Inhaltsverzeichnis
1. E i n l e i t u n g S e i t e 3
2. Koka und Kokain 4
2.1. Zur Kultur- und Sozialgeschichte der Kokapflanze 4
2.2. Kokaanbau 6
2.3. Ernte der Kokablätter 8
2.4. Vom Koka zum Kokain 8
2.4.1. Wie wird Koka zum Kokain 8
2.4.2. Wirkungen von Koka und Kokain 10
3. Entwicklung und Ausmaß des Drogenproblems 11
3.1. Drogenkonsum 11
3.2. Dimensionen des internationalen Drogenmarktes 13
4. Drogenpolitik in Peru 14
4.1. Rechtshistorische Entwicklung 14
4.2. Grundzüge der Drogenpolitik 18
4.3. Politik und geltendes Recht 19
4.3.1. P r ä v e n t i o n S e i t e 1 9
4.3.2. Substitution und alternative Entwicklung 20
4.3.3. Kontrolle und Repression 20
4.3.4. Institutioneller Rahmen 22
4.3.5. Umsetzung und Wirksamkeit der Drogenpolitik 23
5. Antidrogenpolitik in Peru 24
5.1. Repression und Verfolgung 24
5.2. Alternativprojekte für den Kokaanbau 26
6. F a z i t S e i t e 2 8
7. Literaturverzeichnis 30
2
2.1. Zur Kultur- und Sozialgeschichte der Kokapflanze
Die Kokapflanze und das Kokakauen weisen auf eine sehr lange Tradition in der andinen Indiobevölkerung zurück und waren bereits 2000 - 4000 Jahre v. Chr. verbreitet. In der Zeit der Inkas (13. - 16. Jahrhundert) wurde Koka als heilige Pflanze verehrt und diente zahlreichen Funktionen. „Die Inkas waren aber nicht die ersten, die die außerordentlichen Eigenschaften der Cocapflanze erkannt hatten.
Sowohl die allgemeine Bevölkerung als auch der “Adel“ und die Priesterkaste benutzen die Cocapflanze im Inkareich zu religiösen und rituellen Zwecken und zur Steigerung der Leistungsfähigkeit. [...] Das Recht über die Verteilungs- und Verfügungsgewalt der “göttlichen Pflanze“ lag [jedoch] in den Händen der Mächtigen.“ 2 Die Kokafelder waren staatlicher Besitz und nur den Adligen und Priestern legal vorbehalten. Der übrigen Bevölkerung war Koka nicht frei zugänglich. Bei bestimmten Anlässen wurde es jedoch an sie verteilt.
„Erst nach dem Zusammenbruch des Inkareiches durch die spanische Eroberung fand die Koka allgemeine Verbreitung. Die traditionellen Beschränkungen bestanden nicht mehr. Nach der systematischen Zerstörung der Inkareligion stellte die Koka für die Inka -Nachkommen ein Band zu alten Traditionen dar und wurde als Relikt vergangener, besserer Tage angesehen. Allerdings trat die religiöse und kultische Bedeutung der Kokapflanze in den Hintergrund und machte einem eher weltlichen Gebrauch - dem Kokakauen - Platz [...].“ 3
Um die Kokapflanze zu kauen, wird die sogenannte »Yista« mit Speichel befeuchtet. Diese wird in einen Beutel geführt, um Asche oder Kalk aufzunehmen. Nachdem diese alkalische Substanz aufgenommen wurde, wird sie mit den Kokablättern im Mund gekaut. Dies geschieht solange, bis eine kleine Kugel entsteht, welche über eine längere Zeitspanne im Mund verbleibt.
Im sozialen Leben der andinen Bevölkerung hat das Kokakauen bis heute eine große Bedeutung. Ihre Verwendung findet meist zu Beginn einer Beratung, Versammlung oder zum Arbeitsbeginn statt. Die Gruppe setzt sich in eine große Runde zusammen und kaut gemeinsam die Kokablätter. Die Koka soll Mut, Kraft und Klarheit spenden und so das Gemeinschaftsgefühl stärken.
In religiösen Zeremonien hat die Koka eine große Bedeutung. Zum einen wird sie als Omen über zukünftige Unternehmen benutzt. Hat man beim Kauen einen bitteren Geschmack im Mund, glaubt die andine Bevölkerung von dem bevorstehenden Unterthemen Abstand nehmen zu müssen. Zum anderen dient die Koka als Opfergabe, um z.B. um eine gute Ernte zu sichern.
„Unter der Herrschaft der Spanier wurde die Kokapflanze zunächst 1569 verboten, da die Spanier in ihrem »heidnischen Gebrauch« eine Gefahr sahen. Allerdings erkannten sie bald den ökonomische Nutzen der Pflanze und entdeckten, dass das Kokakauen die Belastbarkeit und Ausdauer der Indios erhöhte. So wurde der Anbau gefördert und die
versklavten Indios erhielten für ihre Arbeit statt Lohn und Nahrung Kokablätter, die zusammen mit Alkohol konsumiert wurden. Für die Indios galt der Lohn in Form von Kokablättern als »göttliche Gabe« und als Großzügigkeit der Spanier. Allerdings fühlten sie sich somit zu Gegenleistungen verpflichtet.
„Während vor dem Eindringen der Spanier der Gebrauch der Cocablätter nur zu rituellen Zwecken, in Zeiten besonderer Belastung und bei festlichen Anlässen üblich war, wurde die regelmäßige tägliche Dosis erst durch die Kolonialherrschaft und durch die Zerstörung jahrhundertealter andiner Tradition und Strukturen aufgezwungen. Die Spanier hatten sehr schnell festgestellt, daß sich die stimulierenden Wirkungen der Cocapflanze zur Ausbeutung der Indios hervorragend einsetzen ließ.“ 4
2.2. Kokaanbau
„Hinsichtlich der Anbautechniken bestehen zwischen traditionellen (meist legalen) Anpflanzungen und den überwiegend der Kokainproduktion dienenden Kulturen erhebliche Unterschiede. Traditioneller Kokaanbau ist in der Regel Teil einer seit Jahrhunderten praktizierten Mischwirtschaft, die neben Marktfrüchten vor allem Produkte für die Eigenversorgung der Familien umfaßt. In diesem bewährten und angepassten Produktionssystem schafft die Kokaproduktion ein regelmäßiges Einkommen, eine Funktion, die vor allem aufgrund des nur gering ausgeprägten Sparverhaltens und der mangelnden Sparmöglichkeiten für die Liquidität der Familien wichtig ist [...].“ 5 Um für den Anbau die bestmöglichen Voraussetzungen zu schaffen, wird die Pflanze terrassenartig angebaut. Obwohl diese Art des Anbaus sehr aufwendig ist, wird in den legalen Anbaugebieten darauf zurückgegriffen. Zum einen weil diese Anbautechnik auf eine lange Tradition zurückblickt und sich bewährt hat. Zum anderen schützt sie den Boden vor Erosion und deren Folgen. In den illegalen Anbaugebieten wird diese Anbautechnik aus mehreren Gründen nicht verwendet. Zum einen fehlen den Kokabauern die Kenntnisse und Erfahrungen und zum anderen ist die Terrassierung der Pflanzen sehr kostspielig und ist von der Politzei leicht zu entdecken. Weiterhin geht es bei dem illegalen Anbau nicht um eine nachhaltige Produktionsweise, sondern nur um den wirtschaftlichen Erfolg.
In Peru wird auf einer Gesamtfläche von 100.000 ha bis 300.000 ha zwischen 60% - 80% der Weltkokaproduktion angebaut. Von dieser Anzahl werden 50 - 65% der Kokablätter für den illegalen Markt verwendet. Der Rest wird unter Aufsicht der ENACO (staatliche
Kokabehörde: Empresa Nacional de Coca) und den traditionellen Kokabauern zur Teeherstellung und zu pharmazeutischen Zwecken verwendet. Der Anbau von Koka konzentriert sich hauptsächlich im oberen Teil des Huallaga - Tals. Die Ernte der dort angebauten Pflanzen wird ausschließlich für die illegale Verarbeitung genutzt. Der Anbau für legale Zwecke findet in den Tälern von Convención und Lares statt. „In Zeiten der starken Kokaexpansion praktizierten die Bauern den Anbau überwiegend in monokultureller Form. Mit Beginn der verstärkten repressiven Maßnahmen gegen den Kokaanbau mußten sie diese Flächen aufnehmen bzw. verlagern und widmeten sich zunehmend dem Anbau legaler Kulturen. Die umfangreichen Schwierigkeiten bei der legalen Agrarproduktion [...] veranlassten jedoch viele Bauern, neben Kaffee, Kakao und Bananen weiterhin Koka anzubauen. Diese Mischform des Kokaanbaus war 1990 von größerer Bedeutung und ist weiter zunehmend.“ 6
Nicht nur der Anbau von Kokablättern selbst, sondern auch die Weiterverarbeitung derer findet in Peru statt. Die illegale Weiterverarbeitung findet meist in kleinen, abgelegenen Labors statt, die sich oftmals in den Hütten der Bauern befinden, und für die Polizei schwer zugänglich sind. Hier wird vorwiegend die Kokapaste hergestellt. Seltener findet man die Weiterverarbeitung zu Kokainbase und -hydrochlorid in Peru. Das hergestellte Kokainhydrochlorid wird hauptsächlich in Peru selbst konsumiert, während ein großer Teil der Kokainbase nach Kolumbien gebracht wird. „Angesichts der Dominanz der kolumbianischen Kartelle und der an Kolumbien orientierten Produktions-und Vertriebsstrukturen leuchtet es ein, daß sich eine vergleichbare “Drogenmafia“ in Perú nicht hat etablieren können. Stattdessen hat sich der selbständige Handel auf den Aufbau eines Netzes zur “Mikrovermarktung“ [...] zur Befriedigung des internen Konsums beschränkt, dessen Organisationsgrad jedoch schwer einzuschätzen ist.“ 7
2.3. Ernte der Kokablätter
Die erste Ernte der Kokablätter erfolgt meist, wenn der Strauch ein Höhe von ca. einem Meter erreicht hat. Viele Kokabauern versuchen die erste Ernte so weit wie möglich nach hinten zu schieben, damit die Pflanze den nötigen Entwicklungsgrad erreicht. Da die Entwicklung des Kokastrauchs vom Klima abhängig ist, variiert der Zeitpunkt der ersten Ernte zwischen 12 und 24 Monaten nach dem Aussäen.
Der Zeitpunkt der Ernte kann an den rötlichen Stielverfärbungen des Blatts erkannt werden. Diese lassen sich dann besonders leicht vom Strauch lösen und sind sehr zerbrechlich. Während bei den ersten fünf Ernten die Kokabauern darauf achten müssen die Pflanze nicht zu beschädigen, werden die Erntemethoden nach einigen Jahren verändert. Statt dem mühsamen Abzupfen einzelner Blätter, werden nun die Blätter mit Hilfe von Metallringen vom Ast gestreift. Diese Ringe können die Pflanze leicht verletzen und diese ist damit anfälliger für Krankheiten und Schädlingsbefall. Durch diese Erntemethode sind die Blätter der Kokapflanze nur noch für die Weiterverarbeitung verwendbar. Zum traditionellen Kokakauen jedoch können sie nicht mehr genutzt werden. Nach der Ernte werden die Blätter in großen Körben gesammelt und zur Hofstelle des Kokabauern gebracht. Hier werden sie anschließend ausgebreitet und getrocknet. Die brennholzbetriebenen Trocknungshäuschen werden nur noch beim traditionellen, legalen Kokaanbau verwendet, da sie sehr auffällig sind und leicht identifiziert werden können. Daher wird oft auf andere Trocknungsmethoden zurückgegriffen.
2.4. Vom Koka zum Kokain
2.4.1. Wie wird Koka zum Kokain
Kokain ist ein Produkt, das aus den Blättern der Kokapflanze gewonnen wird. Bis man jedoch das Kokain in seiner letztendlichen Form erhält, bedarf es der Beimischung verschiedener Chemikalien. Aus den Kokablättern entsteht eine Base, aus der Kokain hergestellt werden kann. Bis man diese Base erhält, müssen die Kokablätter einen vierstufigen Verarbeitungsprozess durchlaufen.
Zu Beginn des Prozesses müssen die Kokablätter getrocknet werden. Dies kann auf zwei Arten geschehen. Zum einen können die Blätter durch die Sonne getrocknet werden oder durch die Bearbeitung der Kokabauern.
Wenn die Blätter durch die Sonne getrocknet werden, werden sie zunächst dünn ausgelegt und in regelmäßigen Abständen gelockert und gemischt. Bei der Bearbeitung durch den Kokabauern verläuft der Prozess ähnlich. Hierbei wird das
8
Arbeit zitieren:
Anne Kaufmann, 2004, Drogenpolitik im Fall Peru, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Stromerzeugung durch regenerative Energiequellen
Geowissenschaften / Geographie - Geographie als Schulfach
Referat / Aufsatz (Schule), 8 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Die militärische Intervention der USA und die Konfliktlösungskompetenz...
Die Auswirkungen der US-Interv...
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Projektarbeit, 51 Seiten
Anne Kaufmann's Text Drogenpolitik im Fall Peru ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Anne Kaufmann hat den Text Drogenpolitik im Fall Peru veröffentlicht
Anne Kaufmann hat einen neuen Text hochgeladen
Fusionskontrolle in einer 'small market economy' in Lateinamerika
Wettbewerbspolitische Untersuc...
Tania Zúñiga-Fernández
Die Auswirkungen der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs auf ...
Olaf Scholz, Ulrich Becker
Die Geburt der Drogenpolitik aus dem Geist der Rassenhygiene
Deutsche Drogenpolitik von 193...
Tilmann Holzer
Drogenkonsum und Drogenpolitik in Deutschland und den USA
Ein historischer Vergleich
Detlef Briesen
Destinies of the Quechua Culture in Peru: The Outlook in Lima, Villa E...
Destinies of the Quechua Culture in Peru
0 Kommentare