III
Inhaltsverzeichnis
Seite
Danksagung. II
Abk ürzungsverzeichnis V
Abbildungsverzeichnis VI
Tabellenverzeichnis VIII
1. Einleitung 1
2. Das theoretische Grundkonzept 4
2.1 Die Branche. 4
2.2 Die Wertschöpfungskette 5
2.3 Das Geschäftsmodell. 6
2.4 Die Werttreiber in der Branchenbilanz 7
2.5 Die Kennzahlenanalyse 9
2.5.1 Die Analyse der Finanzierungsstruktur 9
2.5.2 Die Analyse der Vermögensstruktur 17
2.5.3 Skalierung. 19
2.6 Die Bilanzpolitik 20
3. Branche D - Chemicals 25
3.1 Die Branche. 25
3.2 Die Wertschöpfungskette 27
3.3 Das Geschäftsmodell. 30
3.4 Die Werttreiber in der Branchenbilanz 31
3.5 Die Kennzahlenanalyse 33
3.6 Die Bilanzpolitik 37
3.7 Zusammenfassung der Branchenergebnisse 39
IV
Seite
4. Branche G - Real Estate. 41
4.1 Die Branche. 41
4.2 Die Wertschöpfungskette 43
4.3 Das Geschäftsmodell. 46
4.4 Die Werttreiber in der Branchenbilanz 47
4.5 Die Kennzahlenanalyse 49
4.6 Die Bilanzpolitik 53
4.7 Zusammenfassung der Branchenergebnisse. 55
5. Branche K - Media 57
5.1 Die Branche. 57
5.2 Die Wertschöpfungskette 59
5.3 Das Geschäftsmodell. 62
5.4 Die Werttreiber in der Branchenbilanz 63
5.5 Die Kennzahlenanalyse 65
5.6 Die Bilanzpolitik 69
5.7 Zusammenfassung der Branchenergebnisse. 71
6. Branche M - Retail 73
6.1 Die Branche. 73
6.2 Die Wertschöpfungskette 75
6.3 Das Geschäftsmodell. 78
6.4 Die Werttreiber in der Branchenbilanz 80
6.5 Die Kennzahlenanalyse 82
6.6 Die Bilanzpolitik 86
6.7 Zusammenfassung der Branchenergebnisse. 88
7. Schlussbetrachtung. 90
7.1 Zusammenfassung 90
7.2 Ausblick. 93
Literaturverzeichnis IX
Internetverzeichnis XII
Ehrenw örtliche Erklärung XIV
Sperrvermerk XV
Abkürzungsverzeichnis
AG .......................... Aktiengesellschaft
B2B......................... Business to Business B2C......................... Business to Consumer CF ........................... Cash Flow DSGV ..................... Deutscher Sparkassen- und Giroverband EBI.......................... Earnings Before Interest EBIT ....................... Earnings Before Interest and Taxes EBITDA ................. Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortisation EBT......................... Earnings Before Taxes EK-Quote................ Eigenkapitalquote EU........................... Europäische Union e.V. ......................... eingetragener Verein FuE ......................... Forschung und Entwicklung GuV ........................ Gewinn- und Verlustrechnung HGB........................ Handelsgesetzbuch IAS.......................... International Accounting Standard IFRSs ...................... International Financial Reporting Standards JÜ............................ Jahresüberschuss Kfz .......................... Kraftfahrzeug KMU....................... kleinere und mittlere Unternehmen Mio. ........................ Millionen o.ä. .......................... oder ähnliches PR ........................... Public Relations SFAS....................... Statement of Financial Accounting Standards SOP......................... Statement of Position
US-GAAP............... United States Generally Accepted Accounting Principles WZ .......................... Wirtschaftszweig
VI
Abbildungsverzeichnis
Seite
Abbildung 1: Branchenbilanz einer fiktiven Beispielbranche.
Abbildung 2: Grafische Darstellung zur Analyse der Finanzierungsstruktur (A)
Abbildung 3: Grafische Darstellung zur Analyse der Finanzierungsstruktur (B)
Abbildung 4: Grafische Darstellung der 1. Kombinationsmöglichkeit.
Abbildung 5: Grafische Darstellung der 2. Kombinationsmöglichkeit.
Abbildung 6: Grafische Darstellung der 3. Kombinationsmöglichkeit.
Abbildung 7: Grafische Darstellung der 4. Kombinationsmöglichkeit.
Abbildung 8: Grafische Darstellung zur Analyse der Vermögensstruktur
Abbildung 9: Chemicals - Wertschöpfungskette der chemischen Industrie
Abbildung 10: Chemicals - Verteilung der Unternehmen innerhalb
der Wertschöpfungskette.
Abbildung 11: Chemicals - Branchenbilanz der chemischen Industrie
Abbildung 12: Chemicals - Darstellungsvariante (1) für die chemische Industrie
Abbildung 13: Chemicals - Darstellungsvariante (2) für die chemische Industrie
Abbildung 14: Real Estate - Wertschöpfungskette der Immobilienbranche
Abbildung 15: Real Estate - Verteilung der Unternehmen innerhalb
der Wertschöpfungskette.
Abbildung 16: Real Estate - Branchenbilanz der Immobilienbranche.
Abbildung 17: Real Estate - Darstellungsvariante (1) für die Immobilienbranche.
Abbildung 18: Real Estate - Darstellungsvariante (2) für die Immobilienbranche.
Abbildung 19: Media - Wertschöpfungskette der Medienwirtschaft
Abbildung 20: Media - Verteilung der Unternehmen innerhalb
der Wertschöpfungskette.
Abbildung 21: Media - Branchenbilanz der Medienwirtschaft.
Abbildung 22: Media - Darstellungsvariante (1) für die Medienwirtschaft.
Abbildung 23: Media - Darstellungsvariante (2) für die Medienwirtschaft
Abbildung 24: Retail - Wertschöpfungskette des Handels .................................................. 77 Abbildung 25: Retail - Verteilung der Unternehmen innerhalb
der Wertschöpfungskette.............................................................................. 78 Abbildung 26: Retail - Branchenbilanz des Handels ........................................................... 80 Abbildung 27: Retail - Darstellungsvariante (1) für den Handel ......................................... 82 Abbildung 28: Retail - Darstellungsvariante (2) für den Handel ......................................... 84
VIII
Tabellenverzeichnis
Seite
Tabelle 1: Branchenübersicht 2
Tabelle 2: Chemicals - Branchenzahlen für die chemische Industrie. 26
Tabelle 3: Chemicals - Untersuchte Unternehmen der chemischen Industrie 27
Tabelle 4: Real Estate - Branchenzahlen für das Grundstücks- und Wohnungswesen 42
Tabelle 5: Real Estate - Untersuchte Unternehmen der Immobilienbranche. 43
Tabelle 6: Media - Branchenzahlen für die Film- und Fernsehbranche 58
Tabelle 7: Media - Untersuchte Unternehmen der Medienbranche. 58
Tabelle 8: Retail - Branchenzahlen für den Großhandel. 74
Tabelle 9: Retail - Branchenzahlen für den Einzelhandel. 74
Tabelle 10: Retail - Untersuchte Handelsunternehmen 75
1. Einleitung
Mit der Verordnung 1606/2002 der Europäischen Union (EU) vom 19. Juli 2002 über die EUweite Anwendung internationaler Rechnungslegungsgrundsätze wurden alle börsennotierten Unternehmen ab 2005 zur Aufstellung ihres Konzernabschlusses nach den International Financial Reporting Standards (IFRSs) verpflichtet. Ein IFRS-konformer Konzernabschluss verfolgt in erster Linie den Zweck, die Informationsbedürfnisse der Investoren und nicht, wie im deutschen Handelsrecht (HGB), die der Gläubiger zu erfüllen. Im Gegensatz zum HGB, in welchem die vergangenheitsbezogene Abbildung der Substanz bzw. des Vermögens im Vordergrund steht, fokussieren sich die IFRSs auf die zukünftige Performance des Unternehmens. Der verpflichtende Wechsel der Rechnungslegungsvorschriften von den nationalen Regelungen zu den IFRSs hat folglich umfassende Auswirkungen auf die Bilanzanalyse und deren Instrumentarium. Die bis dato verwendeten Kennzahlen und deren Bezugsgrößen verlieren im Wesentlichen ihre Aussagefähigkeit und sind somit für die Analyse eines IFRS-Abschlusses nur noch eingeschränkt nutzbar. Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 2005 das Kooperationsprojekt „Typologische Bilanzanalyse“ zwischen dem DSGV und der Fachhochschule Erfurt erstmalig durchgeführt. Dieses Projekt verfolgte auch 2006 das Ziel, branchenspezifisches Bilanzierungsverhalten mit Hilfe erhobener empirischer Daten von 247 börsennotierten Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) zu untersuchen. Aus den Projektergebnissen 2006 ergab sich die Frage: „Ist es möglich, anhand der erhobenen Daten der untersuchten Unternehmen, branchenspezifische Geschäftsmodelle und Werttreiber zu identifizieren?“
Diese Frage soll im Rahmen der vorliegenden Diplomarbeit beantwortet werden.
Grundlage der Untersuchung ist zunächst die Einordnung von 247 börsennotierten IFRS-Anwendern in Anlehnung an die von der Deutschen Börse vorgenommene Einteilung in Prime-Sektoren (Branchengruppen). Aus dieser Zuordnung der Unternehmen ergaben sich 17 Branchengruppen mit bis zu 15 Branchenvertretern. Dabei wurden nur solche Unternehmen berücksichtigt, deren Geschäftsjahr zum wesentlichen Teil auf das Kalenderjahr 2005 entfällt und deren Hauptsitz im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) liegt. Eine Übersicht über die einbezogenen Unternehmen und deren Zuordnung befindet sich auf der beiliegenden CD.
Die nachfolgende Tabelle listet die einbezogenen Branchen und die jeweilige Unternehmensanzahl auf.
Tabelle 1: Branchenübersicht
Aufgrund der hohen Anzahl der Branchen und der damit einhergehenden Datenmenge wurden im Rahmen dieser Diplomarbeit nur die in Tabelle 1 grau hinterlegten Branchen detailliert untersucht. Diese Branchen wurden aus folgenden Gründen ausgewählt: Die deutsche chemische Industrie (D - Chemicals) ist führend in Europa und weltweit auf dem vierten Platz. 1
Die Branche Retail (M) gilt als beschäftigungsintensivster Wirtschaftszweig in Deutschland. 2 Die anderen beiden Branchen Real Estate (G) und Media (K) wurden aufgrund ihrer spezifischen Merkmale hinsichtlich der zugrunde liegenden Wirtschaftsgüter und die sich daraus ergebenden Besonderheiten bei der Bilanzierung ausgewählt.
1 Vgl. Verband der chemischen Industrie e.V. (2006 b),
http://www.vci.de/template_downloads/tmp_0/VCI_Chem_kurz_06_WEB~DokNr~115719~p~101.pdf, S. 2.
2 Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (2006),
http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Wirtschaft/branchenfokus,did=31080.html.
Um die Frage nach dem Vorliegen branchenspezifischer Geschäftsmodelle und Werttreiber zu beantworten, wurde im Rahmen der vorliegenden Arbeit zunächst ein allgemeingültiges Grundkonzept zur IFRS-Branchenanalyse entworfen. Das Grundkonzept setzt sich aus sechs Stufen zusammen, wobei die ersten drei Stufen das Geschäftsmodell und die Stufen vier bis sechs, anhand von den im Jahresabschluss veröffentlichten Zahlen, die Werttreiber analysieren.
Im ersten Kapitel wird das theoretische Grundkonzept vorgestellt. Im Anschluss daran erfolgt die Betrachtung und Bewertung der vier Branchen Chemicals, Real Estate, Media und Retail entsprechend der im Grundkonzept vorgesehenen Analyseschritte in jeweils einzelnen Kapiteln. Am Ende der Arbeit wird eine Zusammenfassung und Auswertung der im Rahmen dieser Branchenanalyse gewonnenen Erkenntnisse sowie ein Ausblick gegeben.
2. Das theoretische Grundkonzept
Um die verschiedenen Branchen besser miteinander vergleichen zu können, ist es notwendig, jede Branche nach dem gleichen Schema zu analysieren. Zu diesem Zweck wird in diesem Kapitel zunächst das theoretische Grundkonzept zur Branchenanalyse vorgestellt, mit dessen Hilfe jede Branche einheitlich ausgewertet werden soll. Dazu werden zu Beginn allgemeine Aussagen zur Branche getroffen, anschließend eine branchenspezifische Wertschöpfungskette aufgestellt und schließlich ein branchentypisches Geschäftsmodell generiert. Die sich aus der Rechnungslegung ergebenden Werttreiber werden anhand einer Branchenbilanz dargestellt und die daraus gewonnenen Erkenntnisse im Anschluss mit Hilfe mehrer Kennzahlen genauer analysiert und überprüft. In einem letzten Schritt erfolgt die Untersuchung des Bilanzierungsverhaltens der jeweiligen Branche bezüglich gewisser Wahlmöglichkeiten, welche von den IFRSs eingeräumt werden, und deren Einfluss bei Ausübung bzw. Nichtausübung auf die Werttreiber in der Bilanz.
2.1 Die Branche
Im ersten Schritt der Branchenanalyse erfolgt eine allgemeine Definition der jeweiligen Branche und ihrer Besonderheiten, zudem wird ein Überblick über die in der Untersuchung der Branche berücksichtigten Unternehmen gegeben. Es wurden nur solche Unternehmen einbezogen, die ihren Sitz in Deutschland, Österreich oder der Schweiz haben, nach IFRS bilanzieren und an einer amtlichen Börse gelistet sind. Die Abgrenzung der Branchen und die Zuordnung der Unternehmen erfolgt in Anlehnung an die Brancheneinteilung der Deutschen Börse. In diesem Zusammenhang teilt die Deutsche Börse die Unternehmen in 18 Prime-Sektoren auf. Dabei richtet sich die Zuteilung der Unternehmen zu den jeweiligen Branchen nach deren Umsatzschwerpunkt. 3
Zunächst wird anhand der Fachliteratur der Begriff „Branche“ definiert. Unter dem Begriff Branche oder Wirtschaftszweig wird in der Fachliteratur übereinstimmend eine Gruppe von Unternehmen verstanden, die ähnliche Produkte herstellen und/oder ähnliche Dienstleistungen erbringen. 4
3 Vgl. Deutsche Börse AG (2006), http://deutsche-
boerse.com/dbag/dispatch/de/binary/gdb_content_pool/imported_files/public_files/10_downloads/50_informatio
ns_services/30_Indices_Index_Licensing/21_guidelines/10_share_indices/equity_indices_guide.pdf, S. 10.
4 Vgl. Piekenbrock, D. (2002), S. 482 sowie Samuelson, P. A. / Nordhaus, W. D. (1987), S. 769.
2.2 Die Wertschöpfungskette
Im zweiten Schritt wird die jeweilige branchenspezifische Wertschöpfungskette generiert. Im Anschluss daran erfolgt die Zuordnung der einbezogenen Unternehmen zu einzelnen bzw. mehreren Gliedern der Wertschöpfungskette. Diese Zuordnung basiert auf den im jeweiligen Geschäftsbericht gemachten Angaben über die Geschäftstätigkeit des Unternehmens. Darauf erfolgt eine Auswertung der festgestellten branchentypischen Ergebnisse. In einem weiteren Schritt sollen die gewonnenen Erkenntnisse zur Herleitung eines bzw. mehrerer branchenspezifischer Geschäftsmodelle genutzt werden.
Zunächst wird anhand der Fachliteratur eine Definition des Begriffs „Wertschöpfungskette“ gegeben.
Porter definiert die Wertkette („value chain“) als analytisches Instrument, welches die Unternehmen in strategisch relevante Tätigkeiten untergliedert. Ziel dieser Aufgliederung ist das Herausfiltern von Wettbewerbsvorteilen gegenüber den Konkurrenten und der Branche. 5 Gaitanides versteht die Wertschöpfungskette als ein System aus unterschiedlichen technischen und ökonomischen Aktivitäten, die in Verknüpfung miteinander ein interdependentes Gefüge bilden. Überdies definiert er die Wertschöpfungskette als bereichs- und abteilungsunabhängige betriebliche bzw. auch überbetriebliche Ablauflogik. In diesem Zusammenhang wird auch von hintereinander gelagerten Vorgangsketten gesprochen. 6 In einem aktuelleren Aufsatz definiert Knyphausen-Aufseß die Wertkette als sequentielle Aneinanderreihung der gesamten Aktivitäten eines Unternehmens, die zur Wertschöpfung beitragen. 7
Grundsätzlich kann die Erkenntnis erlangt werden, dass zwar unterschiedliche Definitionen des Begriffs Wertschöpfungskette existieren, aber der Grundgedanke der Darstellung aufeinander folgender Aktivitäten und deren Verknüpfungen innerhalb eines Unternehmens allen Definitionen gemein ist.
5 Vgl. Porter, M. E. (1992), S. 59 ff.
6 Vgl. Gaitanides, M. (1992), S. 15.
7 Vgl. zu Knyphausen-Aufseß, D. / Meinhardt, Y. (2002), S. 69.
2.3 Das Geschäftsmodell
In diesem Unterpunkt der Branchenanalyse erfolgt, anhand der bisher gewonnenen Erkenntnisse, die Erstellung eines, für die jeweilige Branche typischen, Geschäftsmodells. Dazu werden dem Ansatz von Knyphausen-Aufseß folgend, die einbezogenen Unternehmen, anhand der ihnen eigenen Positionierung in der branchencharakteristischen Wertschöpfungskette, den Kategorien vertikale oder horizontale Integratoren (Spezialisten) oder Unternehmensnetzwerken zugeordnet. 8 Zusätzlich werden, soweit die Datenlage eine Analyse zulässt, die jeweiligen Geschäftsmodelle unter Berücksichtigung verschiedener Gesichtspunkte wie Hauptgeschäftstätigkeit, geografische Aufstellung o.ä. betrachtet.
Anfänglich wird zunächst eine Definition des Begriffs „Geschäftsmodell“ gegeben. Die Suche nach einer eindeutigen Begriffsbestimmung erwies sich als problematisch, da in der Fachliteratur viele gegenläufige Definitionen verwendet werden. Übereinstimmung besteht nur in der Erkenntnis, dass es keine einheitliche Definition gibt. In diesem Zusammenhang sei auf den Aufsatz von Scheer / Deelmann / Loos verwiesen, in welchem die Autoren im Rahmen ihrer Arbeit 28 verschiedene Definition des Begriffs Geschäftsmodell analysiert haben. Als Essenz ihrer Untersuchung haben sie folgende eigene Definition formuliert, die im Rahmen der vorliegenden Arbeit übernommen wird:
„Ein Geschäftsmodell kann als eine abstrahierende Beschreibung der ordentlichen
Geschäftstätigkeit einer Organisationseinheit angesehen werden. Diese Abstraktion basiert
auf einer Abbildung von Organisationseinheiten, Transformationsprozessen,
Transferflüssen, Einflussfaktoren sowie Hilfsmitteln oder einer Auswahl hieraus.“ 9
8 Vgl. zu Knyphausen-Aufseß, D. / Meinhardt, Y. (2002), S. 69 ff.
9 Scheer, C. / Deelmann, T. / Loos, P. (2003), S. 22.
2.4 Die Werttreiber in der Branchenbilanz
Jede Branche ist durch ihre eigenen individuellen Werttreiber gekennzeichnet. Dabei handelt es sich allgemein um Faktoren, die einen Einfluss auf den Unternehmenswert haben. Diese Werttreiber können verschiedener Natur sein, d.h. sie können in den verschiedensten betrieblichen Bereichen entlang der Wertschöpfungskette liegen und demzufolge auch unterschiedliche Ursachen haben.
Im Rahmen dieser Arbeit soll nur auf solche Werttreiber eingegangen werden, deren Ursachen in der Vermögens-, Finanz- und Liquiditätslage liegen und die anhand der Daten der Jahresabschlüsse erhoben werden können. Um diese Werttreiber darstellen zu können, wird in diesem Abschnitt der Branchenanalyse in Anlehnung an Boulton, Libert und Samek und das von ihnen entwickelte „Value Imaging“ eine Branchenbilanz erstellt. 10 Diese Bilanz wird aus den Konzernbilanzen der Unternehmen, die in die Untersuchung der jeweiligen Branche einbezogen wurden, und den daraus ermittelten Branchendurchschnittswerten aufgestellt. Zudem wird das Verhältnis der Branchendurchschnittswerte des buchhalterischen Eigenkapitals und der Marktkapitalisierung zum Stichtag dargestellt. In diesem Zusammenhang wird die Marktkapitalisierung als Produkt aus der Aktienanzahl und dem jeweiligen Preis der Aktie zum Stichtag definiert. Dieser Vergleich soll einen Überblick über die Bewertung des Eigenkapitals zu Marktwerten ermöglichen. Darüber hinaus wird durch die Verschiebung der „Mittelachse“ in Richtung Aktiva oder Passiva, die Abhängigkeit der Branche von der jeweiligen Bilanzseite dargestellt werden. Eine Verschiebung der „Mittelachse“ in Richtung Aktiva wird im Folgenden als eine kapitalinduzierte Erfolgsstruktur definiert. Das Pendant, also die Verschiebung in Richtung Passiva, wird entsprechend als vermögensinduzierte Erfolgsstruktur definiert. Als Anhaltspunkt für die Verschiebung der „Mittelachse“ soll der Leverage-Faktor dienen.
Zur Berechnung der Eigenkapital-Quote wurde nicht das buchhalterische Eigenkapital sondern die Marktkapitalisierung angesetzt, da bei der Aufstellung der Branchenbilanz der Marktkapitalisierungsmehrwert Berücksichtigung fand.
10 Vgl. Boulton, R. E. S. / Libert, B. D. / Samek, S. M. (2001): Value Code - Werte schaffen in der Neuen
Wirtschaft: Erfolgsstrategien, Geschäftsmodelle, Praxisbeispiele, 1. Auflage, München 2001, o. S., zitiert nach
Deelmann, T. / Loos, P. (2003), S. 11ff.
Je höher der Leverage-Faktor ausfällt, desto stärker ist die Eigenkapitalrentabilität von der vorherrschenden Kapitalstruktur abhängig. Dabei muss zunächst für alle Unternehmen ein durchschnittlicher Leverage-Faktor ermittelt werden. Einschränkend sei erwähnt, dass bei der Ermittlung des durchschnittlichen Leverage-Faktors Werte jenseits der Bandbreite von -10 bis +10 aus Gründen der Verzerrung keine Berücksichtigung finden. Von diesem Wert aus wird die „Mittelachse“ dann in Richtung Aktiva (Passiva) verschoben, wenn der jeweilige Branchendurchschnittswert größer (kleiner) ist als der gesamte durchschnittliche Leverage-Faktor. Je größer die Bilanzseite, desto größer ist die Abhängigkeit von dieser und umgekehrt, d.h. in der unten veranschaulichten Beispielbilanz ist die Branche von der Aktivseite und speziell von den Sachanlagen abhängig. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass relativ hohe Abschreibungen und hohe Fixkosten das Ergebnis bei Unterauslastung der Anlagen überproportional belasten und somit überdurchschnittliche Verluste entstehen können. Allerdings besteht auch die Möglichkeit, dass durch eine hohe Auslastung der Anlagen überdurchschnittliche Gewinne aufgrund fallender Stückkosten erwirtschaftet werden können. Darüber hinaus ist diese fiktive Branche durch eine gute Eigenkapitalausstattung und eine geringere Abhängigkeit vom Fremdkapital gekennzeichnet. Dies hat zur Folge, dass das operative Ergebnis und die Liquidität nur in geringem Ausmaß durch Zinsen belastet werden. Abschließend lässt sich für diese Beispielbranche sagen, dass die Werttreiber zum einen auf der Aktivseite der Bilanz in den Sachanlagen und deren Auslastung liegen und zum anderen in den Fremdkapitalkosten auf der Passivseite.
11 Inklusive geleistete Anzahlungen, Anlagen im Bau und langfristigen Finanzanlagen.
2.5 Die Kennzahlenanalyse
In der Kennzahlenanalyse wird die Branche nun anhand von vier Kennzahlen und zwei grafischen Darstellungen abgebildet. Dadurch sollen die im vorangegangenen Abschnitt aufgestellte Branchenbilanz und die daraus gewonnen Erkenntnisse einer vertiefenden Untersuchung zugeführt werden. Dazu werden jeweils zwei der vier Kennzahlen in Beziehung zueinander gesetzt. Das erste Kennzahlenpaar zeigt dabei die Auswirkungen der Finanzierungsstruktur, das zweite den Einfluss der Vermögensstruktur. Zur Abbildung dieser Kennzahlenpaare wurden zwei annähernd identische Darstellungsvarianten gewählt, die sich nur hinsichtlich ihrer Gesamtaussage unterscheiden. Die erste Darstellungsvariante (1) zeigt die ermittelten Durchschnittswerte der jeweiligen Branche für beide Kennzahlenpaare im Vergleich zum Gesamtdurchschnittswert aller untersuchten Unternehmen. Die zweite Darstellungsvariante (2) bildet die Verhältnisse innerhalb der konkreten Branche ab. Es werden also alle Einzelwerte der jeweils untersuchten Branche und der aus diesen Werten ermittelte Durchschnittswert dargestellt.
In den beiden folgenden Unterabschnitten werden die zur Analyse der Finanzierungs- und Vermögensstruktur jeweils notwendigen Kennzahlenpaare separat vorgestellt und erläutert.
2.5.1 Die Analyse der Finanzierungsstruktur
Die Auswirkungen der Finanzierungsstruktur auf das Jahresergebnis und die Liquidität des operativen Bereiches werden anhand der beiden Kennzahlen „Zinsbelastungsquote des Ergebnisses“ und „Zinsbelastungsquote der Liquidität“ untersucht. Diese beiden Kennzahlen wurden ausgewählt, weil sie den Einfluss der Zinsen auf das Ergebnis und die Liquidität am ehesten verdeutlichen. Zunächst werden die beiden Kennzahlen getrennt voneinander erläutert und im Anschluss daran mögliche Interpretationen für die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten der beiden Kennzahlen dargestellt.
Diese Kennzahl zeigt die Auswirkung der Zinsaufwendungen auf das Jahresergebnis. Dabei wird das EBI (Earnings Before Interest) in Beziehung zum Jahresüberschuss gesetzt. Das EBI stellt ein um die Zinsaufwendungen bereinigtes Jahresergebnis dar. Ein Wert von 1,0 bedeutet, dass das EBI genauso groß ist wie der Jahresüberschuss und somit im Berichtsjahr keine Zinsaufwendungen angefallen sind, d.h. das Jahresergebnis ist nicht durch Zinsaufwendungen belastet. Ein Wert von 2,0 bringt zum Ausdruck, dass Zinsaufwendungen in gleicher Höhe wie das Jahresergebnis angefallen sind. Je höher der Wert für die Zinsbelastungsquote des Ergebnisses ausfällt, desto stärker beeinflussen die Kapitalstruktur und die damit zusammenhängenden Zinsaufwendungen das Jahresergebnis. Negative Werte dieser Kennzahl sind auf einen negativen Jahresüberschuss zurückzuführen, d.h., dass durch die Zinsaufwendungen aus einem vorher positiven Ergebnis ein Jahresfehlbetrag entstanden ist.
Die Zinsbelastungsquote der Liquidität zeigt die Auswirkung der im Geschäftsjahr gezahlten Zinsen auf die operative Liquidität. Dabei werden die im Geschäftsjahr gezahlten Zinsen in Beziehung zum operativen Cash Flow gesetzt.
Ein Wert von 0,0 bedeutet, dass im Geschäftsjahr keine Auszahlungen für Zinsen getätigt wurden und dadurch die Liquidität nicht belastet wurde. Bei einem Wert von 1,0 sind die gezahlten Zinsen genauso hoch wie der operative Cash Flow, d.h. der operative Cash Flow wurde vollständig für die Zahlung von Zinsen verwendet. Je höher dieser Wert ausfällt, desto stärker beeinflussen die Finanzierungsstruktur und die damit zusammenhängenden Zinszahlungen die Liquidität des operativen Bereiches. Negative Werte dieser Kennzahl sind auf einen negativen operativen Cash Flow zurückzuführen, was bedeutet, dass die Zinszahlungen nicht aus dem operativen Cash Flow getätigt werden können und sich somit die negative operative Liquiditätssituation weiter verschlechtert.
(C) Gesamtanalyse der Finanzierungsstruktur (A + B)
Im Nachfolgenden werden die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten der beiden Kennzahlen näher erläutert. Zur Veranschaulichung dient eine Vier-Felder-Matrix, mit deren Hilfe die möglichen Kombinationsvarianten dargestellt werden.
An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass der Schnittpunkt der vier Quadranten in der ersten Darstellungsvariante (1) genau in dem Punkt liegt, in dem sich die Werte für den Gesamtdurchschnitt aller Unternehmen befinden. In der zweiten Darstellungsvariante (2) befindet sich der Schnittpunkt der vier Quadranten im Punkt des jeweiligen Branchendurchschnittes.
Kombinationsmöglichkeiten:
1.
Bei dieser Kombination sind die Werte für beide Kennzahlen hoch und befinden sich im 1. Quadranten. Alle Werte, die sich in diesem Bereich befinden, lassen darauf schließen, dass die Finanzierungsstruktur und die daraus resultierenden Zinsaufwendungen und Zinszahlungen zu einer erheblichen Belastung des Jahresergebnisses und der Liquidität des operativen Bereiches führen. Unternehmen bzw. Branchen, die sich in diesem Feld befinden, sollten zukünftig, bei sonst gleich bleibenden Erträgen und Aufwendungen sowie Ein- und Auszahlungen, kein weiteres Fremdkapital aufnehmen, da ihre Liquidität und ihr Ertrag bereits zu stark durch Fremdkapitalzinsen belastet sind. Eine solche Situation bedeutet, dass die erwirtschafteten Erträge und Einzahlungsüberschüsse die anfallenden Zinsen nicht tragen können. Somit ist die Ertrags- und Liquiditätslage nicht an die individuelle Kapitalstruktur angepasst. Dies gilt in gleichem Maße für den Fall, dass die Werte beider Kennzahlen negativ sind.
Im Falle dieser Kombination sind die Werte für beide Kennzahlen niedrig und befinden sich im 4. Quadranten. Alle Werte, die sich in diesem Feld befinden, lassen darauf schließen, dass die Finanzierungsstruktur und die daraus resultierenden Zinsaufwendungen und Zinszahlungen zu keiner bzw. einer nur geringen Belastung des Jahresergebnisses und der Liquidität des operativen Bereiches führen. Derartige Unternehmen bzw. Branchen, können zukünftig, bei sonst gleich bleibenden Erträgen und Aufwendungen sowie Einzahlungsüberschüssen, weiter Fremdkapital aufnehmen, da ihr Ergebnis und ihre Liquidität bisher nur gering belastet sind. Die erwirtschafteten Erträge und Einzahlungsüberschüsse sind also an die existierende Kapitalstruktur angepasst und es besteht die Möglichkeit, durch eine Optimierung der Kapitalstruktur, die Eigenkapitalrendite weiter zu erhöhen.
Arbeit zitieren:
Harry Liedtke, Clemens Taube, 2007, Identifizierung und Analyse branchenspezifischer Werttreiber und Geschäftsmodelle - Teil 2: Analyse der branchenspezifischen Anwendung der IFRS in deutschen, österreichischen und schweizerischen Unternehmen, München, GRIN Verlag GmbH
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Clemens Taube hat den Text Identifizierung und Analyse branchenspezifischer Werttreiber und Geschäftsmodelle - Teil 2: Analyse der branchenspezifischen Anwendung der IFRS in deutschen, österreichischen und schweizerischen Unternehmen veröffentlicht
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