2
Inhaltsverzeichnis
0. EINLEITUNG 3
1. SED CONTRA, RESPONDEO
1.1 Problem: Demut - für den antiken Menschen so nicht 4
vorstellbar
1.2 Lösung: Demut als Maßhaltung 5
2. ARG. 1/ARG. 2, AD 1/AD 2
2.1 Problem: Demut als Unterdrückung 6
2.2 Lösung: Differenzierung der Begrenzung 6
2.2.1 Zwei Arten der Begrenzung 7
2.2.2 Gott als Obergrenze - Universalität der Demut 7
2.2.3 Natur als Untergrenze - Möglichkeit zur 8
Ver änderung
2.3 Demut von Herzen 8
3. ARG. 4, AD 4
3.1 Problem: Demut als Ende aller Strebsamkeit 9
3.2 Lösung: Demut als Zurückhaltung 9
4. ARG. 5, AD 5
4.1 Problem: Unterordnung als Gesetzesgerechtigkeit 10
L ösung: Demut nicht dem Staat, sondern Gott 11
4.2
gegen über
5. SCHLUSSBEMERKUNG
11
6. LITERATURVERZEICHNIS
13
3
0. Εινλειτυνγ 0. Εινλειτυνγ 0. Εινλειτυνγ 0. Εινλειτυνγ
Die vorliegende Arbeit soll die Ausführungen des heiligen Thomas zur Demut behandeln, wie er sie in der 161. Frage des zweiten Teils im zweiten Buch der summa theologiae darlegt. Im Besonderen habe ich diese Arbeit auf den ersten Artikel („Ist die Demut eine Tugend“) beschränkt und möchte zeigen, mit welchen Problemstellungen sich Thomas von Aquin beschäftigen muss, um seine Auffassung der Demut darzulegen. Ich möchte mit dieser Arbeit den ersten Artikel keinesfalls lückenlos behandeln, sondern auf vier Grundprobleme hinweisen, die sich Thomas von Aquin gestellt haben und zeigen, wie er diese gelöst hat.
Alle vier Grundprobleme entspringen dabei dem aristotelischen Gedankengut, dessen sich Thomas in seiner summa theologiae immer wieder bedient, um die Vereinbarkeit von antikem und christlichem Weltverständnis zu zeigen. In Bezug auf die Frage, ob Demut eine Tugend ist, steht so vor allem der Bedeutungsunterschied der Demut im Mittelpunkt der Überlegungen. Ist Demut im christlichen Kontext eine der wichtigsten sittlichen Tugenden, wird sie in der Antike als Schwäche ausgelegt. Hier steht also der Demutsbegriff an sich in Frage. Auch der Tugendbegriff, wie Aristoteles ihn sieht, scheint sich nicht mit der Demut zu decken, wenn man diese als Schwäche beurteilt.
Die Struktur dieser Arbeit habe ich ein wenig an den Aufbau der summa theologiae angelehnt: Auf eine Problemstellung oder einen Vorwurf aus der antiken Welt der Demut gegenüber folgt die Lösung des Thomas von Aquin.
Wie ich schon andeutete, möchte ich dabei nicht alle Argumente behandeln, sondern diejenigen, die ich als besonders schwerwiegend empfunden habe. Im Laufe der Arbeit soll deutlich werden, wie Thomas der Demut immer wieder gewisse Aufgaben zuweist und dadurch auch die Problemstellungen allesamt lösen kann. Diese „gewissen Aufgaben“ der Demut habe ich im Titel dieser Arbeit ein wenig plakativ als Selbsterkenntnis, Annahme und Veränderung definiert.
Neben der summa theologiae als Quelle habe ich vor allem in den Aufsätzen von Stefan ERNST 1 und Gerhard KRIEGER 2 wichtige Informationen gefunden, die Standardwerke von Wolfgang KLUXEN (Philosophische Ethik bei Thomas von Aquin) oder Eberhard
1 ERNST, Stefan: Die bescheidene Rolle der Demut. Christliche und philosophische Grundhaltungen in der
speziellen Tugendlehre, in: A. SPEER (Hg.): Thomas von Aquin - Die Summa theologiae.
Werkinterpretationen, Berlin/New York 2005, 343-376
2 KRIEGER, Gerhard: „ne immoderate tendat in excelsa“ - Menschliche Gesundheit und Bescheidenheit
(humilitas) bei Thomas von Aquin, in: Das Mittelalter, 10 (2005), 11-19
4
SCHOCKENHOFF (bonum hominis) boten leider wenig zur Demut im Speziellen. Wenige Details konnte ich dem englischsprachigen Werk von Leo. J. ELDERS 3 entnehmen, der einen Großteil der Fragen des zweiten Teils des zweiten Buches kommentiert. Ich hoffe, mit diesen meinen Ausführungen obgleich der doch recht spärlichen Literaturauswahl ein angemessenes Gesamtbild der thomanischen Auffassung der Demut zeichnen zu können, wie er sie im ersten Artikel behandelt.
1. σεδ χοντρα, ρεσπονδεο 1. σεδ χοντρα, ρεσπονδεο 1. σεδ χοντρα, ρεσπονδεο 1. σεδ χοντρα, ρεσπονδεο
1.1 Problemstellung 1: Demut - für den antiken Menschen so nicht vorstellbar
Seine Ausführungen über die Demut beginnt Thomas im sed contra des 1. Artikels der 161. Frage. Dabei zitiert er die Ausführungen Origenes’, welcher ein Zitat aus der Heiligen Schrift anführt: „Lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen“. Dieser Satz aus Mt 11,29 taucht bereits im ersten Teil des zweiten Buchs auf, in dem Thomas konstatiert, dass diese beiden Tugenden Sanftmut und Demut den Menschen Christus gleichgestalten (quia ipse dominus praecipue nos inducit ad sui conformitatem secundum humilitatem et mansuetudinem). 4
Durch diesen Christusbezug, den Thomas hier herstellt, taucht die Frage auf, ob diese beiden Tugenden dann auch spezifisch christliche Tugenden sind, ob sie dem Christentum eigen sind. ERNST führt hier verschiedene antike, nicht-christliche Tugendkataloge an, die belegen, dass die Demut (humilitas) nicht in diesen Katalogen enthalten ist. 5 Weiter spricht er davon, dass das griechische Pendant zum lateinischen humilis nicht den gleichen Bedeutungshorizont hat, welchen es zu einer Tugend werden lässt, sondern die „Haltung der Unterwürfigkeit und Servilität“ 6 bezeichnet, eine Haltung der Schwachheit. Die antike Grundhaltung sollte nicht die Demut, sondern die Großgesinntheit sein, die dem Menschen helfen soll, zwischen Aufgeblasenheit und Kleinmütigkeit das rechte Maß zu finden.
ERNST belegt dann anhand der Nikomachischen Ethik des Aristoteles, dass die Antike auch eine Art Bescheidenheit kannte, diese aber im Vergleich zur heutigen Auffassung zur
3 ELDERS, Leo J.: The Ethics of St. Thomas Aquinas, Frankfurt am Main 2005
4 Siehe S.th.I-II, q. 68, a. 1
5 Vgl. ERNST, Rolle der Demut, 344
6 Siehe ebd.
Arbeit zitieren:
Christian Baltes, 2008, Selbsterkenntnis, Annahme, Veränderung – Die Tugend der Demut bei Thomas von Aquin, München, GRIN Verlag GmbH
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