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Inhaltsverzeichnis:
1 Einleitung Seite 3
2 Erscheinungsbilder des Stotterns Seite 3
3 Einige Ansätze zur Erforschung des Stotterns Seite 3
4 Stottern aus neuropsychophysiologischer Sicht Seite 5
4.1 Das menschliche Gehirn Seite 5
4.2 Funktionen der Gehirnhemisphären Seite 5
4.3 Stottern und Hemisphärenambivalenz Seite 8
4.4 Stottern und eine neuromotorische Koordinationsstörung Seite 8
5 Zusammenfassende Beurteilung Seite 9
6 Überleitung Seite 10
7 Umgeschulte Linkshändigkeit Seite 10
7.1 Allgemeine Händigkeit Seite 10
7.2 Linkshändigkeit Seite 11
7.3 Umschulung der Linkshändigkeit Seite 11
7.3.1 Warum eine Umschulung der Linkshändigkeit? Seite 11
7.3.2 Wie findet eine Umschulung statt? Seite 12
7.3.3 Folgen einer umgeschulten Händigkeit Seite 12
8 Allgemeine Zusammenfassung Seite 14
9 Fallbeispiel Seite 15
10 Abschluss Seite 18
11 Literaturangaben Seite 19
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1 Einleitung
Folgende Arbeit beschäftigt sich mit verschiedenen möglichen Faktoren, welche verantwortlich für das Entstehen von Stottern sein können. Die Fallbeschreibung, welche mich überhaupt erst zu dem Ansatz, unter welchem diese Arbeit steht brachte, folgt im Anschluss an die theoretische Arbeit. Der Hauptteil dieser Arbeit b esteht darin, Stottern aus psychophysiologischer (neuropsychologischer und neurophysiologischer) Sicht zu beschreiben und in Bezug zur umgeschulten Händigkeit zu setzen.
Ich hoffe, dass mir in folgender Arbeit der Transfair von Literatur, eigenen Gedanken und beobachteten praktischen und realen Tatsachen gelingt.
2 Erscheinungsbilder des Stotterns
Stottern ist eine Störung der fließenden Rede infolge krampfartiger Bewegungen der Sprechmuskulatur, im Bereich der Atmung, der Stimmgebung und der Artikulation Sprechsymptome des Stotterns richten sich meist auf den Wortanfang. Die hierfür bekannten Erscheinungsformen sind gehäufte Laut- und Silbenwiederholungen (klonisches Stottern), sowie Blockierungen und krampfartige Stockungen der Sprechbewegung (tonisches Stottern).
Jede einzelne Erscheinungsform des Stotterns zu analysieren und wiederzugeben würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Deshalb beschränke ich mich auf den Hinweis, dass jedes Stottern eine eigene und individuelle Erscheinungsform aufweist. G rob gesehen, in oben genannte Kategorien eingegliedert wird.
Stottern beginnt meistens im Kindesalter (drei bis fünf Jahre), wobei grade die ersten Erscheinungsformen der Sprechunflüssigkeiten als entwicklungsbedingt anzusehen sind. Auf diesen Punkt werde ich im folgenden Teil aus neurophysiologischer Sicht noch einmal eingehen.
Manifestieren sich die Stottersymptome in zunehmenden Alter (fünf Jahre aufwärts) und erweisen sich als chronisch, ist das Stottern nicht mehr entwicklungsbedingt. Für den Stotterer selber und die Umwelt wird ein Sprechproblem erlebbar. Viele Fallbeispiele zeigen, dass Stottern abhängig von Sprechart und Umfeld auftritt. So ist eine bekannte Tatsache, dass Stotterer beim Verändern ihrer Form der Äußerung, zum Beispiel beim Singen, keine Stottersymptome zeigen.
Auch die Situation in welcher gesprochen wird, ist ausschlaggebend für den Verlauf des Stotterns. Auch hier gibt es unzählige Fallbeispiele nahezu in jeder Literatur zum Thema Stottern, dass in angespannten und anstrengenden Situationen für den Stotternden das Stottern stärker und öfter auftritt.
3 Einige Ansätze zur Erforschung des Stottern
Literatur und Forschungsansätze zum Stottern sind breit vertreten.
Trotzdem scheint es bislang noch keine medizinisch festgelegten Fakten zu geben, an denen sich eine mögliche Therapie orientieren könnte.
Verschiedene Ansätze welche bestehen, lassen verschiedene Therapien mit wieder verschiedenen Zielvorstellungen entstehen.
Grob vereinfacht lassen sich zwei Hauptrichtungen in der Theorie des Stotterns finden: „Entweder wird Stottern global als eine Störung der Sprechweise oder als Ausdruck einer
allgemeineren Störung der Person betrachtet.“ 1
1 Bindel, Rolf: Stottern als dialogische Fehlentwicklung, 1987. S.1
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Auch Peter Fiedler beschreibt die Forschungen in der Vergangenheit als die Konkurrenz zweier Grundauffassungen:
„Auf der einen Seite vertraten und vertreten Forscher die Position, das Stottern sei (..) auf somatisch-physiologische, möglicherweise genetische Faktoren zurückzuführen. Auf der
anderen Seite stehen die Vertreter psychologischer und sozialer Erklärungsmodelle..“ 2 Im Verlauf der folgenden Zeit schien ein Zusammenschnitt der beiden Theorieansätze angestrebt zu werden.
Es wurde versucht, den Abstand zwischen beiden Extrempositionen zu verringern. Stottern wird unter dem Aspekt der Neuropsychologie betrachtet. Diese wieder teilen sich in drei Bereiche:
„(1) in einer möglichen Wahrnehmungsstörung bzw. Störung der Autoregulation des Sprechens (die Sprechstörung resultiert aus einer Interferenz oder Störung der für Autoregulation des Sprechens bedeutsamen Feedbacksignale), (2) in einer möglichen Desynchronisation kortikaler Steuerungsimpulse (vermutete Störungen liegen eher im Bereich zentraler Prozesse, v.a. im Gefolge einer Hemisphärenambivalenz der Sprachsteuerung) sowie schließlich (3) in einer I neffizienz bzw. Überforderung des neuromuskulären Kontrollsystems (vermutete Störungen liegen eher im Bereich peripherer Prozesse).“ 3 Hier stellt Peter Fiedler dar, dass die ursprünglichen Grundpositionen sich sehr angenähert haben.
Aktuelle Theoreme des Stotterns sind tabellarisch von Hans-Joachim Motsch festgehalten und teilen sich auf in folgende Erklärungsansätze:
Neuropsychologisch/neurophysiologisch (Stottern ist eine sprachliche Koordinationsstörung aufgrund zu hoher Erregung und inadäquater E rregungsverarbeitungsmechanismen, ungenügender Temporeduktion, mangelnder Programmantizipation, Labilität in den artikulatorischen Musterstrukturen u.a.)
Entwicklungstheoretisch (Endpunkt einer Entwicklung, welche mit einer Verunsicherung des Kindes in den Interaktionen mit seinen Bezugspersonen begonnen hat). Neurosetheoretisch (Symptom einer selbstunsicheren Persönlichkeit). Systemtheoretisch (Konfliktlösungsversuch des Systems Familie, durch Delegation des Symptoms „Stottern“ an ein Kind, die gefährdete Stabilität der Familie zu sichern). Kognitionstheoretisch (Ergebnis selbstblockierenden Denkens).
Lerntheoretisch (gelerntes Verhalten, welches seinen Ausgangspunkt von unpathologischen
Verhaltensweisen genommen hat). 4
2 Grohnfeldt, Manfred: Störungen der Redefähigkeit Band 5, 1992. S.:43
3 Grohnfeldt, Manfred:s.o.:S.:44
4 Grohnfeldt, Manfred:s.o.:S.:32
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4 Stottern aus neuropsychophysiologischer Sicht
4.1 Das menschliche Gehirn
Vorweg eine zusammengefasste und gekürzte Darstellung zur Anatomie und Physiologie des menschlichen Gehirnes.
Aufgeteilt ist das Gehirn in zwei Hemisphären, rechts und links. Verbunden werden diese beiden Hemisphären durch einen aus Milliarden Nervenfasern bestehenden Balken genannt Corpus callosum.
Die Hemisphären sind kontralateral organisiert. Periphere Reize auf der einen Seite werden hauptsächlich von der gegenüberliegenden Hemisphäre verarbeitet. Die Kreuzung findet im oberen Rückenmark statt. Eine partielle Kreuzung findet bei den Sehnerven statt:
„Die Kreuzung besteht nicht einfach darin, dass das linke Auge nach rechts geschaltet wird und das rechte nach links. Vielmehr bezieht sich die Trennung u rsprünglich auf die Umgebung. Die linke Hälfte des Gesichtsfeldes wird in der rechten Hemisphäre ausgewertet,
die rechte Hälfte in der linken Hemisphäre des Gehirns.“ 5
4.2 Funktionen der Gehirnhemisphären
Forschungen zur Folge verfügen wir heute über das Wissen, dass die beiden Hemisphären nicht nur in der physiologischen Funktion geteilt sind, sondern auch über verschiedene Aufgabenbereiche verfügen, betreffend sämtlicher Tätigkeitsgebiete: „..die Rezeption (Aufnahme), die Verarbeitung und die Reaktion h insichtlich der emotionalen wie kognitiven Bereiche und auch die Geschicklichkeit, das manuelle Reaktionsvermögen und das Abrufen der gespeicherten Inhalte.“ 6
Dieses Wissen basiert größtenteils auf Untersuchungen an Gehirnkranken mit verschiedenen Gehirnverletzungen („klinische Daten“). In den letzten Jahrzehnten konnten aufgrund der fortgeschrittenen Methoden Untersuchungen an Menschen mit unbeeinträchtigtem Nervensystem stattfinden (zum Beispiel nachzulesen in: Ornstein, Robert: Die Psychologie des Bewusstseins. Ebenso: Deglin, Wadim L.: „Unsere zwei Gehirne“. Vortrag Juni 1975). Sehr bekannt in diesem Zusammenhang der sogenannte Wada-Test. Dieser wird meist vor Gehirnoperationen angewendet, um festzustellen in welcher Hemisphäre die Sprache lokalisiert ist. Jede Hemisphäre wird einzeln anästhesiert. Dabei wird eine Kanüle an die rechte oder linke Arteria carotis (große Arterie am Hals des Patienten) angelegt. Durch diese Kanüle wird dann ein Barbiturat injiziert. „Jede Karotisarterie versorgt jeweils die a uf derselben Seite gelegene Hemisphäre mit Blut; so gelangt das in die rechte Karotis gespritzte
Natriumamobarbital ausschließlich zur rechten Hemisphäre und umgekehrt.“ 7 Es wird also eine Hemisphäre eingeschläfert.
„Wenn das Anästhetikum in diejenige Hemisphäre gespritzt wurde, die das Sprechen kontrolliert, so ist der Patient dosisabhängig ungefähr zwei bis fünf Minuten lang sprachlos. Bei Injektion in die andere Seite beginnt er gewöhnlich innerhalb von Sekunden wieder zu zählen und kann dann auch ohne große Schwierigkeiten auf Fragen antworten, obwohl seine andere Hirnhälfte weiterhin betäubt ist.“ 8 . Demnach sind jeder Gehirnhemisphäre spezielle Funktionen zugeteilt. Diese
Funktionsaufteilungen lassen sich auf die meisten Menschen übertragen.
5 Betz, Dieter: Psychophysiologie der kognitiven Prozesse, 1974. S.: 47
6 Sattler, Johanna Barbara:Der umgeschulte Linkshänder, 1999. S.:27
7 Ornstein, Robert:Die Psychologie des Bewußtseins, 1976. S.:72
8 Springer, Sally P.;Deutsch,Georg:Linkes rechtes Gehirn.Funktionelle Asymmetrien, 1987.S.:15
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Allem v oran steht die Erkenntnis, dass „die linke Hemisphäre (die sensorisch und motorisch die rechte Körperseite kontrolliert) das analytisch, logisch-sprachliche Denken beherrscht und linear, d.h. aufeinanderfolgend operiert, während die rechte Hemisphäre das s ynthetische, ganzheitliche Denken bevorzugt, welche beziehungsreich und gleichzeitig ist.“ 9 In der linken Hemisphäre befindet sich das Sprachzentrum, wobei Geschwind auch von rudimentären Ansätzen in der rechten Gehirnhemisphäre spricht. 10
In Anbetracht der Tatsache, dass Stotternde beim Singen keine Stottersymptome zeigen, ist es interessant, dass die rechte Hemisphäre zuständig ist für das Melodie- und Tongedächtnis. Auch interessant, dass zunehmend mehr Jungen als Mädchen stottern. Mit zunehmendem Alter erhöht sich der Anteil beträchtlich. Rolf Bindel nennt Prozentzahlen zum Verhältnis Junge zu Mädchen: Im Vorschulalter 2,5:1, im Alter von zehn Jahren: 4,4:1
Und im Erwachsenenalter die drastische Steigerung von 10:1. 11 Auch scheint Stottern im Regelfall stärkere Ausprägungen bei Jungen zu haben. Erkenntnissen nach, verfügen Mädchen über eine sprachliche Überlegenheit. Das zeigt sich allein schon darin, dass Mädchen ihre Sprache eher als Jungen entwickeln und „zusammenhängende Aussagen erscheinen bei Mädchen im Durchschnittsalter von 21,7
Monaten - bei Jungen erst im Alter von 26,8 Monaten.“ 12 Die zerebralen Funktionen sind bei Mädchen unilateraler in der linken Hemisphäre, in der sich das Sprachzentrum befindet, organisiert.
Folgend eine (unvollständige) Tabelle über einige Aufteilungen bezüglich der Funktionen der Gehirnhemisphären. Hemisphärenspezialisation 13
linke Hemisphäre
(rechte Körperseite)
analytisch, logisch-sprachliches Denken Denken, linear, d.h. aufeinanderfolgend
Zeit Raum und Perspektive
grammatikalisches Verständnis
sprachliche Sinnerfassung der Worte
Wortschatz, insbesondere abstrakter Begriffe Gefühlsverständnis
9 Sattler, Johanna Barbara:Der umgeschulte Linkshänder, 1999. S.:33
10 Geschwind, Norman: Specializations of the human brain, 1979. S.:158-168
11 Bindel,Rolf:Stottern als dialogische Fehlentwicklung,1987. S.:56
12 Bindel,Rolf:Stottern als dialogische Fehlentwicklung,1987. S.:57
13 Sattler, Johanna Barbara:Der umgeschulte Linkshänder, 1999. S.:38
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Arbeit zitieren:
Anke Grams, 2000, Stottern aus neuropsychopysiologischer Sicht und in Bezug auf die umgeschulte Händigkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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