologie
Referat (Ausarbeitung), 14 Seiten
Politik - Internationale Politik - Thema: Völkerrecht und Menschenrechte
Hausarbeit (Hauptseminar), 16 Seiten
Das Burnout-Syndrom in der Arbeitslosigkeit am Beispiel von Teilnehmer...
Möglichkeiten zur Prävention d...
Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft
Hausarbeit, 22 Seiten
Kosova auf dem Weg zur Konsolidierung der Demokratie
Politik - Internationale Politik - Region: Südosteuropa, Balkan
Hausarbeit (Hauptseminar), 84 Seiten
Hartz IV - Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit in Deutschland
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Hausarbeit, 17 Seiten
Elitenbildung - eine Frage der sozialen Herkunft
Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Vordiplomarbeit, 27 Seiten
Alfred Schütz (und Thomas Luckmann): Strukturen der Lebenswelt erklärt...
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 12 Seiten
Niklas Luhmann, Begriff der Kommunikation am Beispiel Watzlawicks '...
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Seminararbeit, 18 Seiten
Wandel der Beruflichkeit im Übergang zur Dienstleistungsgesellschaft
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Hausarbeit, 16 Seiten
Alfred Schütz und Karl Mannheim - Ein Vergleich zweier wissenschaftlic...
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 22 Seiten
Anika Geldner's Text Arbeitslosigkeit - Bildet sich eine Unterschicht von dauerhaft prekär oder nicht Beschäftigten in Deutschland heraus? ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Anika Geldner hat den Text Arbeitslosigkeit - Bildet sich eine Unterschicht von dauerhaft prekär oder nicht Beschäftigten in Deutschland heraus? veröffentlicht
Anika Geldner hat einen neuen Text hochgeladen
Soziale Ungleichheit im Sozialstaat
Die Bundesrepublik Deutschland...
Hans Günter Hockerts, Winfried Süß
Arbeitsmarktflexibilisierung und Soziale Ungleichheit
Sozio-ökonomische Konsequenzen...
Johannes Giesecke
Soziale Ungleichheit und Pflege
Beiträge sozialwissenschaftlic...
Ullrich Bauer, Andreas Büscher
Soziale Ungleichheit und Gesundheitsrisiken älterer Menschen
Eine empirische Längsschnittan...
Lars Borchert, Wolfgang Voges, Ilona Ostner
Soziale Ungleichheit und Gesundheit
Gesundheitliche Versorgung und...
Sarah Sebinger, Andrea Wesenauer
Soziale Ungleichheiten und kulturelle Unterschiede in Lebenslauf und A...
Fakten, Prognosen und Visionen
Harald Künemund, Klaus R. Schroeter
0 Kommentare