Einleitung
Als die Vereinigten Staaten von Amerika im Dezember 1941 in den Zweiten Weltkrieg eintraten, war ein Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen noch nicht absehbar. Die Achsenmächte unter Deutschland, Italien und Japan versuchten Europa und Südostasien in ihren Herrschaftsbereich zu bekommen. Dabei war Europa schon weitgehend von Hitlers Truppen besetzt. Mit dem Angriff auf Pearl Habor durch die Japaner wurden die USA offiziell und aktiv in den Krieg einbezogen. Doch wie kam es zu der Kursänderung der Amerikaner, die zuvor immer ihre Neutralität betonten? War der Kriegseintritt vorprogrammiert oder wäre ohne die Ereignisse von Pearl Habor eine Nichtbeteiligung möglich geblieben? Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Neutralität und dem Kriegseintritt der USA in den Jahren zwischen 1937 und 1941. Dabei wird vor allem auf die Ursachen und die Entwicklung vor und während des Zweiten Weltkriegs seitens der USA Bezug genommen.
Zunächst wird dabei die Position der Amerikaner beleuchtet. Wie verhielt sich Präsident Roosevelt während sich in Europa der Krieg anbahnte? Gab es Unterstützung für verbündete Staaten?
Weiter soll der Konflikt mit Japan eingehend untersucht werden. Wie kam es zum Angriff auf Pearl Habor? Welche Ereignisse gingen voraus? Zudem wird die Stimmung innerhalb der amerikanischen Bevölkerung erläutert? Änderte sich die neutrale Grundhaltung im Laufe der ersten Kriegsjahre? Im Folgenden geht es um das Verhältnis zur Sowjetunion. Konnten die ideologischen Unterschiede zwischen beiden Staaten aufgrund des gemeinsamen Gegners überbrückt werden? Inwieweit gab es Unterstützung seitens der USA für Stalin? Abschließend wird der Kriegseintritt selbst noch einmal aufgezeigt, wobei auch der weitere Verlauf kurz umschrieben wird.
Das Fazit greift die Thematik erneut auf und gibt eine eigene Wertung der Ereignisse wieder.
2
1. Die Position der USA vor und zu Beginn des Zweiten Weltkriegs
Im Jahr 1937 war die Weltwirtschaftskrise in den USA noch nicht vollständig überwunden, weshalb innenpolitische Aufgaben standen für den Präsidenten Theodor Roosevelt im Mittelpunkt. Die Jahre der wirtschaftlichen Depression sollten endlich überwunden werden. Außenpolitisch bahnten sich Konflikte in Europa mit Deutschland und Italien, auf der asiatischen Seite mit Japan, an. Grundsätzlich wollten sich die Amerikaner aus diesen Konflikten möglichst heraushalten, dennoch standen die Zeichen eher auf Zuspitzung der angespannten Situationen. Besonders der amerikanische Kongress versuchte die Handlungsspielräume Roosevelts hinsichtlich außenpolitischer Maßnahmen zu begrenzen, was unter anderem durch die Verabschiedung verschiedener Neutralitätsgesetze ab 1935 geschah. Besonders im Jahr 1937 wurden die Möglichkeiten des Präsidenten weiter beschnitten. 1
1.1 Das Neutralitätsgesetz vom 1. Mai 1937
Als der amerikanische Kongress das Neutralitätsgesetz vom 1. Mai 1937 verabschiedete, war es dem Präsidenten fortan kaum noch möglich im Falle eines Krieges das wirtschaftliche Gewicht der USA zugunsten der angegriffenen Länder in die Waagschale zu werfen. Statt - wie Roosevelt zunächst forderte - im Kriegsfall ein Embargo gegen den Angreifer zu verhängen, wurde mit dem Gesetz nur ein allgemeines Waffenembargo erlaubt, welches allem Anschein nach in erster Linie Hitler nutzen würde. Roosevelt fand sich zunächst aufgrund innenpolitischer Überlegungen mit dieser Entscheidung ab. 2 Im Einzelnen enthielt das Gesetz folgende Maßnahmen: „ein unparteiisches Ausfuhrverbot für Waffen, Munition und Kriegsgerät; das Verbot von Anleihen an kriegführende Staaten; das Verbot für amerikanische Bürger, auf Schiffen kriegführender Nationen zu reisen; ferner das Verbot für amerikanische Handelsschiffe; Waren an kriegführende Staaten zu transportieren; das Verbot, amerikanische Handelschiffe zu bewaffnen, die den nicht verbotenen Handel mit kriegführenden Staaten betrieben.“ 3 Doch sollten sich im Laufe der folgenden Jahre bei diesen scharfen Einschränkungen erhebliche Änderungen ergeben. Die Ereignisse in Europa und im
1 Junker, Detlef: Weltwirtschaftskrise, New Deal, Zweiter Weltkrieg, 1929-1945. In: Lösche, Peter/ von Loeffelholz, Hans
Dietrich (Hrsg): Länderbericht USA. Bonn 2004. S. 134
2 Schwabe, Klaus: Amerikanische Außenpolitik von 1898 bis zur Gegenwart; eine Jahrhundertgeschichte. Paderborn 2006. S.
100ff.
3 Junker, Detlef (2004). S. 134f.
3
westlichen Pazifikraum forderten ein Handeln seitens des amerikanischen Kongresses und des Präsidenten.
1.2 Die ´cash-and-carry´-Klausel
Mithilfe einer `cash-and-carry´-Klausel war es dem US-Präsidenten im Kriegsfalle möglich, einzelnen Staaten Waren zu verkaufen, die aber nicht aus ´tödlichen Waffen´ bestehen durften. Diese Waren mussten vor Verlassen der amerikanischen Häfen in bar bezahlt (cash) und auf eigenen Schiffen abtransportiert werden (carry). Die Begrenzung dieser Klausel auf zwei Jahre erweckten bei Roosevelt die Hoffnung, das amerikanische Volk bis 1939 davon überzeugt zu haben, dass die amerikanischen Interessen von den Achsenmächten Deutschland, Italien und Japan bedroht waren. Nach Ablauf der Zweijahresfrist ab 1939 könnte somit eventuell eine aktivere Politik hinsichtlich Europa und Asien betrieben werden. 4
1.3 Die ´Quarantäne Rede´ Roosevelts
In der ´Quarantäne Rede´ von Theodor Roosevelt am 5. Oktober 1937 forderte der US-Präsident die internationale Isolierung der drei Achsenmächte Deutschland, Italien und Japan. Besonders Japan kritisierte er scharf als Rechtsbrecher. Um die gewünschte Isolierung zu erreichen boten sich für ihn verschiedene Wege an. Zunächst wäre die Stärkung der kollektiven Sicherheit vor allem durch den Völkerbund nötig gewesen, darüber hinaus ging es für Roosevelt besonders um handelspolitische Maßnahmen, die rohstoffarme Staaten wie Deutschland schwächen würden. Eine Kontrolle der Rohstoffquellen könnte die
Aggressorenstaaten in ihre Grenzen weisen und eine starke Aufrüstung verhindern. 5 Der Begriff Quarantäne passt in diesem Bezug deshalb, weil Roosevelt die Kriegspolitik der Achsenmächte mit einer ansteckenden Krankheit verglich, vor der man sich schützen müsse. Amerika war verpflichtet Stellung zu beziehen und sich von diesen Ländern zu distanzieren, um den Weltfrieden sichern zu können. 6 Mit seiner Rede vom 5. Oktober 1937 begann der langwierige Prozess die amerikanische Bevölkerung auf die zukünftigen Auseinandersetzungen mit den Achsenmächten vorzubereiten. Roosevelt ging dabei sehr strategisch vor und
4 Junker, Detlef (2004). S. 143.
5 Schwabe, Klaus (2006). S. 100ff.
6 Schöllgen, Gregor: Jenseits von Hitler. Die Deutschen in der Weltpolitik. Berlin 2005. S. 162.
4
musste große Rücksicht auf die neutrale Grundstimmung im Kongress und der Bevölkerung nehmen (siehe Punkt 3).
1.4 Das „cash-and-carry”-Abkommen vom 4. November 1939 Nachdem Hitler Deutschland im September des Jahres 1939 seinen kriegerischen Feldzug gegen Polen begann, wuchs auch in Amerika die Sorge, dass man in die Auseinandersetzungen hineingezogen würde. Die Errichtung einer 300-Meilen-Sicherheitszone um die USA war ein erster Schritt, um der neuen Lage entgegenzutreten. Roosevelt verfolgte darüber hinaus aber vor allem die Abschaffung des vorhandenen Waffenembargos durch die „cash-and-carry“-Klausel von 1937. 7
Schließlich hob der amerikanische Kongress mit dem vierten Neutralitätsgesetz vom 4. November 1939 die in den Jahren 1935 bis 1937 beschlossenen harten Handelsbeschränkungen auf. Das Gesetz enthielt die Abschaffung des generellen Waffenembargos und erlaubte ausländischen Mächten den Erwerb von amerikanischen Waffen, wenn sie nach Bezahlung auf nicht-amerikanischen Schiffen abtransportiert würden. Großbritannien nutzte diese Änderung und bemühte sich fortan um kriegswichtige Waffen und Materialien aus den USA. 8 Mit diesen Waffenverkäufen waren die Vereinigten Staaten indirekt am Zweiten Weltkrieg beteiligt. Lediglich die Tatsache, dass die Kriegsgüter von ausländischen Schiffen abtransportiert wurden und keine amerikanischen Truppen direkt in den kriegerischen Handlungen involviert waren, erweckt den Eindruck, dass sich die USA noch vom Krieg fernhielten.
1.5 Das „lend-and-lease“-Gesetz vom 11. März 1941
Eine weitere Zuspitzung der Diskussion über eine Kriegsbeteiligung erfolgte im Jahr 1941 als Großbritannien durch die deutschen Angriffe stark in Bedrängnis geriet. Schon ein Jahr zuvor überließen die Amerikaner den Briten 50 Zerstörer aus dem Ersten Weltkrieg und erhielten im Gegenzug auf Pachtbasis Militärstützpunkte unter anderem auf Neufundland. Dieses Tauschgeschäft wurde vereinbart, da die Zahlungsfähigkeit seitens der Briten immer beschwerlicher wurde. Roosevelt wusste, dass eine direkte Intervention der USA erst in der Bevölkerung Zustimmung finden
7 Junker, Detlef (2004). S. 143.
8 Nagler, Jörg: Weg zur Weltmacht 1898 bis 1945. In: Informationen zur politischen Bildung. Heft 268. USA: Geschichte,
Wirtschaft, Gesellschaft. München 2004. S. 27.
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Arbeit zitieren:
Christian Albers, 2008, Neutralität und Kriegseintritt der USA, München, GRIN Verlag GmbH
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