Einleitung
Mein Deckblatt zeigt einen Ausschnitt des Freskos von Raffael „Die Schule von Athen“. Auf diesen ist Platon zu sehen, der mit der Hand nach oben, in das Reich der Ideen zeigt. Aristoteles hingegen zeigt nach unten um damit anzudeuten, dass die Erkenntnis auf der Welt selbst, in den Erfahrungen zu finden ist. Dieses Fresko zeigt deutlich dass, was sich auch in der Politik finden lässt. Es zeigt die unterschiedlichen Blickwinkel die die beiden vertraten. Zur Zeit des Perikles erlebte die Staatstheorie mit den Sophisten einen Unschlag. Dies zeigt sich auch in den politischen Ideen der Zeit. In meiner Arbeit habe ich mich mit den verschieden politischen Ansichten dieser beiden antiken Philosophen beschäftigt. Bei meiner Arbeit gehe ich besonders auf Platons Politikvorstellungen ein um anhand dieses Wissens einen Vergleich zu Aristoteles zu ziehen. Im ersten Teil beschreibe ich Platons Versuche Anteil an der Politik seiner Zeit zu nehmen. Danach gehe ich auf seine Vorstellungen von einem perfekten Staat ein. Im zweiten Teil gehe ich kurz auf Platons politische Vorstellungen eines perfekten Staats ein um dann die wichtigsten Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszufiltern. Ziel der Arbeit ist es herauszufinden wie sich die Vorstellungen auf die Nachwelt auswirkten und ob es ihnen geling einen Einfluss auf das politische Leben zu nehmen.
Platons weg vorbei an der Politik in die Politik
Platon (427-347) 1 war der Sohn einer alten athenischen Familie. Somit war ihm die politische Laufbahn in die Wiege gelegt wurden.
Auch der junge Platon selbst sah sich als ein zukünftiger Politiker. Wie bereits bekannt kam es jedoch zu einer Karriere im Bereich der Philosophie. Daraus lässt sich schließen, dass gewisse Umstände eingetroffen waren, die ihn zu dieser Neuentscheidung bewegten. Dies waren in erster Linie seine persönlichen Erfahrungen mit der Politik Athens, die sich im näheren Verwandtschaftsfeld Platon abspielte. Im Alter von 24 Jahren erlebte er den Peloponnesische Krieg, sowie den Zusammenbruch Athens mit. Er verfolgte beim oligarchischen Umsturz 404 v. Chr.
1 Möbus, Gerhard: Die Politischen Theorien von der Antike bis zur Renaissance Politische Theorien, Teil I, Köln und Opladen, 1964. S.43
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Kritias Schreckensherrschaft fielen 1500 politische Gegner zu Opfer. Platon war gleichwohl mit der vorangegangenen politischen Ordnung unzufrieden, empfand jedoch die seiner Onkel für noch negativer. 2 Dies führte zu einer Abwendung Platons von der Politik.
Diesem Ereignis folgte jedoch ein Weiteres. Sein Lehrer und Mentor Sokrates, den er auf das Höchste bewunderte, wurde 399 hingerichtet. Nach dessen Tod beschloss Platon, dass eine Stadt, die den Gerechtesten verurteile somit sich selbst richte. 3 Nach Platon war mit ihr somit keine Politik mehr zu machen. 4 Der Begriff der Gerechtigkeit wird in Platons späterem Werk noch von besonderer Bedeutung sein. Platon reist nach Syrakus und verfeindet sich mit dem Tyrannen Dionys I. Jedoch gewinnt er dessen Schwager und somit Nachfolger für sich, den jungen Dion. 5 Zurück in Athen gründet er die Akademie um die jungen Staatsmänner zu erziehen, die Athen nun so dringend brauchte. In sein en Buch Politeia, welches er mit etwa fünfzig Jahren verfasste, erläutert er seine Grundannahme, dass ein Guter Staatsmann ein Philosoph sei. Schon vor seiner ersten Reise nach Syrakus soll er bereits diese These vertreten haben. In Athen misslang jedoch sein Versuch dies durchzusetzen, welches ihn zur Erkenntnis brachte, das wenn es nicht gelinge einen Philosophen zum Herrscher zu machen die als nächstes realisierbare Möglichkeit wäre einen Tyrannen zur Philosophie zu bekehren. Also aus einer Gewaltherrschaft einen gesetzmäßigen König zu machen. Wie bereits erwähnt war Dionys I zu keiner Wandlung gewillt. Nach dem Tod Dionys I berief der junge neue Staatsmann Dionys II auf Wunsch Dions Platon nach Syrakus, der dieser Einladung folgte, noch immer mit dem Hintergedanken einen philosophischen Staatsmann zu konstruieren. 6 Nach kurzer Zeit jedoch kehrte er 365 v. Chr. wieder nach Athen zurück. Ein letztes Mal kam er im Jahre 361 v. Chr. Mit zwei seiner Schüler nach Athen. Auch dieser Reise verlief erfolglos. Zwar wünschte Dionys II seine Anwesenheit doch wollte er Platon vielmehr zeigen wie sehr er die philosophische Lehre bereits verstanden habe, als das er von ihm hätte etwas lernen wollen. Diese Anmaßung erzürnte Platon. Nach weiteren Turbulenzen gelang Platon 360 v. Chr. die Heimreise.
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vgl.: Henning Ottmann, Geschichte des politischen Denkens. Bd. 1/2. Die Griechen. Stuttgart-Weimar 2001. S. 2.
3 vgl.: ebenda S. 1
4 vgl.: Plat. VII. Brief 325f
5 vgl.:Plut. Dion 11ff.
6 vgl.: Platon, Der Staat, deutsch von August Horneffer, Stuttgart: Alfred Kröner Verlag, 1949. S. XXXVIII.
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Politeia
Staatstheoretisch war Platons wichtigster Dialog der über den Staat die Politeia, die etwa um 370 vor Chr. verfasst wurde. 7
Dass die Politeia in 10 Bänden veröffentlicht wurde, hatte buchhändlerische Ursachen. Ihre Kapiteleinteilung erfolgte nicht aus platonischer Zeit. Man kann sie in drei Teile einteilen wobei der Erste die Entwicklung und den Aufbau des Staates vereinfacht darstellt. Im Zweiten Teil, der die Bücher V bis VII enthält geht Platon auf die philosophische Erziehung ein und wie somit ein guter Staat regiert wird. Der dritte Teil betrachtet den Zerfall des Staates, indem er gesondert auf die verschiedenen Verfassungen eingeht. 8
Platon lässt große Sophisten in seinem Werk auftreten. Darunter befinden sich Namen wie Protagoras, Hipias, Prodikos und Gorgias. Dessen Gegenspieler ist kein geringerer als Sokrates. Platon stand dem Denken seiner Zeit, besonders den Sophisten, kritisch gegenüber, besonders den Sophisten steht er ablehnend gegenüber. Der Staat ist rein in dialogischer Form verfasst, der dem Leser das Gefühl gibt immer aktuell dabei zu sein, wenn neue Ideen angebracht werden und nicht erst eine schon lang aufgeschriebene Weisheit zu lesen.
Das Thema der Gerechtigkeit, welches er bereits ab den beginn des Buches einführt ist das zentrale Leitmotiv des Gesprächs. Es scheint als würde die Diskussion über die Politik nur angebracht um in vergrößerter Form das Wesen der Gerechtigkeit begreifbar zu machen. 9
Platon und die Gerechtigkeit
Das große Thema in Platons Schrift ist nicht wie zuerst vermutet die Politik, tatsächlich handelt der größte Teil von der Gerechtigkeit. Platon führt sie durch das Gespräch Sokrates mit Kephalos, dem Vater des Hausherren Polemarchos ein. 10 Ein Indiz dafür, dass das Thema der Gerechtigkeit eine zentrale Rolle des Werkes spielt ist, dass der traditionelle Untertitel „Über die Gerechtigkeit“ to dikaion lautete. 11
7 vgl.: Demandt, Alexander. Der Idealstaat: Die politischen Theorien der Antike. Köln. 1993.S.76.
8 vgl.: Platon, Der Staat, deutsch von August Horneffer, Stuttgart: Alfred Kröner Verlag, 1949. S. XXIXI.
9 vgl.: ebenda S. XXXII.
10 vgl.: Platon: Der Staat. Übersetzt und erläutert von Otto Apelt (Philosophische Bibliothek Bd. 80) Hamburg 1961.S. XIV.
11 vgl.: Demandt, Alexander. Der Idealstaat: Die politischen Theorien der Antike. Köln. 1993.S.76.
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Was verstand Platon nun unter „Gerechtigkeit“? Zuerst scheint es sinnvoll den Gerechtigkeitsbegriff heute zu klären um Vergleiche zu dem zu ziehen, wie Platon ihn verstand. Popper definiert ihn wie folgt:
a) gleiche Verteilung der Lasten der Staatsbürgerschaft, das heißt der im sozialen Leben notwendigen Einschränkungen der Freiheit;
b) gleiche Behandlung der Bürger vor dem Gesetz, vorausgesetzt natürlich, daß
c) die Gesetze selbst einzelne Bürger oder Gruppen oder Klassen weder begünstigen noch benachteiligen;
d) Unparteilichkeit der Gerichtshöfe;
e) Gleicher Anteil an den Vorteilen (und nicht nur an den Lasten), die Mitgliedschaft im Staate dem Bürger zu bieten vermag. 12 Vergleichen wir dies nun mit dem platonischen Gerechtigkeitsbegriff. Platon geht an den Begriff auf zwei Wege heran. Seine beiden Brüder Glaukon und Adeimantos, welche förmlich über das gesamte Werk hinweg das Gespräch mit Sokrates führen, drängen diesen dazu das Thema erst an einen Musterbeispiel, dem Staat, zu erklären. 13 Erst darauf geht Sokrates auf die Gerechtigkeit der Einzelseelen ein. Somit ist bewiesen, dass der Staat nur ein Unterthema ist, um an ihm die Gerechtigkeit zu verdeutlichen. Ich werde hier nur auf seinem Begriff der Gerechtigkeit im Staat eingehen, da dies von wesendlicher Bedeutung für seinen Politikbegriff ist. 14
Für Platon ist gerecht all das, was im Interesse des Staates ist. Seine Überlegungen zum Thema finden jedoch erst im IV Buch eine Antwort, welches es jedoch noch nicht abschließt.
Die Drei-Stadien Theorie der Stadtentstehung
Blicken wir nun auf die Entstehung des Staates um an ihr die Gerechtigkeit zu erkennen. Die einfache politische Gemeinschaft entsteht des Überlebens willen. 15 In diesem tut jeder Bürger das, was er am Besten kann . 16
12 vgl.: Popper, Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, Tübingen 1992.S. 107.
13 vgl.: Platon, Der Staat, deutsch von August Horneffer, Stuttgart: Alfred Kröner Verlag, 1949. S. 361
14 vgl.: Platon: Der Staat. Übersetzt und erläutert von Otto Apelt (Philosophische Bibliothek Bd. 80) Hamburg 1961.S. XVI.
15 vgl.: Platon. Der Staat. 369b.
16 ebenda 370c
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Arbeit zitieren:
Katharina Sagebaum, 2008, Platon und Aristoteles, München, GRIN Verlag GmbH
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