Inhalt
Inhalt 2
1. Einleitung. 3
1.1 Zielstellung der Arbeit. 3
1.2 Welt -Räume und Raumverständnis im Spätmittelalter. 3
2. Umgang mit Fremdheit. 6
2.1 Die Sankt Brandan Legende 6
2.1.1 Geschichte der Brandansage. 6
2.1.2 Verbreitung der Brandanlegende 7
2.2 Die Altfranzösische Version „Le Voyage de Saint Brendan“ 8
2.2.1 Einleitung. 8
2.2.2 Struktur und Inhalt 9
2.2.3 Zusammenfassung. 13
2.3 Die mitteldeutsche Gedichtfassung. 14
2.3.1 Einleitung. 14
2.3.2 Struktur und Inhalt 15
2.4 Zum Funktionswandel der Navigatio Bearbeitungen 17
Literatur. 20
Prim ärliteratur: 20
Sekund ärliteratur: 20
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1. Einleitung
1.1 Zielstellung der Arbeit
In der vorliegenden Arbeit geht es mir darum, zu zeigen, welchen Funktionswandel beide von mir untersuchten volkssprachliche Bearbeitungen der Navigatio Sancti Brandani durchlaufen haben, um einem Publikum mit veränderten Leseerwartungen und Einstellungen gerecht zu werden. Ich möchte darstellen, inwieweit die Verfasser der Texte versuchten, genau diesen neuen Rezipientenkreis zu erreichen, indem sie die lateinische Vorlage in der Weise wandelten, dass sie davon ausgehen konnten, die Publikumserwartungen weitesgehend zu erfüllen. Während in der altfranzösischen Fassung, welche die erste volkssprachliche Bearbeitung darstellt, noch didaktisch - religiöse Züge bestimmend sind, lassen sich in der rund 200 Jahre später entstandenen mitteldeutschen Bearbeitung Merkmale feststellen, die wesentlich auf die Befriedigung der curiositas des Lesepublikums ausgerichtet sind. Um ein besseres Verständnis der im Wandel begriffenen gesellschaftlichen und mentalitätsgeschichtlichen Bedingungen des Spätmittelalters zu erreichen, die als Grundlage der sich verändernden Leseinteressen dieser Zeit angesehen werden müssen, werde ich zunächst grundlegende Denkmuster und Auffassungen von Raum skizzieren, welche für die Epoche bestimmend waren.
1.2 Welt -Räume und Raumverständnis im Spätmittelalter
Für das Denken der Zeit waren zum einen die Rezeption antiker und griechischarabischer Autoren und Denkmodelle, und zum anderen die christliche Werteordnung, welche das wissenschaftliche und literarische Schaffen der spätmittelalterlichen Epoche nachhaltig prägten, entscheidende Größen. Die Aristoteles - Rezeption förderte eine Übernahme antiker Vorstellungen - teils arabisch vermittelt - von Raum und Welt: mit Hilfe der Relativbewegung wurde u.a. das astronomische Weltbild mit dem theologischen in Übereinstimmung gebracht. Aristoteles’ Raumdefinition durch dessen Grenzen sowie antike Weltvorstellungen
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und -karten waren maßgebend für die geografischen und theologischen Denkmodelle des spätmittelalterlichen Welt - Raumes. So waren die Karten der Zeit keine reale Abbildung der (bekannten) Welt, sondern symbolisch aufgeladene und von christlichen Vorstellungen stark beeinflusste Weltdarstellungen. Es gab beispielsweise ein 4 -eckiges Modell, welches zurückgeht auf die in der Bibel genannten „4 Ecken der Welt“. Karten zeichneten sich durch eine symbolhafte Darstellung der Welt aus. So wurde Jerusalem als Weltzentrum angesehen und es gab eine kontinentale Dreigliederung in Asien, Afrika und Europa, welches als so genanntes T - Modell bekannt ist. Weltkarten dieser Zeit veranschaulichten eine symbolhafte, imaginierte Welt. Ausschnittkarten - Itinerare oder Portolani - hingegen wiesen eine viel größere Detailliertheit und Genauígkeit auf. Man versuchte pragmatischen Gesichtspunkten gerecht zu werden. Europäische Kartenschreiber profitierten von der Tatsache, dass im arabischen Raum bereits der Kompass bekannt war und versuchten eine Darstellung der realen Welt. Mitte des 13. Jahrhunderts gelang mit der Epstorfer Karte eine Synthese aus beiden Formen: eine realistische Weltkarte.
Ein Raum ganz anderer Art, welcher den Wandel von einem realen Raum zum Topos verdeutlicht, ist der rhetorische Raum des locus amoenus. Aus der antiken Dichtung stammend, wo er zur rhetorischen Schmückung und zur Gunsterlangung bei den Zuhörern verwendet wurde, fand der real - rhetorische Raum des locus amoenus Eingang in die Poesie. Durch Gebrauch und Konventionalisierung entwickelte er sich zum Exordialtopos (Natureingang) und damit zum Muster. Mit einem festgelegten Requisitorium stellte er nunmehr ein dichterisches Mittel zur intertextuellen Einordnung eines Textes dar (Konventionalität) und übernahm somit die Funktion eines Musters, das bestimmte Assoziationen (Naturgefühl, Liebesort, Minnetopologie) und Verweise (auf die literarische Tradition) transportierte. Eine ähnliche Toposfunktion erfüllen Räume wie das Meer und die Inseln in der Brandan Sage und ihren Adaptionen. Durch sie wird ebenfalls ein poetisches Muster verwendet, das bestimmte Merkmale (z.B. Meer als unheimlicher Ort) und Verweise auf literarische Vorbilder (Odyssee, Sindbad u.a.) kommuniziert. Weitere Räume, die bestimmte Funktionen erfüllen und Symbolcharakter besitzen sind u.a. die Liebesgrotte und die Burg. Die mittelalterliche Grotte als Ort der tabuisierten Liebe steht für einen von der Gesellschaft entrückten und isolierten Raum. Er ist symbolisch (für die verbotene Liebe) aufgeladen und wird aus der
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Außensicht (durch die Gesellschaft) und der Innensicht (durch die Liebenden) jeweils unterschiedlich betrachtet. Die mittelalterliche Burg ist hingegen ein symbolischer Ort der Herrschaft.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Konstitution der Welt durch ein Denken in Räumen funktionierte. Dieses Denken impliziert das Vorhandensein von Grenzen. Abgegrenzte territoriale, funktionale und rhetorische Räume, die sich jeweils durch eine bestimmte Funktion auszeichneten, verdeutlichen die Denkmuster der Zeit. Grenzüberschreitungen wurden entweder nicht toleriert oder stießen auf Unverständnis oder Erstaunen. Reale Räume wie das Meer, die Insel oder auch die Grotte oder Burg fanden Eingang in die literarische Welt und wurden dort symbolisch aufgeladen und mit allegorischem Gehalt verwendet, um bestimmte Konzepte zu veranschaulichen.
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2. Umgang mit Fremdheit
Zum Funktionswandel am Beispiel zweier Bearbeitungen der
„Navigatio Sancti Brandani“
2.1 Die Sankt Brandan Legende
2.1.1 Geschichte der Brandansage
Die Navigatio Sancti Brandani, die Legende des irischen Heiligen St. Brandan, welcher sich auf eine abenteuerliche Meerfahrt begibt, um die Wunder Gottes mit eigenen Augen zu sehen, ist wohl in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts 1 entstanden und lehnt sich eng an die Brandan - Vita des Machutus 2 an. Die Suche nach der terra repromissionum, dem Land der Verheißung, greift das tief in der irisch - keltischen Kultur verwurzelte Konzept der Meerfahrt (Imramma = irische Seefahrtlegenden) auf. Die Erzählung enthält darüber hinaus zahlreiche christliche Motive und Referenzen. Der Mönch St. Brandan ist historisch belegt; er lebte von 484 - 577 in der Grafschaft Galway. Seine Geburt wurde schon vom heiligen St. Patrick, der Irland missioniert hatte, prophezeit und Brandan gilt als einer der bedeutendsten Wanderheiligen und Seefahrer seiner Zeit. Die Meerfahrt des Mönches ist symbolisch aufgeladen und kann als individuelle (Reise -) Erfahrung Gottes - als „Bild der Lebensfahrt zum Paradies“ 3 oder als Bewährungsreise um die Gnade Gottes gesehen werden. Sie wurde auch als Vorläufer der Kolumbusfahrt gedeutet 4 .
1 Ruhe, E. S. 10
2 Schreiber, G. S. 64
3 Haug, W. S. 988
4 vgl. Schreiber, G.
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Arbeit zitieren:
Fabian Hentschel, 2002, St. Brandan: Vergleichende Untersuchung zweier volkssprachlicher Bearbeitungen der "Navigatio Sancti Brandani", München, GRIN Verlag GmbH
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