Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Die deutsche Spielart des Kapitalismus nach Hall und Soskice 3
3. Wandel der Teilsphären 6
3.1 Handlungsweise der Banken 6
3.2 Umorientierung der Unternehmenspolitik 7
3.3 Mitbestimmung im deutschen Wirtschaftssystem. 13
3.4 Veränderung des politischen Einflusses. 15
4. Fazit. 16
5. Literaturverzeichnis. 17
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1. Einleitung
Die deutsche Spielart des Kapitalismus hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten gewandelt. Besonders betroffene Bereiche sind die Unternehmensführung, die Rolle der Banken und der politische Einfluss. Dieser Wandlungsprozess hat das Verhalten der wirtschaftlichen und politischen Akteure verändert, so dass die neu entstandenen Strukturen einer aktualisierten Analyse bedürfen. Die Politikwissenschaftler Peter A. Hall und David Soskice haben in ihrem Buch „Varieties of Capitalism“ die deutsche Spielart des Kapitalismus eingeordnet und untersucht.
Peter A. Hall ist Professor der Europawissenschaften und Co-Direktor des „Program on Successful Societies“ am Canadian Institute for Advanced Research. 1 David Soskice ist Professor der Politikwissenschaft an der Duke University in North Carolina. Er hat darüber hinaus einen Lehrstuhl am Wissenschaftszentrum für Sozialforschung in Berlin (WZB) inne. 2
Zur vergleichenden Analyse kapitalistischer Systeme wurden bisher der „modernization approach“ (Andrew A. Shonfield: 1965), der „neo-corporatism“ (Philippe Schmitter, Gerhard Lehmbruch: 1979) und der „social system of production approach“ (Michael J. Piore, Charles F. Sabel: 1986) herangezogen. 3 Hall und Soskice legen den Schwerpunkt bei ihrem Ansatz auf die unterschiedlichen, institutionellen Ausprägungen politisch verfasster, ökonomischer Systeme und ermöglichen auf dieser Basis eine vergleichende Analyse nationalkapitalistischer Systeme. Dieser Ansatz wird auch „Institutionenökonomie“ genannt.
Diese Arbeit will, ausgehend von Hall und Soskice, den Wandel der deutschen Spielart des Kapitalismus beschreiben. Dabei sollen die Spielart und der Ansatz der Autoren erläutert werden. Dazu werden nur einige Teilsphären der deutschen Kapitalismusvariante ausgewählt. Darüber hinaus soll mit Hilfe von themenbezogener Literatur, aktuellen Beispielen aus der Tagespresse und Statistiken überprüft werden, inwieweit der Ansatz zutreffend ist. Am Schluss sollen Aussagen dazu getroffen werden, ob Sicht von Hall und Soskice gestützt werden kann und wo Widersprüche bestehen.
1 Vgl. http://www.gov.harvard.edu/faculty/phall (Stand: 26.09.2007).
2 Vgl. http://fds.duke.edu/db/aas/PoliticalScience/soskice (Stand: 26.09.2007).
3 Vgl. Hall, Peter; Soskice, David: An Indroduction to Varieties of Capitalism, in: dies. (Hg.), Varieties of Capitalism. The Institutional Foundation of Comparative Advantage, Oxford University Press, Oxford, 2001, S. 4f.
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2. Die deutsche Spielart des Kapitalismus nach Hall und Soskice
Hall und Soskice teilen die Wirtschaftsform des Kapitalismus in zwei Hauptformen, die „coordinated market economies“ und die „liberal market economies“, ein. 4 Die deutsche Spielart des Kapitalismus zählen sie zu den „coordinated market economies“ mit der speziellen Ausprägung der „industry-based coordination“ 5 . Ungeachtet davon definieren Hall und Soskice in beiden Systemen die Unternehmen als zentrale Akteure im Bereich der politischen Ökonomie.
Merkmale der von Hall und Soskice beschriebenen deutschen Variante sind Unternehmensverbände, sektorale Gewerkschaften, vorgegebene Ausbildungsschemata und industriespezifische Fähigkeiten. Des weiteren zeichnet sich die deutsche Variante durch ein System mit koordinierten Löhnen, welche in jedem Sektor ausgehandelt sind, und industriespezifische Zusammenarbeit aus. 6
Kernstück dieser Ausprägung ist die gegenseitige Verantwortung für das Wirtschaftssystem und die Priorisierung des Allgemeinwohls. Dies beinhaltet Unternehmen, Gewerkschaften, Arbeitnehmer, Politik und Banken. Typisch für den deutschen Kapitalismus ist die enge Verflechtung zwischen allen Bereichen. Die Akteure lösen Koordinationsprobleme mit Hilfe strategischer Interaktion und vorgegebener institutioneller Strukturen. Die Kooperation der verschiedenen Bereiche erhöht die allgemeine Effizienz.
Signifikant für das deutsche System ist eine enge Personen- und Kapitalverflechtung. Die Banken vergeben „patient capital“ unabhängig von der Bilanz oder Effizienz eines Unternehmens. Es ermöglicht den Unternehmen eine fähige Arbeitskraft in wirtschaftlich schlechten Zeiten zu behalten und in Projekte zu investieren, die sich nur auf lange Sicht auszahlen. 7 Dies ist nur möglich, weil es Zugang zu Informationen, die als privat und intern angesehen werden, gibt. Das deutsche System fußt auf dichten Netzwerken von Managern und technischem Personal, die wiederum mit ihren Kollegen aus anderen Unternehmen im Austausch stehen. Ferner gibt es „network reputational monitoring“. Die Informationen über die Arbeitsweise und die Reputation eines Unternehmens erhalten nur Personen, die eine enge
4 Vgl. Hall, Peter; Soskice, David: An Indroduction to Varieties of Capitalism, in: dies. (Hg.), Varieties of Capitalism. The Institutional Foundation of Comparative Advantage, Oxford University Press, Oxford, 2001, S. 8.
5 Vgl. ebd., S. 34.
6 Vgl. ebd., S. 34.
7 Vgl. ebd., S. 22.
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Verflechtung zu einem Unternehmen haben. Diese Informationen sollen vor Beteiligungsnetzwerken geheim gehalten werden. 8
Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Gesamtstruktur der Märkte. Kooperierende Strategien wie Steuervergünstigungen, Sicherheitsregulationen und Netzwerkverflechtungen im Bereich Kapital und Personen sind sehr typisch für eine „coordinated market economy“, wie Deutschland. 9 Dies sind Gründe, warum Interessenten von Übernahmen und Fusionen abgehalten wurden. 10
In CMEs werden industrielle Verflechtungsinstitutionen benötigt und dazu verwendet, um Problemen bezüglich des Abwerbens und der Ausbeutung von Arbeitskräften zu entgegnen. Verflechtungsinstitutionen wie Gewerkschaften sorgen dafür, dass die Löhne branchenspezifisch gleich hoch sind. Diese Aushandlungen verhindern inflationäre Gehälter. 11
Sie sind sehr abhängig vom Ausbildungssystem, da sie hohe industriespezifische und firmenspezifische Fähigkeiten verlangen. Um dieses Ausbildungssystem zu überwachen, gibt es unter anderem industrieweite Arbeitnehmerverbände und Gewerkschaften. Diese setzen Firmen unter Druck auszubilden und überwachen deren Teilnahme. Die Arbeitskräfte erhalten nicht nur firmenspezifische Fähigkeiten, sondern auch überall Arbeitsplatzsicherheit. 12
Unternehmen werden von Hall und Soskice als rational strategisch handelnde Akteure definiert, die mit anderen Akteuren in Beziehungen treten. Merkmale der deutsche Unternehmen sind „industrial relations“, „vocational training/education“, „corporate governance“, „inter-firm relations” und “internal structure”. Durch die interne Struktur müssen sich Manager bezüglich Unternehmensentscheidungen mit mehreren Akteuren, darunter Arbeitnehmervertretungen, Hauptaktionäre, Topmanager, Hauptlieferanten und wichtige Kunden, absprechen. 13
8 Vgl. Hall, Peter; Soskice, David: An Indroduction to Varieties of Capitalism, in: dies. (Hg.), Varieties of Capitalism. The Institutional Foundation of Comparative Advantage, Oxford University Press, Oxford, 2001, S. 23; Dabei dient das Ansehen eines Unternehmens zur Überwachung.
9 Vgl. ebd., S. 23.
10 Vgl. ebd., S. 24.
11 Vgl. ebd., S. 24f.
12 Vgl. ebd., S. 25f.
13 Vgl. Hall, Peter; Soskice, David: An Indroduction to Varieties of Capitalism, in: dies. (Hg.), Varieties of Capitalism. The Institutional Foundation of Comparative Advantage, Oxford University Press, Oxford, 2001, S. 24.
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Arbeit zitieren:
Anita Bethig, 2007, Der deutsche Kapitalismus im Wandel, München, GRIN Verlag GmbH
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