Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Ziele, Inhalte und Charakter des Bündnisses 4
3 Außenpolitische Betrachtung 5
3.1 Die Verwirklichung des Mächtegleichgewichts 5
3.2 Die Neugestaltung und Professionalisierung diplomatischer Vorgehensweisen 6
4 Betrachtung von Staatsbildungsprozessen 8
4.1 Die Entwicklung Österreichs, Brandenburgs und Sachsens 8
4.2 Die Entwicklung Polens 9
5 Konfessionelle Betrachtung 10
6 Zusammenfassung. 11
7 Bibliographie. 13
2
1 Einleitung
Als der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan am 10. Februar 2008 in Köln vor türkischstämmigem Publikum verkündete, dass ,,von hier aus die Botschaft von Brüderlichkeit, Freundschaft, Solidarität und Frieden nach ganz Europa […] übermittelt’’ werde, sprach er eine Grundtendenz der türkisch-europäischen Beziehungen an, die noch im 17. Jahrhundert in eine ganz andere Richtung verlief. Das gesteigerte Interesse der europäischen Öffentlichkeit an dieser historischen Entwicklung infolge von EU-Beitritts-verhandlungen mit der Türkei lässt dabei die Zeit der Kriege gegen das Osmanische Reich in den Mittelpunkt rücken, die mit dem Großen Türkenkrieg von 1683 ihren Höhepunkt fand. Im Folgenden soll untersucht werden, welchen Einfluss die Vorgänge des späten 17. Jahrhunderts auf das werdende Europa nahmen. Ein starkes Gewicht liegt dabei auf dem sich herauskristallisierenden Mächtegleichgewicht in Europa, das meiner Auffassung nach wichtige Leitlinien für eine Stabilisierung des Kontinents vorgegeben und damit Grundlagen für dessen spätere Einigung geschaffen hat. Somit soll an die aktuelle Forschungstendenz angeknüpft werden, welche als Folge zunehmenden europäischen Denkens damit begonnen hat, die Wirkung historischer Ereignisse und Prozesse unabhängig von nationalen Grenzen zu analysieren. Die staatliche Entwicklung einzelner Länder findet ebenso ihre Berücksichtigung wie der Wandel außenpolitischen Verhaltens von Angehörigen der Heiligen Liga, deren Entstehung 1684 einer permanenten Bedrohung durch das Osmanische Reich geschuldet war. Da die Abwehr dieser Gefahr auch als christliche Gemeinschaftsarbeit gesehen werden sollte, spielt darüber hinaus die sich wandelnde Bedeutung konfessioneller Zugehörigkeit in der Politik eine Rolle. Um einen Überblick über die Liga zu geben, wird einleitend auf deren Ziele und Inhalte eingegangen, damit von dem Grundgerüst die Analyse anderer Teilgebiete erfolgen kann. Der Aufbau der Arbeit wird somit eher systematisch als chronologisch sein. Weil die Frage nach der Zugehörigkeit der Türkei zu Europa aktuell umstritten ist, finden Wandlungsprozesse des Osmanischen Reiches keine Berücksichtigung und auch die Sicht auf Frankreich wird nur in dem Rahmen möglich sein, den die Frage nach der europäischen Einigung ihr erlässt, auch wenn die Eröffnung der zweiten Kriegsfront durch Ludwig XIV. in Verbindung mit den Verwicklungen in Südosteuropa steht und damit ebenso thematisiert wird. Unter diesen Voraussetzungen soll nun erörtert werden, ob der mit einer osmanischen Belagerung Wiens beginnende Türkenkrieg tatsächlich die Einigung Europas beeinflusst hat.
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2 Ziele, Inhalte und Charakter des Bündnisses
Die Aufhebung dieser Belagerung Wiens im Jahre 1683 durch ein gemeinsames kaiserlichpolnisches Heer hat wie kein anderes Ereignis ähnlicher Art einen Stein ins Rollen gebracht, der die zwischenstaatlichen Beziehungen europäischer Mächte in den folgenden 20 Jahren und darüber hinaus nachhaltig verändern sollte. So ist der Vertrag zwischen Kaiser, Polen und Venedig, der im darauf folgenden Jahr die Heilige Liga entstehen ließ, als eine direkte Folge der sich in Europa ausbreitenden Siegesgewissheit zu sehen. Mit dem Primärziel, die Osmanen vom Balkan zu vertreiben, erscheint dieses ungleiche Bündnis zunächst zwar als reine Zweckgemeinschaft, die noch dazu aufgrund unterschiedlicher Interessen 1 der jeweiligen Protagonisten nur für die Dauer des Krieges und der äußeren Bedrohung konzipiert war. Bei der Betrachtung weiterer Anliegen der Vertragspartner wird allerdings ersichtlich, dass diese mit ihrem außenpolitischen Handeln bereits eine ziemlich europäische Zielsetzung verfolgten, die beispielsweise durch den Wunsch nach einer Wiedervereinigung Ungarns sowie einem Gleichgewicht der christlichen Mächte auf eine Stabilisierung des Kontinents bedacht war. Dieser Eindruck verfestigt sich durch eine inhaltliche Begutachtung des 14 Punkte umfassenden Vertrags: Einerseits wird an die Verbündeten die Forderung gestellt, nur bis zum Ende des laufenden Krieges in offensiver Ausrichtung vereint zu bleiben, was nicht gerade die Vermutung einer langfristigen Planung aufkommen lässt - während andererseits die Verpflichtung zum Beistand gegen jeden türkischen Angriff auf ewige Zeit als das Gegenteil dessen gewertet werden kann. 2 Deshalb liegt es nahe, dass die Heilige Liga in der Funktion als Offensivbündnis kein zukunftsweisendes Projekt für eine europäische Gesamtordnung war, sondern lediglich in der Funktion als Defensivbündnis, und dort auch nur solange ein reelles oder zumindest potenzielles Feindbild existierte. Was die Geschlossenheit der Vertragspartner und die Stabilität des Bündnisses anbelangt, wurde allerdings mit dem Verzicht auf Sonderfriedensschlüsse sowie dem strikten Verbot einer Ausrichtung der Liga gegen andere Feinde als dem Osmanischen Reich eine Lösung
1 Die Ziele beispielsweise des Papstes gingen im Vergleich zu denen des Kaisers wesentlich weiter und sahen eine universale christliche Herrschaftsordnung auf dem Balkan vor, in der Leopold mit Ungarn, Polen mit der Wallachei sowie Moldawien und Venedig mit Slawonien, dem osmanischen Teil Kroatiens, Bosnien, Epirus, Dalmatien und Albanien für ihr christliches Engagement belohnt werden sollten. Außerdem sah die Planung des Papstes vor, den Bourbonen Philipp von Anjou als oströmischen Kaiser auf den byzantinischen Thron zu heben. Vgl.: Otto Forst de Battaglia: Jan Sobieski. Köln 1982, S. 214.
2 Zu den wichtigsten Vertragspunkten vgl.: Ebd., S. 216.
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Arbeit zitieren:
Christoph Strauch, 2008, Der Große Türkenkrieg als Wegweiser der europäischen Einigung, München, GRIN Verlag GmbH
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