II
Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis III
Abbildungs - und Tabellenverzeichnis IV
1 Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit 2
2 Globalisierung 3
2.1 Dimensionen der Globalisierung 3
2.2 Wirtschaftliche Globalisierung. 5
2.2.1 Geschichtliche Entwicklung. 5
2.2.2 Außenhandel 7
2.2.2.1 Gründe für Außenhandel 7
2.2.2.2 Gewinner und Verlierer beim Außenhandel 11
3 Begünstigungen der Globalisierung seit 1945. 15
3.1 Politische Rahmenbedingungen. 15
3.2 Technische Innovationen 20
3.3 Wirtschaftliche Rahmenbedingungen 22
3.3.1 Internationale Standortbedingungen 22
3.3.2 Multinationale Unternehmen 26
4 Wirtschaftsstandort Deutschland 29
4.1 Bestandsaufnahme aus deutscher Sicht 29
4.2 Veränderungen des Wirtschaftssystems 33
4.2.1 Warenausfuhren. 33
4.2.2 Direktinvestitionen. 39
4.2.3 Arbeitsmarkt und Strukturwandel 46
4.2.4 Wohlfahrtsveränderungen. 58
4.2.5 Finanzmärkte 65
5 Soziales System in Deutschland 69
5.1 Gestalt des deutschen Sozialstaats 69
5.2 Effekte der Globalisierung auf die Sozialsysteme. 71
6 Fazit 77
Literaturverzeichnis 79
III
Abkürzungsverzeichnis
a.n.g. anderweitig nicht genannt BGB Bürgerliches Gesetzbuch BIP Bruttoinlandsprodukt BMAS Bundesministerium für Arbeit und Soziales BMF Bundesministerium der Finanzen BMWi Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie BMZ Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung DAX Deutscher Aktienindex DIHK Deutscher Industrie- und Handelskammertag EFTA European Free Trade Association EU Europäische Union EU-MS Europäische Mitgliedsstaaten EVCA European Private Equity and Venture Capital Association GATT General Agreements of Tariffs and Trade GG Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland GUS Gemeinschaft unabhängiger Staaten ISO International Organization for Standardization ITO International Trade Organization IWF International Monetary Fund KBG Kapitalbeteiligungsgesellschaft PE Private Equity SGB Sozialgesetzbuch UN-CTAD United Nations Conference on Trade and Development VRG Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung WTO World Trade Organization
IV
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
Abbildung 1: Transformationskurve von Portugal.............................. 9 Abbildung 2: Transformationskurve von England.............................. 9 Abbildung 3: Wohlfahrtsveränderungen in einem Exportland ......... 12 Abbildung 4: Wohlfahrtsveränderungen in einem Importland.......... 14 Abbildung 5: Die Wirkung eines Importzolls .................................... 19 Abbildung 6: Unternehmenssteuersätze im internationalen Vergleich
................................................................................... 25 Abbildung 7: Anzahl Multinationaler Unternehmen mit Hauptsitz im dargestellten Land...................................................... 26 Abbildung 8: Nettoumsatzrenditen 2006 im internationalen Vergleich
................................................................................... 29 Abbildung 9: Exportquote Deutschlands von 1993 bis 2007 ........... 30 Abbildung 10: Unternehmenssteuerbelastungen 2007 nominal........ 31 Abbildung 11: Deutschlands wichtigste Exportgüter ......................... 33 Abbildung 12: Deutschlands wichtigste Importgüter.......................... 34 Abbildung 13: Anteil der Warenausfuhren führenden Exportländer an der Weltausfuhr .......................................................... 35 Abbildung 14: Warenausfuhren der führenden Exportländer in Mrd. Dollar .......................................................................... 35 Abbildung 15: Deutsche Warenausfuhren im Spezialhandel in ausgewählte Länder ................................................... 36 Abbildung 16: Gesamtentwicklung des deutschen Außenhandels.... 37 Abbildung 17: Anzahl deutscher Unternehmen im Ausland .............. 40 Abbildung 18: Deutsche Direktinvestitionsbestände im Ausland....... 40 Abbildung 19: Motive und Gründe für das Auslandsengagement ..... 41 Abbildung 20: Zielregionen für das Auslandsgeschäft ...................... 43 Abbildung 21: Ausländische Direktinvestitionsbestände in Deutschland ................................................................................... 44 Abbildung 22: Anteil der ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland nach Bundesländern in 2003 ................. 45 Abbildung 23: Absolute Exporte und exportinduzierte Wertschöpfung.. ................................................................................... 48
V
Abbildung 24: Anteile des Exports an der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung .................................................. 49 Abbildung 25: Arbeitskosten pro Stunde: Handel.............................. 51 Abbildung 26: Arbeitskosten pro Stunde: verarbeitendes Gewerbe .. 51 Abbildung 27: Entwicklung des BIP pro Kopf auf Basis von Kaufkraftparitäten in internationalen Dollar................. 53 Abbildung 28: Lohnstückkosten im internationalen Vergleich ........... 54 Abbildung 29: Auftragseingänge der Industrie aus dem Inland und Ausland ...................................................................... 60 Abbildung 30: Terms of Trade von Deutschland, China und entwickelten Volkswirtschaften insgesamt.................. 61 Abbildung 31: Entwicklung des BIP pro Kopf in Deutschland ........... 62 Abbildung 32: Veränderung der Importpreise und Verbraucherpreise .. ................................................................................... 64 Abbildung 33: Bewertung der Rahmenbedingungen für Private Equity. ................................................................................... 68 Abbildung 34: Sozialbudget von Deutschland anteilig am BIP.......... 72 Abbildung 35: Sozialbudget von Deutschland in absoluten Werten .. 74 Tabelle 1: Kostenvergleich zwischen zwei Ländern...................... 7 Tabelle 2: Opportunitätskosten der Produktion ............................. 8 Tabelle 3: Wohlfahrtsveränderungen in einem Exportland ......... 13 Tabelle 4: Wohlfahrtsveränderungen in einem Importland.......... 14 Tabelle 5: Zollsenkungsrunden im Rahmen des GATT .............. 17 Tabelle 6: Importabhängigkeit der gesamten Warenexporte von
Deutschland ............................................................... 38 Tabelle 7: Atypische und normale Beschäftigte in der
Haupterwerbstätigkeit................................................. 57
1
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
Das Schlagwort Globalisierung ist in den letzten Jahren immer allgegenwärtiger geworden. Der Begriff löst in der Bevölkerung sowohl Furcht als auch Optimismus auf eine gute wirtschaftliche Entwicklung aus. 1 Globalisierung ist ein Teil eines stetigen und zeitlosen Wandels dem Menschen unterliegen. Mit diesem Bewusstsein sollte eine gelassene Diskussion über die kommenden Herausforderungen und den daraus resultierenden möglichen Veränderungen mit dem erforderlichen Abstand möglich sein. 2 „Die wirtschaftliche Globalisierung, der Prozess zunehmender weltwirtschaftlicher Verflechtung, beeinflusst immer stärker unser tägliches Leben.“ 3 Waren aus weltweiter Herstellung begleiten uns im Alltag, wie zum Beispiel Kaffee aus Afrika, Plasmabildschirme aus Japan, Autos aus Amerika sowie Kleidung aus China. 4 Auch Deutschland als Exportweltmeister profitiert durch hohe Ex-porte in die übrige Welt von der Globalisierung. Befragungen der letzten Jahre zeigten ein sich veränderndes Meinungsbild zur Globalisierung. 5 Eine Umfrage zur Globalisierung des Institut für Demoskopie Allensbach aus dem Jahr 2006 ergab, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung den Begriff Globalisierung mit Befürchtungen verband. Die Umfrage zeigt, dass lediglich 20 Prozent der Deutschen mehr Chancen als Risiken in der Globalisierung sehen, dieser Anteil hat sich gegenüber 1998 um drei Prozent verringert. Mit 47 Prozent sind knapp die Hälfte der Befragten der Meinung die Globalisierung bringe mehr Risiken als Chancen. Dieser Anteil ist von 25 Prozent im Jahr 1998 bis heute stark angestiegen. Zwölf Prozent der Teilnehmenden konnten mit dem Begriff
1 Vgl. Preyer, G., Die globale Herausforderung, 1998, S. 5.
2 Vgl. Weber, M., Deutschland in der Globalisierungsfalle, Stand: 03.08.2001, S. 14
(Internet).
3 Hass, E., Globalisierung - das Ende der sozialen Marktwirtschaft, 2007, S.11.
4 Vgl. Ebd., S.11.
5 Vgl. Weber, M., Deutschland in der Globalisierungsfalle, Stand: 03.08.2001, S. 23
(Internet).
2
Globalisierung nichts anfangen. 6 Um die Bedenken und Unkenntnisse in der Bevölkerung zu minimieren hilft Aufklärung über die Globalisierung. 7 In den Medien fehlt allerdings ein Bewusstsein, welche Chancen die Globalisierung bringen kann und was Globalisierung genau heißt. 8 Ein Vorbehalt der Bevölkerung zur Globalisierung könnte in einen neuen Protektionismus münden. Im Maximum hieße dies eine massive Anhebung der Handelsschranken. Die Globalisierung wäre durchaus abwendbar und politisch zu stoppen. 9 Alles was dafür zu tun ist, wären Grenzschließungen, Stärkung des Nationalstaates, Kontrollen des Kapital- und Devisenverkehrs sowie unter anderem die gesellschaftliche Entscheidung, wer welche Automarke fährt und wer was isst. Das würde jedoch zu folgendem Nachteil führen: Die Bürger müssten diejenigen tolerieren, die diese Entscheidungen treffen würden. Dies stellte eine ,ent-globalisierte‘ Welt dar und wäre der Gegensatz zu einer weltoffenen Bevölkerung. 10 “Kleingeistiges Spießertum und verbohrte Nationalismen in einem Netz von Überwachungsstaaten, die sich feindselig gegenüberstehen, wären die Konsequenz.“ 11 Um den Wandel durch die Globalisierung mit zu gestalten, sollte die Globalisierung überwiegend als nutzbringend und Perspektive verstanden werden. 12
1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit
In dieser Ausarbeitung soll die Globalisierung im Zusammenhang mit dem wirtschaftlichen und sozialen System unserer Volkswirtschaft betrachtet werden. Ausgewählte Bereiche des wirtschaftlichen und sozialen Systems sollen untersucht werden, um Effekte der Globalisierung festzustellen.
6 Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach, Globalisierung, Stand: 24.07.2006, S. 1 f.
(Internet).
7 Vgl. Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, Globalisierungsangst, Stand: 2007 (In-
ternet).
8 Vgl. Preyer, G., Die globale Herausforderung, 1998, S. 5.
9 Vgl. Matthes, J., Weltkrieg um Wohlstand und pathologischer Exportboom?, 2007, S.
4.
10 Vgl. Apolte, T., Wohlstand durch Globalisierung, 2006, S. 3 f.
11 Ebd., S. 4.
12 Vgl. Bundesverband deutscher Banken, Wirtschaftsstandort Deutschland 2008,
Stand: 28.07.2008, S. 6 (Internet).
3
Um dieses Ziel zu erreichen, soll zunächst in Kapitel 2 der Begriff der Globalisierung erläutert werden und die Abgrenzung der wirtschaftlichen Globalisierung erfolgen. Es soll dargestellt werden, wie und weshalb sich die wirtschaftliche Globalisierung entwickelt hat. Darauf aufbauend sollen in Kapitel 3 die begünstigenden unterschiedlichen Rahmenbedingungen der Globalisierung seit dem Jahr 1945 aufgezeigt werden. Nachfolgend sollen in Kapitel 4 eine Bestandsaufnahme des Wirtschaftsstandortes Deutschland und die Auswirkungen der Globalisierung auf diesen vorgestellt werden. Im Anschluss sollen im Kapitel 5 das Prinzip des Sozialstaats und die Folgen der Globalisierung auf das soziale System von Deutschland dargelegt werden. Den Abschluss dieser Ausführung bildet das Fazit.
2 Globalisierung
2.1 Dimensionen der Globalisierung
Wie im Kapitel 1.1 beschrieben, wird Globalisierung entweder als eine positive Erscheinung der gesellschaftlichen Entwicklung betrachtet oder als eine negative Erscheinung, welche nur Erschwernisse oder Beeinträchtigungen für die Welt als ganzes bringt. Um sich dem Phänomen Globalisierung objektiv zu nähern, soll nun eine Definition von Albrow vorgestellt werden:
Globalisierung ist „1. Die aktive oder passive Entwicklung hin zur Globalität; 1.1 in einzelnen Bereichen: 1.1.1 als Ausbreitung von Praktiken, Werten, Technologien und anderen menschlichen Erzeugnissen über die ganze Welt; 1.1.2 als wachsender Einfluß globaler Praktiken etc. auf das Leben von Menschen; 1.1.3 als zunehmende Bedeutung des Globus als zentraler Bezugspunkt oder Voraussetzung menschlichen Handelns; 1.1.4 als zunehmender Wandel, der durch die Interaktion einzelner dieser Bereiche hervorgerufen wird; 1.2 als die Gesamtheit dieser Bereiche; 1.3 als der abstrakte Oberbegriff dieser Bereiche. 2. Ein akti- ver oder passiver Globalisierungsprozeß in einem oder allen der unter
4
1. aufgezahlten Bereiche. 3. Die historische Umwälzung, die aus der Summe der einzelnen Formen und Beispiele unter 1. resultiert.” 13 Mit dieser Definition wird deutlich, dass Globalisierung ein gesamtgesellschaftlicher Prozess ist. Die Definition impliziert auch den Wandel in Wirtschaft, Politik und Kultur. Mit dem in Punkt 2 beschriebenen aktiven und passiven Globalisierungsprozess wird eine Entwicklung von Eigendynamik der Globalisierung dargestellt. 14 Um die Komplexität der Globalisierung noch stärker hervorzuheben, soll nun ergänzend eine Definition von Herder-Dorneich vorgestellt werden: „Globalisierung heißt: Alles hängt mit allem zusammen, die Interdependenz steigt und wird schließlich zur totalen Interdependenz und die Intransparenz steigt infolge dessen ebenso. Die Unübersichtlichkeit wird total.“ 15
Globalisierung kann somit als eine multidimensionale Entwicklung ver-standen werden, die aus annähernd allen Bereichen des Lebens simultan hervorgeht und innerhalb dieser schwer differenzierbar ist. 16 Die Globalisierung hat viele Dimensionen, darunter politische und soziale, aber auch ökonomische. 17 Für die Bearbeitung der Problemstellung des vorliegenden Referats ist primär die wirtschaftliche Globalisierung relevant. Daher wird die Analyse in den folgenden Kapiteln auf diese Dimension mit Ihren verschiedenen Erscheinungen beschränkt. Die wirtschaftliche Globalisierung impliziert den Prozess der zunehmenden wirtschaftlichen Verflechtung der einzelnen Länder. 18 Wirtschaftliche
13 Albrow, M., Abschied vom Nationalstaat, 1998, S. 141 f.
14 Vgl. Andres, S., Internationale Unternehmenskommunikation im Globalisierungs-
prozess, 2004, S. 30.
15 Herder-Dorneich, P., Globales Denken, 2008, S. 23.
16 Vgl. Andres, S., Internationale Unternehmenskommunikation im Globalisierungs-
prozess, 2004, S. 32.
17 Vgl. Matthes, J., Langhorst, C., Herzog, B., Deutschland in der Globalisierung,
2008, S. 11 (Internet).
18 Vgl. Hass, E., Globalisierung - das Ende der sozialen Marktwirtschaft?, 2007, S. 11;
Vgl. Matthes, J., Langhorst, C., Herzog, B., Deutschland in der Globalisierung, 2008,
S. 11 (Internet).
5
Globalisierung ist vor allem durch die Internationalisierung der Politik, Kommunikations- und Transporttechnologien, transnationalen Unternehmen, den weltweiten Handel mit Gütern und Dienstleistungen, Direktinvestitionen und die Weltfinanzmärkte gekennzeichnet. 19 Diese Merkmale werden in den folgenden Kapiteln aufgegriffen.
2.2 Wirtschaftliche Globalisierung
2.2.1 Geschichtliche Entwicklung
Als Beginn der wirtschaftlichen Globalisierung wird von Experten häufig die Entdeckung Amerikas 1492 durch Kolumbus genannt. Dieser Globalisierungsanlauf wurde durch die Entstehung der Kolonialreiche Spanien, Portugal, England und Holland sowie deren Politik mit einer im Prinzip irreversiblen weltweiten Vernetzung geprägt. 20 Im Jahre 1519 startete Ferdinand Magellan unter der spanischen Krone die Magellanfahrt zu den Gewürzinseln der Molukken, aus der sich die erste vollständige Weltumsegelung ergab. Die spanischen Fürsten waren bestrebt, den Weltmarkt der Gewürze zu erobern und die Abhängigkeit vom venezianischen Gewürzmonopol zu beenden. 21 Der Sklavenhandel zwischen Afrika und Amerika war ebenfalls ein relevantes Segment der damaligen globalen Handelsbeziehungen. 22 Die Entdeckungsreisen und Handelsgeschäfte stellten die Kontinente Europa, Afrika, Asien und Amerika in einen direkten Kontakt. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden hieraus eine stabile multilaterale Interdependenz sowie beständige und potentiell wirkungsgewaltige transkontinentale Vernetzungen. 23 Die Industrialisierung ab den 1830er Jahren brachte, unter dem Einfluss der von der industriellen Revolution geschaffenen Produktions- 19 Vgl.Hass, E., Globalisierung - das Ende der sozialen Marktwirtschaft?, 2007, S. 13
ff.
20 Vgl. Herder-Dorneich, P., Globales Denken, 2008, S. 20; Vgl. Hass, E., Globalisie-
rung - das Ende der sozialen Marktwirtschaft?, 2007, S. 12; Vgl. Osterhammel, J.,
Petersson, N., Geschichte der Globalisierung, 2007, S. 25.
21 Vgl. Sloterdijk, P., Philosophische Aspekte der Globalisierung, Stand: 03.08.2001,
S. 56 ff. (Internet).
22 Vgl. Hass, E., Globalisierung - das Ende der sozialen Marktwirtschaft?, 2007, S. 12.
23 Vgl. Osterhammel, J., Petersson, N., Geschichte der Globalisierung, 2007, S. 25.
6
, Transport- und Kommunikationskapazitäten, einen neuerlichen Schub für die wirtschaftliche Globalisierung. 24 Zudem führte die Industrialisierung zur Ausweitung marktwirtschaftlich-kapitalistischer Strukturen und es entstand eine weltwirtschaftliche Arbeitsteilung zwischen Industrieregionen, Kolonien und europäischen Randgebieten. Die einen boten Industrieprodukte an, die anderen lieferten landwirtschaftliche Güter und Rohstoffe für die Industrie. Zwischen den industrialisierten Ländern entwickelte sich im 19. Jahrhundert außerdem ein sehr umfassender Warenaustausch. 25 Seit den 1870er Jahren wirkten erstmalig auf wirtschaftlicher Ebene globale Interdependenzen, es entstand zunehmend Welthandel. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bildeten sich zunächst unlösbare Konflikte zwischen den Weltmächten, durch die es zu zwei Weltkriegen kam. Durch diese Ereignisse und einer dazwischenliegenden Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren sind viele weltwirtschaftliche Verflechtungen zusammengebrochen. Die Entwicklung der Globalisierung setzte aus und eine Zeit der De-Globalisierung begann. 26 Nach Ende des zweiten Weltkrieges lebten die weltwirtschaftlichen Beziehungen wieder auf. Es entwickelte sich eine neue Weltwäh-rungsordnung. Zusätzlich wurden bestehende Hindernisse für einen freien Warenaustausch durch eine neue Welthandelsordnung zunehmend beseitigt. Beide Ordnungen stellten die Grundlage für eine dynamische Zunahme internationaler Wirtschaftsaktivitäten dar. Das heutige Verständnis der wirtschaftlichen Globalisierung ist ein Resultat dieser Entwicklung. 27
24 Vgl. Herder-Dorneich, P., Globales Denken, 2008, S. 20; Vgl. Osterhammel, J.,
Petersson, N., Geschichte der Globalisierung, 2007, S. 26.
25 Vgl. Hass, E., Globalisierung - das Ende der sozialen Marktwirtschaft?, 2007, S. 12.
26 Vgl. Herder-Dorneich, P., Globales Denken, 2008, S. 20; Vgl. Hass, E., Globalisie-
rung - das Ende der sozialen Marktwirtschaft?, 2007, S. 12 f.; Vgl. Osterhammel, J.,
Petersson, N., Geschichte der Globalisierung, 2007, S. 26.
27 Vgl. Hass, E., Globalisierung - das Ende der sozialen Marktwirtschaft?, 2007, S. 13.
7
2.2.2 Außenhandel
2.2.2.1 Gründe für Außenhandel
Im Folgenden soll dargestellt werden, dass Außenhandel Vorteile für die beteiligten Länder bringen kann. Hierfür wird zunächst gezeigt, dass Arbeitsteilung, Spezialisierung und internationaler Handel zwischen zwei Ländern selbst dann für beide Länder von Vorteil sein kann, wenn eines der beteiligten Länder grundsätzlich absolute Kostenvorteile gegenüber dem anderen Land hat. Entscheidend ist, dass sich das benachteiligte Land auf die Produktion und den Export derjenigen Erzeugnisse spezialisiert, bei denen es den relativ kleinsten Kostennachteil hat. 28 Eine derartige relativ geringere Kostenunterlegenheit wird als komparativer Kostenvorteil bezeichnet. 29 Die Theorie der komparativen Kosten soll mit Ricardos Originalbeispiel, dargestellt durch Tabelle 1 und Tabelle 2, deutlich gemacht werden. 30 In diesem Beispiel wird die Produktion von Tuch und Wein in England und Portugal dargestellt. Die Zahlen in Tabelle 1 geben die Arbeitseinheiten an, die in dem jeweiligen Land notwendig sind, um eine Einheit Tuch (= 1T) bzw. eine Einheit Wein (= 1W) zu produzieren.
28 Vgl. Ricardo, D., Über die Grundsätze der politischen Ökonomie und der Besteue-
rung, 1994, S. 114 f.
29 Vgl. Gruber, U., Kleber, M., Grundlagen der Volkswirtschaftslehre, 2000, S. 24.
30 Vgl. Ricardo, D., Über die Grundsätze der politischen Ökonomie und der Besteue-
rung, 1994, S. 114-120.
31 Gruber, U., Kleber, M., Grundlagen der Volkswirtschaftslehre, 2000, S. 24.
8
Die in der Tabelle 1 dargestellten Zahlenverhältnisse zeigen, dass die Herstellung der Waren Tuch und Wein in England absolut teurer ist. Bei beiden Erzeugnissen hat Portugal einen absoluten Kostenvorteil. Dagegen ist der absolute Kostennachteil von England bei dem Erzeugnis Tuch (100 zu 90) relativ kleiner als bei dem Erzeugnis Wein (120 zu 80). England hat somit einen komparativen Kostenvorteil bei Tuch. Wenn anstelle der Arbeitskosten die Opportunitätskosten der Produktion verglichen werden, werden die komparativen Kostenvorteile sichtbar. 32 Opportunitätskosten sind „...die Kosten des einen Gutes ausgedrückt in Einheiten des anderen Gutes“. 33 Die Opportunitätskosten für das dargelegte Beispiel sind in Tabelle 2 dargestellt.
Für die Produktion von einer Einheit Tuch muss in England auf 0,83 Einheiten Wein verzichtet werden. In Portugal kostet eine Einheit Tuch 1,125 Einheiten Wein. Die Opportunitätskosten sind in England für eine Einheit Tuch geringer, England hat somit bei Tuch einen komparativen Kostenvorteil. Portugal hat bei der Produktion von Wein sowohl den absoluten als auch den komparativen Kostenvorteil. Anhand der Abbildungen 1 und 2 soll der Vorteil der Spezialisierung beider Länder auf ein Produkt dargelegt werden. Die Abbildungen zeigen entsprechend
32 Vgl. Gruber, U., Kleber, M., Grundlagen der Volkswirtschaftslehre, 2000, S. 24.
33 Ebd., S. 24 f.
34 Ebd., S. 25.
9
Ricardos Beispiel die Transformationskurven, eine grafische Darstellung der Produktionsmöglichkeiten, für England und Portugal. Als Grundlage wird die Faktorausstattung von 220 Arbeitseinheiten für Eng-land und 170 Arbeitseinheiten für Portugal gewählt. Dies ist wie in Tabelle 1 dargestellt exakt die Arbeitsmenge, die das jeweilige Land für die Herstellung von einer Einheit Tuch und einer Einheit Wein benötigt.
35 Eigene Darstellung in Anlehnung an Gruber, U., Kleber, M., Grundlagen der Volks-
wirtschaftslehre, 2000, S. 26.
36 Eigene Darstellung in Anlehnung an Gruber, U., Kleber, M., Grundlagen der Volks-
wirtschaftslehre, 2000, S. 26.
10
Da Ricardo in seinem Beispiel konstante Opportunitätskosten annimmt, sind die Transformationskurven für beide Länder linear. 37 Die Steigungen der Transformationskurven stimmen mit den unterstellten Opportunitätskosten des jeweiligen Produktes aus Tabelle 2 überein. Wie in Abbildung 2 zu sehen ist, können bei völliger Spezialisierung auf Tuch in England 2,2 T produziert werden. Portugal ist bei völliger Spezialisierung in der Lage 2,125 W herzustellen, wie in Abbildung 1 dargestellt. Sofern sich jedes Land jeweils auf das Gut mit dem komparativen Kos-tenvorteil spezialisiert, können beide Länder trotz gleichem Arbeitseinsatz von beiden Gütern zusammen mehr produzieren. Konnten beide Länder zuvor jeweils eine Einheit Tuch und eine Einheit Wein produzieren, könnte England nun mit dem gleichen Arbeitsaufwand 2,2 Einheiten Tuch produzieren und Portugal 2,125 Einheiten Wein. Durch die Spezialisierung stünden beiden Ländern zusammen sowohl vom Gut Tuch als auch vom Gut Wein mehr Einheiten zur Verfügung. 38 Zwischenstaatlicher Handel basiert somit auf komparativen Vorteilen. Nach diesem Prinzip können sich alle Beteiligten vom Handel Vorteile verschaffen, da mit dem Außenhandel jedes Land die Option hat, sich auf die vorteilhaftesten Güter zu spezialisieren. Nachfolgend soll, aufbauend auf dieser Theorie von Ricardo, gezeigt werden, wie Ländern auf dem Weltmarkt zu Handelsvorteilen gelangen können. Der Preis eines Guts wird mit dem Weltmarktpreis, dem auf den Weltmärkten vorherrschenden Preis, des Guts verglichen. Sofern der Weltmarktpreis eines Guts höher ist als der Preis im Inland, würde ein Land zum Exporteur für dieses Gut werden, denn die Hersteller dieses Guts würden mit dem Export höhere Preise im Ausland erzielen. Umgekehrt würde ein Land zum Importeur werden, sofern der Weltmarktpreis eines Guts niedriger ist als der im Inland. Die Nachfrage im Inland nach Importen zu einem günstigeren Preis würde steigen. Der Inlandspreis stellt die Opportunitätskosten dar. Er zeigt, auf wie viel ein Inländer für eine Einheit des
37 Vgl. Ricardo, D., Über die Grundsätze der politischen Ökonomie und der Besteue-
rung, 1994, S. 114-120.
38 Vgl. Ebd., S. 119.
11
Guts verzichten muss. Ist der Inlandspreis eines Guts niedrig und sind somit die Kosten der Herstellung niedrig, hat ein Land im Vergleich zur restlichen Welt einen komparativen Vorteil. Ist der Inlandspreis eines Guts dagegen hoch und sind somit auch die Kosten der Herstellung hoch, so hat ein Land einen komparativen Nachteil im Vergleich zur übrigen Welt. Mit einem Vergleich des Inlandspreises und des Weltmarktpreises vor der Aufnahme von Außenhandel ist ersichtlich, ob ein Land in der Herstellung eines Guts besser oder schlechter gestellt ist als die restliche Welt. 39
2.2.2.2 Gewinner und Verlierer beim Außenhandel
Im Folgenden sollen die Wohlfahrtswirkungen des freien Handels auf ein Land untersucht werden. Hierzu wird ein Beispiel mit einer kleinen offenen Volkswirtschaft angewandt, deren handelspolitische Aktivitäten keine messbaren Auswirkungen auf den Weltmarktpreis haben. Diese Volkswirtschaft wäre in der Weltwirtschaft ein Mengenanpasser bzw. Preisnehmer. Der Weltmarktpreis wird als gegeben betrachtet. Die Annahme einer kleinen offenen Volkswirtschaft vereinfacht die Untersuchung. Die grundlegenden Erkenntnisse ändern sich nicht bei komplizierteren Annahmen großer Volkswirtschaften. Als Ausgangspunkt für das Beispiel wird zunächst davon ausgegangen, dass ein Land keinen Außenhandel betreibt. Angebot und Nachfrage würden sich, wie in Abbildung 3 durch die blauen Linien dargestellt, auf dem Niveau des Gleichgewichtspreises ohne Außenhandel treffen.
39 Vgl. Mankiw, N. G., Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, 2004, S. 193 ff.
Der Inlandpreis liegt unter dem Weltmarktpreis. Gestattet die kleine offene Volkswirtschaft Außenhandel, würde der Inlandspreis sich dem höheren Weltmarktpreis anpassen, denn kein Produzent würde weniger als den Weltmarktpreis hinnehmen und kein Käufer würde mehr als den Weltmarktpreis entrichten. Bei einem Inlandspreis der dem Weltmarktpreis entspricht, weicht die Inländisch nachgefragte von der inländisch angebotenen Menge ab. Bei dem in der Abbildung 3 unterstellten Weltmarktpreis ist die nachgefragte Menge im Inland geringer als die angebotene Menge. Die nicht nachgefragte Angebotsmenge werden die Produzenten an andere Länder verkaufen. Das Beispielland würde in diesem Fall zu einem Exporteur werden. Nun wird die Veränderung der wirtschaftlichen Wohlfahrt im dargestellten Beispiel betrachtet. Die inländischen Anbieter profitieren vom Ansteigen des Inlandspreises auf das Weltmarktpreisniveau, da sie ihre Güter zu einem höheren Preis verkaufen können. Die inländischen Nachfrager müssen für die nun teureren Güter mehr ausgeben und sind schlechter gestellt. Um die
40 Eigene Darstellung in Anlehnung an Mankiw, N. G., Grundzüge der Volkswirt-
schaftslehre, 2004, S. 198.
13
Veränderung der wirtschaftlichen Wohlfahrt in diesem Beispiel zu zeigen, werden die Veränderungen der Konsumentenrente, „...der Betrag, den ein Käufer für ein Gut bezahlen würde, minus dem tatsächlich bezahlten Betrag“ 41 , und der Produzentenrente, „Verkaufspreis minus Kosten eines Guts“ 42 , herangezogen. Die Konsumenten- und Produzentenrente sowie die Veränderungen nach Öffnung des Exportlandes für den Außenhandel sind in Tabelle 3 dargestellt.
Konsumentenrente A + B A - B Produzentenrente C B + C + D + (B + D) Gesamtrente A + B + C A + B + C + D + D
In diesem Beispiel wird deutlich, dass die Verkäufer in einem Export-land gewinnen und die Käufer verlieren. Die Produzentenrente steigt von ehemals Bereich C um die Bereiche B und D. Die Konsumentenrente sinkt um Bereich B. Da die hinzukommende Produzentenrente die verlorene Konsumentenrente um das Flächenstück D übersteigt, nimmt die wirtschaftliche Wohlfahrt des Landes insgesamt zu. Als nächstes wird unterstellt, der Inlandspreis läge vor Ermöglichung des Außenhandels über dem Weltmarktpreis, wie in Abbildung 4 dargestellt. Sofern das Land den Außenhandel gestattet, gleicht sich der Inlandspreis wiederum an den Weltmarktpreis an. Abbildung 4 zeigt, dass die inländische Angebotsmenge nun geringer ist als die inländische Nachfragemenge, da nicht alle Anbieter zum Weltmarktpreis produzieren können und es gleichzeitig mehr Nachfrager zu dem niedrigeren Weltmarktpreis gibt. Die nicht durch inländische Anbieter gedeckte Nachfragemenge wird auf dem Weltmarkt eingekauft und importiert. Das Beispielland würde in dem Fall zu einem Importeur werden.
41 Mankiw, N. G., Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, 2004, S. 152.
42 Ebd., S. 159.
43 Eigene Darstellung in Anlehnung an Mankiw, N. G., Grundzüge der Volkswirt-
schaftslehre, 2004, S. 198.
Wiederrum wird die Veränderung der wirtschaftlichen Wohlfahrt betrachtet. Bei einem im Gegensatz zum Inlandspreis niedrigeren Weltmarktpreis wird der Preis der Güter auf das Weltmarktpreisniveau heruntergedrückt. Von dieser Situation profitieren die inländischen Nachfrager, da sie die Güter günstiger erwerben können. Um die Veränderung der wirtschaftlichen Wohlfahrt darzustellen, werden erneut die Veränderungen der Konsumentenrente und Produzentenrente analysiert, wie in Tabelle 4 gezeigt.
Konsumentenrente A A + B + D + (B + D) Produzentenrente B + C C - B Gesamtrente A + B + C A + B + C + D + D
44 Eigene Darstellung in Anlehnung an Mankiw, N. G., Grundzüge der Volkswirt-
schaftslehre, 2004, S. 200.
45 Eigene Darstellung in Anlehnung an Mankiw, N. G., Grundzüge der Volkswirt-
schaftslehre, 2004, S. 198.
15
Nun profitieren die Käufer während sich die Situation der Anbieter verschlechtert. Die Konsumentenrente steigt um die Bereiche B und D an. Die Produzentenrente geht um Bereich B zurück. Die Gesamtrente und somit die wirtschaftliche Wohlfahrt des Importlandes nimmt zu, da die hinzukommende Konsumentenrente die verlorene Produzentenrente um das Flächenstück D übersteigt. Mit den dargestellten Beispielen wurde gezeigt, dass Außenhandel die ökonomische Wohlfahrt eines Landes erhöht, da die Vorteile der Gewinner stets die Nachteile der Verlierer übersteigen. Die Gesamtwohlfahrt einer Nation wäre größer, jedoch wären einige Teilnehmer des Wirtschaftsgeschehens schlechter gestellt als zuvor. 46
3 Begünstigungen der Globalisierung seit 1945
3.1 Politische Rahmenbedingungen
Die politische Entwicklung hat in den letzten Jahrzehnten dazu beigetragen, dass die Globalisierung stark intensiviert wurde. Das Vorantreiben der wirtschaftlichen Globalisierung wird mit Deregulierung, Privatisierung und ebenso Liberalisierung auf verschiedenen Ebenen in Zusammenhang gebracht. Deregulierung wird als Prozess verstanden, „...in dem vor allem die bestehenden nationalen Regelungen einer eingehenden Revision unterzogen werden, mit dem Ziel inzwischen als überflüssig erachtete Bestimmungen und Regeln (Überregulierung) abzubauen um Hindernisse für die Marktkräfte zu beseitigen und damit als Standort attraktiver zu werden.“ 47 Die Deregulierung beinhaltet die Abschaffung von Bürokratie auf den Arbeits-, Finanz- und Gütermärkten, aber auch die Verschlankung und Präzisierung von behördlichen Genehmigungsverfahren in Bezug auf. Die Privatisierung von Staatsunternehmen steht in enger Beziehung zur Deregulierung, da die Entstehung von nicht-staatlichen Organisationen und insbesondere der neugewonnene Zugang zu bisher staatlichen Segmenten, wie Telekommunikation
46 Vgl. Mankiw, N. G., Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, 2004, S. 196 ff.
47 Koch, E., Globalisierung der Wirtschaft, 2000, S. 8.
Arbeit zitieren:
Uta Weidlich-Wichmann, André Gärtner, 2008, Auswirkungen der Globalisierung auf das wirtschaftliche und soziale System unserer Volkswirtschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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