Inhaltsverzeichnis
I. Von der Verborgenen Festung zum Krieg der Sterne. 3
II. Genre/Gender - Was ist das? 3
III. Von der Actionkomödie zum Science Fiction. 5
IV. Weibsbilder - Von der Verborgenen Prinzessin zur Prinzessin der Sterne. 7
V. Mannsbilder - Von Trotteln, Generälen und Jedis. 10
VI. Abschließende Gedanken. 12
Literaturverzeichnis. 13
Anlage : Auszug aus The Star Wars - Story Synopsis (May, 1973)’ 16
Seite 2
I. Von der Verborgenen Festung zum Krieg der Sterne
Die Geschichte von Luke Skywalker und seiner Schwester Leia Organa wird als eine der populärsten und vor allem erfolgreichsten Science Fiction- /Action- /Adventure / Fantasy-Filme aller Zeiten beschrieben. 1 Folglich verwundert es nicht, dass über jenen Film, der „Ende der 70er-Jahre zu einer Renaissance des Science-Fiction-Genre führte“ 2 reihenweise diskutiert wird. Zum Beispiel wird in einigen Internetforen darüber diskutiert, woher George Lucas Elemente gestohlen und sich seinen KRIEG DER STERNE (im Folgenden mit KDS bezeichnet) zusammengeflickt hat. Gewiss hat sich Lucas aus Filmen wie FLASH GORDON und 2001: A SPACE ODYSSEY sowie aus Westernfilmen, klassischen Filmen und sogar aus Märchen die nötigen Inspirationen geholt. Und ein Film aus dem Bereich der Klassiker prägte, laut Lucas, den KRIEG DER STERNE bedeutend: Akira Kurosawas DIE VERBORGENE FESTUNG (im Folgenden mit DVF bezeichnet). 1973 brachte George Lucas seine ersten Ideen für den Sternenkrieg aufs Blatt; jene Niederschrift zeigt, wie stark sich Lucas zu Beginn an Kurosawas Geschichte orientiert hat. 3
Ihre Atmosphäre war sehr exotisch [...] und ich fand es interessant, dass nichts erklärt wurde. Man wird in diese Welt geworfen [...]. Und ich denke, das hat meine Science-Fiction-Filme stark beeinflusst, denn so konnte ich mich von der Vorstellung befreien, dass man alles erklären oder alles verstehen muss [...]. Es ist wie bei einem Anthropologen. Man begibt sich in eine fremde Gesellschaft
und beobachtet sie. 4
In der Zeit zwischen der ersten Niederschrift von 1973 und der Premiere von KDS unterlag die Geschichte noch einigen Veränderungen bis zu jener, die wir heute kennen.
II. Genre/Gender - Was ist das?
Die Begriffe Genre und Gender sind heute „als theoretisch wirkmächtige Analysekriterien [...] aus der internationalen Filmwissenschaft nicht mehr fortzudenken“ 5 . Genres sind, einfach gesagt, Kategorien, in denen Filme mit „gemeinsame[n] formale[n], strukturelle[n] oder auch inhaltliche[n] Merkmale[n]“ 6 zusammengefasst werden. Genres dienen dazu, das Denken und Verstehen sowie das Sprechen und die Ver-
1 Vgl.Tim Dirks: Star Wars, Episode IV: A New Hope (1977). URL: http://www.filmsite.org/starw.html (25.08.2008).
2 Reclam: Filmgenres. Science Fiction. Stuttgart 2003, S. 302.
3 Siehe Anlage 1: Auszug aus ‘The Star Wars - Story Synopsis (May, 1973).
4 Zit. nach: Reclam: Filmgenres, S. 302.
5 Gereon Blaseio: Genre und Gender. Zur Interdependenz zweier Leitkonzepte der Filmwissenschaft. In: Claudia Liebrand / Ines Steiner (Hrsg.): Hollywood hybrid. Genre und Gender im zeitgenössischen Mainstream-Film. Marburg 2004, S. 29.
6 Ebd. Seite | 3
ständigung über Filme übersichtlich zu gestalten und dadurch zu erleichtern. Sie gelten als „zentrale Kategorie[n] für die Produktion und Rezeption von Filmen“ 7 und sind daher eine Art Orientierungssystem. Dennoch heißt das nicht, dass ein Genre, wenn es sich erst einmal etabliert hat, fixiert und starr ist. Genre realisieren sich erst in Filmen, gehen aus Ihnen hervor, realisieren sich in jedem Film neu und bilden wiederum Bezugspunkte für weitere Filme. Genres verändern sich in und mit der Zeit, sie unterliegen historischen Wandlungsprozessen und können verschwinden und wieder auftauchen. 8 Gender befasst sich (salopp gesagt) mit Geschlechtsidentitäten. 9 Die Gender Studies untersuchen, unter anderem, was typisch männlich und was typisch weiblich ist (wie zum Beispiel Kleidung, Berufe oder bestimmte Handlungsweisen) und vor allem die Art und Weise, wie Männer- und Frauenrollen in der Gesellschaft positioniert sind und wie diese bewertet werden.
Die Begriffe Genre und Gender leiten sich beide vom lateinischen Begriff „genus“ (Gattung, Geschlecht) ab. Schon jene gemeinsame Wurzel zeigt, wie stark die Begriffe miteinander vernetzt sind, sich durchkreuzen und unterlaufen. 10 Genre und Gender sind keine stabilen Kategorien, das heißt, es gibt nicht das Genre oder die Gender; vielmehr sind beide Begriffe Hybride. Aufgrund dieser hybriden Eigenschaft sind Genres flexible Filmkategorien und es können sich Gendermerkmale in Genres einschreiben und sie verändern. Nach Liebrand und Steiner werden „Gender-Konfigurationen [...] von Genres modelliert; und Gender-Konfigurationen konstituieren Genres“ 11 . Die Untersuchungen zu den Wechselbeziehungen von Genre und Gender sind noch recht jung, doch die Richtung der zukünftigen Untersuchungen scheint mit Blaseios Worten gegeben: „Gender-Repräsentationen und Genre-Konventionen [erzeugen sich] gegenseitig [...] und [sind] daher in ihren Interdependenzen zu untersuchen“. 12 Betrachtet man also den Aspekt, dass jedes Genre seine eigenen Gender-Zuordnungen hat und das Kurosawas wie auch Lucas‘ Werk mehrere Genres in sich
7 Blaseio: Genre und Gender, S. 31.
8 Vgl. ebd., S. 35-36.
9 Vgl. Irmela Schneider: Genre, Gender, Medien. Eine historische Skizze und ein beobachtungstheoretischer Vorschlag. In: Claudia Liebrand / Ines Steiner (Hrsg.): Hollywood hybrid. Genre und Gender im zeitgenössischen Mainstream-Film. Marburg 2004, S. 26.
10 Vgl. Claudia Liebrand / Ines Steiner: Einleitung. In: Claudia Liebrand / Ines Steiner (Hrsg.): Hollywood hybrid. Genre und Gender im zeitgenössischen Mainstream-Film. Marburg 2004, S. 7.
11 Ebd., S. 7.
12 Blaseio: Genre und Gender, S. 44. Seite | 4
vereinen, ergibt sich an dieser Stelle die Frage, inwiefern die Geschlechterrollen von DVF auf jene vom KDS übertragen wurden.
III. Von der Actionkomödie zum Science Fiction
In literarischen Werken und Internetforen, die sich dem KDS widmen, wird Lucas’ Film nicht nur dem Science Fiction-Genre zugeschrieben, sondern auch dem Action-, Adventure- oder Fantasy-Genre. Zu erklären ist dieses Phänomen einerseits durch die hybride Eigenschaft eines Genres und andererseits durch die Eigenschaft des Science-Fiction-Films mehrere Genres und Gender-Konstellationen in sich zu vereinen. Besonders in den Episoden IV bis VI scheint Lucas die Transformationsmöglichkeiten ausgenutzt zu haben: ob deutliche Bezüge zu alten Western, Märchengeschichten (eine Prinzessin muss gerettet werden) 13 , Abenteuern oder die ironisierte Darstellung von Gestalten aus dem Horrorgenre; das Genrespektrum im KDS scheint weit gestrickt. Franziska Schößler beschreibt drei Transformationsbewegungen bezüglich der Thematik Genre und Gender, die sich im Science Fiction-Genre herauskristallisiert haben: Zum einen können zitierte Genres und deren Gender-Konzepte ironisiert und destruiert werden und zum anderen können die aufgerufenen Genres bestehende Gender-Konstellationen modifizieren und umgekehrt können Gender-Konstellationen bestehende Genres-Konventionen des eigenen Genres verschieben. Eine dritte Variante wäre, dass der Bezug zu einem Vorgängerfilm des gleichen Genres die Gender-Zuordnungen des Science-Fiction-Films transformiert. 14
Nach Nungesser gibt es kaum ein phantastisches Genre, welches derart mit der Gegenwart verknüpft ist, wie die Science Fiction; ob in literarischer oder filmischer Form. Gerade diesem Genre gelingt es, „die zeitgenössischen Strömungen, Veränderungen, Hoffnungen und Ängste einzufangen, künstlerisch umzusetzen und somit zu thematisieren, indem sie eine ‚verschärfte Variante der Gegenwart’ in die Zukunft projiziert“ 15 . Thematisiert werden vor allem die Annehmlichkeiten von Technik und deren Furcht
13 Der Märchenbezug wird mit dem für die Star-Wars-Reihe kennzeichnenden Einleitungssatz „A long time ago in a galaxy far, far away...“ unterstrichen, denn dieser erinnert an die märchentypischen Anfänge „Es war einmal vor langer, langer Zeit in einem weit entfernten Land...“.
14 Vgl. Franziska Schößler: Von kommenden Geschlechtern. Gender- und Genre-Turbulenzen in Science-Fiction-Filmen der 90er-Jahre. In: Claudia Liebrand / Ines Steiner (Hrsg.): Hollywood hybrid. Genre und Gender im zeitgenössischen Mainstream-Film. Marburg 2004, S. 264.
15 Verena-Susanna Nungesser: Gender Trouble in outer space. Die Alien-Tetralogie als Abbild zeitgenössischer Geschlechterkonfusionen. In: Maren Bonacker / Stefanie Kreuzer (Hrsg.): Von Mittelerde bis in die Weiten des Alls. Fantasy und Science Fiction in Literatur und Film. Tagungsband zum Symposium 2005. Wetzlar 2005, S. 173. Seite | 5
Arbeit zitieren:
Manon A. Priewisch, 2008, Von der 'Verborgenen Festung' zum Krieg der Sterne', München, GRIN Verlag GmbH
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