2
Konrad Adenauer, Jahrgang 1876, hatte schon in der Weimarer Republik versucht, die deutsche Außenpolitik zu revolutionieren und die in den „Freiheitskriegen“ u. a. von Ernst-Moritz Arndt gepriesene und später von Bismarck zur Grundlage seiner Reichsgründung gemachte Ideologie von der „deutsch-französischen Erbfeindschaft“ zu überwinden. Er scheiterte u.a. am Widerstand Stresemanns. Erst nach der deutschen Katastrophe der Jahre 1933 bis 1945, die eben nicht auf die Formel von der „Katastrophe des Jahres 1945“ verkürzt werden darf, konnte Adenauer seine Idee in die Tat umsetzen, als er innen- und außenpolitisch die Weichen stellte für den Wiederaufbau des ursprünglichen Teilstaates Bundesrepublik Deutschland. 1946 erklärte er in einer Grundsatzrede vor der CDU, dass der Nationalsozialismus in Deutschland nicht hätte zur Macht kommen können, „wenn er nicht in breiten Schichten der Bevölkerung vorbereitetes Land für seine Giftsaat gefunden hätte. Ich betone, in breiten Schichten der Bevölkerung. [...] breite Schichten des Volkes, der Bauern, des Mittelstandes, der Arbeiter, der Intellektuellen, hatten nicht die richtige Geisteshaltung, sonst wäre der Siegeszug des Nationalsozialismus in den Jahren 1933 und folgende im deutschen Volk nicht möglich gewesen“ 1 ).
Adenauers zutreffendes Bild ist dahingehend zu ergänzen, dass dieses Land auch in diesem Zusammenhang nicht isoliert gesehen werden darf. Denn die Saat des Nationalismus und Rassismus ist auf einem größeren Feld gewachsen als nur auf dem deutschen, wo sie freilich besonders üppig aufgegangen ist. - Nach der „Katastrophe der Jahre 1933 bis 1945“, eine Bezeichnung, die das Gegenteil der Formulierung von der „Katastrophe des Jahres 1945“ ausdrückt, ist Deutschland „Auferstanden aus Ruinen“ und inzwischen sogar „wieder“ vereinigt. Wie ist es aber um das „Land“ bestellt, das so empfänglich gewesen ist für diese Drachensaat, wie um die Drachensaat selber und um die Früchte, welche die Saat noch getragen hat?
Wofür wird dieses deutsche Land möglicherweise - auch ungewollt von den Akteuren - wieder vorbereitet, wenn besonders seit 1990 unkritisch und restaurativ und sicher nicht im Geiste Adenauers an die Reichsgründung Bismarcks angeknüpft wird? In Bad Bevensen, südlich von Lüneburg gelegen, wird beispielsweise ein Besuch „Seiner Majestät des Kaisers Wilhelm I.“ aus dem Jahre 1871 alljährlich nostalgisch nachgestellt, unter schwarz-weiß-roten Bannern, mit alten Regimentsfahnen und Militäruniformen und mit Hochrufen der deutschen Untertanen. Ein nahegelegenes Denkmal der dem Königreich Hannover nachtrauernden Welfen wird in diesen Kaiserrummel einbezogen, als hätte es nie Proteste und Widerstand gegen die preußische Annexion gegeben. - Der Besuch Konrad Adenauers am 13. Mai 1963 in diesem
3
Heideort war als Grundlage für ein solches werbewirksames Spektakel offenbar nicht geeignet.
In den neuen wie in den alten Bundesländern werden auch Denkmäler und Gedenkveranstaltungen der „Freiheitskriege“ gegen Napolen nostalgisch erneuert. Dabei bleibt meist unerwähnt, dass diese „Freiheitskriege“ keinewegs zur damals erhofften nationalen Vereinigung aller Deutschen führten, sondern dass sie in die Restauration einmündeten und in die Abschaffung des Code civil Napoleons, mit welchem in Teilen Deutschlands der Ständestaat beseitigt und die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz eingeführt worden war. - Gegen diese erheblich später auch im Deutschen Kaiserreich und in der Weimarer Republik eingeführte Gleichheit vor dem Gesetz polemisierten Hitler und seine allzu vielen Anhänger bereits lange vor der „Machtergreifung“, und danach schafften sie diese Gleichheit zugunsten der rassistischen Ungleichheit ab, ohne deswegen innenpolitisch und außenpolitisch auf Widerstand zu stoßen. - Als sich aber nach zwölf Jahren ihrer Herrschaft auch im Bewusstsein führender NS-Machthaber die Wahrscheinlichkeit einer militärischen Niederlage ihres „Tausendjährigen Reiches“ abzeichnete, war es ihr erklärtes Ziel, durch Hinrichtung möglichst vieler ihrer Gegner die Voraussetzung für ein erneutes Aufleben und dann für eine erneute und endgültige „Machtergreifung“ zu schaffen. Roland Freisler, der Präsident des Volksgerichtshofes, begründete in einem Privatbrief vom 26.10.1944 die vielen Todesurteile gegen die Verschwörer vom 20. Juli damit, dass es um die „Reinigung der Nation“ gehe. „Was bleibt, wird im Kern nationalsozialistisch sein, wie es so viele Volksgenossen heute schon sind, und selbst wenn vom Feinde geschlagen, wird es Sorge dafür tragen, daß sie und ihre Nachkommen, ganz gleich unter welchem Namen und in welcher Form, Nationalsozialisten bleiben, bis der Moment kommt, an dem unsere Hakenkreuzbanner wieder entfaltet werden können, um über unseren Städten, über unserem Vaterland zu wehen. Was auch die Zukunft bringen mag, der Nationalsozialismus wird triumphieren.“ 2) Auf diesem Hintergrund ist auch zu sehen, dass noch am 9. April 1945 Dietrich Bonhoeffers hingerichtet wurde, der lange vor den militärischen Attentätern vom 20. Juli gegen das NS-Regime aktiv geworden war.
Etwa zwei Generationen nach Adenauer wies Klaus Mlynnek, Jahrgang 1936, Archivdirektor von Hannover und Fachmann für die gesamte niedersächsische Landesgeschichte, im Jahre 1995 im Rahmen der Rezension einer Veröffentlichung aus der Nordheide darauf hin, dass die kleinräumige Zeitgeschichte „die personelle Kontinuität von Weimar über Hitler bis Bonn vor allem auf der ländlichen lokalen Ebene“ erschließe. „Da gibt es beispielsweise den Gau- kulturwart, Gauschrifttumsbeauftragten und Chefredakteur des 'Niedersachsen-Stürmer', der
4
nach dem Krieg Lehrer in Hittfeld wird und zahlreiche Ortschroniken verfaßt (in denen, wen wundert's, der Zeitraum nach 1918 in der Regel ausgespart wird), ferner den 'alten Kämpfer' und Kreisamtsleiter, der es nach 1945 zum stellvertretenden FDP-Vorsitzenden im Bezirk Lüneburg und Mitglied des Bundestages (noch in den 60er Jahren!) bringt, oder den Landrat und überzeugten Nationalsozialisten, dem das Bundesverdienstkreuz verliehen wird“ 3) .
Mlyneks Feststellungen kann weitgehend bestätigen, wer in Dorfchroniken auch anderer Gegenden der Lüneburger Heide blickt. Da wird noch 1996 Hitler als derjenige bezeichnet, der dafür sorgte, dass die Arbeitslosigkeit bald ein Ende hatte, alle wieder zu „Lohn und Brot“ kamen und „wir alle uns [...] in rechter Zufriedenheit“ fühlten. Auf das Ende der Weltwirtschaftskrise, von dem Hitler profitierte, und auf sein Aufrüstungsprogramm geht der Verfasser nicht ein. Er sagt ferner nicht, ob die auch in der regionalen Presse ständig wiederholte Parole der Nationalsozialisten: „Die Juden sind an allem schuld!“ zu der angeblich allgemeinen Zufriedenheit beigetragen hat. Die Juden wie die verfolgten deutschen Kommunisten und Sozialisten zählt der Verfasser offenbar noch immer nicht zu „wir alle“. Nach solchen und anderen Bevölkerungsgruppen, die erste Opfer dieser Entwicklung waren, fragt er nicht, damals nicht und heute nicht. Vom „bitteren Ende“ spricht er nur im Hinblick auf den Kriegsausgang 4) . - Da werden in einer anderen Chronik Ergebnisse von Wahlen und Volksabstimmungen schlagartig erst mit der Machtübertragung an Hitler mitgeteilt, und zwar ohne Hinweis auf die Zwangsbedingungen dieser Einheitswahlen; auch die jeweiligen Parolen der nationalsozialistischen Einheitspartei samt den Wahlaufrufen der Kirchen und anderer Verbände, für „unseren Volkskanzler Adolf Hitler“ zu stimmen, werden unkommentiert wiedergegeben 5) . Oder da geht derselbe Verfasser in einer anderen Dorfgeschichte seitenlang auf die Bedingungen des „Friedensdiktates von Versailles“ und auf die Auswirkungen für die heimische Wirtschaft ein, ohne die weit radikaleren deutschen Kriegsziele im Falle eines Sieges oder die von der deutschen kaiserlichen Regierung dem besiegten Russland diktierten Bedingungen des Friedensvertrags von Brest-Litowsk zum Vergleich heranzuziehen oder wenigstens zu erwähnen 6) . Von den Wunschvorstellungen, welche die „Alldeutschen“ lange vor Hitler und schon vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges entwickelt hatten, ist natürlich erst recht nicht die Rede. Zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zitiert dieser Chronist lediglich die offizielle Bekanntmachung des „Oberkommandos der Wehrmacht“ vom 1. September 1939, in der es heißt, dass es darum gehe, „der polnischen Gewalt Einhalt zu gebieten“ 7) . In Bezug auf die russischen Kriegsgefangenen gibt er genau an, welche Zusatzration die in der gewerblichen Wirtschaft eingesetzten Gefangenen noch am 26. Juni 1944 theoretisch er-
5
halten sollten, um anschlieáend ausführlich die Greuel zu schildern, welche die Rote Armee mit Billigung Stalins und anderer in Deutschland verübt hatte 8) . Dass diesen unbestreitbaren Greueln die brutale Rassenpolitik des NS-Staates vorausgegangen war, die nicht nur in die staatlich organisierte und fabrikmäßig durchgeführte Vernichtung der europäischen Juden einmündete, sondern die von Anfang an die Dezimierung und völlige Versklavung der „slawischen Untermenschen“ betrieb, das verschweigt der Verfasser noch im Jahre 1993 9) .
Wenn manche Autoren behaupten, sie wollten nicht werten, sondern nur berichten, dann übersehen sie bewusst oder unbewusst, dass die Auswahl von Fakten schon eine Wertung enthält und dass darüber hinaus die bloße Wiedergabe der Aussagen von Zeitzeugen auch die kritiklose Weitervermittlung von deren meist sehr einseitigen Ansichten und Urteilen bedeutet. Die Verfasser und Herausgeber - letztere die Gemeinden selber - merken nicht, dass sie mit solchen wohl auch aus Steuermitteln oder Sparkassengebühren finanzierten Darstellungen ihrer Geschichte Gefahr laufen, die Vorurteile von der „dörflichen Engstirnigkeit“ und „Beschränktheit“ zu bestärken und ihr Dorf langfristig lächerlich zu machen. Gegen solche Vorurteile spricht und wie Balsam wirkt es dann, wenn man beispielsweise in einer anderen Dorfchronik zur Machtübertragung auf Hitler im Jahre 1933 wenigstens die prophetischen Worte Heinrich Brünings zitiert findet, die dieser in einer Rede am 3. März 1933 in der Stadthalle in Hannover gesprochen haben soll: „Armes deutsches Volk! Du wirst von diesem Manne [Hitler] in ein unvorstellbares Chaos geführt, aus dem es nur schwer eine Auferstehung geben wird“ 10) .
Im folgenden wird aus Gründen persönlicher Verbundenheit und Betroffenheit die Darstellung der NS-Zeit in der Geschichtsschreibung des seit 1985 auch als „Bad“ anerkannten Luft-kurortes und alten Marktfleckens Bodenteich im Kreise Uelzen in der Ostheide genauer untersucht. Dieser sehr selbstbewusste und ehrgeizige Ort hatte nämlich in seiner 1995 veröffentlichten Werbebroschüre „850 Jahre Bodenteich - Feiern Sie mit!“ in einem kurzen geschichtlichen Überblick die Dorfgeschichte in der NS-Zeit ausgesprochen verklärend dargestellt und weder hier noch an anderer Stelle den örtlichen Judenfriedhof erwähnt, auch nicht das Zwangsarbeitslager der nahen Heeresmunitionsanstalt aus der Kriegszeit, das zuletzt ca. 300 Zwangsarbeiter umfasste 11) . Sehr wortreich wurden zwar die Zerstörungen in der Endzeit des Krieges und in den ersten Jahren der Besatzungszeit geschildert, mit keinem Wort wurde aber der ideologische Ursprung des Krieges erwähnt, nämlich die Rassenlehre, die Hit- ler und seine „Bewegung“ nicht erfunden, sondern lediglich aufgegriffen, radikalisiert und
6
„fanatisch, rücksichtslos“ in die Tat umgesetzt hatten. Gänzlich unerwähnt blieb ferner die brutale deutsche Besatzungspolitik in Osteuropa, woher - vor den deutschen Flüchtlingendie meisten Kriegsgefangenen und ZwangsarbeiterInnen auch in der Lüneburger Heide kamen. - Wer diese Geschichtsdarstellung kritisierte, wurde auf die viel umfangreichere Dorfchronik des ehemaligen Gemeindedirektors verwiesen, die zehn Jahre früher erschienen war, nämlich auf:
Heinrich Schäfer: Chronik des Kneipp-Kurortes Bodenteich.
Burg - Amt - Flecken. Bodenteich 1985.
Die Existenz einer angeblich ausgewogeneren Dorfchronik kann aber keineswegs die tendenziöse Geschichtsdarstellung in der Werbebroschüre rechtfertigen, zumal letztere wohl in einer bedeutend höheren Auflage erschienen ist als die Dorfchronik. Darüber hinaus ist bei genauerem Einblick die Darstellung der NS-Zeit auch in dieser Dorfchronik weitgehend bedenklich.
„Die NS-Zeit in Bodenteich“ stellt der ehemalige Gemeindedirektor im Kapitel XIX seiner Chronik dar (S. 231 ff); die Bodenteicher Juden und der Judenfriedhof werden aber nur im Kapitel XVIII unter „Einige Besonderheiten aus Bodenteichs Vergangenheit“ erwähnt (S. 227 ff.). Der Zweite Weltkrieg wird im Kapitel XX (S. 239 ff.) unter der Überschrift „Der Zweite Weltkrieg brachte Leid und große Veränderung“ behandelt, seine Verwurzelung in der Rassenideologie des Nationalsozialismus kommt nicht zur Sprache. - Es wird großenteils der Inhalt amtlicher Dokumente und Verlautbarungen zusammenfassend wiedergegeben, teilweise werden sie auch ausführlich zitiert. Daraus ergibt sich, dass über die historischen Ereignisse ganz überwiegend kritiklos aus der Perspektive der damals Herrschenden und ihrer nicht nur willigen, sondern weitgehend begeisterten Vollstrecker berichtet und deren Fakten- und Begriffsverfälschung übernommen wird. Eine Einbettung der Ortsgeschichte in größere Zusammenhänge fehlt, Sekundärliteratur ist kaum eingearbeitet.
Die Zeit der Weimarer Republik bleibt gänzlich unerwähnt; damit entfällt jeglicher Hinweis auf die demokratischen Parteien vor 1933, auf ihren Stimmenanteil bei Wahlen und auf ihre Unterdrückung oder Selbstauflösung zu Beginn der NS-Zeit. Dagegen wird die Entwicklung der NSDAP in Bodenteich ausführlich dargestellt, mit Angabe der Mitgliederzahlen von 1929 (bereits 15 Mitglieder) bis 1939 (160 Mitglieder bei 1000 Einwohnern) (S. 237 f.). Dabei wird berichtet, dass der Gauleiter Otto Telschow, der im Januar 1929 die Bodenteicher Ortsgruppe
7
der NSDAP gegründet hatte, am 6. Januar 1939 Ehrenbürger von Bodenteich wurde (S. 237 f). 12) -
DieVerleihung der Ehrenbürgerschaft an Adolf Hitler, die der Fleckensausschuss bereits am 28. März 1933 beschlossene hatte, bleibt merkwürdigerweise unerwähnt, obwohl es sich um wesentlich mehr handelte als um die Benennung einer Straße nach diesem „größten Deutschen“ oder um das damals weitverbreitete Einpflanzen einer Adolf-Hitler-Eiche, was in Bodenteich gleichzeitig mit dieser Verleihung der Ehrenbürgerschaft angekündigt wurde. Die Regionalzeitung hatte in einem etwas längeren Artikel über diesen Beschluss des Fleckensausschusses Bodenteich berichtet und dabei auch darauf hingewiesen, dass in Bodenteich der „Geist von Potsdam“ wirke 13) , ein deutlicher Hinweis auf den kurz davor liegenden „Tag von Potsdam“ vom 21. März 1933, an dem das konservative Deutschland und Preußen Adolf Hitler als ebenbürtigen Fortsetzer ihrer Traditionen anerkannten. Nach dem Krieg erinnerte ein Chronist der Kreisstadt kurz an dieses Ereignis in Bodenteich 14) ; das völlige Schweigen des ehemaligen Gemeindedirektors über dieses für die Dorfgeschichte bedeutsame Geschehnis wirkt umso auffallender, als er andere Reden des NS-Bürgermeisters ausführlich zitiert und sich auf den erwähnten Nachkriegschronisten der Kreisstadt beruft (S. 237 f.). In der Dorfchronik wird auch nicht berichtet, ob die Gemeinde nach dem Kriege - wie häufig in anderen Kommunen in erneut anpasserischer Weise geschehen - das verliehene Ehrenbürgerrecht zurückgezogen hat. Adolf Hitler dürfte wohl eher verheimlichter als vergessener Ehrenbürger von Bad Bodenteich sein.
Der Bericht des NS-Bürgermeisters auf einer öffentlichen Gemeindeversammlung vom 9. April 1935 wird umfassend und völlig kommentarlos zitiert, einschlieálich seiner Feststellungen „Wir sind ein Volk der Ehre geworden und besitzen wieder Weltgeltung [...]“, ferner mit seiner Willensbekundung „auch bei uns wieder den Standpunkt der Ehre in den Vordergrund zu stellen“. Selbst der Schluss des Versammlungsberichts wird nicht weggelassen: „Mit dem Bekenntnis, alle Zeit treu dem Führer zu folgen, schloß Bürgermeister Schmitz den offiziellen Teil der Versammlung“ (S. 233 f). Auf diese Schlussäußerung des NS-Ortsbürgermeisters und auf die Aufnahme dieses Zitats in die Dorfchronik durch den Nachkriegsgemein-dedirektor fällt ein besonderes Licht, wenn man berücksichtigt, dass fast genau zwei Jahre vor dem Zeitpunkt dieser Rede Adolf Hitler Ehrenbürger von Bodenteich geworden war. -Darüber, dass das wohlklingende Wort „Ehre“ wie so viele andere Begriffe und „erhebende“ Aufmärsche und Rituale zur Verschleierung von Brutalität und Terror gegen Andersdenkende
8
oder bestimmte Minderheiten diente, verliert die Chronik kein Wort, ebensowenig über das Schicksal derer, die dem „Führer“ nicht oder wenigstens nicht kritiklos folgen wollten.
Der Ehrbegriff der Nazionalsozialisten ließ sich schon vor 1933 mit Sadismus und Mord vereinbaren. Das beweist beispielhaft der feige Mord an einem polnischen Kommunisten in Potempa in Oberschlesien im Jahre 1932. Diese Tat hatte wegen ihrer außerordentlichen Brutalität die besondere Aufmerksamkeit der Presse auf sich gezogen, auch der in Bodenteich gelesenen regionalen 15) . Hitler und andere hohe NS-Führer aber hatten sich im Sinne ihrer rassistischen „völkischen Weltanschauung“, die in offener Gegnerschaft zur Idee von der Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz stand, und unter Berufung auf „unsere Ehre“ öffentlich für den Freispruch ihrer zum Tode verurteilten „Kameraden“ eingesetzt; noch mit der bald erreichten Begnadigung gaben sie sich nicht zufrieden. - Der genauere Gehalt dieser „völkischen Weltanschauung“ wurde in den Veröffentlichungen der NSDAP allgemeinverständlich dargelegt; so hatte beispielsweise Werner Best, der spätere engste Mitarbeiter von Heydrich, bereits 1931 im hessischen Parteiblatt der NSDAP den Grundsatz verkündet, dass es darum gehe, sachlich und nüchtern immer die „Lebensnotwendigkeite“ des eigenen Volkes durchzusetzen, im Konfliktfall mit anderen Völkern „bis zur Vernichtung des Gegners“; dabei zählte er zu den Gegnern in erster Linie, aber eben nicht nur, die Juden 16) . Vollends klar wurde nach 1933, was unter „Ehre“ im Sinne der NSDAP zu verstehen war, als am 15. September 1935 im „Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ Ehen mit Juden verboten wurden. Und im Krieg verteidigten übereifrig anpassungswillige deutsche Richter die deutsche „Geschlechtsehre“ mit drakonischen Strafen, indem sie mit manchmal lüsterner Phantasie schon kleinsten Annäherungsversuchen zwischen „Deutschblütigen“ und bestimmten als „rassisch minderwertig“ angesehenen „Fremdvölkischen“ nachspürten. Ihre Opfer waren meist Polen und Russen, natürlich ganz zu schweigen von - zunehmend weniger werdenden - Juden oder stark „jüdisch Versippten“ 17) . Wie noch zu zeigen sein wird, gab es nicht wenige Opfer dieser Rassenjustiz auch in der Lüneburger Heide. Das vom Chronisten kommentarlos zitierte Schlusswort des Bürgermeisters von 1935 erinnert ferner an die Parole der SS: „Unsere Ehre heißt Treue!“, wobei „Ehre“ hier Kadavergehorsam und völlige Ausschaltung des eigenen Gewissens meint.
Zum Beweis des wirtschaftlichen Aufschwungs Bodenteichs in der NS-Zeit wird in der Chronik der Zehn-Jahres-Bericht desselben Bürgermeisters aus dem Jahre 1941 zitiert, sogar auf die positiven Perspektiven für die Zeit nach dem - der damaligen Erwartung nach siegreichen
9
- Kriege wird hingewiesen (S. 236 f). Zu diesem Aufschwung hat laut Dorfchronik auch die Reichsarbeitsdienstabteilung (RAD) in Bodenteich erheblich beigetragen, Über den Reichsarbeitsdienst wird mitgeteilt: „Der RAD hatte volkswirtschaftliche Aufgaben zu erfüllen“ (S. 235). - Mit keinem Wort erwähnt die Chronik die vormilitärische Ausbildung, ja Dressur, die Hitler selber sogar in öffentlichen Reden in brutaler Deutlichkeit vom RAD gefordert hatte. Die Regionalzeitung hatte schon 1933 über den damals noch freiwilligen Arbeitsdienst lobend berichtet, dass die Lebensweise der Abteilung in Bodenteich „jedem alten Soldaten Freude bereiten“ müsse, dass die Einrichtung „einen vorzüglichen militärischen Eindruck“ mache, dass „alles in militärischer Einfachheit und Sauberkeit“ glänze und dass „schöner und sauberer [...] auch in früheren Zeiten ein Militärlager nicht sein“ konnte 18) .
Die „Einrichtung einer Heeresmunitionsanstalt“ im Jahre 1938 bezeichnet der Chronist als „befreiendes Ereignis“ und „erfreuliche Wende“, weil damit die - angebliche - wirtschaftliche Stagnation in den davorliegenden Jahren endlich beendigt worden sei und eine „Wiederbelebung der Wirtschaft“ eingeleitet worden sei. Als Beleg wird lediglich der Brief des Bürgermeisters vom
1. Februar 1939 an den Gauleiter Telschow ausführlich zitiert (S. 231 ff.). - Eine nachträgliche Kritik an der Einrichtung der Munitionsanstalt in Bodenteich aus heutiger Sicht, nämlich als eindeutige Kriegsvorbereitung, lehnt der Chronist ab, da „diesen jungen Leuten von heute die Fähigkeit fehlt, sich in die Situation von 1938 und insbesondere in die politische Aufgeklärtheit - besser nazistische Manipulation - der Landbevölkerung damaliger Zeit zu versetzen“, die damals nicht „in der Lage“ gewesen sei, „das verbrecherische Wirken Hitlers im voraus zu durchschauen. - Wir alle waren damals 'von oben' korrumpiert, ohne es rechtzeitig zu bemerken. Für die Heutigen ist dies sicher schwer vorstellbar“ (S. 231).
Der Verfasser der Dorfchronik übersieht in dieser Rechtfertigung oder Verteidigung noch 40 Jahre nach dem Ende der NS-Herrschaft - bewusst oder unbewusst -, dass Hitler und die NSDAP vor 1933 nicht nur in Büchern, sondern auch in ihren Zeitschriften und bei öffentlichen Auftritten ihre Wähler nicht im Unklaren darüber gelassen haben, dass ihre Politik auf einen Krieg hinauslaufen würde. Das geschah auch in der Kreisstadt Uelzen, als z.B. Gregor Strasser Mitte November 1928 während eines spektakulären Auftritts in der mit 1200 Besuchern überfüllten Stadthalle sich und die Nationalsozialisten offen als Militaristen bezeichnete und ankündigte, im nächsten Krieg könne Deutschland „frei“ werden 19) . Es war also Realis-
10
mus und keine besondere Hellsichtigkeit, wenn Parteien bis 1933 vor der Wahl Hitlers und der NSDAP in Bild und Wort mit der Parole warnten: „Wer Hitler wählt, wählt den Krieg!“
Wie Hitler selber 1937 in einer Ansprache vor Pressevertretern eingestand, hat er sich in den ersten Jahren seiner Regierung nur deshalb so friedlich gegeben, weil er das Ausland täuschen und von rechtzeitigen Gegenmaßnahmen abhalten wollte, was ihm leider auch nur allzu gut gelungen ist. Seit 1937 konnten und sollten aber häufige militärische Schauübungen der entsprechenden NS-Unterorganisationen auch in der Lüneburger Heide, der Ausbau und die Aktivitäten der Hitler-Jugend, Luftschutzübungen, Waffenkontrollen und die Umstellung der Berichterstattung, die Hitler persönlich in der erwähnten Ansprache der längst gleichgeschalteten Presse anbefahl, keinem verborgen bleiben, auch nicht der Landbevölkerung. Denn das gesamte deutsche Volk sollte von nun an - psychologisch sehr geschickt - kriegsbereit gemacht werden, um die eigentlichen Ziele von Hitler und der NSDAP zu verwirklichen: Vormachtstellung zunächst auf dem europäischen Kontinent, Eroberung von „Lebensraum im Osten“ auf der Grundlage der Rassenideologie 20) .
Diese Rassenideologie der NSDAP hatte die katholische Kirche in Deutschland - im deutlichen Unterschied zur lutherischen - noch bis zur Machtübertragung auf Hitler offen und scharf als unchristlich bekämpft. Danach aber trat auch sie seinen vielen Menschenrechtsverletzungen nicht mehr in einer entschlossenen Gesamtaktion entgegen, was Konrad Adenauer im Jahre 1946 als unentschuldbar bezeichnete 21) . - Der Verfasser der Bodenteicher Chronik, der von alledem nichts bemerkt haben will, geht nicht auf den Widerspruch ein zwischen seiner Rechtfertigung und dem leider nur teilweise wiedergegebenen Bericht der auch nach meinen Kindheitserinnerungen unerschöpflich gütigen Pfarrersfrau Maria Endemann. Aus deren Bericht geht hervor, dass selbst in der evangelisch-lutherischen Kirche von Bodenteich die Illusionen bald verflogen und Distanz und Kritik zunahmen (S. 239 f). Das konnte freilich nur von denen wahrgenommen werden, die Augen und Ohren nicht völlig verschlossen und eigenes Denken nicht aufgegeben hatten. - Mit keinem Wort ist in der Chronik ferner davon die Rede, dass, nachdem die bürgerlichen Parteien einschließlich des katholischen Zentrums dem Hitler-Kabinett die unbeschränkte Macht übertragen hatten, sich gerade in der Anfangszeit besonders in den Unterschichten verzweifelter Widerstand zu regen begann, der brutal gebrochen wurde und zu drastischen Bestrafungen führte. Diese wurden in gezielter Auswahl auch in der lokalen Presse erwähnt, zum Zwecke der Abschreckung natür-
11
lich. Dort wurde auch berichtet, dass die NSDAP selbst im rechten Lager keine abweichlerischen Gruppierungen mehr duldete 22) .
Aufbau, Verwaltung und Zweck der Bodenteicher Munitionsanstalt werden vom Chronisten detailliert beschrieben, die Situation der Arbeitskräfte dagegen ist nur kurz dargestellt, wobei darauf hingewiesen wird, dass auch Deutsche unter ihnen waren. Freilich heißt es S. 232: „Die schweren Arbeiten mußten überwiegend von Ausländern, Kriegsgefangene oder Zwangsarbeiter (Jugoslawen, Polen, Russen und Tschechen), verrichtet werden.“ Über das Verhältnis zwischen - jedenfalls vergleichsweise - freien Deutschen und gefangenen Ausländern wird aus der Wettbewerbsarbeit der Klasse 10 der örtlichen Realschule aus dem Jahre 1983 zitiert:
„Nach den Aussagen der von uns Befragten hatten die Deutschen zu den Ausländern ein relativ gutes Verhältnis. W. B., einer der Feuerwerker, erinnerte sich an eine gemeinsame Weihnachtsfeier zwischen Deutschen und Ausländern. Bei dieser Feier bekamen die Feuerwerker sogar Geschenke von den ausländischen Arbeitern und Gefangenen. Die Gefangenen bekamen Pakete aus anderen Ländern, wie z. B. aus den USA. Bei der schon genannten Weihnachtsfeier verschenkten die Ausländer Schokolade, die hier in Deutschland schwer zu bekommen war, an die Feuerwerker“ (S. 232).
Ob sich die örtlichen Geschichtslehrer bei der Darstellung von Straflagern, die nach der Niederlage NS-Deutschlands als Vergeltung nunmehr für Deutsche eingerichtet wurden, in gleicher Weise mit einer solch einseitigen Perspektive begnügt hätten? Dass sich auch verantwortungsbewusste Journalisten um einen möglichen Gegenstandpunkt bemühen, belegt z. B. der Bericht über das sowjetrussische Straflager Tost/Toszek in Schlesien in: DER SPIEGEL, Nr. 5, 5.8.1996, S. 49 ff.
Sind die Schüler ferner nicht darüber unterrichtet worden, dass jede historische Quelle kritisch auf ihren Wahrheitsgehalt zu untersuchen ist? Auf die Aussage des deutschen Feuerwerkers W. B. bezogen: Welches Interesse hatte der wohl, die Zustände in dieser ausschließlich positiven Weise darzustellen? Wohin ging er nach der „gemeinsamen“ Feier, wohin die Gefangenen? Wohin gingen deren Gedanken? - Beachtenswert ist in diesem Zusammenhang, dass der Feuerwerker W. B., der 1983 die Situation der Zwangsarbeiter so rosig darstellte, offenbar auch derjenige gewesen war, unter dessen Leitung die Zwangsarbeiter 1945 Auf-
12
räumungsarbeiten durchführen mussten, nachdem am 25. März drei mit Munitionspulver beladene Waggons am Bahnhof explodiert waren.
Einer der Zwangsarbeiter hatte „Kleidungsstücke und andere Sachen“ mitzunehmen versucht und wurde gemäß der Warnung „Wer plündert, wird erschossen“ hingerichtet; sein Leichnam wurde zur Abschreckung aufgehängt. Bis auf die Floskel vom „schrecklichen Geschehen“ äußert der Chronist keine Zweifel an der Berechtigung dieser Maßnahme, er macht sich auch nicht die Mühe zu überlegen, warum der Zwangsarbeiter wegen Kleidungsstücken sein Leben riskierte (S. 243). Ob die Schüler den „W. B.“ dazu befragt haben? 23)
Die Lehrer haben wohl auch versäumt, ihre Schüler vor oder nach den Interviews auf die Tatsache hinzuweisen, dass Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter gemäß der NS-Rassenlehre ganz unterschiedlich behandelt wurden, dass also Zwangsarbeiter aus Westeuropa wesentlich bessere Überlebenschancen hatten als „slawische Untermenschen“ aus Osteuropa, wo Schokolade allenfalls von Deutschen gestohlen werden konnte, wobei aber mit der Todesstrafe gerechnet werden musste. - Dass die russischen Kriegsgefangenen mit auf der untersten Stufe der Gefangenenleiter standen (aber deutlich über Juden!), ist allgemein bekannt. So wird über das Kriegsgefangenenlager Senne bei Paderborn berichtet:
„Die französischen Kriegsgefangenen durften sich verhältnismäßig frei in der Öffentlichkeit bewegen. [...] Ihre bevorzugte Stellung unter den Kriegsgefangenen ergibt sich auch aus zahlreichen Strafakten, die sich mit dem in der Regel empfindlich geahndeten Straftatbestand 'Umgang mit Kriegsgefangenen' befassen. Sind französische Kriegsgefangene betroffen, so handelt es sich fast ausschließlich um sexuelle Kontakte mit deutschen Frauen. Beide kamen in der Regel mit einer glimpflichen Strafe davon. Bei den sehr seltenen aktenkundigen Beziehungen zwischen deutschen Frauen und sowjetischen Gefangenen lautete das Urteil für die Frau gewöhnlich: Konzentrationslager wegen Rassenschande, und für den Mann: Tod durch Erhängen. Doch in fast allen Fällen, in denen sowjetische Kriegsgefangene betroffen waren, handelte es sich um verbotene Zuwendung von Nahrungsmitteln. Hier ging es also ganz einfach um die Frage des Überlebens“ 24) .
Im gleichen Jahr, in dem die Bodenteicher Chronik veröffentlicht wurde, erschien in der Kreisstadt Uelzen eine vergleichsweise kritische Darstellung der Stadtgeschichte dieser Epoche. In ihr wird - unter Angabe von entsprechenden Akten aus dem Stadtarchiv Uelzen - über die Lage der Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter in Stadt und Kreis Uelzen Ähnliches wie im obigen Zitat berichtet und damit geradezu das Gegenteil der Ergebnisse der Befragung in
13
Bodenteich. Danach wurden Todesstrafen nicht nur bei Widersetzlichkeit verhängt und vollzogen. Ein polnischer Fremdarbeiter Namens Woyciechowski z.B., der auf dem Gut von Wense arbeitete, wurde am 8. Dezember 1941 hingerichtet, weil er mit einer Frau als Holdenstedt ein Verhältnis angeknüpft hatte. Die offenbar deutsche Frau wurde in das KZ Ravensbrück eingeliefert. Am 20. Januar 1944 wurde ein polnischer Landarbeiter im Bostelwiebecker Forst öffentlich erhängt, weil er einen Bauern mit der Mistgabel bedroht hatte; zur Abschreckung mussten alle Polen aus dem Bezirk zuschauen. - Eine Uelzener Geschäftsfrau wurde unter Androhung von KZ-Haft aufgefordert, die ausländischen Arbeitskräfte in ihrem Frisiersalon nicht so gut zu behandeln 25) . Die Heimatforscher in Uelzen sollten die Erinnerung an diese menschliche und mutige Frau wachhalten.
Akten des Staatsarchivs Hannover beweisen, dass gelegentlich selbst Funktionsträger der Partei auf dem Dorf mit Strafen zur Beachtung der Rassenideologie gezwungen werden mussten: Ein Ortsbauernführer aus dem Kreise Uelzen war gemeinsam mit seiner Frau und drei Dorfbewohnern zunächst zu Gefängnis verurteilt worden, weil er Weihnachten 1941 für als Zwangsrbeiter eingesetzte polnische Kriegsgefangene eine kleine Weihnachtsfeier in deren Unterkunft auf seinem Hof ausgerichtet hatte. Für seine Begnadigung setzte sich nach einiger Zeit sogar der erwähnte Gauleiter Telschow und der Kreisbauernführer ein, wobei sie einerseits auf die Primitiviät der Verurteilten hinwiesen, die wohl nicht in der Lage gewesen seien, den „hohen“ Anspruch der NS-Ideologie zu erfassen, andererseits auf die effektive Arbeit, die die Verurteilten mit ihren Kriegsgefangenen geleistet hätten, und schließlich und wohl juristisch entscheidend auf die nachträglich festgestellte Tatsache, dass die Kriegsgefangenen keine besonders zu verachtetenden Polen, sondern ihrer Herkunft nach Ukrainer seien 26) .
Die in Uelzen erscheinenden „Allgemeinen Zeitung der Lüneburger Heide“ brachte nicht nur Nachrichten über harte Strafen gegen Deutsche, die den angeordneten Abstand zu den „Fremdvölkischen“ missachtet hatten, sondern veröffentliche sicherlich wegen der Häufigkeit solcher Vorkommnisse am 8. Juli 1943 einen Kommentar zu diesem Thema. Darin wurde die auf vielen niedersächsichen Bauernhöfen noch herrschende „gute alte Tradition, daß jeder in die Hofgemeinschaft aufgenommen wird, der dem Hofe dient“ gerügt und dafür verantwortlich gemacht, dass viele Bauern nicht die nunmehr „richtige“, nämlich in der Rassenlehre gegründete Einstellung zu den Kriegsgefangenen finden könnten und nicht genügendes „Herrenbewußtsein“ zeigten. Den deutschen Frauen und Mädchen habe der Gauleiter Telschow vor kurzem Konzentrationslager angedroht, wenn sie sich „gegen die Reinheit des deutschen
14
Blutes versündigt“ hätten. „Die Dorfgemeinschaft, besonders aber die Partei“ würden dafür sorgen, dass Heimlichkeiten nicht verborgen blieben und dass die „Schuldigen“ einer „gerechten, harten“ Strafe zugeführt würden 27) . Dieser Kommentar ist ein anschaulicher regionalgeschichtlicher Beleg dafür, dass es in der Nazi-Zeit sogar für Mitglieder der „deutschen Herrenrasse“ keine Individualrechte gab und dass staatsparteilich beauftragte Schnüffler oder beflissene Freiwillige selbst in die persönlichste Intimsphäre eindringen durften. Die heutigen Lokal- und Heimatforscher sollten das weitere Schicksal dieser Frauen zu erkunden versuchen, denen ganz persönliches und nur kurzes Glück - unter Gefahr für Leib und Lebenwichtiger war als Gehorsam gegenüber den Geboten der mit staatlichem Terror durchgesetzten rassistischen „Weltanschauung“. Auch das Nachkriegsschicksal der vermutlich nicht nur in der Kriegszeit Verachteten ist von menschlichem Interesse, einschlieálich der Frage, wie die Justizorgane und Entschädigungsbehörden der Bundesrepublik Deutschland mit auch diesen Opfern der NS-Rassengesetze umgegangen sind 28) .
Die Bodenteicher Chronik rechnet zu den Opfern des Zweiten Weltkrieges neben den deutschen Kriegstoten immerhin auch die 28 Lagerinsassen, für die auf Befehl der britischen Besatzungsmcht nach dem Kriege auf dem örtlichen Friedhof ebenfalls eine Ruhestätte eingerichtet worden war; es handelt sich dabei um 9 Russen, 2 Russinnen, 2 Polen, 1 Ungarn, 3 Litauer, 1 Litauerin, 6 Letten, 4 Lettinnen (S. 242) 29) . Und aus der Totengedenkrede des evgl. Pastors im Jahre 1965 wird u.a. die Feststellung zitiert, dass zusammen mit den Opfern der Explosionskatastrophe auch diese Opfer sich nicht rechtfertigen ließen, dass „solche angezettelten Kriege, solche mit viel Hochmut durchgeführten Aktionen dann auch die vielen sinnlosen Opfer der Nichtbeteiligten fordern“ (S. 243 f.). Umso empörender ist es aber, dass bis heute die Gedenkstätte für die toten Zwangsarbeiter auf dem Friedhof von Bad Bodenteich im Unterschied zu der Gedenkstätte für die deutschen Opfern wesentlich unauffällliger gestaltet ist und nicht den allergeringsten Hinweis auf die Todesumstände aufweist, für Unkundige also gänzlich unverständlich ist.
Von Versuchen Bodenteicher Heimatforscher, überlebende Opfer deutschen Herrenrassenwahns ausfindig zu machen, weiß die Chronik nichts zu berichten, vermutlich, weil es solche Versuche nicht gegeben hat und noch immer nicht gibt. Dass aber solche Bemühungen erfolgreich sein können, hat u. a. die Gemeinde Gardelegen in der Altmark, früher DDR, bewiesen, mit deren Hilfe einige Überlebende des Todesmarsches vom April 1945 im Jahre 1995 den Ort ihrer früheren Marter besucht haben. Über ihre Erinnerungen an diesen Todeszug, der zur
15
nahen Isenschnibber Feldscheune führte, wo die meisten Gefangenen bei lebendigem Leibe verbrannt wurden - noch wenige Stunden vor dem Einmarsch der US-Truppen -, berichtete Dr. Herbert Becker mehrfach in Zeitungsartikeln 30) . - Der „betroffene“ Dichter, Sänger und unabhängige Essayist Wolf Biermann, Sohn eines im KZ ermordeten deutschen Juden und Kommunisten, hat bei einem Vortrag in Celle die dortige Jagd vom 08. April 1945 auf bei einem Bombenangriff geflohene KZ-Häftlinge geschildert; seine um Versöhnung ringenden Gedanken sollten besonders von den Heranwachsenden in Deutschland bedacht werden 31) . Die Soltauer Chronistin dieser Epoche beschreibt ohne den Versuch einer Beschönigung eine ähnliche Jagd, zu der es dort am 11. April 1945 gekommen war 32) .
Von Rassenverunglimpfung, Antisemitismus und Massenmorden ist merkwürdigerweise in der Chronik nicht im Kapitel „Die NS-Zeit in Bodenteich“ die Rede, sondern eher verborgen und sehr kurz in dem vorhergehenden Kapitel XVIII: „Einige Besonderheiten aus Bodenteichs Vergangenheit“, und zwar in dem Unterabschnitt „Der Bodenteicher Judenfriedhof“ (S. 227 ff.). Eingangs werden zahlreiche Fakten aus der Geschichte des Judenfriedhofs wiedergegeben, einschließlich der noch feststellbaren Namen der hier Beigesetzten. Da die Chronik sich ganz auf Bodenteich beschränkt, erwähnt sie nicht, dass vermutlich Mitglieder der Familie Plaut, die 1875 oder 1890 aus Bodenteich nach Uelzen gezogen war (S. 228) - die Gründe für diesen Umzug wären einer Untersuchung wert - , in Konzentrationslager verschleppt wurden und dort verschollen sind; dazu gehörte die 92jährige Witwe Plaut mit ihren beiden Töchtern und ihrem Enkelsohn 33) .
Die Chronik berichtet, dass einige Klassen der örtlichen Realschule im Rahmen einer Schul-Projektwoche diesen Judenfriedhof wieder in einen „würdigen Zustand“ versetzt und die noch vorhandenen Grabsteine - soweit möglich - entziffert hätten. Für diese Aktivit„t wird die „nachwachsende Generation“ mit Recht gelobt. An dem eher pietätlosen Drahtgitterzaun - als Ersatz für den in der Nazi-Zeit wohl im Rahmen einer „Materialsammlung“ entwendeten Eisenzaun - findet der Chronist nichts auszusetzen. Dass die Eingangstür abgeschlossen gehalten wird, erwähnt und begründet er nicht. Die von den Schülern behobene Verwahrlosung erklärt er wie folgt:
„Wenn sich irgendwo in der Gemeinde irgend ein Besitz - gleich welcher Art - befindet, um den sich der Besitzer und irgendeine Aufsicht jahrzehntelang nicht kümmern, dann ist es sehr natürlich, daß - wie in diesem Falle - die Gräber verunkrauten, die Umzäunung vergammelt, auch z. T. durch spielende Kinder umgerissen wird, oder daß Grabsteine nach 100 Jahren um-
16
fallen (wie das auch auf unserem gepflegtem und beaufsichtigten Friedhof gelegentlich geschieht).
Daß hier in der NS-Zeit eine spektakuläre Zerstörung des Judenfriedhofs stattgefunden hat, ist nicht bekanntgeworden.“(S. 228 f.)
Da dem Dorfchronisten schon die dokumentarisch belegbare Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Adolf Hitler - wohl wider besseres Wissen - „nicht bekanntgeworden“ ist, erscheint Misstrauen auch in Bezug auf sein Urteil über mögliche Verwüstungen auf dem Judenfriedhof in der NS-Zeit sehr angebracht. Davon abgesehen, wirkt seine eben zitierte Erklärung naivwenn nicht zynisch: Denn woran lag es, dass die Deutschen jüdischer Religion sich „jahrzehntelang“ um diesen ihren Friedhof „nicht kümmern“ konnten - nach 1933 nicht und erst recht nicht nach 1945? - Und als in der Nacht zum 10. November 1938 in ganz Deutschland Schaufensterscheiben jüdischer Geschäfte klirrten, nachweisbar auch in Uelzen und in Nachbarstädten, als fast alle Synagogen in Deutschland brannten, als Juden vor den Augen vieler Zuschauer durch die Straßen gehetzt wurden und nicht wenige von ihnen bereits damals er-mordet wurden - da sollen ausgerechnet die Parteigenossen und der SA-Sturm in Bodenteich völlig untätig geblieben sein, die Adolf Hitler schon 1933 zum Ehrenbürger ernannt hatten 34) , die seit September 1938 die Reichsvereinigung der Juden bisher vergeblich bedrängt hatten, ihren Friedhof in Bodenteich an die Gemeinde zu verkaufen (S. 229), und die wenige Wochen nach der Reichspogromnacht, nämlich am 6. Januar 1939, den Gauleiter Otto Telschow zum Ehrenbürger von Bodenteich ernannten (S. 237)?
Darüber hinaus war meiner deutlichen Jugenderinnerung nach Ende 1945 in Bodenteich zumindest von einem Lehrer und ortsbekannten Parteigenossen die Rede, der an der Spitze von Jugendlichen diesen Judenfriedhof verwüstet haben soll. Nach seiner „Entnazifizierung“ wurde er niemals wieder in den Schuldienst übernommen, selbst nicht in der Zeit der großzügigen Wiedereinstellung ehemaliger Nazis. - Das Ergebnis von Befragungen hängt bekanntlich entscheidend davon ab, wer wen wann, wo, worüber, in welcher Weise und in welcher Absicht befragt. Für Soltau in der westlichen Lüneburger Heide ist die organisierte Mitwirkung von Schülern und Lehrern an den Ausschreitungen gegen die Juden am 10. November 1938 unbestreitbar nachgewiesen 35) .
Mir scheint, das Verhalten der meisten Deutschen in der NS-Zeit, insbesondere der sog. „Ge- bildeten“, wird durch die überzeitliche Analyse von Dietrich Bonhoeffer entlarvt. In einer im
17
Jahre 1943 heimlich verfassten Betrachtung „Von der Dummheit“ charakterisierte dieser Märtyrer aus einer damaligen evangelisch-christlichen Randgruppe die große Masse all derer in unübertroffener Klarheit, die nicht mehr sahen, sondern nur noch dem deutschen Messias glaubten, welchen viele Nationalkonservative, insbesondere die „Alldeutschen“, schon in der Zeit des letzten deutschen Kaisers - also lange vor der Niederlage von 1918 - herbeigesehnt hatten:
„Bei genauerem Zusehen zeigt sich, daß jede starke äußere Machtentfaltung, sei sie politischer oder religiöser Art, einen groáen Teil der Menschen mit Dummheit schlägt. [...] Die Macht der einen braucht die Dummheit der anderen. Der Vorgang ist dabei nicht der, daß bestimmte - also etwa intellektuelle - Anlagen des Menschen plötzlich verkümmern oder ausfallen, sondern daß unter dem überwältigenden Eindruck der Machtentfaltung dem Menscchen seine innere Selbständigkeit geraubt wird und daß dieser nun - mehr oder weniger unbewußtdarauf verzichtet, zu den sich ergebenden Lebenslagen ein eigenes Verhalten zu finden. [...] Man spürt es geradezu im Gespräch mit ihm, daß man es garnicht mit ihm selbst, mit ihm persönlich, sondern mit über ihn mächtig gewordenen Schlagworten, Parolen etc. zu tun hat. Er ist in einem Banne, er ist verblendet, er ist in seinem eigenen Wesen mißbraucht, mißhandelt. So zum willenlosen Instrument geworden, wird der Dumme auch zu allem Bösen fähig sein und zugleich unfähig, dies als Böses zu erkennen. [...] Aber es ist gerade hier auch ganz deutlich, daß nicht ein Akt der Belehrung, sondern allein ein Akt der Befreiung die Dummheit überwinden könnte. Dabei wird man sich damit abfinden müssen, daß eine echte innere Befreiung in den allermeisten Fällen erst möglich wird, nachdem die äußere Befreiung voranggegangen ist; [...]" 36) .
Diese Analyse des gläubigen Protestanten Bonhoeffer weist große Übereinstimmung mit den Gedanken des gläubigen Katholiken Konrad Adenauer auf. In seiner eingangs zitierten Rede vor der CDU im Jahre 1946 wie auch in seinen späteren Erinnerungen heißt es nämlich weiter:
„Das deutsche Volk krankt seit vielen Jahrzehnten in allen seinen Schichten an einer falschen Auffassung vom Staat, von der Macht, von der Stellung der Einzelperson. Es hat den Staat zum Götzen gemacht und auf den Altar erhoben. Die Einzelperson, ihre Würde und ihren Wert hat es diesem Götzen geopfert" 37) .
Auch die anschlieáenden Ausführungen Adenauers zu diesem Problem sind sehr nachden- kenswert, besonders für Menschen im Hannöverschen, einem altdeutschen Bundesstaat, der
18
1866 dem militärisch siegreichen Preußen und seinen Traditionen eingefügt worden ist - leider nur zu erfolgreich.
Man darf sich freilich nicht damit begnügen, lediglich die Wurzeln der Fehlentwicklung einer kulturellen Großgruppe, genannt „Volk“, bloßzulegen, und man sollte sich davor hüten, im Nachhinein über das damalige Verhalten der gläubigen Rassisten und Hitler-Anhänger oder der bloßen Mitläufer und stets wendigen Wendehälse vorschnell und besserwisserisch den Stab zu brechen. Man sollte vielmehr - wie Konrad Adenauer, Kurt Schuhmacher, Theodor Heuß, Jakob Kaiser und viele andere unmittelbar nach 1945 - versuchen, Lehren aus eigenem Versagen und dem Versagen anderer zu ziehen, um gerüstet zu sein für ähnliche Versuchungen der Macht und der Mächtigen in Gegenwart und Zukunft 38) . Das schließt Toleranz gegenüber bloßen Ausreden und offensichtlichen Selbsttäuschungen aber nicht ein und erfordert sogar entschiedenen Protest, wenn versucht wird, die damalige Zeit zu verharmlosen oder gar zu verklären, oder wenn die Beschäftigung mit Leid und Zerstörung im Bereich der persönlich Nahestehenden das Bewusstsein der Mitverantwortung für „fremdes“ Leid verdrängt. Verharmlosung oder gar Verklärung der NS-Zeit und ihre Bewertung lediglich nach lokalen Interessen oder nur nach Interessen der in Abstammung und Gesinnung angeblich „arischen“ Deutschen bedeuten, dass der Wert der äußeren Befreiung von der NS-Herrschaft, die Bonhoeffer „dank“ der nachweisbaren, schon über eine ins Auge gefasste deutsche Niederlage hinausreichenden Zukunftsplanung der NS-Führer nicht mehr erleben durfte, in Zweifel gezogen und damit die innere Befreiung von der systematisch betriebenen und offenbar bis heute nachwirkenden Verdummung verhindert wird.
Freilich: „dank“ des „Führers“, seiner getreuen Paladine und dank der bis zuletzt beflissen-gehorsamen Schergen, die die Parole vom „Kampf bis zum letzten [meist fremden] Blutstropfen“ ausgegeben hatten bzw. befolgten, nahm für viele Deutsche, nicht nur für die Parteifunktionäre, die politische Befreiung vom terroristischen Rassismus die Form einer persönlichen Katastrophe an. Das Grauen des rassistischen Krieges, das mehrere Jahre von Deutschland aus in andere Länder hineingetragen worden war, schlug in seiner Schlussphase in sein Ur-sprungsland zurück: zuerst in die mit Bombenteppichen belegten Großstädte, zuletzt mit sehr unterschiedlicher Wucht in die ländlichen Regionen und damit auch in die Lüneburger Heide.
Konrad Adenauer bekannte in seiner schon mehrfach zitierten Rede von 1946 wie nach sei- nem Rücktritt als Bundeskanzler in seinen Memoiren:
19
"Ich habe mich seit 1933 oft geschämt, ein Deutscher zu sein, in tiefster Seele geschämt [...] Aber jetzt, jetzt bin ich wieder stolz darauf, ein Deutscher zu sein. Ich bin so stolz darauf, wie ich es nie zuvor, auch nicht vor 1933 und vor 1914 gewesen bin. Ich bin stolz auf den Starkmut, mit dem das deutsche Volk sein Schicksal erträgt, stolz darauf, wie jeder einzelne duldet und nicht verzweifelt, wie er versucht, nicht unterzugehen, sich und die Seinigen aus diesem Elend hinüberzuretten in eine bessere Zukunft" 39) .
Man beachte den Unterschied: Als sehr viele, wenn nicht die meisten Deutschen stolz waren auf die eigene Macht und nicht nach denen fragten, die dafür bezahlen mussten, schämte sich Konrad Adenauer, zu ihnen zu gehören; als sich sehr viele und hoffentlich die meisten Deutschen schämten, ohnmächtig waren, aber nicht verzweifelten, da war Konrad Adenauer stolz auf sie.
Von diesen Zusammenhängen und Überlegungen ist in dieser wie auch in vielen anderen Dorfchroniken gar nicht oder kaum die Rede. Dass Rassismus und Antisemitismus eine lange Tradition haben - nicht nur in Deutschland -, dss die brutale Verwirklichung der Rassenlehre durch Hitler und die NSDAP mit der Ausmerzung von Alten und Kranken begann, wovon auch Einwohner in der Lüneburger Heide betroffen waren 40) , dass die Ausrottungspolitik der NSDAP auch die Sinti und Roman einschloss, die in der Lüneburger Heide als meist umherziehende „Zigeuner“ nicht unbekannt waren und ebenfalls schon vor der eigentlichen NS-Zeit angefeindet wurden 41) , dass Hitler und seine vielen mehr oder minder gläubigen Anhänger, Mitläufer oder beflissen gehorsamen deutschen Untertanen mit Hilfe der auch in Bodenteich hergestellten Waffen die Versklavung der slawischen Völker Osteuropas und die Ausrottung ihrer Eliten betrieben - leider schon sehr erfolgreich: Das alles spielt angesichts des wirtschaftlichen Aufschwungs, den Bodenteich in der NS-Zeit nahm, für den Chronisten, den ehemaligen Gemeindedirektor, aber auch für alle diejenigen, die seiner Geschichtsdeutung kritiklos folgen, keine Rolle. Ist das nicht ein weiteres Indiz dafür, daá es sich bei der von Rassisten allen Juden unterstellten rücksichtslosen Macht - und Habgier um eine Projektion eigenen Verhaltens und eigener heimlicher Wünsche handelt?
Der Lokalstolz der Bodenteicher findet Ausdruck in dem Spruch:
"Im ganzen lieben Deutschen Reich gib's nur ein einzig Bodenteich."
Ich fürchte, Bad Bodenteich ist nicht einzigartig in Deutschland, ja nicht einmal auf der Lü- neburger Heide. - Seine beiden „Ehren“-Bürger aus der NS-Zeit haben sich - dem Beispiel
20
des „Führers“ folgend - ihrer Verantwortung durch Freitod entzogen; ihr Geist lebt wohl noch weiter, und nicht nur in den Kellergewölben der restaurierten Burg von Bad Bodenteich.
21
Anmerkungen:
1 ) Konrad Adenauer: Reden 1917 - 1967. Eine Auswahl. Hrsg. von Hans-Peter Schwarz. Stuttgart 1975. S. 84 f. Gleichlautend in: Konrad Adenauer: Erinnerungen [Band 1] 1945-1953. Stuttgart 1965. S. 44.
2) Zitiert nach Koch, H. W.: Volksgerichtshof. Politische Justiz im 3. Reich. München 1988. S. 501. Näheres zu diesem und anderen Briefen siehe a.a.O., S. 583 f., Anm. 122.
3) Klaus Mlynek: Rezension von „Der Landkreis Harburg 1918-1949. Gesellschaft und Politik in Demokratie und nationalsozialistischer Diktatur“. Hrsg. von Dirk Stegmann. Hamburg 1994. Schriften zur Volkskunde und Geschichte des Landkreises Harburg. Band 4. - In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte. Bd. 67. 1995. S. 445 ff.
4) Helmut Scharnhop: Jastorf - eine heimatgeschichtliche Betrachtung. (Schriftenreihe des Stadtarchivs. Stadt Bad Bevensen. Heft 21.) Bad Bevensen 1996. S. 38, S. 42.
5) Rolf Hillmer: Geschichte der Gemeinde Suderburg. (Schriften zur Uelzener Heimatkunde, hrsg. v. Hans Seidat, Nr. 6.) Uelzen 1986. S. 151 ff. und passim.
6) Rolf Hillmer: Geschichte der Gemeinde Eimke. (Schriften zur Uelzener Heimatkunde, hrsg. von Horst Hoffmann. Heft 10.) Uelzen 1993. S. 127 ff.
7) R. Hillmer: Geschichte ... Eimke, a.a.O., S. 165.
8) R. Hillmer: Geschichte ... Eimke, a.a.O., S. 168 f, 170 ff.
9) „Wenn man diese Zusammenhänge von Antisemitismus und Ostimperialismus, zwischen »Endlösung der Judenfrage« und einer gleichzeitigen »Gewinnung neuen Lebensraums im Osten« übersieht, dann verkennt man den wahren Charakter der nationalsozialistischen Ideologie und Programmatik. Dann verkennt man auch den wahren Charakter des Zweiten Weltkrieges. Er war vom ersten Tage an ein in der Geschichte absolut beispielloser Rassenkrieg. Sein Ziel war die Errichtung einer hierarchisch gegliederten Rassenordnung im kontinentalen und möglicherweise sogar globalen Rahmen. Dies schloß die Ausrottung und Versklavung der jüdischen wie der slawischen »Rasse« mit ein.“ Wolfgang Wippermann: Wie modern war der »Generalplan Ost«? Thesen und Antithesen. In: Mechthild Rössler; Sabine Schleiermacher; Cordula Tollnien [Hg.]: Der "Generalplan Ost". Hauptlinien der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik. Berlin 1993. S. 129.
10) Fritz Rehbein: Stederdorf - Wendesee. Vom Werden und Wesen zweier Dörfer. Peine 1978.
S. 232 f. - Ähnliche kritische Feststellungen über die Dorfchroniken wie die hier geäußerten in: Beatrix Herlemann: Der Bauer klebt am Hergebrachten. Bäuerliche Verhaltensweisen unterm Nationalsozialismus auf dem Gebiet des heutigen Landes Niedersachsen. Hannover 1993 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen. 39: Niedersachsen 1933-1945. Bd. 4.) S. 11 f. - Herlemanns Behauptung auf S. 336, dass es der bäuerlichen Bevölkerung im Verein mit den ausländischen Arbeitern und Kriegsgefangenen gelungen sei, „die deutsche Bevölkerung über die gesamte Kriegsdauer ausreichend zu ernäh- ren“, lässt die brutale Ausplünderung der von den deutschen Truppen besetzten Gebiete in
Osteuropa ebenso unberücksichtigt wie die planmäßige Beseitigung „unnützer Esser“ einschließlich der „Vernichtung durch Arbeit“.
11) International Tracing Service, HQ.: Catalogue of Camps and Prisons in Germany and German-Occupied Territories. Sept. 1st, 1939 - May 8th, 1945. IId Issue. Arolsen, April 1950. S. 117. (Zahlenangabe unter Berufung auf den Bürgermeister.)
12) Siehe auch „Niedersachsen-Stürmer“ vom 14. Januar 1939. Dort ausführlicher Bericht über die „Feierstunden in Bodenteich“ am vorhergehenden Sonntag, bei denen angeblich „die gesamte Einwohnerschaft des Fleckens Bodenteich [...] auf den Beinen“ gewesen sein soll. Der Gauleiter wird mit den Worten zitiert: „Auch heute sind wir weiter dem Führer blind ergeben“. - Bericht darüber ferner vorher in der „Allgemeinen Zeitung der Lüneburger Heide“ vom 6. Januar 1939, Nr. 5, Seite 5, 1. Beiblatt.
13) „Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide“, Nr. 76, 30. März 1933. 1. Beiblatt. Artikelüberschrift: „Fleckensausschuß in Bodenteich“.
14) Günther Bismark: Uelzen 1918-1945. Von den Roten Räten bis zum Ende der Braunen Bonzen. Der Versuche einer Dokumentation. 2. Aufl. Uelzen 1986. S. 116. - Vorher in: Ders.: Der Beginn des 1000jährigen Reiches in Uelzen. - Das Jahr 1933. In: Heimatkalender für Stadt und Kreis Uelzen 1983. S. 114.
15) „Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide“ vor allem vom: 20./21. 08.1932; vom 22.08.1932; vom 23.08.1932; vom 24.08.1932; vom 03./04.09.1932.
16) Ulrich Herbert: Best. Biographische Studien Über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft. 1903 - 1989. 2. Aufl. Bonn 1995. S. 108 f. - Best hatte am Anfang des Krieges, nun Stellvertreter Heydrichs als Chef der Sicherheitspolizei und des SD, diese NS-Prinzipien in die Tat umgesetzt, als er die Ausrottungsmaßnahmen gegen die polnische und erst recht polnisch-jüdische Elite in Nordpolen von Berlin aus organisierte, die sehr schnell in die „völkische Flurbereinigung“ einmündete und schon damals Morde an Frauen und Kindern einschloss. Nach dem Krieg wurde er 1951 in Dänemark begnadigt und gelangte - wie viele andere Angehörige der NS-Eliten - mit Hilfe der Industrie an Rhein und Ruhr und der damaligen FDP in Nordrhein-Westfalen bald wieder zu Einfluss und Wohlstand. Nach Ansicht seines Biographen ist das "als Ausdruck sowohl der Unfähigkeit wie auch der Unwilligkeit von Teilen der westdeutschen Politik und Justiz zu bewerten, die Hauptverantwortlichen für die nationalsozialistischen Massenverbrechen für ihre Taten zu bestrafen." Ulrich Herbert, a.a.O., S. 240; S. 464 ff; Zitat: S. 537. -
Martin Broszat: Nationalsozialistische Polenpolitik 1939-1945. (Fischer TB 692.) Frankfurt/M., Hamburg 1965. S. 19 ff., 41 ff. - Hans-Christan Harten: De-Kulturation und Germanisierung. Die nationalsozialistische Rassen- und Erziehungspolitik in Polen 1939-1945. Frankfurt/M., New York 1996. - Über Massenmorde auch an Frauen und Kindern im Sept. 1939: Czeslaw Madajczyk: Die Okkupationspoltik Nazideutschlands in Polen 1939-1945. Köln 1988. S. 14 ff.
17) Ingo Müller: Furchtbare Juristen. Die unbewältigte Vergangenheit unserer Justiz. Knaur TB 3960. München 1989. S. 105 ff. - Hans Wüllenweber: Sondergerichte im Dritten Reich. Vergessene Verbrechen der Justiz. Sammlung Luchterhand 909. Frankfurt/M. 1990. S. 210 ff und passim.
18) „Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide“, 30. März 1933. 1. Beiblatt. Unter „Heimatnachrichten“.
19) Reimer Egge: „Vom Stresemann zum Braunhemd“. Uelzen von 1918 bis 1948. 1. Auflage 1985. 2. Auflage 1986. S. 26, unter Berufung auf die in Uelzen erscheinende „Allgemeinen Zeitung der Lüneburger Heide“ vom 15.11.1928.
20) Über Kriegsvorbereitungen in Stadt und Kreis Uelzen siehe: R. Egge, a.a.O., S. 92 ff.Über den II. Weltkrieg als Rassekrieg von Anfang an: siehe oben, Anmerkungen 9 und 16.
21) Brief Konrad Adenauers vom 23. Februar 1946 an Pastor Dr. Bernhard Custodis, Bonn: „Nach meiner Meinung trägt das deutsche Volk und tragen die Bischöfe und der Klerus eine große Schuld an den Vorgängen in den Konzentrationslagern. Richtig ist, daß nachher nicht viel mehr zu machen war. Die Schuld liegt früher. Das deutsche Volk, auch Bischöfe und Klerus zu großen Teil, sind auf die nationalsozialistische Agitation eingegangen. Es hat sich fast widerstandslos, ja zum Teil mit Begeisterung [...] gleichschalten lassen. Darin liegt seine Schuld. Im übrigen hat man aber auch gewußt - wenn man auch die Vorgänge in den Lagern nicht in ihrem ganzen Ausmaße gekannt hat -, daß die persönliche Freiheit, alle Rechts-grundsätze, mit Füßen getreten wurden, daß in den Konzentrationslagern große Grausamkeiten verübt wurden, daß die Gestapo, unsere SS und zum Teil auch unsere Truppen in Polen und Rußland mit beispiellosen Grausamkeiten gegen die Zivilbevölkerung vorgingen. Die Judenpogrome 1933 und 1938 geschahen in aller Öffentlichkeit. Die Geiselmorde in Frankreich wurden von uns offiziell bekanntgegeben. Man kann also wirklich nicht behaupten, daß die Öffentlichkeit nicht gewußt habe, daß die nationalsozialistische Regierung und die Heeresleitung ständig aus Grundsatz gegen das Naturrecht, gegen die Haager Konvention und gegen die einfachsten Gebote der Menschlichkeit verstießen. Ich glaube, daß, wenn die Bischöfe alle miteinander an einem bestimmten Tage öffentlich von den Kanzeln aus dagegen Stellung genommen hätten, sie vieles hätten verhüten können.
Das ist nicht geschehen und dafür gibt es keine Entschuldigung. Wenn die Bischöfe dadurch ins Gefängnis oder in Konzentrationslager gekommen wären, so wäre das kein Schade, im Gegenteil. [...]“
Konrad Adenauer: Briefe 1945-1947. Rhöndorfer Ausgabe. Hrsg. von Rudolf Morey und Hans-Peter Schwarz. Band 1. Berlin 1983. S. 172 f.
22) R. Egge, a.a.O., S. 41 ff, 51 ff. - Günter Bismarck, a.a.O., S. 124 ff., Abdruck des kommunistischen Flugblatts „Der rote Ulenköper“, das im Februar 1933 in Uelzen auftauchte; S. 169 ff. Abdruck eines Flugblatts vom Februar 1935; S. 139, unter 11.8.1933, Bericht von Verurteilung auch eines Uelzener Arbeiters; S. 146, unter 8. Dezember 1933, Bericht von Gefängnis- und Zuchthausstrafen für acht Uelzener Kommunisten; S. 149, unter 19.1.1934, Bericht von der Verhaftung des Kreisleiters des Fabrikarbeiterverbanden in Uelzen, Richard Göddecke, wegen Beleidigung von NS-Funktionären. - Merkwürdig berührt, dass offenbar selbst Kommunisten glaubten, sich dem antisemitischen Zeitgeist anpassen zu müssen: Im erwähnten Flugblatt vom Februar 1935 wird gleich auf S. 1 behauptet, Dr. Goebbels spreche nur "deutsch und jidisch" (G. Bismark, a.a.O., S. 169).
23) Laut G. Bismark, a.a.O., S. 244, wurde am 1.4.1945 der 60jährige deutsche „Volksgenosse“ Paul Kerutta an seinem Arbeitsplatz erhängt, weil er nach der Explosionskatastrophe in Bodenteich geplündert hatte. Die Hinrichtung eines andern Zwangsarbeiters erwähnt Bismark nicht. - In der „Allgemeinen Zeitung der Lüneburger Heide“ Nr. 80, vom Sonnabend/Sonntag dem 7./8. April 1945, Seite 3, steht in der 4. Spalte unter „Gerichtssaal“ und unter der Über-
schrift „Wegen Plunderns erhängt“ folgende Kurzmeldung: „Der 60jährige Volksgenosse Paul Kerutta, geb. 4. Februar 1885 in Lübben (Spreewald), wohnhaft in B., Kreis Uelzen, wurde auf seiner Arbeitsstelle beim Plündern angetroffen und am Sonntag abend erhängt.“ -Vermutlich ist diese Zeitungsmeldung insofern ungenau, als sie nicht erwähnt, dass der „Erhängte“ vorher erschossen wurde, wie der ehemalige Gemeindedirektor in seinder Chronik glaubwürdig berichtet. Dessen Darstellung - und die Überlieferung in Bodenteich - ist aber wohl insofern ungenau, als der Hingerichtete kein Pole, sondern ein deutscher Staatsanghöriger aus dem Sorbenland war, vielleicht ein bekennender Sorbe und damit Slave, der möglicherweise deshalb zu Zwangsarbeit verurteilt worden war.
24) Karl Hüser, Reinhard Otto: Das Stammlager 326 (VI K) Senne 1941-1945. Sowjetische Kriegsgefangene als Opfer des Nationalsozialistischen Weltanschauungskrieges. Bielefeld 1992. S. 157 f. - Allgemein und grundlegend: Christian Streit: Keine Kameraden. Die Wehrmacht und die sowjetischen Kriegsgefangenen 1941-1945. 2. Aufl. Stuttgart 1980.
25) R. Egge a.a.O., S. 112 ff. - G. Bismark, a.a.O., S. 218: Hinrichtung eines polnischen Fremdarbeiters, dessen Geburtsort in Westfalen lag, am 15.1.1943 im Uelzener Stadtwald; alle Polen aus dem Kreis Uelzen mussten zusehen; S. 212: 11.7.1941, Verurteilung eines Juden aus Uelzen, der seine Herkunft bis dahin erfolgreich verleugnet hatte, wegen Verstößen gegen das „Blutschutzgesetz“; S. 216: 31.8.1942 Verurteilung der Klara L. aus Molzen wegen verbotenen Umgangs mit Kriegsgefangenen; S. 219: 14.5.1943, Verurteilung der 22jährigen Emmi St. aus einem Ort im Kreis Uelzen wegen verbotenen Umgangs mit einem Kriegsgefangenen. S. 265: Allgemeine Charakterisierung der Lage der Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen, Hinweis auf Hinrichtungen in Holdenstedt, Gr. Bollensen, Bostelwiebek und Bodenteich.
26) Beatrix Herlemann, a.a.O. [siehe oben, Anm. 10] S. 271 f. - S. 272, Anm 55a: Hinweis auf HStA. Hann 171a, Lüneburg 153/82, Nr. 488. - Norbert Ommler, „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal“ ... Von bestrafter Menschlichkeit einfacher Deutscher gegenüber polnischen Zwangsarbeitern, Forschungen und Materialien zur Wanderausstellung „Justiz im Nationalsozialismus - Über Verbrechen im Namen des Deutschen Volkes“ des Niedersächsischen Justizministeriums und der Niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildung - Gedenkstätte der JVA Wolfenbüttel, Bad Bevensen 2003, S. 14 ff.
27) Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide, Nr. 157, 8. Juli 1943. Unter der Rubrik und Überschrift: „Heimatnachrichten - Das Tagesgespräch - Warum Abstand zu den Fremdvölkischen?“ - Eine Nachricht über ein Zuchthausurteil des Landgerichts Lüneburg gegen ein 20jähriges Mädchen aus dem Kreis Dannenberg wegen „verbotenen Umgangs mit Kriegsgefangenen“: Allgem. Zeitung der Lüneburger Heide, Nr. 173, 26. Juli 1944.
28) Siehe hierzu auch: Beatrix Herlemann, a.a.O. [siehe oben, Anm. 10], S. 272 ff, besonders S. 275 ff. - Marlis Buchholz; Claus Füllberg-Stolberg; Hans-Dieter Schmid (Hrsg.): Nationalsozialismus und Region. Bielefeld 1996. (Hannoversche Schriften zur Regional- und Lokalgeschichte. Band 11.) S. 242 ff, S. 427 ff.
29) Ein Hinweis darauf fehlt in dem sonst sehr instruktiven Werk: Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu den Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933 - 1945. Band 2: Niedersachsen I. Regierungsbezirke Braunschweig und Lüneburg. Hrsg.: Studienkreis zur Erforschung und Vermittlung der Geschichte des Widerstands 1933-1945 und dem Präsidium der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten. Köln 1985. S. 105.
30) „Altmark-Zeitung, Heimatbeilage der Altmark-Zeitung“: 15.04.1995; 22.04.1995.„Volksstimme - Gardeleger Kreisanzeiger“: 15.03.95; 18.03.95; 30.03.95; 05.04.95; 08.04.95; 11.04.95; 12.04.95. - Eine Gesamtdarstellung des Todesmarsches in: Rainer Fröbe, Claus Füllberg-Stollberg u.a.: Konzentrationslager in Hannover. KZ-Arbeit und Rüstungsindustrie in der Spätphase des Zweiten Weltkrieges. Teil II. Hildesheim 1985. S. 536 ff. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen. XXXV. Quellen und Untersuchungen zur allgemeinen Geschichte Niedersachsens in der Neuzeit. Band 8).
31) Wolf Biermann: Alle Gedichte. Köln 1995. S. 189 ff. - Kurzbericht in: RWLE Müller: Celle-Chronik. Hildesheim 1987. S. 113.
32) Ulrike Bergemann: Soltau in der Weimarer Republik, im Dritten Reich und in der Zeit der Nachkriegszeit. 1918-1948. Hrsg. von der Stadt Soltau. Soltau 1987. S. 157 ff.
33) R. Egge, a.a.O., S. 93; S. 73: Foto des Textilgeschäfts Plaut in der Gudesstraáe aus dem Jahre 1931. - Siehe auch Bismark, a.a.O., S. 183 (Abdruck eines antisemitischen NS-Plakats wohl von 1934, in dem u. a. „S. Plaut“ als Inhaber eines Textilgeschäfts in der Gudestraáe 18/20 erwähnt wird. Laut auf gleicher Seite abgedruckter Anzeige vom 24. Januar 1934 hat Ludwig Zierath das Kaufhaus S. Plaut gekauft; in dieser Anzeige verweist der neue Eigentümer ausdrücklich darauf, „daß die Inhaber der neuen Firma rein arischer Abstammung [Fettdruck im Original] sind und dadurch das Hindernis für viele, bei uns nicht zu kaufen [doppelte Verneinung im Original], weggefallen ist.“) - S. 199 erwähnt Bismark noch den Pelzhändler Plaut, Brückenstraße. Auf S. 276 ordnet er die wohl im Jahre 1942, dem Jahr ihrer KZ-Deportation, 92jährige Clara Plaut dem Haus Brückenstraße 5 zu, ebenso die 58jährige Ella Plaut. Auf S. 185 erwähnt Bismark, dass am 05.03.1937 das Grundstück Brauerstr. 14, bisherige Eigentümerin Therese Plaut Witwe, dem Augenarzt Dr. Strobell übereignet worden sei.
34) siehe oben, Anm. 12 und 13.
35) U. Bergemann, a.a.O., S. 122 ff.
36) Dietrich Bonhoeffer: Widerstand und Ergebung. 15. Auflage. Kaiser TB 100. Gütersloh 1994. S. 15 ff. - Über den Mord an Bonhoeffer: Christoph U. Schminck-Gustavus: Der 'Prozeß' gegen Dietrich Bonhoeffer und die Freilassung seiner Mörder. Dietz-TB, Bd. 67. Bonn 1995.
37) Konrad Adenauer: Siehe oben, Anm. 1.
38) Sehr lesenswert hierzu: Fritz Stern: Der Traum vom Frieden und die Versuchung der Macht. Berlin 1988.
39) Adenauer: Siehe oben, Anm. 1 „Reden 1917-1967“: S. 84. - Ähnlich „Erinnerungen“, S. 43.
40) Siehe z.B. U. Bergemann, a.a.O. S. 116 f.
41) R. Egge, a.a.O., S. 75.
Arbeit zitieren:
Dr. phil. Norbert Ommler, 2009, Die NS-Zeit in Dorfchroniken der Lüneburger Heide, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Norbert Ommler's Text Die NS-Zeit in Dorfchroniken der Lüneburger Heide ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Norbert Ommler hat den Text Die NS-Zeit in Dorfchroniken der Lüneburger Heide veröffentlicht
Norbert Ommler hat einen neuen Text hochgeladen
So schön ist die Lüneburger Heide
Naturschutzgebiet Lüneburger Heide
Geschichte - Ökologie - Naturs...
Hermann Cordes, Thomas Kaiser, Henning Lancken
Lüneburger Heide - Geschichte & Geschichten
Ein Lexikon, das Geschichten e...
Olaf Irlenkäuser
0 Kommentare