2
Inhaltsverzeichnis
1. Bedeutung von Salz 3
2. Der neuzeitliche Kolonialismus 4
2.1 Kolonisation 4
2.2 Dekolonisation 5
3. Indien 6
3.1 Geschichte des Landes bis ins 19. Jahrhundert 6
3.2 Gandhi: Leben und Philosophie 7
4. Der Salzmarsch 9
4.1 Zeitgeschichtliche Rahmenbedingungen 9
4.1.1 Wirtschaftliche Faktoren 9
4.1.2 Politische Faktoren 10
4.2 Der Marsch 12
4.3 Auswirkungen 13
4.3.1 Unmittelbare Konsequenzen 13
4.3.2 Weitreichende Folgen 14
5. Schlussanalyse: Zusammenhang zwischen Salz und Macht 15
6. Anhang 16
7. Literaturverzeichnis 17
~ 3 ~
1. Bedeutung von Salz
Salz - es lässt nicht nur unser Essen besser schmecken, sondern ist, wie schon früh erkannt 1 , ein lebenswichtiger Stoff, ohne den der Mensch, die Tiere und auch das Land nicht leistungsfähig sind. Gerade wegen dieser herausragenden Bedeutung für alle Lebewesen der Erde darf Salz nicht nur als ein Mineralstoff, sondern auch als Machtmittel gesehen werden. Im Lauf der Geschichte hat Salz nicht selten eine tragende Rolle im Leben der Menschen gespielt. Dies lässt sich deutlich erkennen, wenn man bedenkt was der Salzhandel alles bewirkte, dass es gar Salzkriege gab und dass das Salz auch in Brauchtum 2 , Aberglauben und vielen Sagen Eingang fand. In Afrika war es sogar als anerkanntes Zahlungsmittel, also als Geld, nicht unüblich. 3 In meist günstig gelegenen Städten war Salz lange Zeit der tragende Wirtschaftsfaktor, der zu großem Reichtum und großer Bedeutung einer Region führen konnte, wie beispielsweise in Passau eindrucksvoll bis heute sichtbar. Aber damit ist seine Bedeutung nicht erschöpft: während das Salz schon seit dem Altertum ein Hilfsmittel bestimmter Gewerbe war, ist es heute einer der wichtigsten Rohstoffe für die anorganische chemische Industrie. 4 Die Tatsache, dass niemand dauerhaft auf Salz verzichten kann, hatte die herrschenden Schichten schon früh das Potenzial dieses Stoffes erkennen lassen. Deshalb sicherte man sich mittels des staatlichen Salzmonopols und der Salzsteuer diese lukrative Einnahmequelle; selbstverständlich nur unter dem Vorwand der Besorgnis, dass, sollte dieses Machtmittel in die falschen Hände geraten, dies eine tragische Benachteiligung der Armen bedeuten würde. 5 Gleichzeitig setzte man vereinzelt und mit schlimmen Folgen „Salzentziehung“ gar als Strafe in Gefängnissen ein. 6
In meiner Arbeit wird an Hand der Geschichte Indiens und Gandhis Salzmarsch exemplarisch dargelegt, wie Salz als politisches Mittel eingesetzt wurde und welche weitreichenden Folgen dies für Indien hatte. In diesem Rahmen werde ich das Leben der umstrittenen Person Gandhis und die zeitgeschichtlichen Rahmenbedingungen beleuchten, die überhaupt dazu führten, dass die Inder zu diesem Mittel griffen, um sich von der drückenden Herrschaft der Briten zu befreien. Kurz werde ich auch das Phänomen des Kolonialismus im Allgemeinen streifen, um die damaligen weltweiten Tendenzen deutlich zu machen. Hierbei setze ich zeitlich etwa bei den weltweiten Entwicklungen ab 1450 (n.Chr.) ein, da die Epoche des neuzeitlichen Kolonialismus, der zu Beginn des 15. Jahrhunderts einsetzte und etwa bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1945 andauerte, der für meine Arbeit entscheidende Zeitraum ist. Die vorangegangenen Kolonialzeiten, wie etwa die römische oder arabische, zu erläutern würde den Rahmen der Arbeit sprengen.
1
vgl. SOMMERFELD, W. (1868): Salzmonopol und Salzsteuer, S.7 ff. und 19
2 noch heute werden oft Brot und Salz beim Einzug in eine neue Wohnung geschenkt
3 vgl. SOMMERFELD, W. (1868): Salzmonopol und Salzsteuer, S. 10
4 vgl. EMONS, H.H.; Walter, H.-H. (1984): Mit dem Salz durch die Jahrtausende, S. 2
5 vgl. SOMMERFELD, W. (1868): Salzmonopol und Salzsteuer, S. 5
6 vgl. SOMMERFELD, W. (1868): Salzmonopol und Salzsteuer, S. 10
~ 4 ~
2. Der neuzeitliche Kolonialismus
2.1 Kolonisation
Laut Wahrig ist Kolonisation erstens „die Besiedlung, Urbarmachung und Erschließung ungenutzten Landes im Ausland oder im Inneren des eigenen Landes“ oder zweitens „die Eroberung oder der Erwerb von Kolonien“. 7 Der neuzeitliche Kolonialismus begann im Zeitalter der Entdeckungen im 15. Jh. in einer Verbindung von Rohstoffausbeutung und Missionsgedanken und bestimmte seitdem das Verhältnis der europäischen Staaten zu den überseeischen Gebieten, den Kolonien. 8 Diese Politik lief wesentlich auf die Ausbeutung der beherrschten Gebiete hinaus; die wirtschaftlichen Kontakte wurden auf das Mutterland beschränkt. So dienten die Kolonien gleichzeitig als Lieferanten billiger Rohstoffe und als neue Absatzmärkte für teure Fertigwaren der Mutterländer. Den Anfang machte Portugal bzw. Kastilien mit seiner Suche nach einem Seeweg nach Indien, während der es auf Afrika stieß und dort erste Niederlassungen gründete. Andere europäische Staaten folgten dem portugiesischen Beispiel und der Sklavenhandel begann zu blühen. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. begann dann die massive Kolonisierung des Kontinents durch die Europäer. Portugal, Großbritannien, Belgien, Frankreich, Italien und Deutschland eroberten, besetzten oder erwarben v.a. ab 1870 weite Gebiete Afrikas. 9 Unter dem Deckmantel einer zivilisatorischen Bewegung, die als Sieg des Lichts und der Zivilisation über die Finsternis und Barbarei dargestellt wurde, betrieben die europäischen Mächte die schamlose Ausbeutung des afrikanischen Kontinents und seiner Bevölkerung. Auf der Berliner Konferenz 1884-85 teilte man Afrika quasi unter sich auf 10 - selbstverständlich nur „aus Fürsorge für die Steigerung der moralischen und materiellen Wohlfahrt der eingeborenen Völkerschaften“ 11 . Aufgrund sogenannter „Schutzverträge“, die man mit den eingeborenen Fürsten und Stammesführern abschloss, sollte der Landerwerb und die Machtübernahme von den Eingeborenen legal und gerecht erscheinen. 12 Für die jetzt beherrschten Völker brachten die Eroberer aber nicht nur den Verlust der Selbstbestimmung, sondern in Form von meist monokulturellen Plantagen auch die dauerhafte Abhängigkeit von einigen wenigen landwirtschaftlichen Exportprodukten und allen damit verbundenen typischen Probleme einer monokulturellen Landnutzung. 13 Zu all diesen ohnehin schon großen Belastungen und unfairen Praktiken kamen noch die „Verpflichtungen“ hinzu, die die Mutterländer ihren Kolonien wie selbstverständlich abverlangten. Als man in Europa entschied an kriegerischen Auseinandersetzungen teilzunehmen, für die man noch „Männer“ benötigte, zog man einfach Soldaten aus seinen Kolonien heran. 14 Welche direkten und auch weitreichenden Folgen dies für die afrikanischen Völkerschaften be-
7
vgl.WAHRIG, G. (1972): Deutsches Wörterbuch, S. 2086
8 vgl. REDAKTION SCHULE UND LERNEN (Hrsg.) (2001): Schülerduden. Erdkunde II, S. 207
9 vgl. REDAKTION SCHULE UND LERNEN (Hrsg.) (2001): Schülerduden. Erdkunde I, S. 13
10 vgl. ANSPRENGER, F. (1973): Kolonisierung und Entkolonisierung in Afrika, S. 1, 13 und 18
11 Berliner Schlussakte vom 26. Februar 1885(sog. Kongo-Akte), Kap. 6 Präambel; vgl. ANSPRENGER, F. (1973): Kolonisierung und Entkolonisierung in Afrika, S. 15
12 vgl. ANSPRENGER, F. (1973): Kolonisierung und Entkolonisierung in Afrika, S. 18
13 vgl. ANSPRENGER, F. (1973): Kolonisierung und Entkolonisierung in Afrika, S. 29
14 vgl. ANSPRENGER, F. (1973): Kolonisierung und Entkolonisierung in Afrika, S. 23
~ 5 ~
deutete, interessierte die Eroberer nicht. Sie nahmen sich von ihren Kolonien, was sie wollten, ohne auf die Folgen zu achten. Selbstverständlich fand Kolonisation nicht nur in Afrika statt, sondern ähnlich durchgeführt in anderen Teilen der Welt, wo Europa meinte Gewinn aus weiteren Herrschaftsgebieten ziehen zu können. Als Beispiele wären hier u.a. der asiatische Raum und auch Amerika, v.a. Südamerika zu nennen. Rechnet man, aus Sicht der Kolonien, die positiven Aspekte des Kolonialismus gegen die negativen auf, so überwiegt das Negative; v.a. wenn man die Spätfolgen auch nach der Dekolonisation in Betracht zieht.
2.2 Dekolonisation
Unter Dekolonisation versteht man die Beendigung des Kolonialstatus oder die Auflösung kolonialer Herrschaft. Gleichbedeutend werden die Begriffe Entkolonialisierung, Entkolonisierung, Dekolonialisierung und Dekolonisierung verwendet. Meist bezieht man sich mit Dekolonisation auf die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, in der die Kolonien der europäischen Mächte nach und nach ihre Selbstständigkeit erlangten. Den Anfang machte 1922 Ägypten, dem 1947 Indien, 1949 Indonesien und bis 1990 schrittweise die afrikanischen Kolonien folgten. Der Prozess der Entkolonialisierung setzte insgesamt etwa ab dem Ersten Weltkrieg ein. Die beherrschten Völker begannen eine Lehre zu ziehen aus dem was sie durch die Kolonialherren über die Geschichte der Welt und Politik lernten. 15 Man erkannte, dass man als Volk nicht unterlegen bleiben durfte. So bildeten sich allmählich Nationalgefühle undbewegungen, die Selbstbestimmung und Freiheit zu fordern begannen. Man wollte sich nicht mehr damit zufrieden geben als „Zulieferbetrieb für Europa“ zu dienen; egal ob im Bezug auf die Lieferung von „Menschengut“ für dessen Kriege 16 (siehe Statistik V im Anhang) oder billige landwirtschaftliche Produkte für dessen Industrie. Als Identifikationskerne dieser Bewegungen dienten oft vorkoloniale Strukturen oder Religionen. Eine Verschärfung der Situation der Kolonien durch die Weltwirtschaftskrise 1929 und den Zweiten Weltkrieg beschleunigte den Lösungsprozess in vielen Fällen noch. Der von Europa ausgehende Druck verstärkte sich zunehmend bis hin zur Unerträglichkeit der gestellten Forderungen, sodass den beherrschten Völkern gar kein anderer Ausweg mehr blieb, als Auflehnung und Freiheitskampf. Soziale Träger des Widerstandes waren in der Regel die lokalen Eliten, aber vereinzelt auch europäische Einzelpersonen, wie etwa der Missionar William Carey 17 , der schottisch geborene Allan Octavian Hume 18 oder die Engländerin Annie Besant 19 . Schaffte es ein Land dann tatsächlich die Freiheit zu erlangen, so konnte es sich souverän 20 nennen. Dass mit der Erlangung der Unabhängigkeit vom Mutterland, die Probleme des jeweiligen Landes bei weitem nicht behoben waren, mussten viele Ex-Kolonien erfahren. In der Regel folgten auf den
15
vgl. GAEBERT, H.W. (1944): In Sachen Indien gegen London, S. 19 und 111 f.
16 vgl. ANSPRENGER, F. (1973): Kolonisierung und Entkolonisierung in Afrika, S. 35 und GAEBERT, H.W. (1944): In Sachen Indien gegen London, S. 230 f.
17 vgl. GAEBERT, H.W. (1944): In Sachen Indien gegen London, S.129
18 vgl. GAEBERT, H.W. (1944): In Sachen Indien gegen London, S. 134
19 vgl. HAGEMANN, A. (2008): Mahatma Gandhi, S. 33
20 vgl. SCHERK, N. (1969): Dekolonisation und Souveränität, S. 3
Arbeit zitieren:
Dorothea Bernhard, 2008, Salz und Entkolonialisierung, München, GRIN Verlag GmbH
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