Gliederung:
1. Einleitung. 3
2. Der Untersuchungsraum Bergisch Gladbach 4
2.1. Einführende Worte 4
2.1.1. Bergisch Gladbach zur Zeit des Nationalsozialismus 4
2.1.2. Judenverfolgung in Bergisch Gladbach 6
2.2. Judenverfolgung in Bergisch Gladbach am Beispiel des Reinhold Joschkowitz
und seiner Mutter Elise Joschkowitz, geb. Wertheim 11
3. Fazit und quellenkritische Untersuchung 17
4. Literatur- und Quellenverzeichnis 19
4.1. Literatur. 19
4.2. Quellen. 19
2
1. Einleitung
Diese Fallstudie richtet ihren Blick im ersten Teil des Hauptteils auf die Situation der Bergisch Gladbacher Juden in der NS-Zeit und greift im zweiten Teil das Schicksal von Reinhold Joschkowitz und seiner Mutter auf. Joschkowitz war Gewerbetreibender und hat den Holocaust überlebt. Ausschlaggebend für die Wahl des Themas war, dass Joschkowitz im Rückblick über sein Schicksal berichten konnte und die Quellenlage insgesamt etwas besser war als zu den übrigen jüdischen Schicksalen. Dennoch ließen sich nicht alle Fragen lückenlos beantworten.
Dieses Fallbeispiel ist keinesfalls typisch und stellvertretend für die Judenverfolgung in Bergisch Gladbach, sondern stellt einen Sonderfall dar.
Aufmerksam wurde ich auf das Schicksal Joschkowitz´ im Zusammenhang mit der Durchführung einer dienstlichen Recherche im Stadtarchiv Bergisch Gladbach zur Ermittlung der während der NS-Zeit umgekommenen Bergisch Gladbacher Juden für ein geplantes „Stolperstein“-Projekt.
3
2. Der Untersuchungsraum Bergisch Gladbach
2.1. Einführende Worte
Bergisch Gladbach liegt rechtsrheinisch am westlichen Rand des Bergischen Landes, östlich von Köln gelegen. 1856 erhielt Bergisch Gladbach nach Einführung der Rheinischen Städteordnung die Stadtrechte. In diesem Jahr zählte die neue Stadt gerade einmal 4.947 Einwohner. 1 Von 20.446 Einwohnern im Jahre 1933 waren 86,3% der Einwohner Katholiken. 2 Bergisch Gladbach erlebte ab Mitte des 19. Jahrhunderts vor allem durch die ansässige Papierindustrie einen industriellen Aufschwung, weitere bedeutende Wirtschaftszweige des Ortes waren die Kalkbrennereien und die Metallindustrie. Siedlungsstrukturell war Bergisch Gladbach eher ländlich geprägt, konkrete städteplanerische Maßnahmen setzten erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein.
2.1.1. Bergisch Gladbach zur Zeit des Nationalsozialismus 3
Anlässlich der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 fand in Bergisch Gladbach wie in vielen anderen deutschen Städten ein abendlicher Fackelzug statt, an dem sich etwa 150 Menschen beteiligten.
Kurz danach begann der Wahlkampf für die am 5. März vorgesehene Reichstagswahl. Es gab Wahlkampfveranstaltungen der SPD im Theater „Bergischer Löwe“ und die Zentrumspartei organisierte in Bergisch Gladbach eine Kundgebung, an der sich rund 1.000 Anhänger beteiligten. Die SPD konnte tags darauf 700 Teilnehmer verzeichnen. Einen Tag vor der Reichstagswahl zogen 400 SA- und Stahlhelm-Mitglieder mit Fackeln durch die Innenstadt und hielten auf dem Marktplatz eine Parade ab. Das Wahlergebnis dürfte dann für die Nationalsozialisten eher enttäuschend gewesen sein: In Bergisch Gladbach erreichten sie bei einer Wahlbeteiligung von 90% nur magere 22,6% der Stimmen. Das katholische Zentrum ging mit 41,8% als klarer Gewinner hervor. Bei dieser Wahl bewiesen die katholisch
1 Peter Kentenich: 100 Jahre Stadt Bergisch Gladbach.- In: Stadt Bergisch Gladbach (Hrsg.): Festschrift 100
Jahre Stadt Bergisch Gladbach (1956), S. 99
2 Statistik des Deutschen Reichs, Bd. 451, 3, S. 55
3 Johann Paul: Vom Volksrat zum Volkssturm. Bergisch Gladbach und Bensberg 1918-1945, Bergisch
Gladbach, 1988 & Aufsatz von Joachim Scholtyseck: Unter dem Hakenkreuz. Nationalsozialismus im Raum
Bergisch Gladbach 1933-1945, in: Bergisch Gladbach (Hrsg.): Bergisch Gladbacher Stadtgeschichte, Bergisch
Gladbach, 2006
4
geprägten rheinländischen Gebiete ihre Widerstandsfähigkeit. Die Sozialdemokraten schnitten mit 15,8% nicht besonders gut ab. Insgesamt hat nur jeder fünfte Einwohner bei „dieser letzten vergleichsweise freien Wahl“ 4 für die Nationalsozialisten gestimmt.
Doch die örtliche NSDAP ließ sich nicht entmutigen: Als wenn sie als siegende Partei aus der Wahl hervorgegangen wäre, ließ sie am gleichen Tag in einem symbolischen Akt Hakenkreuzfahnen am Bergisch Gladbacher Rathaus, am Progymnasium und am Wohlfahrtsamt anbringen. Durch die „lokale Machtergreifung“ wurde die „nationale Revolution“ bis in die Gemeinden getragen.
Bei den Kommunalwahlen am 12. März 1933 schnitt das Zentrum am besten ab. Die Nationalsozialisten erreichten lediglich 25,6%. Im Bergisch Gladbacher Stadtrat erhielt das Zentrum als stärkste Partei 12 von 28 Ratssitzen.
Bei einer für die Nationalsozialisten derart ungünstigen Machtverteilung mussten diese auf andere Mittel sinnen, um ihren Herrschaftsanspruch durchzusetzen: Der massive Druck und Terror auf die den feindlichen Parteien nahestehenden Organen und Personen begann. So wurde mehrmals die Redaktion der zentrumsnahen „Rheinisch-Bergischen Zeitung“ von den Nationalsozialisten besetzt. Der Herausgeber wurde vor die Wahl gestellt, entweder die Zeitung einzustellen oder den Chefredakteur zu entlassen. Der Herausgeber entschied sich für letzteres, um die etwa 50 Arbeitsplätze nicht zu gefährden. Das Organ wurde gleichgeschaltet, die Nationalsozialisten wurden von nun an nicht mehr kritisiert und das Blatt berichtete mehr oder weniger unpolitisch und blass. Ohnehin war die Auflage des Parteiblattes „Westdeutscher Beobachter. Kreisblatt für den Rheinisch-Bergischen Kreis“ doppelt so hoch.
Der sozialdemokratische Arbeitsamtsdirektor Peter Walterscheidt wurde in einer schmutzigen Zurschaustellung mit einem Schild „Ich bin ein Parteibuch-Bonze“ durch die Straßen gehetzt, nachdem er im Stadtgefängnis misshandelt worden war. Die KPD-Abgeordneten wurden an der Ausübung ihres Mandats gehindert.
Zu einer großen Kundgebung mit Fackelzug kam es anlässlich des „Tages von Potsdam“. Die Vielzahl der mitwirkenden Vereine, Organisationen und öffentlichen Einrichtungen wie Feuerwehr und Schulen machte deutlich, wie allmählich die
4 Scholtyseck: Unter dem Hakenkreuz, S. 355
5
Sympathie für die Nationalsozialisten nach oben schnellte und letzte Zweifel schwanden. Die Anknüpfung an althergebrachte Traditionen dürfte jedoch ausschlaggebend für die enorme Teilnahme gewesen sein.
Der neue Gemeinderat trat am 31. März 1933 zusammen und ernannte Adolf Hitler zum Ehrenbürger von Bergisch Gladbach. Der Bürgermeister Franz Weber war von dem „Neuem“, von dem das deutsche Volk „erfüllt“ war, durchaus angetan. Der neue Zentrumsvorsitzende und Bäckermeister Jakob Kirch bot der NSDAP-Fraktion sachliche Zusammenarbeit an. Sein Vorgänger Johann Mick, ein scharfer Kritiker der NS-Bewegung, Sekretär der Christlichen Gewerkschaften und und stellvertretender Arbeitsamtsleiter, wurde aus dem Amt gedrängt. Die NSDAP konnte die meisten Beigeordneten stellen. Auf das Angebot der SPD-Fraktion auf Mitarbeit ließ sich die NSDAP nicht ein. Einige Sozialdemokraten wurden in „Schutzhaft“ genommen, der SPD-Stadtverordnete Grümmer wurde verhaftet, weil er den Gruß „Sieg Heil“ nicht erwiderte.
2.1.2. Judenverfolgung in Bergisch Gladbach 5
Die Zahl der in Bergisch Gladbach lebenden Juden war im Vergleich zu den umliegenden Städten und Gemeinden ziemlich gering.
So zählten nach der Volkszählung von 1933 nur vier Juden in Bergisch Gladbach zur jüdischen Glaubensgemeinschaft. Doch nach der NS-Rassenideologie bzw. den sog. „Nürnberger Gesetzen“ von 1935 galten bei der Volkszählung von 1939 acht Einwohner der Stadt als Juden, weil sie „mindestens drei der Rasse nach volljüdische Großelternteile“ hatten. 6 Einem Polizeibericht von 1947 zufolge, der auf Angaben des Einwohnermeldeamtes beruhte, lebten bis zur ersten Deportation im Jahre 1942 zwölf sog. „Rasse“- oder „Zivilisationsjuden“, der Großteil von ihnen in der mittelständischen Wohnsiedlung „Gronauer Wald“.
Dass nicht mehr jüdische Einwohner in Bergisch Gladbach lebten, das im Jahre 1939 22.286 Einwohner zählte 7 , lag daran dass die Kleinstadt am Rande des Bergischen Landes überwiegend landwirtschaftlich und industriell geprägt war. Den meist selbstständig tätigen oder in Handel und Verkehr angestellten Juden boten sich anderorts bessere berufliche Perspektiven, so dass sie sich dort nieder ließen.
5 wie Fußnote 3
6 Statistik des Deutschen Reichs, Bd. 552, 4, S. 23
7 Stadt Bergisch Gladbach (Hrsg.): Bergisch Gladbacher Stadtgeschichte, Bergisch Gladbach, 2006, S. 482
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Arbeit zitieren:
Michael Krischak, 2007, Der Umgang mit Juden im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag GmbH
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