1 Einleitung
Der obergermanisch-rätische Limes ist ein faszinierendes Baudenkmal, das in den ersten Jahrhunderten nach Christi über mehrere hundert Kilometer an der Grenze zum Römischen Reich errichtet wurde. Der Limes war zunächst keine echte Verteidigungsvorrichtung, sondern eine einfache Grenzbefestigung. Zur Verteidigung dieser Grenze wurden Kastelle im Hinterland gebaut, von denen aus Militäreinheiten bei Einfällen auszogen, um den Feind zurückzuschlagen. Diese Ausarbeitung beschäftigt sich mit Tenedo, dem heutigen Zurzach in der Schweiz. An diesem Ort am Rhein bauten die Römer hinter der Limesgrenze zwei Kastelle. Auf der rechten Rheinuferseite, wo heute Rheinheim liegt, errichteten sie einen Brückenkopf. Wie diese Kastelle und der Brückenkopf aufgebaut waren, soll im Mittelpunkt der vorliegenden Hausarbeit stehen. Außerdem werden die bedeutendsten Funde dieser Orte aufgeführt, die zum Teil vor nicht allzu vielen Jahren gemacht wurden.
Aufgrund der Beschränkung einer Hausarbeit auf nur wenige Seiten, werden lediglich die wichtigsten Merkmale dargestellt. Es wird aber trotzdem deutlich, dass die Bauweise der vorliegenden römischen Kastelle mit größter Systematik erfolgte. Das Fazit weist darauf hin, dass eine Auseinandersetzung mit diesem Thema beim Umgang mit der vorhandenen Literatur nicht so einfach zu handhaben ist. Zur besseren Orientierung ist im Anhang eine Abbildung beigefügt, in der ein Gesamtplan Tenedos, einschließlich des rechtsufrigen Brückenkopfs, zu sehen ist.
2 Chronologie der Entdeckungen in Tenedo
Die Forschungen in Tenedo, das heute Zurzach heißt, gehen weit in die Vergangenheit zurück. Schon im späten Mittelalter machte man die ersten Entdeckungen. Im Jahr 1580 wurden 7 Brückenpfähle mit Eisenschuhen aus dem Rhein gezogen. Das Fundament des römischen Brückenkopfs fand man 1670 bei der Kirche Rheinheim (am rechten Ufer des Rheins, siehe Abbildung 1). Weitere Untersuchungen folgten 1975. In den Jahren 1819 und 1905 erforschte man die römischen Brückenreste im Rhein. 1
1 Vgl. Walter Drack, Die spätrömische Grenzwehr am Hochrhein (1980), S. 31.
2
Es folgte eine große Zahl von Ausgrabungen in den Gebieten Sidelen und Kirchlibuck (am linken Ufer des Rheins, siehe Abbildung 1). Auf Sidelen wurden vor allem in den Jahren 1903/04 Untersuchungen durchgeführt. Heute ist Sidelen überbaut. Auf Kirchlibuck wurde mehrmals nach Überresten der Kastellanlagen gegraben. Zunächst begann man 1905/06. Später, im Jahr 1910, legte man zwei Spitzgräben südwestlich des Kastells und 1934 ein Kastellbad frei. Es dauerte weitere 20 Jahre, bis man schließlich die frühchristliche Kirche mit Baptisterium ausgraben konnte. 1961 folgte ein zweites frühchristliches Kultgebäude. Die letzten umfassenden Ausgrabungen wurden 1983 bis 1987 durchgeführt. Einige Kastellanlagen sind teilweise noch erhalten. Dazu gehören in Kirchlibuck der Rundturm an der Südostseite, Teile der Südseite der Kastellmauern sowie Fragmente der frühchristlichen Kirche und eines Kultgebäudes. 2 Abseits dieser wissenschaftlichen Erörterungen glauben die spätmittelalterlichen Autoren Johannes Stumpff und Aegidius Tschudi an einen zweiten Namen von Zurzach. Sie stützen ihre Vermutung auf einen gefundenen Grabstein des Veteranen Certus. Dieser Diskussion steuerte der frühneuzeitliche Autor Guillimanus eine weitere Vermutung der Namensgebung bei. Da die moderne Forschung erst um 1860 begonnen hat, sind diese Vermutungen mit Vorsicht zu behandeln. 3
2.1 Das Kastell auf Kirchlibuck
Das Kastell auf Kirchlibuck wurde wahrscheinlich um 300 nach Christi unter Diokletian gebaut. Es hatte besonders auf der Südseite einen unregelmäßigen Verlauf (siehe Abbildung 1). An den Ecken des Kastells baute man Rundtürme. Vermutlich waren die dazwischenliegenden Mauerabschnitte durch Halbrundtürme gesichert. Das Tor an der eingezogenen Seite der Südmauer öffnete sich nach innen ca. 3 m, nach außen ca. 4 m weit. 4
Insgesamt hatte das Kastell maximal die Abmessungen 100 m x 50 m bis 70 m. Der Flächeninhalt erreichte etwa 4900 m 2 . Die Nordwest-Südost-Achse des Kastells war etwa 100 m lang, die größte Südwest-Nordost-Strecke ca. 80 m breit. Die Mauern waren bis zu 3,50 m stark, die Rundtürme hatten einen Durchmesser von etwa
2 Vgl. Walter Drack (1980), S. 31.
3 Vgl. Hänggi, René, Die Erforschung des frührömischen Tenedo-Zurzach, in: Hänggi, René/ Doswald, Cornel/ Roth-Rubi, Katrin (1994), S. 11
4 Vgl. Walter Drack/ Fellmann, Rudolf (1988), S. 576.
3
3,30m. Der Radius der Halbrundtürme erreichte ca. 1,90 m. Im Kastell sind die Überreste von frühchristlichen Anlagen (unter anderem eine Apsis 5 , Reste einer Schranke und ein kleines Baptisterium 6 ) bekannt, die ab Mitte des 5. Jahrhunderts entlang der Südwest-Mauer erbaut worden waren. Ebenfalls erhalten sind noch Baureste der Süd- und Westtürme. 7
Zu den besonderen Funden aus diesem Kastell zählen die Fragmente einer großen Grabstelle des 2./3. Jahrhunderts, Schwertteile, Schmuck und Münzen von 307-455. Desweiteren fand man Leisten-, Rund- und Hohlziegel, Fragmente eines Mühlsteins, Bronze- und Eisenobjekte. 8
2.2 Das Kastell auf Sidelen
Das Kastell Sidelen lag rund 40 m südöstlich vom Kastell Kirchlibuck entfernt. Es bildete ein verschobenes Quadrat mit 48 m bzw. 50 m (siehe Abbildung 1). Der Flächeninhalt des Kastells betrug ca. 1480 m 2 . In den vier Ecken standen Rundtürme mit einem jeweiligen Durchmesser von etwa 8 m. 9
Eine 4,5 m breite Tornische als Eingang befand sich in der Mitte der südöstlichen Mauer. Auch in der Südwestmauer gab es einen Zugang, der durch eine innenseitige, 4 m breite Schwelle hervorgehoben wurde. 10 Die Nordwestmauer war etwa 1,60 m stark, die übrigen zwischen 2,65 m und 3,50 m. 11 An diesen Maßen kann man erkennen, dass die Kastellmauern strategisch gebaut wurden. Zwischen dem Kastell auf Kirchlibuck und auf Sidelen war die Mauer nicht so stark wie zu den übrigen Seiten, von denen aus die Feinde direkt das Kastell angreifen konnten.
Vom Rundturm in der Westecke des Kastells Sidelen führte eine Sperrmauer zur Senke zwischen den beiden Kastellen, damit sie die Straße zur Brücke abriegelte. Eine weitere Mauer vom Ostturm aus sperrte die römische Rheintalstraße ab. 12
5 Anm: Halbkreisförmiger, gewöhnlich halbrunder, aber auch polygonaler und seltener viereckiger, meistens halbkugelig überwölbter Chorraum im Osten der altchrist. Basilika (aus: LAW, Bd. 1)
6 Taufkapelle, kirchliches Bauwerk. (vgl. LAW, Bd. 1)
7 Vgl. Walter Drack (1980), S. 31.
8 Vgl. Walter Drack/ Fellmann, Rudolf (1988), S. 577.
9 Vgl. Walter Drack/ Fellmann, Rudolf (1988), S. 577.
10 Vgl. Hartmann, Martin/ Weber, Hans (1985), S. 217.
11 Vgl. Walter Drack/ Fellmann, Rudolf (1988), S. 577.
12 Vgl. Hartmann, Martin/ Weber, Hans (1985), S. 217.
4
Arbeit zitieren:
Christian Albers, 2004, Die spätantike Grenze am Rhein bis Koblenz: Die Kastelle in Tenedo (Zurzach), München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Christian Albers's Text Die spätantike Grenze am Rhein bis Koblenz: Die Kastelle in Tenedo (Zurzach) ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Christian Albers hat den Text Die spätantike Grenze am Rhein bis Koblenz: Die Kastelle in Tenedo (Zurzach) veröffentlicht
Christian Albers hat einen neuen Text hochgeladen
Imperium Romanum - Römer, Christen, Alamannen - Die Spätantike am Ober...
Ausstellungskatalog zur Landes...
Transport und Nachrichtentransfer im Römischen Reich
Anne Kolb, Hartwin Brandt, Martin Jehne
Die Wirtschaft des Römischen Reiches. (1. - 3. Jahrhundert)
Eine Einführung
Hans-Joachim Drexhage, Heinrich Kronen, Kai Ruffing
Verfall und Untergang des Römischen Reiches
Edward Gibbon, Dero A. Saunders, Johann Sporschill
0 Kommentare