Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1. Einleitung 3
2. Was ist Sprache? 5
3. Die vier wichtigsten Positionen der Spracherwerbstheorie 7
3.1 Behaviorismus 7
3.2 Nativismus 8
3.3 Kognitivismus 9
3.4 Interaktionismus 10
3.5 Abgrenzungen der interaktionistischen Ansätze 11
4. Grundlagen der präverbalen Kommunikation 12
4.1 Die Kompetenzen des Säuglings als Interaktionspartner 13
4.2 Die Kompetenzen der Erwachsenen als Interaktionspartner 14
5. Präverbale Austauschprozesse zum Spracherwerb 16
5.1 Die an das Baby gerichtete Sprache 17
5.2 Nachahmung 19
5.3 Mimischer Ausdruck 20
6. Entwicklung kommunikativer Grundqualifikationen 20
6.1 Selbstkonzept 21
6.2 Rollenverhalten im Dialog 23
6.3 Intentionalität 24
6.4 Bedeutungen von sprachlichen Ausdrücken 25
7. Der Übergang zur verbalen Kommunikation 26
8. Entwicklung der verbalen Kommunikation 28
9. Entwicklung des Wortschatzes 29
9.1 Wortschatzerwerb mittels kommunikativer Kompetenzen 29
9.2 Wortschatzerwerb mittels kognitiver Lernstrategien 31
9.3 Spracherwerb ist implizites Lernen 32
10. Fazit 33
Literaturverzeichnis 35
Anhang 37
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1. Einleitung
Der Erstspracherwerb ist mitunter die wohl faszinierendste aber auch komplexeste Erntwicklung, die ein während des Wachstums durchläuft. Alle treusorgenden Eltern fiebern nach dem ersten Schrei bei der Geburt, dem Tag entgegen, an dem ihr Schützling das erste muttersprachlich klingende Wort verlauten lässt. Ab diesem Zeitpunk wissen sie, dass das Kind mit dem Spracherwerb beginnt. Schon bald werden sie jeden Morgen neben einem freudestrahlenden Lächeln, mit einem ausdrucksvollen „Mama“ oder „Papa“ begrüßt. Ihr Kind hat den entscheidenden Punkt in seiner Entwicklung erreicht, der es endlich zum menschlichen Ausdrucksmittel, der Sprache, hinführt und schon bald eine Kommunikation mit ihm ermöglicht. Aber können die Menschen erst miteinander kommunizieren, wenn sie eine Sprache beherrschen? Gibt es nicht andere Mittel und Wege seine Bedürfnisse, Gefühle und Absichten den Mitmenschen mitzuteilen? Verfügt das Kleinkind unter Umständen bereits vor dem Sprechen der Muttersprache über Möglichkeiten auch auf andere Art und Weise mit der Umwelt zu kommunizieren? Wenn das der Fall ist, wie erwirbt es diese Fähigkeiten und welche Rolle spielen sie im Hinblick auf das Sprachelernen? Die Sichtweise, den Startschuss für den Erstspracherwerb eines Kindes mit dem ersten Wort festzulegen, ist in dieser Hinsicht zu sehr eingeschränkt. Das Baby hat bereits nach dem ersten Schrei eine grundlegende Entwicklung durchlaufen, in der es sich auf das erste Wort und den Sprachlernprozess vorbereitet hat. In seinem ersten Lebensabschnitt hat es in Zusammenarbeit mit den fürsorglichen Eltern eine Basis aufgebaut, die zum Lernen der Muttersprache notwendig ist. Diese Basis besteht unter anderem aus einer Reihe von kognitiven und sozialen Fähigkeiten, die es ohne Unterstützung von betreuenden Personen gar nicht erwerben könnte. Indem das Kind im ständigen Kontakt mit einer direkten sprachlichen Umwelt und in beständiger Interaktion mit den Bezugspersonen steht, kann es diese notwendigen Kompetenzen erwerben.
Im Rahmen dieser Bachelorarbeit sollen die oben aufgeführten Fragen unter dem Aspekt der Interaktion, das heißt dem gemeinsamen und wechselseitigen Handeln der Bezugspersonen mit dem Kind, geklärt werden. Um das System Sprache vor dem Hintergrund der Kommunikation zu betrachten, wird aus diesem Grund zunächst erläutert, was Sprache
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überhaupt ist und in welchem Zusammenhang sie mit menschlicher Kommunikation steht.
Im Weiteren werden einige Grundgedanken der bedeutendsten Spracherwerbstheorien dargestellt. Die des Behaviorismus, des Nativismus, des Kognitivismus und abschließend die des Interaktionismus. Der interaktionistische Ansatz wird dabei hervorgehoben. Seine Idee, das sich Kommunikations- und Sprachelernen mit Hilfe der Interaktion zwischen Kind und Bezugsperson vollzieht, dient als Grundlage für den weiteren Verlauf dieser Arbeit.
Im Hauptteil wird die vorsprachliche oder präverbale Entwicklung der Kommunikation behandelt. Welche Qualifikationen besitzt ein Kind bereits, welche werden direkt nach der Geburt erlernt und welche Rolle spielen dabei die Eltern? Die präverbalen Austauschprozesse werden dabei als Lehrphase für die kommunikativen Kompetenzen gesehen. Kommunikative Kompetenzen sind in diesem Zusammenhang unter anderem die pragmatischen Mittel der menschlichen Sprache. Sie werden in der Phase vor dem eigentlichen Spracherwerb durch den sozialen Kontakt, die Interaktion, vorbereitet.
Im Anschluss daran wird der Übergang zur verbalen Kommunikation, das heißt der Sprache im eigentlichen Sinne thematisiert. Dabei soll deutlich werden, inwiefern der vorausgegangene Entwicklungsprozess als Wegbereiter für die anschließende sprachliche Entwicklung dient. Wie nutzen Kinder die erworbenen Kompetenzen beispielsweise zur Ausbildung des Wortschatzes?
Der Wortschatzerwerb hinsichtlich der Ausbildung eines mentalen Lexikons, wird als letzter Aspekt in dieser Arbeit ansatzweise behandelt. Anhand einiger Beispiele soll deutlich werden, wie auch dazu die kommunikativen Kompetenzen und kognitiven Fähigkeiten des Kindes als Vorraussetzung dienen.
Im abschließenden Fazit werden rückwirkend die auftretenden Problematiken aufgeführt welche sich aus dem Zusammenhang der Ausarbeitung dieses Themas ergeben und auch für die Sprachwissenschaftler gilt.
4
2. Was ist Sprache?
Frei von einer manifestierten Definition, bedienen sich sämtliche Wissenschaften ihrer eigenen Vorstellung davon, was Sprache ist. Sie ist anthropologisch fundiert und basiert auf den physikalischen Parametern der Sinneswahrnehmung. Sprache unterliegt einem zeitlichen Faktor, einer Evolution, indem sie sich entwickelt und verändert. Beim Menschen und auch im Tierreich ist Sprache ein Mittel zum Austausch von Informationen, ein Kommunikationssystem um anderen etwas mitzuteilen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer Interaktion, eines Kontaktes zwischen den Lebewesen die miteinander kommunizieren.
Aber ist Kommunikation gleich Sprache? Sind die Drohgebärden eines verängstigten Tieres oder der Tanz der Bienen mit der Sprache, wie Menschen sie benutzen, gleichzusetzen? Neben der verbalisierten Sprache bedienen sich Menschen auch anderer Möglichkeiten um miteinander zu kommunizieren. Die nonverbalen Ausdrucksmittel wie Mimik, Gestik, Körperhaltung und Stimmlage gehören ebenso zur menschlichen Kommunikation dazu. Dabei geht es in erster Linie darum, Emotionen und innere Zustände den Kontaktpersonen darzustellen. Die spielen besonders im Hinblick auf die Entwicklung eines neugeborenen Kindes eine große Rolle.
Sprache ist für den Menschen im Alltag allgegenwärtig. Tag für Tag und rund um die Uhr nimmt ein Mensch sprachliche Informationen auf und übermittelt welche. Die Rezeption und Produktion von Sprache ist für den gesunden Menschen selbstverständlich. Darüber hinaus ist er in der Lage, ohne Worte mit anderen zu kommunizieren. Der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick (1967) schreibt jeder Art von Verhalten des Menschen einen Mitteilungscharakter zu. Demnach ist jedes Lachen, jede Körperhaltung und jede Bewegung innerhalb eines bestimmten Kontextes eine Form von Informationsaustausch. Weiterhin folgert Watzlawick, dass der Mensch sich verhalten kann“ 1 und der Mensch somit „nicht nicht „nicht nicht kommunizieren kann“ 2
„Handeln oder Nichthandeln, Worte oder Schweigen haben alle Mitteilungscharakter: Sie beeinflussen andere, und diese anderen können
1 Watzlawick, „Menschliche Kommunikation“(2003), S.51
2 Watzlawick, „Menschliche Kommunikation“(2003), S.51
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ihrerseits nicht nicht auf diese Kommunikation reagieren und kommunizieren damit selbst.“ 3
Demnach kommunizieren Menschen in jeder Situation, unabhängig davon ob sie etwas sagen möchten oder nicht.
Die linguistische Auffassung von Sprache differenziert an dieser Stelle jedoch ganz klar die nonverbale Kommunikation zum Ausdruck von Emotionen, von der „eigentlichen“, gesprochenen Sprache. Diese weist grundlegende Merkmale auf, welche sie von anderen Kommunikationssystemen unterscheidet. Szagun beruft sich an dieser Stelle auf die folgenden Merkmale:
Sprache ist ein Symbolsystem, das willkürliche Symbole benutzt
• Sprache ist kontextfrei
•
Sprache wird kulturell vermittelt
•
Sprache ist ein kombinatorisches System in dem Sinne, dass sich
•
Symbole regelhaft immer neu miteinander kombinieren lassen 4
Jede gesprochene Sprache stützt sich auf willkürliche, unabhängig vom Bezeichneten gewählte, Symbole. Diese Symbole, welche das Vokabular ausmachen, sind allgemeingültig und bieten somit die Möglichkeit über Realitäten zu sprechen, die zu dem Zeitpunkt eines Gesprächs nicht physisch anwesend sind. Weiterhin wird die Sprache dem Menschen nicht in die Wiege gelegt, sondern muss innerhalb einer Kultur erlernt werden. Kleinkinder lernen ihre Muttersprache indem sie in Kontakt mit anderen Personen ihrer jeweiligen Kultur stehen und diese mit ihnen sprechen. Das wohl prägnanteste Merkmal der Sprache des Menschen ist ihre Systemhaftigkeit. Ein festgelegtes System aus grammatischen,
morphologischen, semantischen und pragmatischen Regeln ermöglicht eine fast unendliche Bandbreite an Kombinationsmöglichkeiten der einzelnen Zeichen.
Aufgrund dieser Aspekte sieht Szagun es als notwendig, die gesprochene Sprache der Menschen von nonverbalen oder tierischen
Kommunikationssystemen zu unterscheiden und den Begriff „Sprache“
3 Watzlawick (2003), Menschliche Kommunikation (2003), S.51
4 Szagun (2006), Sprachentwicklung beim Kind (2006), S.17
6
ausschließlich für diese grammatikalisierte Form der Kommunikation zu verwenden. 5
Im Hinblick auf die im Folgenden behandelte Thematik, muss jedoch an dieser Stelle erwähnt werden, dass eben diese, von Szagun definierte Sprache, aus der vorsprachlichen Kommunikation heraus entsteht. Im weiteren Verlauf soll darum die sogenannte kommunikative Fähigkeit als Wegbereiter für die verbalisierte, grammatikalisierte Sprache herausgestellt werden. Bei dieser Kommunikation handelt es sich wiederum in erster Linie um die emotional gesteuerte, nonverbale Kommunikation. In Abgrenzung zu Szagun wird aus diesem Grund der Termini „Sprache“ auch für die Kommunikation zwischen dem sprachelernenden Kind und seinen Bezugspersonen angewandt.
3. Die vier wichtigsten Positionen der Spracherwerbstheorie
In diesem Abschnitt sollen die Grundgedanken der bedeutendsten Theorien zum Erstspracherwerb dargestellt werden. Diese Spracherwerbsmodelle bauen teileweise aufeinander auf und ergänzen sich. Aus diesem Grund werden die unterschiedlichen Sichtweisen und Herangehensweisen der Modelle des Bahviorismus, des Nativismus und des Kognitivismus im Vergleich zu interaktionistischen Theorien zunächst vorgestellt und im Anschluss voneinander abgegrenzt.
3.1 Behaviorismus
Die Denkweisen des Behaviorismus dienten lange Zeit als Grundannahmen in der Verhaltenspsychologie und der Spracherwerbsforschung. Die Grundidee der behavioristischen Wissenschaftler ist, dass jedes Verhalten, somit auch die Sprache durch bestimmte Mechanismen erlernt werden kann und es keine biologische Prädisposition beim Menschen oder Tier für diese Verhaltensweisen gibt. 6
Hauptvertreter dieses Ansatzes war der amerikanische Psychologe B.F. Skinner (1957). Dieser hat den Versuch angestellt, dass Sprachlernen beim Kind mit denselben Prinzipien zu erklären, mit denen er das Verhalten beim
5 Vgl. ebd. S. 19
6 Vgl. Strassmann, Theorien zu Sprachlernprozessen, S.89 aus: 2006 Sprache Und Soziale Faktoren Anhang
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Lernen von Tieren in Käfigen belegte. 7 Dieser sogenannte Vorgang der Konditionierung basiert auf der These, dass ein Tier lernt, indem es auf einen gegebenen Reiz (Stimulus) die gewünschte Reaktion (Response) zeigt. 8 Erhält das Tier im Anschluss an die gewünschte Reaktion eine Belohnung, kann dieser Vorgang so oft wiederholt werden, bis Reiz und Reaktion zu einer festen Gewohnheit geworden sind.
Skinner überträgt diesen Lernvorgang auf das Sprachlernen beim Kleinkind, welches demnach nicht auf inneren, geistigen Fähigkeiten des Kindes beruht, sondern durch äußere Umweltreize ausgelöst wird. Kinder erwerben eine Sprache indem sie die sprachlichen Ausdrücke der Erwachsenen nachahmen und im Anschluss durch eine bestimmte verstärkende Belohnung verinnerlichen. 9
3.2 Nativismus
„Sprache wird nicht gelernt, Sprache ist.“ 10
Mit dieser Grundidee entwickelte Noam Chomsky (1959) in kritischer Auseinandersetzung mit Skinners behavioristischen Erklärungsversuchen, den nativistischen Ansatz zum Spracherwerb. Er vertritt die Ansicht, dass Sprache zu komplex sei, als dass sie ein Kleinkind, innerhalb von wenigen Jahren allein durch Imitation und Verstärkung erlernen könnte. Chomsky geht in seinen Theorien davon aus, dass der menschliche Organismus über eine genetische bedingte Anlage und Empfänglichkeit zum erlernen von Sprache und Grammatik verfügt. 11
Er nimmt an, dass „jedes Kind von Anfang an ein Wissen um Grammatik hat.“ 12 Dabei handelt es sich um eine Art „Universalgrammatik“ (UG), welche es ermöglicht, jede beliebige Sprache der Menschen zu lernen. In seinen Spracherwerbsmodellen, dem LAD - und dem P&P - Modell formuliert Chomsky, welche Vorraussetzungen ein Kind mitbringen muss, um die Grammatik einer natürlichen Sprache zu verinnerlichen. Wie bereits erwähnt handelt es sich dabei nicht um ein „einzelsprachspezifisches Wissen“, sondern es enthält generelle Informationen über die Substanz und Form von
7 Vgl. Szagun (1983), Sprachentwicklung beim Kind, S.20- 21
8 Vgl. Szagun (1983), Sprachentwicklung beim Kind, S.20- 21
9 Vgl. Strassmann, Theorien zu Sprachlernprozessen, S.89 aus:2006 Sprache Und Soziale Faktoren Anhang
10 Klann-Delius (1999), Spracherwerb, S. 53
11 Vgl. ebd. S.50
12 Ebd., S. 50
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Arbeit zitieren:
Silja Witting, 2008, Präverbale Interaktion als Wegbereiter für den Erstspracherwerb , München, GRIN Verlag GmbH
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