Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
1.1 Der Name und Inhalt. 3
1.2 Probleme der Datierung 4
2 Avot de-Rabbi Nathan. 10
2.1 Name, Verfasser 11
2.2 Sprache, Versionen. 12
2.3 Textzeugen, Datierung. 14
2.3.1 Version A 14
2.3.2 Version B. 15
3 Literarischer Charakter. 15
3.1 Biblische Weisheit. 17
3.2 Rabbi Akiva und seine Frau. 17
4 Literaturverzeichnis. 22
2
1 Einleitung
In der vorliegenden Arbeit befasse ich mich mit der Entstehung und Entwicklung von Avot („Sprüche der Väter“) und dessen Verhältnis zu Avot de-Rabbi Natan.
Natürlich konnte ich nicht alle meist verschiedene bis diametral gegensätzliche Meinungen berücksichtigen. Solche fanden jedenfalls sowohl die neuen als auch die „klassischen“ Werke.
In den letzten Jahren hat sich die Wissenschaft infolge der Entdeckung neuer Textzeugen weiterentwickelt, weshalb nicht alle benutzten Quellen immer als auf dem neuesten Stand der Forschung anzusehen sind. Trotzdem fand ich es wichtig, sie zu berücksichtigen.
1.1 Der Name und Inhalt. („Sprüche der Väter“)
Avot wird traditionell als „Väter“ übersetzt.
Shimon Sharvit schreibt, dass Avot als Name der führenden Weisen oder der ersten Weisen der mündlichen Tora, besonders derjenigen, die im ersten Abschnitt vorkommen, von Shimon ha Tsaddik bis Jochanan Ben Zakkaj, verwendet werden kann.
Auch kommt der Name von "Av", was große Autorität oder wichtige Persönlichkeit bedeutet, so zum Beispiel Raban Yochanan Ben Zakkaj, dessen Name auch "Av le Chochma" - Vater der Weisheit war.
Av ist auch ein allgemeiner Begriff für Ältere oder Eltern, die Weisheit und Erfahrung besitzen, sowie in Dvarim oder Mishlei benutzt. (Sharvit, S. 18). Avot kann als einen technischen rabbinischen Ausdruck für „Grundlegende Prinzipien“ der Torah-Weisheit verwendet werden so wie "Avot Mlachot" oder "Avot Nezikin". Schon so früh wie im 13. Jahrhundert existiert der Vorschlag, den Titel in diesem Sinne zu verstehen. Amram Tropper meint, es war so beabsichtigt, dass der Titel ambivalent verstanden werden kann.
Im ersten Kapitel wird Traditionskette repräsentiert, die die Weitergabe der Tora von Mose am Sinai bis zu den Rabbinen der Zeit der Mishna nachzeichnet und bis Hillel und Shammai reicht. Es geht weiter im Kapitel 2 mit Rabbi Jehuda ha Nasi und seinem Sohn Gamaliel. Der Hauptteil besteht aus Weisheitssprüchen, die in den Kapiteln 1 und 2 durch imperative Aufforderungen charakterisiert sind und in den Kapitel 3 im Indikativ stehen.
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Kapitel 4 ist eine Sammlung unterschiedlicher Sprüche, das Hauptthema ist Tora aber auch Sünde, Gerechtigkeit und soziale Beziehungen kommen vor. Kapitel 5 sind die Zahlensprüche, die um eine bestimmte Zahl organisiert sind: Neun Gruppen von zehn, zwei Gruppen von sieben und sieben Gruppen von vier. Abschließend kommen nicht verbundene Aussagen mit einer Gruppe von drei. (Saldarini, S. 10-14.)
Inhaltlich unterscheidet Epstein drei frühe Kollektionen: Traditionskette bis Hillel und Shammai (1:1-15) Geschichten über Jochanan ben Zakkai und seine Schüler und Zahlensprüche. Finkelstein listet 5 Kollektionen auf: Traditionskette Jochanan und seine Schüler; 5 frühe Weisen (Akabya et al Kap 3), die 4, die in den Garten reinkamen, (K.4) und Zahlensprüche.
Georgi identifiziert in einer Arbeit über das Evangelium die zweite Kollektion von Hillel Aussagen (2:4b-7) wie eine frühe Quelle. (Saldarini, S. 15)
Die Thematik kann man als Tora und gute Taten definieren, die Tora wird von Generation zu Generation überliefert. Der Akzent liegt auf dem Tora Studium, Verhältnis zwischen Lehrer und Schuler, Verhalten gemäß der Tora Lehre und Tora Interpretation. (Saldarini, S. 21).
Seit dem Mittelalter ist dieser Traktat in das Gebetbuch aufgenommen und ist auch heute einer der populärsten Texte in der gesamten jüdischen Tradition. Das ist auch ein Teil des Sabbatgottesdienstes. Der Text gilt als Inbegriff rabbinischer Weisheit und Ethik.
1.2 Probleme der Datierung
Traditionell gilt der Traktat in seinem Kern als pharisäische und vorrabbinische Schrift und wurde relativ früh angesetzt. Die Datierung liegt zwischen 250 und 300 C. E. Ein Teil der Forscher vertritt die Meinung, dass der Traktat eine spätere Ergänzung der Mishna ist. Er sollte den mischnaischen Anspruch, die Tora legitim weiterzuentwickeln, rechtfertigen. In neueren Publikationen ist eine Rückkehr zur traditionellen Position zu beobachten, dass der Traktat ursprünglich der Mishna gehörte.
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Die Rabbinen der Mishna haben ihn nur ergänzt. Stemberger zitiert die Meinung Finkelsteins. Er meint, der Grundtext stammt aus dem 3 Jh. vor Christus. Er wurde in Makkabäerzeit erweitert und von der Schule Schammais ergänzt. R. Jehuda ha Nasi habe den Text und seine Anordnung verändert, aber die ursprüngliche Form ist in ARNB geblieben. Laut Tropper, sind die unterschiedlichen Meinungen darüber einig, dass Avot mehrmals editiert wurde und dass es ursprünglich kleiner war, oder auf jeden Fall anders aussah als heute. Avot geht auf einen Urtext zurück, der nach mehreren Überarbeitungen durch Jehuda ha Nasi eine einheitliche durchgehende Redaktion erfuhr.
Unterschiedliche Varianten stammen unter anderem von mittelalterlichen Manuskripten der Mishna, Fragmenten der Kairoer Geniza, frühen Kommentaren. Es scheint dass die ursprüngliche Version nicht mehr wiederzufinden ist. Es gibt keine Einzelperson, die als Autor bezeichnet werden kann, sondern ist Avot eine Anthologie der rabbinischen Meinungen von mehreren Personen.
Stemberger erwähnt in seinem bibliographischen Bericht die neue kritische Ausgabe von Shimon Sharvit (Jerusalem, 2004), die alle wichtige Manuskripte und Geniza Fragmente untersucht. Der kritische Apparat ist in zwei Teile geteilt: die Mishna Manuskripte und die Manuskripte der Gebetsbücher. Kapitel sechs ist aufgrund Machzor Roma editiert.
Man vermutet, dass der Verfasser von Avot sein Material aus einem größeren Corpus ausgewählt hat. Es gibt viele tannaitischen Aussagen in der rabbinischen Literatur die ähnlich sind wie die Aussagen in Avot.
A. Guttmann meint, Avot wurde nicht als Teil der Mishna bis dritter Generation der Amoräer circa 300 CE anerkannt. Seine Argumentation sieht folgendermaßen aus:
Es gibt keine Tosefta zu Avot. und bei Redaktion der Tosefta gab es noch kein Traktat Avot. Avot de -Rabbi Natan ist nicht auf Mishna Avot basiert. Das bedeutet, dass Mishna der Rabbi ha Nassi Avot noch nicht beinhaltet.
Im Babylonischen Talmud sind die meisten zitierten Stellen als Baraitot eingeführt. Die talmudischen Weisen kannten sie nicht als Mishna sondern als Baraita. Im PT sind die Avot als Mishna eingeführt. Die Datierung der Zitate liegt bei der vierten Generation der Amoräer. Das bedeutet, Avot wurde Ende dritter oder Beginn der vierten Generation eingefügt, also um 300 C.E.
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Die ursprüngliche Positionierung ist zu beachten. In der Mishna ist Avot im Seder Nezikin vor Horayot. Im Talmud aber kommt er am Ende Nezikin , nach Horayot . In MS München ist er am Ende des ganzen Talmuds, nach Ukzin.
Die Meinung, dass Avot de -Rabbi Natan den Platz der Tosefta nimmt, ist irrig, weil Tosefta der genauen Reihenfolge der Mishna folgt und Avot de -Rabbi Natan hingegen nur einigen Teilen der Mishna.
Man vermutet, dass eine Tosefta zu Mishna Avot existierte, welche aber verloren ging. Guttmann meint, das wäre falsch, weil mehrere Versionen von Tosefta existieren, keine aber beinhaltet Avot.
Im Kommentar von Maimonides ist Avot als letzter Traktat von Nezikin aufgeführt. MS München hatte ursprüngliche Ordnung. Aber als es üblich wurde, nur vier von sechs Ordnungen zu studieren, wurde Avot zu Ende der vierten Ordnung, Nezikin, verlegt. Laut Guttmann war Avot kein ursprünglicher Teil der Mishna; es wurde der Mishna hinzugefügt, wahrscheinlich um 300 C. E.
Ein möglicher Grund, warum Avot eingefügt wurde, war der wachsende Einfluss und die wachsende Aggressivität der christlichen Umgebung.
Die historische Schicht, die auch am umstrittensten ist, wurde während der gaonischen Periode hinzugefügt. Der mögliche Zweck war, die Tora und rabbinische Tradition gegen Attacken von Koran zu schützen und so das Judentum zu stärken. Als weiteren Schritt in diese Richtung wurde Avot zum Teil des Shabbat Gottesdienstes.
Für Tropper sind diese Beweise nicht überzeugend. Traktate Tamid Middot und Kinnim waren auch nicht in Tosefta beigefügt.
Es ist nicht vorgekommen, dass ein Zitat aus einer Mishnah aus Avot Manuskripte im Babylonischen Talmud mit Baraita Terminologie eingeführt wurde. Die Zitate von Avot im Talmud sind nicht mischnaische, ausführlichere und buntere Parallelversionen.
Der Platz von Avot in MS München und Kommentar von Maimonides hat nichts mit der Datierung oder Mishna Status zu tun. (Tropper, S. 91-97).
Stemberger zitiert A. Tropper, dass Avot auf einen Urtext zurückgeht. Nach traditioneller Sicht wurde dieser Text nach mehreren Überarbeitungen von Jehuda ha Nasi redigiert und erhielt so seine einheitliche durchgehende Redaktion.
Frankel argumentiert, dass jede persönliche Meinung, die dem Rabbi zugeschrieben wird, eine spätere Einfügung ist. Andere spätere Tannaiten wurden auch später eingefügt.
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Arbeit zitieren:
Alina Polyak, 2008, Entstehung und Entwicklung von Avot und Avot de-Rabbi Natan, München, GRIN Verlag GmbH
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